Schenkung – So müssen Sie beim Vererben Ihrer Immobilie keine Steuern zahlen

Gib lieber mit warmer als mit kalter Hand. Das Sprichwort beschreibt eine der gängigsten Methoden, den Pflichtteil zu reduzieren.  Die Eltern verteilen ihr Vermögen bereits zu Lebzeiten an Menschen ihrer Wahl. Das Kalkül dahinter: Je weniger im Erbfall noch vorhanden ist, desto weniger können unliebsame Erben und der Fiskus beanspruchen.

Dabei müssen Erblasser jedoch schon früh an ihre künftigen Erben denken. Denn es gibt einen sogenannten Pflichtteilsergänzungsanspruch. Nur Schenkungen, die mindestens zehn Jahre vor dem Tod des Erblassers erfolgt sind, werden nicht ins Erbe eingerechnet. Geschenke hingegen, die der Erblasser bis zu zehn Jahre vor seinem Tod gemacht hat, werden dem Nachlass, der  für die Höhe des Pflichtteils ausschlaggebend ist, fiktiv hinzugerechnet.

Möglichst früh mit dem Schenken beginnen

Grundsätzlich wird dabei der Wert zum Zeitpunkt der Schenkung berücksichtigt. Seit der Erbschaftsreform 2010 gibt es jedoch eine wichtige Änderung. Für alle Erbfälle, die nach dem 1. Januar 2010 eingetreten sind, gilt: Der anzusetzende Wert verringert sich über die Jahre. „Pro Jahr gewährt der Gesetzgeber einen Abschlag von zehn Prozent“, erklärt Romana Traichel, Fachanwältin für Erb- und Familienrecht aus München.

Wer also frühzeitig verschenkt, kann die Höhe des Pflichtteilsergänzungsanspruchs über die Jahre stetig nach unten drücken. Und nach Ablauf der zehn-Jahres-Frist beträgt er im Idealfall sogar Null Euro. Wer sichergehen will, dass Schenkungen nicht mehr im Pflichtteil berücksichtigt werden, sollte deshalb früh mit dem Schenken beginnen.

Durch Schenkungen reduziert der Erblasser auch die Höhe des später zu versteuernden Erbes. Denn für Schenkungen gelten weitestgehend dieselben Steuerfreibeträge und Steuerklassen wie fürs Erbe. Einen Unterschied gibt es bei Eltern und Großeltern, deren Freibetrag bei Schenkung nur bei 20.000 Euro liegt. Zudem unterliegen sie Steuerklasse II statt I.

  • Ehepartner: 500.000 Euro (Steuerklasse I)
  • Kinder, Stief- und Adoptivkinder, Enkel, deren Eltern verstorben sind: 400.000 Euro (Steuerklasse I)
  • Enkel: 200.000 Euro (Steuerklasse I)
  • Geschwister, Kinder der Geschwister, Stiefeltern, Schwiegerkinder, Schwiegereltern, geschiedene Ehe- oder Lebenspartner: 20.000 Euro (Steuerklasse II)
  • Alle anderen: 20.000 Euro (Steuerklasse III)

Gerade wenn es um sehr hohe Summen geht, kann sich die Schenkung lohnen. Denn die Freibeträge für Schenkungen gelten alle zehn Jahre aufs Neue.

Rechenbeispiel:

Frau Schulz verfügt über ein Vermögen von drei Millionen Euro. Die möchte sie gerne ihren zwei Kindern vermachen. Würde sie das Geld auf einmal vererben, müssten die Kinder dafür zusammen 418.000 Euro Erbschaftsteuer zahlen (Bei einem Freibetrag von insgesamt 800.000 Euro müssen 2,2 Millionen Euro mit 19 Prozent versteuert werden).

Fängt sie hingegen früh genug mit Schenkungen an, kann sie die Steuerlast stark verringern. Schenkt sie etwa 20 Jahre vor ihrem Tod die maximal mögliche Summe an ihre Kinder und zehn Jahre vorher erneut, dann bleiben nur noch 1,4 Millionen Euro an Erbe übrig (Schenkungsfreibetrag: zweimal 800.000 Euro).

