Vielschichtiges Angebot für betreutes Wohnen

Viele Senioren denken über betreutes Wohnen nach. Wie diese Wohnform funktioniert und was man beachten sollte – ein Überblick.

Betreutes Wohnen ist eine beliebte Wohnform im Alter. Doch hinter dem Begriff verbergen sich viele Wohnvarianten, er führt zu Missverständnissen. Serviceleistungen gehören dazu, persönliche Betreuung eher nicht. Ein Überblick.

Das Konzept: Beim betreuten Wohnen – auch Wohnen mit Service oder Seniorenwohnen genannt – leben Senioren eigenständig in Wohnungen. Inklusive ist meist eine Basisversorgung, zu der ein Hausnotruf gehört, oft auch ein Hausmeisterdienst und ein fester Ansprechpartner, der Hilfeleistungen vermittelt. Die Bewohner können gegen Entgelt Wahlleistungen wie einen Mahlzeitenservice buchen, hauswirtschaftliche Dienste oder ambulante Pflege. Solche Konzepte gibt es in unterschiedlichsten Varianten, etwa als eigenständige Wohnkomplexe inmitten eines Siedlungsgebietes, oder sie sind an ein Alten- und Pflegeheim angegliedert. Das Angebot richtet sich eher an Senioren, die sich selbstständig versorgen können.

Der Vertrag: Bewohner schließen einen Miet- sowie einen Dienstvertrag ab, der die Basisversorgung regelt. Beide Verträge sind meist verknüpft und nicht einzeln zu kündigen. Über weitere Verträge sollten die Wahlleistungen zu vereinbaren sein. „Die Leistungen sollten nach Bedarf gewählt werden können und auch wieder zu kündigen sein“, rät Gisela Rohmann, Pflegeexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Die Qualität: Betreutes Wohnen ist kein gesetzlich geschützter Begriff, verbindliche Standards gibt es nicht. Wichtig ist, dass die Wohnungen barrierefrei sind, die entsprechende Din-Norm 18040-2 gehört in den Mietvertrag. Ferner sollte im Dienstvertrag genau beschrieben werden, in welchem Umfang Leistungen abrufbar sind, zu welchen Zeiten sie zur Verfügung stehen und was sie kosten. Das gilt auch für die Wahlleistungen. In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gibt es Gütesiegel für betreutes Wohnen, die Standards definieren. Ferner legt die Din-Norm 77.800 Mindestanforderungen fest.

Die Kosten: Beim betreuten Wohnen fällt eine Miete an, plus eine Pauschale für die Grundversorgung sowie Kosten für Wahlleistungen. Die Miete orientiert sich an der ortsüblichen Vergleichsmiete, ein Aufschlag für Barrierefreiheit ist einzurechnen. Für die Grundversorgung fallen oft zwischen 60 und 150 Euro an, es gibt aber auch günstigere und weit teurere Angebote. Grundsätzlich bestehen keine einheitlichen oder festgeschriebenen Preise für betreutes Wohnen. Die Kosten müssen Senioren in der Regel selbst tragen. „Interessenten sollten genau durchkalkulieren, ob sie sich die Anlage auch leisten können, wenn sie später noch Wahlleistungen hinzubuchen müssen“, empfiehlt Rohmann. Bei Pflegebedürftigkeit können Betroffene Leistungen der Pflegekasse für einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen.

Quelle: General-Anzeiger Bonn, Annette Jäger, Fritz Himmel, 07.01.2019

Zuhause bis ins hohe Alter

Nur nicht ins Heim! Die meisten Menschen möchten, auch wenn sie älter, krank und gebrechlich werden, in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Auf die Angehörigen kommt damit eine große Last und Verantwortung zu. Aber es gibt Möglichkeiten, sich Unterstützung zu beschaffen.

Für ältere Menschen, die ausreichend Platz haben, ist die 24-Stunden-Betreuungskraft aus Osteuropa, meist aus Polen, eine gute Lösung. Sie lebt mit der zu betreuenden Person in Wohngemeinschaft, führt den Haushalt und unterstützt bei der Pflege. Im allseitigen Interesse ist es wichtig, eine gute Vermittlungsagentur zu finden, die Legalität garantiert. Das heißt, dass die Betreuungskraft rechtmäßig entsandt ist (A1-Bescheinigung) und dass Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuer bezahlt werden. Damit der alte Mensch und die Betreuerin gut zueinander passen, ist es wichtig, dass schon im Vorfeld Informationen ausgetauscht werden. Top ist eine erfahrene Betreuerin mit guten Deutschkenntnissen und positiven Bewertungen.

