Krankenversicherungen: Die Zwei-Klassen-Gesellschaft in der PKV

Die Situation der privaten Krankenversicherung verbessert sich, wie der sogenannte Map-Report zeigt. Doch bei einigen Versicherern gibt es auch Grund zur Sorge, denn die Probleme häufen sich.

Wachsende Kluft zwischen privaten Versicherern

Private Krankenversicherer (PKV) gelten für manche als dekadente Alternative zur gesetzlichen Versicherung. Die Hoffnung auf eine Bevorzugung im Wartezimmer und luxuriöse Behandlungen im Krankenhaus bescheren ihnen jährlich tausende neue Versicherte. Doch nicht alle Versicherer konnten zulegen.

Entwicklungen Privater Krankenversicherer

Der Map-Report nahm die Entwicklung von Beitragseinnahmen und Bestandsentwicklung im Zeitraum von 2007 bis 2016 unter die Lupe. Die Versicherungen verloren über diesen Zeitraum hinweg unter dem Strich Kunden, seit 2012 gibt es jedoch wieder mehr Zugänge als Abgänge.

Top 5: Envivas

Als „einzige private Krankenversicherung“ bietet die Envivas Krankenversicherungs AG „maßgeschneidert Tarife für eine bestimmte gesetzliche Krankenkasse“, nämlich für die Kunden der Techniker Krankenkasse. 104 Millionen Euro Beitragseinnahmen brachte das im vergangenen Jahr – das ist ein Plus von 7,5 Prozent.

Top 4: R+V Versicherung

Fast fünf mal so viel nahm die R+V Versicherung im vergangenen Jahr ein und steigerte die Bruttobeiträge auf 506 Millionen Euro. Damit konnte die Versicherung, die den Genossenschaftsbanken gehört, ihre Beitragseinnahmen um 8,5 Prozent ausbauen. Und auch im ersten Halbjahr 2017 ging es weiter bergauf.

Top 3: Concordia

Ein geringes Beitragswachstum bescheinigt der Map-Report den privaten Krankenversicherungen insgesamt in seiner Bilanzanalyse. Dabei gelten Zuwächse wie bei der Concordia als überdurchschnittlich. 54 Millionen Euro konnte die Versicherung, hier die Hauptdirektion in Hannover, im Analysezeitraum einnehmen – und die Beitragseinnahmen so um 8,6 Prozent steigern.

Top 2: W&W – Wüstenrot & Württembergische-Gruppe

Grund für das branchenweit geringe Wachstum des Neugeschäfts sind laut Map-Report unter anderem Beitragserhöhungen. Die W&W – Wüstenrot & Württembergische-Gruppe konnte sich von der mauen Marktentwicklung abkoppeln. Sie steigerte ihre Beitragseinnahmen um 9,1 Prozent auf 216 Millionen Euro. Ebenfalls auf ein Plus von 9,1 Prozent kam die Mecklenburgische. Bei ihr stiegen die Beitragseinnahmen damit um 18 Millionen Euro.

Flop 5: Gothaer Versicherungsbank

Doch nicht allen PKVs geht es so gut, bei vielen sind die Beitragseinnahmen rückläufig. Die Gothaer nahm 824 Millionen ein, ein Minus von 0,5 Prozent. Sie ist damit eine von zwölf PKV-Anbietern mit negativer Entwicklung.

Flop 4: Signal Iduna

Trotz 2 Milliarden Euro Beitragseinnahmen keine guten Nachrichten für die Signal Iduna: Sie „floppt“ mit einem Rückgang von 0,6 Prozent.

Flop 3: Deutscher Ring

Die aufgehende Schere macht sich besonders beim Deutschen Ring bemerkbar. Der versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG), der im Gleichordnungskonzern mit der Signal Iduna auftritt, konnte nur 651 Millionen Euro einnehmen. Für den VVaG, an dessen Spitze Aufsichtsratsvorsitzender Reinhold Schult steht (hier mit dem ehemalige Vorstandsvorsitzende Wolfgang Fauter), bedeutet das einen Rückgang von 1,7 Prozent.

Flop 2: Central Versicherung

Trotz Innovationen und dem Versuch, mit moderner Technologie Kunden zu gewinnen, verzeichnet die Central Versicherung ein Minus von 2,16 Prozent im Analysezeitraum. Gegen den Rückgang hilft auch die neue App nicht, mit der Kunden ihre Mitgliedschaft verwalten können. 1,9 Milliarden Euro Beitragszahlungen nahm die Central dennoch ein.

Flop 1: Hanse Merkur

Schlusslicht ist die Hanse Merkur: Mit 1,15 Milliarden Euro Beitragseinnahmen verzeichnet sie ein Minus von 2,18 Prozent. Laut der Analyse gehört sie mit über einer Milliarde Euro Einnahmen aber trotzdem zu den Schwergewichten der Branche. Seit 2012 konnte die Hanse Merkur ihren Versichertenbestand ausbauen.

Schuld sind die Niedrigszinsen

Neben dem Bestandsverlust macht der Report aber auch das niedrige Zinsniveau für die maue Entwicklung verantwortlich. Die schrumpfenden Kapitalerträge gelten als eine große Gefahr für die gesamte Branche.

Schuld sind die Niedrigszinsen

Neben dem Bestandsverlust macht der Report aber auch das niedrige Zinsniveau für die maue Entwicklung verantwortlich. Die schrumpfenden Kapitalerträge gelten als eine große Gefahr für die gesamte Branche.

Quelle: Wirtschaftswoche.de, 27.08.2017

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