Geld oder Freizeit! Mit 65, schon früher oder flexibel: Wie Sie 2018 am besten in Rente gehen

Wer in diesem Jahr sein Arbeitsleben beenden will, hat die Qual der Wahl: Wer die Altersgrenze noch nicht erreicht hat, kann mit Abschlägen in Rente gehen. Außerdem gibt es die Option auf einen flexiblen Ausstieg auf Raten. FOCUS Online erklärt die Vor- und Nachteile der verschiedenen Wege aus dem Berufsleben.

Die eine Rente gibt es nicht mehr: Jeder Arbeitnehmer kann mittlerweile zwischen verschiedenen Alternativen wählen und den Eintrittszeitpunkt quasi selbst bestimmen. Doch für jeden Weg gelten unterschiedliche Regeln. Gemeinsam ist allen nur, dass ein bestimmtes Alter und eine gewisse Wartezeit erreicht werden müssen.

Erster Weg: normaler Rentenbeginn

Wer keine Sonderregeln nutzen kann, muss in diesem Jahr arbeiten, bis er oder sie 65 Jahre und sieben Monate alt ist (Jahrgang 1953), um die volle gesetzliche Rente zu erhalten. Weitere Bedingung: Sie haben mindestens 60 Monate lang Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt. Die gesetzliche Altersgrenze wird seit einigen Jahren für jeden neuen Jahrgang immer weiter angehoben, bis im Jahr 2031 für den Jahrgang 1964 das neue Rentenalter von 67 Jahren erreicht ist.

Tabelle 1: Reguläre Altersgrenze

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FOCUS Online / DRV

 

Als Beiträge für die Rentenkasse zählen:

  • Pflichtbeiträge
  • freiwillige Beiträge
  • Kindererziehungszeiten
  • Zeiten der Pflege von Angehörigen
  • Beschäftigungszeiten in einem Minijob

In der Regel bekommen deshalb auch Mütter eine normale Altersrente, selbst wenn sie sich nach ihrer Ausbildung nur um Haushalt und Kinder gekümmert haben. Wer die 60 Monate Wartezeit nicht erreicht, sollte unbedingt prüfen, ob durch freiwillige Beiträge oder höhere Kindererziehungszeiten ein Ruhegeld doch noch möglich ist. Das lohnt sich fast immer. Wichtig: Eine Altersrente muss immer selbst beantragt werden. Das gilt auch, wenn Sie vorher schon eine Erwerbsminderungsrente bezogen haben.

Zweiter Weg: Eher in Rente ohne Abschläge

Wenn Sie seit 45 Jahren Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt haben, dürfen Sie auf jeden Fall vorzeitig ohne Abschläge in Rente gehen. Aber: Die von der Politik propagierte „Rente mit 63“ gibt es so nicht mehr. Auch dafür steigen Jahr um Jahr die Altersgrenzen. Für alle Jahrgänge ab 1964 ist der Eintritt auf 65 Jahre festgelegt. Wenn Sie Jahrgang 1955 sind und 2018 nach 35 Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente gehen möchten, müssen Sie mindestens 63 Jahre und sechs Monate alt sein. Voraussetzung sind immer mindestens 45 Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Tabelle 2: Anhebung der Altersgrenze auf 65

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Dritter Weg: Frührente mit Abschlag

Wer nicht unter die genannte Sonderregel fällt, keine 45 Beitragsjahre aufweist, sein Arbeitsende aber trotzdem vorziehen möchte, muss Abschläge auf die Rente in Kauf nehmen. Für jeden vorgezogenen Monat vor der geltenden Altersgrenze beträgt das Minus 0,3 Prozent – also 3,6 Prozent pro Jahr. Haben Sie die oben genannten 35 Beitragsjahre noch nicht erreicht, wollen aber 2018 trotzdem mit 63 Jahren und neun Monaten aufhören, müssen Sie einen Abschlag von 6,6 Prozent schlucken (Differenz zur gesetzlichen Grenze von 65 Jahren und sieben Monaten).