Benötigt die betreute Person mehr Pflege als die Begleitung beim Aufstehen, bei der Körperpflege und beim Essen, muss zusätzlich ein ambulanter Pflegedienst in Anspruch genommen werden, der meist morgens und abends ins Haus kommt und bei der Körperpflege, bei Ernährung, Mobilisation und Lagerung unterstützt. Als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung übernimmt der Pflegedienst auch häusliche Krankenpflege, verabreicht Medikamente, wechselt Verbände, setzt Injektionen. Ein seriöser Pflegedienst informiert im Vorfeld – und bei jeder Veränderung – über die jeweiligen Kosten (Kostenvoranschlag). Diese richten sich nach dem individuellen Bedarf des Pflegebedürftigen. Ambulante Pflegedienste bieten die Beratung kostenlos an und helfen in der Regel auch, die notwendigen Anträge bei der Pflegeversicherung bzw. der Krankenkasse zu stellen.

Ein wichtiges Qualitätsmerkmal eines Pflegedienstes ist die Verlässlichkeit. Über Änderungen oder Verspätungen wird man rechtzeitig informiert, und man kann den Dienst rund um die Uhr erreichen – auch an Wochenenden und Feiertagen. Die meisten Pflegebedürftigen sind dankbar, wenn sie sich nicht an zu viele Betreuerinnen gewöhnen müssen. Und ganz wichtig: Die Chemie zwischen Pflegebedürftigem, Angehörigen und Pflegenden muss stimmen, damit die Pflege bestmöglich gelingt.

Quelle: General-Anzeiger online, 27.10.2018

Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall: Für wen Aspirin gut ist – und für wen nicht

Acetylsalicylsäure, weltbekannt als Aspirin, vertreibt nicht nur Kopfschmerzen. Täglich in einer Mini-Dosis eingenommen, schützt es vor Herzinfarkt, Schlaganfall und vielleicht sogar vor Krebs. Umstritten ist allerdings, wer profitiert und wann die Nebenwirkungen überwiegen.

Während in Europa gerade die Nebenwirkungen von frei verkäuflichen Schmerzmitteln die Diskussion bestimmen, raten viele Mediziner jenseits des Atlantiks dazu, einen dieser umstrittenen Wirkstoffe täglich einzunehmen – als Schutz vor Herzinfarkt, Schlaganfall und sogar Krebs. Wir passt das zusammen?

Rundum-Hilfe: Acetylsalicylsäure, bekannt als Aspirin

Acetylsalicylsäure (ASS), weltweit bekannt unter dem Markennamen „Aspirin“, wirkt schmerzlindernd, blutverdünnend und entzündungshemmend. Gegen Schmerzen bedarf es einer höheren Dosierung – die entsprechenden Tabletten sollten nur kurzfristig eingenommen werden. Gegen das Verklumpen von Blutplättchen und bei Entzündungen wirkt schon die schwache Dosis von 75 bis 100 Milligramm. Jeden Tag und langfristig eingenommen, schützt dieses „Baby-Aspirin“ vor Thrombosen, Herzinfarkt und Schlaganfall. Ganz nebenbei soll das tägliche ASS auch einen Schutz vor Krebs, vor allem Darmkrebs, entwickeln.

Schützt das Herz, verursacht Blutungen

Allerdings streiten Mediziner darüber, wie groß der Aspirin-Schutz tatsächlich ist, welche Personen davon profitieren und wie viele Jahre der Wirkstoff eingenommen werden soll. Denn so unumstritten die positiven Effekte sind, so klar ist auch, dass selbst niedrige ASS-Mengen die Nieren belasten, den Magen angreifen und zu schweren Blutungen im Verdauungstrakt oder auch im Gehirn führen können.

