Krankenhäuser schlagen Alarm: Ärzte sollen in zwei Minuten über Notfall entscheiden

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dpa/Armin Weigel Ein Krankenwagen fährt vor die Notaufnahme der Klinik.

Seit April gilt die neue Notfall-Regelung. Danach soll ein Arzt in Rekordzeit klären, ob ein Patient in der Notaufnahme zu einem niedergelassenen Arzt geschickt werden kann oder sofort in der Klinik behandelt werden muss. Gefährdet das die Versorgung der Patienten?

Überfüllte Notfallambulanzen in Krankenhäusern, überlastete Ärzte und zunehmend genervte Patienten: Wer entscheidet wann, ob ein Notfall ein Notfall ist? Das führt wieder zu heftigen Diskussionen zwischen den rund 150.000 niedergelassenen Ärzten und den rund 2000 Krankenhäusern.

Der Vorwurf der Kassenärzte: Über die Notfallambulanzen füllen sich viele Krankenhäuser ihre Betten. Fünf Milliarden Euro im Jahr verdienten die Kliniken mittlerweile mit Leistungen, die eigentlich ambulant von niedergelassenen Ärzten erledigt werden sollten.

Die Krankenhäuser beschweren sich im Gegenzug, die Praxen seien nur begrenzt geöffnet. Zudem werde die Behandlung von Notfallpatienten nicht ausreichend honoriert. Jetzt gibt es neuen Krach – wegen der seit 1. April geltenden „Abklärungspauschale“.

Notfall oder nicht? Dafür werden zwei Minuten bezahlt

Dabei entscheidet ein Arzt, ob der Notfallpatient zu einem niedergelassenen Arzt geschickt werden kann, oder ob er weiter stationär im Krankenhaus behandelt werden muss. Die Pauschale wird tagsüber mit 4,74 Euro honoriert und nachts mit 8,42 Euro.

Das „ist definitiv unzureichend und skandalös“, klagt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Georg Baum. Denn offiziell entspreche dies gerade einmal zwei Minuten Zeit für verwaltungsmäßige Erfassung und korrekte medizinische Diagnose. Es entstehe ein immenser Zeitdruck.

Baum sagt: „Medizin in einer Zeitspanne, die nicht für ein hartgekochtes Ei reicht, das kann nicht im Sinne von Ärzten sein. Im Sinne von Patienten ist es sicherlich nicht.“

So haben Ärzte mehr Zeit für die „echten“ Notfälle

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes (Gesetzliche Krankenversicherung), Johann-Magnus von Stackelberg, sagte der dpa, dass „die Krankenhauslobby in diesem Streit Patienten und Ärzte mit ihren Schreckensmeldungen verunsichert“, sei ärgerlich. Der Streit zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten um ambulante Behandlungen dürfe nicht auf dem Rücken der Patientinnen und Patienten ausgetragen werden. „Wir brauchen funktionierende Modelle der Zusammenarbeit.“

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, erläuterte der Nachrichtenagentur, wenn in einer ersten Abklärung entschieden werde, ob ein Patient auch ambulant von einem niedergelassenen Arzt behandelt werden kann, entlaste das die Notfallambulanzen.

Die Ärzte dort hätten dann mehr Zeit für die „echten“ Notfälle. „Für diese Abklärung hat es bisher keine Honorierung gegeben.“ Seit 1. April gebe es nun genau für diese Abklärung Geld.

Laufen Patienten Gefahr, nicht angemessen behandelt zu werden?

Nein, sagen trotz der unterschiedlichen Positionen alle drei Parteien. „Es gibt durch die neue Abklärungspauschale keinen Zeitdruck“, unterstreicht der GKV-Spitzenverband. Jeder Patient solle weiterhin so ausführlich untersucht werden wie nötig. Sei eine weiterreichende Diagnose erforderlich, könne diese natürlich entsprechend höher abgerechnet werden.

Und bei einem „echten“ Notfall wie Herzinfarkt oder Blinddarmdurchbruch spiele die Abklärungspauschale überhaupt keine Rolle. Die „Abklärung der Behandlungsnotwendigkeit“ ziele auf Fälle wie die Blase an der Ferse durch neue Schuhe, die am Sonntagmorgen um 2.25 Uhr behandelt werden sollen – und die Ärzte von echten Notfällen abhielten.

Quelle Focus online, 20.04.2017

 

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