Für die Rentenversicherungsdauer zählen nicht nur die reinen Arbeitsjahre. Berücksichtigt werden auch Zeiten aus einem Versorgungsausgleich, das Rentensplitting unter Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartnern, Minijobs, Berücksichtigungszeiten (zum Beispiel wegen Kindererziehung) sowie weitere Anrechnungszeiten. Das sind Lebensphasen, in denen Sie aus persönlichen Gründen keine Rentenbeiträge zahlen konnten; etwa wegen Krankheit, Schwangerschaft, Arbeitslosigkeit, Schulausbildung und Studium.

Vierter Weg: Flexibel in den Ruhestand

Viele Menschen können sich vorstellen, Rente zu beziehen und trotzdem weiterzuarbeiten. Das neue Flexi-Rentengesetz, das seit 1. Juli 2017 gilt, bietet neue Möglichkeiten für den gleitenden Übergang zwischen Arbeitsleben und Rente. Will ich schon Rente bekommen, aber auch Geld hinzuverdienen? Brauche ich noch Entgeltpunkte, um mein Ruhegeld zu erhöhen? Oder möchte ich noch gar keine Rente beantragen und weiter vom Gehalt leben?

Bei der Option Rente plus Gehalt hat der Ruheständler sofort höhere Einnahmen. Er bekommt seine Rente und profitiert vom zusätzlichen Einkommen. Wenn er will, zahlt er auch keine Rentenbeiträge mehr. Seine Rente steigt dann allerdings durch die Mehrarbeit nicht mehr an.

Beantragen Sie Ihre Rente später als zum gesetzlichen Renteneintrittsalter, fällt sie höher aus. Für jeden Monat, den sie länger arbeiten, steigt sie um 0,5 Prozentpunkte. Bei einem Eintritt zwölf Monate nach der regulären Frist bekommen Sie sechs Prozent mehr Altersruhegeld. Das Plus ist sogar noch größer, da Sie ein weiteres Jahr Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt haben.

Vom Hinzuverdienst bleibt mehr übrig

Zweiter Vorteil des neuen Gesetzes: Rentner, die Sie für eine Teilzeitbeschäftigung mit Rentenbezug entscheiden, müssen sich jetzt weniger davon anrechnen lassen. Zwar gilt das bisherige Limit von 6300 Euro (12 Monate x 450 Euro plus 2 x 450 Euro) auch für die Flexi-Rente. Doch bisher konnten die Renten bei höheren Einnahmen um ein Drittel, die Hälfte oder sogar zwei Drittel gekürzt werden.

Seit Juli 2017 gilt nun folgende Regel: Einkommen, das über der Grenze von monatlich 450 Euro oder 6300 Euro jährlich liegen, werden zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Der Verdienst in den einzelnen Monaten spielt keine Rolle. Es können zum Beispiel zweimal im Monat 1500 Euro, dreimal 1000 Euro und einmal 300 Euro sein – macht einen Verdienst von 6300 Euro in sechs Monaten. Der anrechnungsfreie Jahresbetrag ist damit ausgeschöpft.

Beispiel: Ein 64-jähriger Angestellter bekommt eine vorgezogene Altersrente von 1000 Euro. Von seiner bisherigen Firma erhält er einen Zuverdienst von monatlich 1525 Euro. Von diesem Gehalt wird der Freibetrag von 525 Euro abgezogen. Es blieben also 1000 Euro, von denen 40 Prozent, also 400 Euro, von der Rente abgezogen werden. Seine Teilrente beträgt demnach 600 Euro. Insgesamt verfügt der Flexi-Rentner über ein monatliches Einkommen von 2125 Euro.

Weitere Obergrenze für Teilrente

Es gibt allerdings noch eine zweite Obergrenze für den Hinzuverdienst. „Dazu wird der höchste Wert des Bruttoverdienstes der letzten 15 Jahre herangezogen – der so genannte Hinzuverdienstdeckel“, erläutert Denis McGee von der Deutschen Rentenversicherung.

Das bedeutet: Liegen gekürzte Rente und Hinzuverdienst zusammen über dem höchsten Einkommen der vergangenen 15 Jahre vor Rentenbeginn, wird dieser Mehrbetrag voll auf die Teilrente angerechnet. Im Beispiel waren das 600 Euro. Dazu überprüft die Rentenversicherung einmal im Jahr die tatsächlich erzielten Verdienste der Flexi-Rentner aus dem Vorjahr. Wird eine zu hohe Rentenzahlung festgestellt, muss sie ausgeglichen werden.

Quelle: focus.de, 24.01.2018

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