So läuft ein Telefonat mit falschen Polizisten ab (General-Anzeiger)

BONN. Getarnt als Polizisten bringen Betrüger Senioren um ihr Vermögen. So funktioniert der Telefontrick, der durch eine geschickte Gesprächsführung gelingt und das Vertrauen in die Polizei ausnutzt.

Hunderte Senioren sind in den vergangenen Wochen in Bonn und der Region von Betrügern angerufen worden, die sich als Polizisten vorstellten. Sie nutzten dabei auch den Namen des Bonner Kripo-Chefs Norbert Wagner und versuchten, den Angerufenen ihr Vermögen abzuschwatzen. Das gelingt nicht immer. Aber wenn, ist der Schaden enorm: Im hohen sechsstelligen Bereich liegt die Beute, die Ermittlern zufolge vor allem in die Türkei gebracht wird. Von dort kommen in der Regel auch die Anrufe.

Der Trick am Telefon funktioniert durch geschickte Gesprächsführung. Ältere Menschen vertrauen der Polizei und stellen die vermeintlichen Kommissare nicht oder zu spät infrage. Wie das läuft, zeigt dieses Protokoll, das die Redaktion auf Basis von Gerichtsverfahren und Opferberichten aus dem Rheinland rekonstruiert hat. Namen und persönliche Umstände sind fiktiv.

Betrüger: Guten Tag, hier ist Kommissar Wagner von der Kripo Bonn. Spreche ich mit Frau Schmidt?

Opfer: Die Kriminalpolizei? Was wollen Sie denn von mir?

Betrüger: Sind Sie denn Frau Schmidt?

Opfer: Jaja, bin ich.

Betrüger: Frau Schmidt, hören Sie mir gut zu. Bei Ihnen hat es einen Einbruch gegeben.

Opfer: Bei mir?

Betrüger: Also nicht direkt bei Ihnen, schon ein Stück weg. Da ermitteln wir jetzt. Wir waren ganz schnell da, aber nicht schnell genug, der Täter war schon weg. Aber wir haben da einen Rucksack gefunden. Hören Sie mir zu, Frau Schmidt?

Opfer: Jaja, ich höre zu.

Betrüger: Im Rucksack haben wir ein Heft gefunden, da stand Ihr Name drin.

Opfer: Mein Name?

Betrüger: Ja, Frau Schmidt, Vorname, Nachname, Geburtsdatum, Ihre Bankdaten…

Opfer: Von der Sparkasse?

Betrüger: Genau. Kontonummern, alles. Und da stand auch was von einem fünfstelligen Betrag.

Opfer: Aber wie kommen die denn da dran?

Betrüger: Frau Schmidt, das wüssten wir auch gern, glauben Sie mir. Aber das spielt im Moment keine Rolle. Wir müssen davon ausgehen, dass die Einbrecher Sie im Visier haben. Die werden zu Ihnen kommen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Opfer: Um Gottes Willen. Was soll ich denn da machen?

Betrüger: Sie müssen keine Angst haben, wir sind ja da. Wir kümmern uns darum. Wichtig ist aber erst einmal, dass Sie ihre Wertsachen in Sicherheit bringen. Haben Sie Schmuck zu Hause?

Opfer: Von meiner Mutter noch.

Betrüger: Und Bargeld?

Opfer: Nur ein paar tausend, was man halt so daheim hat, für alle Fälle.

Betrüger: Frau Schmidt, dann machen wir jetzt Folgendes. Ich will Ihnen ja helfen. Sie packen das Geld und den Schmuck und was Ihnen noch einfällt, in eine Tasche. Und die stecken Sie in einen Müllsack und deponieren den bei den Tonnen.

Opfer: Bei den Mülltonnen?

Betrüger: Genau. Wir haben da Kollegen in Zivil postiert, verdeckte Ermittler, von denen kommt dann einer und holt das ab. Dann ist das in Sicherheit.

Opfer: Warum kommt der denn nicht klingeln?

Betrüger: Denken Sie doch mal nach, Frau Schmidt. Die Einbrecher, das sind Profis. Die stehen schon längst parat und beobachten Ihr Haus. Wenn ich da einen Streifenwagen schicke, dann wissen die doch Bescheid. Und Sie wollen doch auch, dass wir die erwischen.

