Genetische Veränderung der Zellen-Krankheit „schmolz regelrecht dahin“: US-Forscher bauen Blut zu Krebs-Zerstörer um

Mit Hilfe genetisch modifizierter Blutzellen soll es künfitg möglich sein, Krebserkrankungen schnell und effektiv zu begegnen.

Genetisch veränderte Super-Zellen, die das ganze Potenzial des menschlichen Immunsystems ausnutzen – in den Augen von Medizinern ein vielversprechender Trend im Kampf gegen Krebs. Forscher aus Seattle im US-Bundesstaat Washington nähren diese Hoffnungen jetzt weiter.

Sie haben die genetisch manipulierte Immunzellen aus der menschlichen Blutbahn zu regelrechten Krebs-Zerstörern umgebaut. Mit diesen gelang es den Ärzten innerhalb von Wochen, einen Test-Patienten komplett von Lymphknotenkrebs zu befreien. „Der Krebs schmolz regelrecht dahin“, berichtet Ken Shefveland der Associated Press (AP) von der Behandlung.

Aber auch von medizinischer Seite aus verlief die neuartige Therapie äußerst erfolgreich. Bei der Nachuntersuchung vier Wochen nach Therapiebeginn fanden seine behandelnden Ärzte keinerlei Krebs-Anzeichen mehr im Körper des Mannes. „Ich kann behaupten, dass ich vollständig geheilt bin. Wie wunderbar ist das?“, sagt Patient Ken Shefveland.

Immun-Therapie eröffnet der Krebsmedizin ganz neue Heilungsmethoden

Das Therapie-Experiment könnte ein Startpunkt für eine völlig neue Form der Krebsbehandlung sein – und obendrein eine wohl sehr effiziente. Bereits vor der Pionier-Behandlung von Shefveland wurden erste Versuchsreihen mit sogenannten CAR-T-Zellen an Menschen durchgeführt.

Vereinfacht dargestellt: Diese Zellen können von Medizinern je nach Bedarf modular zusammengestellt werden. Etwa mit Elementen, die Krebszellen aufspüren – und diese dann gezielt zerstören. Bei ersten Tests entfalteten die umgebauten, leistungsfähigeren Immunzellen bei Leukämie- und Lymphknotenkrebs-Patienten bereits heilende Wirkung.

Anti-Krebszelle „zeigt die unglaubliche Kraft des Immunsystems“

Dr. David Maloney, der am Krebsforschungsinstitut den Fachbereich für Immuntherapie leitet, ist daher begeistert von der CAR-T-Zellen-Behandlung: „Es zeigt die unglaubliche Kraft des Immunsystems.“ Sein Kollege Dr. Stanley Riddell äußert sich gegenüber der AP kritischer. „Es gibt noch viel zu lernen“, meint er.

Die Ärzte stehen vor der Aufgabe, lebensbedrohliche Nebenwirkungen zu verstehen und unter Kontrolle zu bekommen. Unter anderem kommt es offenbar immer wieder zu körperlich belastenden Überstimulierungen des Immunsystems. Außerdem kam es bei vorangegangenen Therapien bereits zu Todesfällen, wie AP unter Berufung auf Firmen berichtet, die mit der Immun-Therapie experimentieren.

Forschung gleicht noch „einem Model A Ford“

Dennoch könnten erste Immunzellen-Therapien im Laufe des Jahres 2017 in mehr Kliniken zum Einsatz kommen. Allerdings nur für wenige, bestimmte Formen von Blutkrebs. Die US-Arzneimittelkontrollbehörde entscheidet derzeit, ob zwei begrenzt wirksame Behandlungsformen, die von den Pharma-Unternehmen Novartis und Kite Pharma lizenziert sind, bereits marktreif sind und keine Komplikationen mehr hervorrufen.

Der jetzige Stand der Forschung entspricht etwa „einem Model A Ford, wir brauchen aber einen Lamborghini“, dämpft der CAR-T-Zellen-Forscher Dr. Renier Brentjens zu hohe Erwartungen. Die theoretischen Möglichkeiten seien allerdings unüberschaubar groß.

Quelle: Focus online, 12.06.2017

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