Gesundheits-Apps: Gröhe fordert klare Qualitäts- und Sicherheitsstandards

Sie messen die Schrittzahl, geben Ernährungstipps oder medizinische Ratschläge: Gesundheits-Apps sind voll im Trend, der Markt boomt. Über 100.000 dieser Smartphone-Anwendungen stehen derzeit in den App Stores zum Download bereit. Eine neue Studie zeigt aber, wie undurchsichtig der App-Dschungel für die Verbraucher ist und welche Möglichkeiten und Risiken die Programme bergen. Gesundheitsminister Gröhe fordert deshalb klare Qualitäts- und Sicherheitsstandards.

Über 100.000 Gesundheits-Apps sind mittlerweile auf dem Markt.

Viele Smartphone-Nutzer kennen das Problem: Sie sind auf der Suche nach einer App, aber statt eines eindeutigen Ergebnisses liefert ihnen der App Store unzählige Anwendungen zum gleichen Thema. Was bei News- und Musik-Apps schon längst gang und gäbe ist, hat inzwischen auch die Gesundheitsbranche erreicht: 2045 Treffer liefert der iOS App Store allein bei der Suche nach „Gesundheit“. Bei der Eingrenzung auf das Suchwort „Schrittzähler“ sind es immerhin noch 112.

Diese Vielfalt lässt Verbraucher oftmals ratlos zurück, wie Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zu bedenken gibt: „Bei mehr als 100.000 Gesundheits-Apps ist es für Bürger, aber auch für Ärzte nicht einfach zwischen guten und schlechten Angeboten zu unterscheiden.“ Es müssten klare Qualitäts- und Sicherheitsstandards für Patienten, medizinisches Personal und App-Hersteller etabliert werden. Sein Ministerium hatte darum eine Studie zu „Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps – CHARISMHA“ am Peter L. Reichertz Institut für medizinische Informatik (PLRI) in Auftrag gegeben, die kürzlich erschienen ist.

Probleme bei Transparenz und Datenschutz

Gesundheits-Apps sind nicht nur Anwendungen, die sich mit Krankheit und Genesung befassen: Angelehnt an die Definition der WHO von „Gesundheit“, geht es um das „vollkommene körperliche, seelische und soziale Wohlbefinden“. Apps für Ärzte zur digitalen Präsentation von Röntgenbildern zählen darum ebenso dazu wie Fitness-Apps für Laien. Prävention, Gesundheitsförderung, Diagnose und Therapie sowie das Messen medizinischer Daten sind die Hauptthemen der Programme. Eine deutliche Unterscheidung zwischen Wellness- und „echten“ Medizin-Apps ist dabei für den Nutzer oft nicht auszumachen.

Trotz der thematischen Vielfalt sieht die Studie bei den meisten Anwendungen ähnliche Probleme. Die Datenschutzregeln seien häufig undurchsichtig, oftmals fehle zudem der wissenschaftliche Beleg des Nutzens, den die App verspreche. Bedenken äußert die Studie auch in Bezug auf ethische Aspekte: Wo endet die Privatheit, wo beginnt die Transparenz? Wer trägt die Verantwortung, wenn die Technik versagt? Um Apps mit eindeutig medizinischen Inhalten, die als Medizinprodukte eingestuft werden, besser kontrollieren zu können, müssen sie bereits heute beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte angemeldet werden und unterliegen dem Medizinproduktegesetz. Auch für andere Gesundheits-Apps planen Politiker nun, Leitlinien zu etablieren. Eine lückenlose, staatliche Kontrolle ist bei der unübersichtlichen Vielfalt an Angeboten allerdings schwierig. In Planung ist darum, einen Codex zu entwickeln, dem sich Hersteller freiwillig anschließen können. Er soll festgeschriebene Standards garantieren und den Verbrauchern so mehr Orientierung geben.

Gesundheitsbewusster leben mit Gesundheits-Apps

Chancen sieht Bundesminister Gröhe in Bezug auf die Gesundheitsanwendungen für das Smartphone vor allem darin, dass „für viele [Smartphone-Nutzer] Apps heute schon ein Ansporn sind, sich mehr zu bewegen, sich gesünder zu ernähren.“ Zudem könnten sie bei der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten unterstützen. Auch die Krankenkassen haben das Potenzial der Gesundheits-Apps für sich entdeckt und bieten eigene Anwendungen an. Erste Krankenversicherungen planen, gesundheitsfördernde Apps in ihr Bonus-Programm zu integrieren oder Rabatte für eine gesundheitsbewusste Lebensweise zu gewähren. Private Krankenversicherungen könnten die Gesundheitsdaten aus den Apps aber auch dafür nutzen, individuelle Tarife für Versicherte anzubieten und etwa Risikozuschläge anhand der App-Daten zu kalkulieren.

Verbraucher sollten laut den Machern der Studie beim Download einer Gesundheits-App wachsam sein: Die Beschreibungen der Apps sind häufig nicht ausreichend detailliert, der eindeutige Zweck nicht ablesbar. Die Stiftung Wartentest rät daher dazu, sich genau über die jeweilige Anwendung zu informieren: Anbieter und Impressum sollten geprüft, Kosten und Rechte recherchiert werden. Der Zweck der App muss unmissverständlich zu erkennen sein. Zudem sollten sich Smartphone-Nutzer einen Überblick darüber verschaffen, ob die jeweilige App auch tatsächlich das bietet, was sie sich wünschen. Prüfen können Verbraucher diese Kriterien anhand eines vom PLRI erstellten Fragebogens. Trotzdem treffe häufig das Prinzip „Nach dem Download ist man klüger“ auch auf erfahrene Gesundheits-App-Nutzer wie ihn zu, bestätigt Dr. med. Urs-Vito Albrecht, stellvertretender Direktor des PLRI und Herausgeber der Studie, in der Zeitschrift Life Sciences-Serie. Eines steht fest: Einen Arzt, Ernährungsberater oder Fitnesstrainer können die zahlreichen Gesundheits-Apps (noch) nicht ersetzen.

Quelle: www.Saluway.de

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