Opfer: Ja, aber was hab ich denn damit zu tun?

Betrüger: Frau Schmidt, das hab ich jetzt aber nicht gehört. Sie sind dazu verpflichtet, der Polizei zu helfen. Und sprechen Sie um Himmels Willen meinen Kollegen nicht an, damit bringen Sie den in Lebensgefahr. Haben Sie das verstanden, Frau Schmidt?

Opfer: Ja, das will ich ja auch nicht. Aber ich weiß nicht.

Betrüger: Was wissen Sie nicht, Frau Schmidt? Ich habe Ihnen gesagt, ich bin Kriminalkommissar bei der Kripo Bonn. Sie sehen ja auch im Telefondisplay die 110. Das ist die Polizei, Frau Schmidt. Da müssen Sie schon Folge leisten. Sie packen das jetzt mal zusammen, und dann melde ich mich wieder.

Eine Viertelstunde später.

Betrüger: Frau Schmidt? Wagner noch mal von der Kripo. Wie weit sind Sie?

Opfer: Hören Sie, ich hab mir das überlegt.

Betrüger: Sie haben was? Frau Schmidt – Augenblick mal, ich hab den Kollegen am anderen Ende. Klaus, nein, Frau Schmidt hat das noch nicht rausgelegt. Die nimmt das hier nicht ernst, kann sein, dass du die gleich abholen musst zur Wache.

Opfer: Hallo? Natürlich nehme ich Sie ernst, es ist nur, ich würde gerne mit meiner Tochter sprechen, bevor…

Betrüger: Also das ist doch nicht zu fassen. Jetzt wollen Sie auch noch Ihre Tochter in Gefahr bringen. Jetzt ist hier Schluss mit der Höflichkeit (brüllt). Das ist hier keine Frage, ob Sie das wollen. Das ist eine polizeiliche Anordnung. Ich kann Sie auch festnehmen lassen, wenn Sie sich widersetzen.

Opfer: Aber es ist doch nur, das Geld, das ist doch mein Erspartes, wenn das weg…

Betrüger: (lacht) Frau Schmidt, jetzt machen Sie mal nen Punkt. Bei der Polizei kommt doch nix weg. Das ist ja lächerlich. Also was ist jetzt? Muss ich den Staatsanwalt einschalten oder sind Sie jetzt vernünftig?

Opfer: Und Ihr Kollege holt das dann direkt bei mir zu Hause ab? Dass an die Sachen nicht der Einbrecher dran geht, mein ich doch nur.

Betrüger: Natürlich, Frau Schmidt. Das hab ich Ihnen doch gesagt. Ich hab den noch am Ohr, Klaus, hast du gehört, die Frau Schmidt stellt das jetzt raus. Machst du schnell, ne. Und pass auf die auf, Klaus. So, Frau Schmidt, mein Kollege steht parat.

Opfer: Ich sehe niemanden.

Betrüger: Das wär ja auch noch schöner, wenn Sie unsere verdeckten Ermittler sehen könnten. Ich sag Ihnen Bescheid, sobald der sich bei mir gemeldet hat.

Frau Schmidt verliert 20 000 Euro und den Schmuck ihrer Mutter an die Verbrecher. Die wittern mehr. Schon am nächsten Tag meldet sich Kommissar Wagner erneut. „Weil Sie uns so geholfen haben, will ich auch was für Sie tun. Das kann mich in Teufels Küche bringen, weil ich Ihnen das gar nicht erzählen darf. Aber es geht um Ihre Bank. Da ermitteln wir seit Monaten gegen zwei betrügerische Sachbearbeiter. Haben Sie da noch Sparkonten? Am besten lösen Sie die auf. Überweisen Sie alles Geld auf ein sicheres Konto. Es dauert nicht mehr lange, dann lassen wir die beiden hochgehen. Aber was dann weg ist, ist weg. Wie gesagt, ich hätte das gar nicht erzählen dürfen, Sie dürfen da mit niemandem drüber sprechen. Nur, weil Sie so nett waren, da will ich nicht mit ansehen, wie Sie Ihr Erspartes verlieren.“

Quelle: General-Anzeiger Bonn, Stefani Geilhausen, 21.02.2019
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