Langzeit-Studie zeigt-Glutenfreie Ernährung bringt gesunden Menschen gar nichts

Seagull_l Quinoa feiert einen Siegeszug als glutenfreie Weizenalternative: Doch gesunden Menschen bringt eine glutenfreie Ernährung nichts, zeigt eine Langzeitstudie

Glutenfreie Ernährung liegt vor allem in den USA im Trend. Auch in Deutschland traut sich manch gesundheitsbewusster Esser nicht mehr an das Weizenklebereiweiß. Eine neue Studie zeigt jetzt aber: Gesund ist das nicht – und kann womöglich sogar Nachteile bringen.

Jeder zehnte amerikanische Haushalt verzichtet auf Gluten. Die Gründe sind vielfältig: Bei Menschen mit angeborener Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie) löst das Eiweiß eine Dünndarmentzündung mit teils heftigen Darmbeschwerden aus. Auch Blutarmut, Blähungen oder Osteoporose können die Folgen sein. Einige andere Menschen leiden an Weizenallergie oder Gluten-Sensitivität. Aber auch populäre Bücher wie „Wheat Belly“ („Weizenwampe“) des Arztes William Davis sagen dem Protein als vermeintlich ungesund und dickmachend den Kampf an.

Eine Studie zeigt jetzt: Glutenfreie Ernährung bringt Gesunden nichts

Für die Herzgesundheit bringt glutenfreie Kost jedoch keine Vorteile, zeigt jetzt eine neue US-Langzeitstudie, die im „British Medical Journal“ veröffentlicht wurde. Vielleicht ist das Weglassen von Gluten sogar ungünstig: Denn mit dem Gluten reduzieren Viele auch ihren Vollkornkonsum, der das Herz zu schützen scheint.

„Basierend auf unseren Daten ist eine glutenarme Diät nur mit dem Ziel Herzgesundheit nicht zu empfehlen“, resümiert der Gastroenterologe und Mitautor Andrew Chan von der Harvard School of Medicine.

Ein freiwilliger Verzicht auf Gluten, das in Weizen und weiteren Getreidearten enthaltene Klebereiweiß, bringt keine Vorteile für die Herzgesundheit. Das geht aus Gesundheits- und Ernährungsdaten von rund 110.000 Amerikanern über 24 Jahre hinweg hervor. US-Forscher stellten die Metaanalyse jetzt im „British Medical Journal“ vor.

Wer auf Gluten verzichtet könnte Schutz vor Herzkrankheiten verlieren

Sie hatten gesunde, nicht an Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie) leidende Teilnehmer nach deren Gluten-Konsum in fünf Gruppen eingeteilt und deren Herzgesundheit betrachtet. „Sogar in der Gruppe mit dem niedrigsten Gluten-Konsum gab es dieselben Raten an koronarer Herzerkrankung wie in der Gruppe mit dem höchsten Konsum“, so Mitautor Andrew Chan von der Harvard School of Medicine.

„Gluten ist selbstverständlich schädlich für Menschen mit Zöliakie“, betont Autor Benjamin Lebwohl (Columbia University). Aber durch populäre Diätbücher glaubten viele Menschen, dass eine Gluten-arme Diät für jeden gesund sei. Wer aber auf Vollkorn-Produkte verzichte, laufe auch Gefahr, gleichzeitig deren schützenden Effekt vor Herzerkrankungen zu verlieren.

Studie zeigt: Deshalb haben zwei Drittel der Gluten-Intoleranten gar keine Symptome

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Auch Deutsche Experten warnen vor unnötigem Gluten-Verzicht

Martin Raithel vom Waldkrankenhaus Erlangen, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) sowie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie (DGAKI), sieht das ähnlich. „Vor allem B-Vitamine können das Herz schützen“, sagt er.

Ballaststoffe aus Vollkörnern sind zudem wichtige Bestandteile für die Darmflora, regulieren die Darmtätigkeit und lassen den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen. Wer Getreide ohne Grund meide, halte dem Körper zugleich wichtige Polyamine vor, etwa Weizenkeimöl, so der Experte.

Mit Blick auf die Herzgesundheit stelle die Studie keine kausalen Zusammenhänge her, aber sei insgesamt sehr detailliert gemacht und über diesen langen Zeitraum auch aussagekräftig, sagt Raithel.

Nur zwei bis drei Prozent der Menschen leiden an Zöliakie

Nach seinen Worten haben in Deutschland etwa zwei bis drei Prozent der Menschen Zöliakie. Ein weiteres Prozent leide an Weizenallergie oder Gluten-Sensitivität. „Die Zahlen der Weizen- oder Glutensensitivität werden in der Öffentlichkeit und in den Medien generell überschätzt.“

Um Klarheit zu bekommen, empfehlen Experten, bei anhaltenden Darmbeschwerden nicht mit Selbst-Tests aus dem Internet oder beim Heilpraktiker Hilfe zu suchen, sondern sich beim Arzt diagnostizieren zu lassen.

Quelle: Focus online, 07.05.2017

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