In den USA, wo Aspirin in Großpackungen in jedem Drugstore erhältlich ist, schlucken 40 Prozent der Generation 50-plus täglich eine Aspirin-Tablette zur Vorbeugung. Ihren Arzt fragen dabei die wenigsten, ob es Sinn macht. Viele Mediziner, allen voran der weltweit bekannte David Agus, raten ohnehin allen Erwachsenen im mittleren Alter zum täglichen Baby-Aspirin: Männern über 45, um einem Herzinfarkt vorzubeugen, Frauen über 55, um einen Schlaganfall abzuwenden.

50- bis 59-Jährige mit Infarkt-Risiko profitieren von „Baby-Aspirin“

Die Mediziner der US Preventive Services Task Force grenzen die Empfehlung nun ein: Allen 50- bis 59-Jährigen raten sie, zehn Jahre lang täglich eine „low dose“ von 81 Milligramm zu nehmen – sofern es Risikofaktoren für eine kardiovaskuläre Krankheit gibt oder für Krebs, vor allem Darmkrebs. In diesem Alter überwiegen die schützenden Aspirin-Effektederen negative Begleiterscheinungen. Dagegen profitieren jüngere Nutzer zu wenig, bei Älteren kommt es zu oft zu Blutungen.

Die potenzielle Krebsprävention haben verschiedene Studien der letzten Jahre nahegelegt. Zuletzt stellte eine Studie der Harvard-Universität fest, dass nach mindestens sechs Jahren ASS-Konsum ein leicht rückläufiges Darmkrebs-Risiko feststellbar ist. Dafür würde sprechen, dass Entzündungen Krebs fördern, und niedrig dosiertes ASS eine starke antientzündliche Wirkung hat.

Skepsis gegenüber „Aspirin für alle“

Deutsche Experten sind allerdings wesentlich zurückhaltender. Für die Darmkrebs-Prophylaxe sehen die Forscher vom Deutschen Krebsforschungszentrum keine ausreichenden Beweise. Außerdem: Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und eine darmfreundliche Ernährung (viel Ballaststoffe, wenig rotes und verarbeitetes Fleisch, wenig Alkohol) können ebenso vorbeugen – ganz ohne ASS-Nebenwirkungen.

Herzmediziner, etwa von der Deutschen Herzstiftung, wollen die tägliche Ass-Dosis nur bestimmten Personengruppen zugestehen: Menschen, die schon einmal einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten, oder ein hohes Risiko tragen, in Zukunft einen Infarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden.

All jene, denen niedrig dosiertes ASS helfen kann, sollten sich auf jeden Fall mit ihrem Arzt absprechen und sich dann streng an die regelmäßige Einnahme halten.

Vorbeugendes Aspirin nicht eigenmächtig absetzen

Eine neue Studie der Universität Upsala hat nämlich festgestellt, dass Menschen, die schon einmal einen Herzinfarkt hatten, ein hohes Risiko für einen weiteren Infarkt haben, wenn sie das niedrig dosierte ASS absetzen. Das tun immerhin bis zu 20 Prozent der Patienten in den Jahren nach dem Herzereignis, andere nehmen das „Kardio-ASS“ nur sporadisch. Dadurch steigt die Gefahr eines weiteren Infarkts oder Schlaganfalls um fast 40 Prozent.

Bei geplanten Operationen werden Patienten oft aufgefordert, ASS eine Woche vor dem Termin abzusetzen, um die Blutgerinnung nicht zu gefährden. Viele tun es ohne Rücksprache mit dem Arzt. Dadurch kann bei einigen Menschen, die Gefahr eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls um bis zu 60 Prozent steigen. Das hat wiederum eine Untersuchung an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf ergeben, wie die „Pharmazeutische Zeitung“ berichtet.

Nebenwirkungen, Wechselwirkungen – Aspirin ist kein Bonbon

Wer täglich Aspirin schluckt und es gut verträgt, vergisst leicht, dass es auch in niedriger Dosis mit anderen Medikamenten kollidiert. Etwa, wenn jemand Mini-ASS fürs Herz und Ibuprofen gegen akute Gelenkschmerzen einnimmt.  Beide Wirkstoffe docken an denselben Rezeptoren an, dürfen daher nur mit großem Zeitabstand eingenommen werden.

Wegen der unterschiedlichen Ergebnisse für ASS – hier gut, hier schädlich – sind Mediziner noch weit davon entfernt, eine Empfehlung für den Wirkstoff auszusprechen, die für alle gilt. Auch wenn Aspirin-Tabletten allgegenwärtig sind, es sind eben keine harmlosen Drops.