Abzüglich der Erbschaftsteuerfreibeträge von insgesamt 800.000 Euro fällt so nur eine Erbschaftsteuer von 90.000 Euro an (15 Prozent von 600.000 Euro). Die Kinder bekommen am Ende also fast 330.000 Euro mehr.

Tipp:

Gibt es zwei Elternteile, die jeweils über ein eigenes Vermögen verfügen, können sie ihren Kindern sogar die doppelte Summe steuerfrei schenken. Die Freibeträge gelten nämlich pro Schenkung.

Gemischte Schenkungen verringern den Pflichtteil

Es gibt auch Fälle, in denen die Zehn-Jahres-Frist nicht gilt. Die Geschenke werden dann immer berücksichtigt. „Das gilt zum Beispiel, wenn sich die Eltern gegenseitig beschenken oder ihr Geschenk mit einem Nießbrauchsvorbehalt kombinieren“, sagt Julia Roglmeier, Partnerin der auf Erb- und Familienrecht spezialisierten Kanzlei Roglmeier & Demirci.

Und das ist gar nicht so selten. Die Eltern übertragen in dieser Konstellation zum Beispiel ihr Mietshaus an die Tochter und vereinbaren zugleich, dass Vater und Mutter nach wie vor die Mieten kassieren dürfen. Damit sind sie wirtschaftlich gesehen noch immer Eigentümer.

Solche gemischten Schenkungen – also Präsente, die mit einer Gegenleistung verknüpft sind – helfen aber dennoch, den lästigen Pflichtteil zu minimieren. Der Grund: „Die Gegenleistung verringert zugleich den Wert des Geschenks und damit letztlich wieder den Pflichtteilsergänzungsanspruch“, erläutert Roglmeier.

Regel gilt für diversen Gegenleistungen

Beispiele für solche Gegenleistungen sind neben einem Nießbrauchsvorbehalt etwa Wohnrechte, Grabpflege oder die elterliche Pflege im Alter. Auch wer Rückforderungsklauseln vereinbart, schmälert den Wert seiner Gaben – zumindest sieht es das Oberlandesgericht Koblenz so (Az. 9 U 166/01). Das Haus soll zum Beispiel wieder an die Eltern zurückfallen, wenn der Sohn insolvent wird, stirbt oder sich scheiden lässt.

Gemischte Schenkungen können zudem den Schenker absichern, damit er nicht vor Ende seines Lebens ohne alles dasteht. Hat er etwa alles an seine Kinder verschenkt und verkracht sich mit ihnen, so hat er keine Möglichkeit mehr, über sein Vermögen zu bestimmen. Vermacht jemand seinen Kindern also etwa sein Haus, so sollte er überlegen, sich ein lebenslanges Wohnrecht einräumen zu lassen. Bei einem Mietshaus sollte er sich das Nutzungsrecht sichern.

Freibeträge für Erbschaften:

Bei Erbschaften gelten ähnliche Freibeträge wie bei Schenkungen. Überschreitet das Erbe den Freibetrag, gilt der jeweilige Steuersatz für jeden Euro, der über der Grenze liegt.

Diese Freibeträge und Steuerklassen gelten bei einer Erbschaft

Erbe, Erbschaftssteuer, Immobilien, Schenkung

Quelle: Bundesfinanzministerium /eigene Darstellung

So viel Steuern müssen Erben zahlen

Erbe, Erbschaftssteuer, Immobilien, Schenkung

Quelle: Bundesfinanzministerium /eigene Darstellung

 

Familienbanden lohnen sich im Bereich der Erbschaftsteuer also besonders. Noch deutlicher werden die Unterschiede, wenn es nicht nur um Geldvermögen geht, sondern um Immobilien. Wenn die vom Ehepartner oder den Kindern bewohnt werden und das auch noch zehn weitere Jahre lang, dann bleibt die komplette Immobilie steuerfrei.

Quelle: focus.de, 18.10.2017

Schreibe einen Kommentar