Organmangel in Deutschland! Spendebereitschaft läuft ins Leere.

Die Organspende in Deutschland ist schlecht organisiert: Ärzte erkennen mögliche Organspender oft nicht – oder melden sie bewusst nicht. Darum sinkt die Zahl der Organspenden, obwohl viele Menschen spenden wollen – so Recherchen der ARD.

Von Patrick Hünerfeld, SWR Baden-Baden

Rund 70 Prozent der Menschen in Deutschland sind bereit, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Diese große Spendebereitschaft ist seit Jahren stabil. Sogar die diversen Transplantationsskandale haben daran nichts geändert. Dennoch ist die Zahl der Organspenden massiv gesunken. Der Grund: In vielen Krankenhäusern fehlt das Bewusstsein für die Organspende. Zudem haben die Kliniken oftmals wenig Interesse daran, Organspenden durchzuführen. Die Folge: Bei vielen möglichen Organspendern kommt es nicht zu einer Spende. Das zeigen Recherchen der ARD für die Fernsehdokumentation „Die Story im Ersten: Organspende – zwischen Tod und Hoffnung“ (23.01., 22.45 Uhr im Ersten).

 

Die Mär von den vergraulten Organspendern
tagesschau24 15:00 Uhr, 23.01.2017, Patrick Hünerfeld, SWR

Undankbare Aufgabenverteilung

Mehr als 1300 sogenannte Entnahmekrankenhäuser gibt es bei uns. Diese haben die undankbarste Aufgabe im Räderwerk der Organspende: Sie sollen mögliche Organspender identifizieren, melden und dann die Organentnahme durchführen. Für Ärzte und Pflege auf den Intensivstationen bedeutet das vor allem zusätzliche Arbeit. Sie müssen mit den Angehörigen sprechen, zusätzliche Untersuchungen durchführen – oftmals zu Lasten anderer Patienten, die im Gegensatz zum möglichen Organspender noch eine Chance auf Heilung haben.

Organspende – kein Gewinn für Kliniken

Sterbebegleitung oder Organspende – das ist eigentlich die Frage, wenn bei einem Patienten der Hirntod droht. Doch in vielen Krankenhäusern wird diese Frage gar nicht mehr gestellt. Kein Wunder: Wenn die Ärzte sich entscheiden, den sterbenden Patienten sterben zu lassen, dauert das vielleicht einen halben Tag. Dann ist das teure Intensivbett wieder frei für einen neuen Patienten, der Geld in die Klinikkasse bringt.

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