Quelle: focus.de, 05.10.2017

Krankenkassen: Viele Gesundheitskarten ungültig

Viele Gesundheitskarten können seit Anfang Oktober nicht mehr in Arztpraxen eingelesen werden – für Patienten kann das eine etwas umständlichere Prozedur bedeuten. Betroffen sind der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zufolge Gesundheitskarten der sogenannten ersten Generation.

Krankenkassen haben Versicherten schon Karten der neueren und weiterhin gültigen Generation 1 Plus oder 2 zuschickt, erklärt der GKV-Spitzenverband. Ein bundesweites Problem beim Einlesen fürchtet man darum nicht. Dennoch dürfte es einige Versicherte geben, die ihre Karte nicht ausgetauscht haben. Zum Beispiel, weil sie den Begleitbrief der Kasse nicht gelesen haben und dachten, dass die alte Karte noch in Ordnung ist und man deshalb keine Neue brauche, so eine Verbandssprecherin.

Das Problem: Ob die eigene Karte nicht mehr einzulesen ist, lässt sich nicht sicher feststellen. Karten der ersten Generation tragen
das Kürzel „G1“ oben rechts auf der Vorderseite – genau wie Karten der weiterhin gültigen Generation 1 Plus. Sie seien optisch nicht zu unterscheiden, sagt die Verbandssprecherin. Klar erkennbar sind Karten der zweiten Generation, die das Kürzel «G2» tragen.

Was heißt das für Krankenversicherte, die eine „G1“-Karte haben und nicht sicher sind, ob sie diese schon einmal ausgetauscht haben? Sie können im Prinzip nur bei ihrem nächsten Arztbesuch herausfinden, ob ihr Karte einlesbar ist oder nicht. Stellt sich in der Praxis heraus, dass die Karte veraltet ist, sollte man rasch bei seiner Kasse eine neue Karte anfragen oder die alte gegen die neue Karte austauschen, wenn man diese noch ungebraucht daheim herumliegen hat.

Quelle: apotheke-adhoc.de, 04.10.2017

Trends in der Tumortherapie – Neue Medikamente, individuelle Therapien: 2017 schenkt Krebspatienten neue Hoffnung

Fast täglich erreichen uns Meldungen über Erfolge gegen Krebs. Meist handelt es sich um Ergebnisse aus dem Labor oder erste Studien mit wenigen Patienten. FOCUS Online stellt wichtige Neuerungen vor, die Patienten bereits in Anspruch nehmen oder wahrscheinlich noch in diesem Jahr erwarten können.

Rund zehn Krebsmedikamente stehen kurz vor der Zulassung.Gezielte Therapien helfen auch manchem hoffnungslosen Fall.Die klassischen Krebstherapien sind schonender und individueller geworden.

 

Jedes Jahr 500.000 Neuerkrankungen und 230.000 Tote quer durch alle sozialen Schichten, alle Altersgruppen – Krebs ist die Volkskrankheit schlechthin. Und weil Krebs auch die Angstkrankheit Nummer 1 ist, sind alle empfänglich für Nachrichten, die von „Durchbruch gelungen, endlich Hoffnung, jetzt heilbar …“ sprechen. Viele Patienten sind dann enttäuscht, wenn Ärzte doch nur die klassischen Drei anbieten können: Operation, Chemotherapie und Bestrahlung. In der Krebsforschung tut sich derzeit zwar mehr als in den Jahrzehnten zuvor. Doch der Weg zur Therapie ist weit.

FOCUS Online hat zwei Experten gefragt, welche neuen Therapien, Medikamente und Tests schon im onkologischen Alltag angekommen sind: Jürgen Krauss, Sektionsleiter Klinische Immuntherapie am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg und Ulrich Keilholz, Direktor am Comprehensive Cancer Center der Charité Berlin.

Jährlich 500.000 Krebsdiagnosen – und jede Erkrankung ist anders

Bisher sind 250 – manche Krebsforscher sprechen auch von 300 – Krebsarten und Subtypen bekannt. Sie unterscheiden sich, was Entstehungsgeschwindigkeit, Aggressivität, Neigung zur Metastasenbildung und damit Behandlungsmöglichkeiten und Überlebenschancen angeht. Die Krebsmedizin hat es jedes Jahr mit 500.000 neuen individuell unterschiedlichen Tumorgeschichten zu tun. Die Hälfte handelt von Darmkrebs, Lungenkrebs, Hautkrebs, Brustkrebs oder Prostatakrebs.

Die bedeutsamsten Neuerungen für Krebs kommen aus dem Pharmalabor. Aber auch die klassische Therapie hat sich verändert und verbessert:

OPs werden mit computergestützter Hightech-Navigation durchgeführt, oft ohne große Schnitte mit Schlüsselloch-Technik.Bestrahlungen erfolgen in unterschiedlicher Intensität und zielgenau auf den Tumor – das umliegende Gewebe wird geschont.Chemo-Wirkstoffe werden auf Basis der Tumorbiologie ausgewählt und kombiniert. Die zielgerichtete Therapie verbessert die Prognose.Die kombinierte Radio-Chemo-Therapie soll Tumore schrumpfen und weniger radikale Operationen ermöglichen.Generell wird die Therapie heute am Patienten und seinem Tumor ausgerichtet.

 

Und auch das gehört zu den Neuerungen gegen Krebs: Seit Anfang 2017 ist Cannabis zur Schmerzlinderung zugelassen worden. Für etwa 15 Prozent der Patienten, deren Krebs mit Schmerzen verbunden ist, wirkt Cannabis besser als andere Schmerzstiller.

Neue Medikamente zunächst nur im Rahmen von Studien

Mehr als 500 Krebs-Medikamente testen Unternehmen derzeit weltweit an Patienten. Laut dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller stehen etwa zehn neuartige Krebsmedikamente im Jahr 2017 vor der europaweiten Zulassung.

Die Palette reicht von einem Medikament gegen Übelkeit durch die Chemotherapie über ein Diagnosemittel zum Aufspüren von Wächter-Lymphknoten bis zu neuen Antikörpern für die verheißungsvolle Immuntherapie.

Sobald ein Mittel zugelassen ist und vom Hersteller auf den Markt gebracht wird, darf jeder Facharzt es verschreiben. In der Realität werden neueste Therapien aber nicht sofort in jeder onkologischen Praxis ankommen. Patienten bekommen sie nur im Rahmen von Studien, denn Wirkstoffe müssen ihre Alltagstauglichkeit erst unter Beweis stellen.

Neu für Brustkrebs-Patientinnen

Die Heilungsrate bei Brustkrebs liegt heute bei 80 Prozent. Bevor eine Therapie beginnt, untersuchen die Ärzte genau, welcher Brustkrebs vorliegt. Ist er aggressiv? Hormonempfindlich? Was sagt seine DNA? Danach richtet sich die Behandlungsstrategie.

Für eine noch genauere Individualisierung gibt es bald neue Medikamente:

Bei hormonempfindlichem Brustkrebs: Der Wirkstoff Ribiciclib wird für Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs nach der Menopause zugelassen. Bei HER2-positiver Brustkrebs: Eine sogenannte bispezifische Antikörper-Therapie bringt noch vor der Operation zwei Gegenspieler zusammen, das bewährte Trastuzumab (Herceptin) und das neuere Pertuzumab.In Europa bereits zugelassen, aber noch nicht auf dem deutschen Markt ist Lymphoseek (Wirkstoff Tilmanocept). Es kann Wächterlymphknoten schnell aufzuspüren, die dann untersucht werden.Die Immuntherapie hat sich bisher nur beim seltenen, aggressiven und schwer zu behandelnden  triple-negativen Brustkrebs als Hoffnung erwiesen.Relativ neu in der Brustkrebstherapie ist die intraoperative Strahlentherapie. Noch während der Tumor-OP wird der Wundherd bestrahlt. Dadurch kann die nachfolgende Strahlendosis reduziert und vor allem die Rückfallquote drastisch gesenkt werden.

Neu für Prostatakrebs-Patienten

Das sind die aktuellen Trends im Umgang mit dem häufigsten Männerkrebs:

Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs soll neben der Hormontherapie schon frühzeitig eine Chemo beginnen.

Ein MRT vor der Biopsie soll in Kombination mit Ultraschall die gezielte und schonende Biopsie erlauben.

Die PSA-Tests werden als Diagnose-Instrument zurückgefahren. Der Test auf prostataspezifische Antikörper im Blut bleibt wichtig für die Therapie-Kontrolle.

Bei der sogenannten fokalen Therapie wird nur ein Teil der Prostata entfernt – das geht aber nur, wenn ein einziger, kleiner, klar umrissener Tumor vorliegt. Vorteil: Das Risiko von Impotenz oder Inkontinenz wird minimiert.

Eine neue Wirkstoff gegen die meistverbreitete Krebsart bei Männern bekommt noch in diesem Jahr die Zulassung: Padeliporfin. Der Wirkstoff wird in die Blutgefäße des Tumors injiziert und mit Laserstrahlen aktiviert. Das lässt die Gefäße absterben und kappt die Versorgungswege des Tumors.

Neu für Darmkrebs-Patienten

Bei keiner anderen Krebsart ist der Unterschied zwischen völliger Heilung und Tod je nach Stadium der Entdeckung so extrem. Weil die Heilungsrate im Frühstadium so hoch ist, wird bei Darmkrebs viel Wert auf die Diagnose gelegt:

Ein Test auf verborgenes Blut im Stuhl gehört ab dem 50. Lebensjahr zur Krebsfrüherkennung . Ein immunologischer Stuhltest weist den Blutfarbstoff Hämoglobin mit einem Antikörper nach und ist genauer und empfindlicher als der frühere Standardtest. Die Methode ist schon länger zugelassen, musste aber aus eigener Tasche bezahlt werden.  Ab 2017 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.

Geschätzte zwei Prozent aller Darmkrebspatienten haben stark mutierte Tumorzellen, ein Signal für das Ansprechen auf eine Immuntherapie. Allerdings gibt es noch keine Tests, die diese kleine Patientengruppe herausfiltern können.

Neu für Hautkrebs-Patienten

Die Diagnose „Weißer Hautkrebs“ ist sehr viel häufiger (etwa 230.000 Patienten pro Jahr), aber auch sehr viel harmloser als der Schwarze Hautkrebs mit 22.000 Neudiagnosen. Das Melanom bildet sehr schnell Metastasen und verläuft daher für 3000 Patienten pro Jahr tödlich.

Während Formen des Weißen Hautkrebses mit Salben wie Imiquimod behandelt werden können,  zeigt die Immuntherapie gute Behandlungserfolge bei schwarzem Hautkrebs: Für diese Krebsart wurde schon im Jahr 2012 das europaweit erste immuntherapeutische Medikament Ipilimumab zugelassen.

Für Melanom-Patienten mit einer bestimmten Tumor-Mutation wird es bald einen weiteren Immun-Antikörper geben: Binimetinib.

Neu für Lungenkrebs-Patienten

Von den häufigen Krebsarten hat Lungenkrebs die schlechteste Überlebensrate. Aber: Zielgerichtete Therapien und Immuntherapien zeigen hier Erfolg, besonders beim nicht-kleinzellige Lungenkrebs (NSCLC). Er macht 80 Prozent der Bronchialkarzinome aus.

Immuntherapien mit Nivolumab oder Pembrolizumab für metastasierten NSCLC zeigten eine Lebensverlängerung von zwei bis drei Jahren – gegenüber zehn Monaten mit Standardtherapie.

Für die Immuntherapie von NSCLC gibt es bald auch den Wirkstoff Atezulizumab. Der sogenannte Checkpoint-Inhibitor wirkt, indem er die Inaktivierung von Immunzellen aufhebt.

Zielgerichtete Therapien stehen allerdings nur für Patienten mit nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen zur Verfügung, die bestimmte molekularbiologische Merkmale aufweisen.

Komme ich für eine Therapie in Frage?

Vor allem die vielversprechenden Immuntherapeutika werden zunächst nur in spezialisierten Krebszentren zum Einsatz kommen, nicht in der ambulanten Onkologie. Die Gründe:

Die neuen Therapien kommen nur für einen Teil aller Patienten in Frage, deren Tumore bestimmte Eigenschaften haben.Nur Patienten mit fortgeschrittener Krankheit werden derzeit behandelt.Die Substanzen können das Immunsystem gegen Krebszellen scharf machen, es aber auch zu schweren Autoimmunreaktionen anstacheln.Die Krebszentren selbst, wie etwa das CCC an der Charité,  oder Organisationen wie der Krebsinformationsdienst und die Deutsche Krebshilfe informieren, wer für neue Behandlungen geeignet ist.

Quelle: focus.de, 04.10.2017

Personalmangel in der Altenpflege „Wir laufen auf eine Katastrophe zu“

Kurz vor der Wahl wird der Pflegenotstand zum Thema. Im Interview spricht Ökonom Stefan Sell von Niedriglöhnen und Personalmangel – und erklärt, weshalb Altenpfleger in die Gewerkschaft eintreten sollten.

Ein Interview von

Selten hat eine Bürgerfrage in einer Wahlsendung so viel Wirkung erzielt wie die von Alexander Jorde: Am 11. September konfrontierte der angehende Krankenpfleger in der ARD Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit seinem Berufsalltag. Die Würde des Menschen, laut Grundgesetz eigentlich unantastbar, werde in Wirklichkeit in Deutschland „tagtäglich tausendfach verletzt“. Es gebe einfach zu wenig Pflegepersonal.

Seitdem präsentiert vor allem die SPD Vorschläge gegen den Pflegenotstand: Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert ein Lohnplus von 30 Prozent für Altenpfleger. Parteichef Martin Schulz verspricht einen „Neustart in der Pflegestruktur“ binnen 100 Tagen und verbindliche Personalschlüssel – wofür sich auch Merkel einsetzen will.

Der Koblenzer Ökonom und Sozialwissenschaftler Stefan Sell befasst sich seit Jahren mit den Missständen in der Pflege. Er kritisiert, dass die Pflegemisere vor dem TV-Auftritt des Pflege-Azubis überhaupt keine Rolle im Wahlkampf gespielt habe und in den Programmen der Parteien stiefmütterlich behandelt werde. Tatsächlich finden sich dort – mit Ausnahme der Linken – kaum konkrete Forderungen, sondern eher unbestimmte Versprechen, sich des Themas anzunehmen.

Entsprechend skeptisch ist Sell, dass die Pflege von einer neuen Bundesregierung tatsächlich so hoch auf die Agenda gesetzt wird, wie es die Kanzlerin und ihr Herausforderer versprechen: „Darauf würde ich nicht wetten.“

  • Stefan Sell, Jahrgang 1964, ist Professor für Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften an der Hochschule Koblenz. Auf seinem Fachblog „Aktuelle Sozialpolitik“ setzt er sich mit den Tiefen und Untiefen der Sozialpolitik auseinander.

SPIEGEL ONLINE: SPD-Kandidat Martin Schulz verspricht einen „Neustart in der Pflegestruktur“, CDU-Kanzlerin Angela Merkel spricht von einer „großen Herausforderung“. Wie groß ist der Notstand in der Pflege wirklich?

Sell: Das kommt darauf an, was Sie mit „die Pflege“ meinen – die Altenpflege oder die Pflege in den Krankenhäusern? Das sind zwei sehr unterschiedliche Systeme mit unterschiedlichen Strukturen und Problemen. Missstände gibt es zwar in beiden, aber in der Altenpflege laufen wir auf eine regelrechte Katastrophe zu: Bereits jetzt meldet die Bundesagentur für Arbeit einen flächendeckenden Mangel an Fachkräften. In Bremen – und nicht nur dort – dürfen einige Pflegeheime keine neuen Bewohner aufnehmen, weil sie nicht genügend Fachkräfte haben.

SPIEGEL ONLINE: Wieso ist die Situation in der Altenpflege noch kritischer als bei der Krankenpflege?

Sell: Altenpfleger verdienen im Schnitt bis zu 30 Prozent weniger als Krankenpfleger. Ein examinierter Altenpfleger – also eine versierte Fachkraft mit einer Ausbildung von mindestens drei Jahren – bekommt nur unbedeutend mehr als ein Helfer in der Krankenpflege, dessen Ausbildung ein bis zwei Jahre dauert. Diese Lohnlücke zwischen Alten- und Krankenpflege muss dringend geschlossen werden.

SPIEGEL ONLINE: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert genau das: ein Lohnplus in der Altenpflege von 30 Prozent. Dafür soll der Beitragssatz zur Pflegeversicherung um einen halben Prozentpunkt steigen. Reicht das?

Sell: Ein halber Prozentpunkt klingt nach wenig, bedeutet in absoluten Zahlen aber Mehreinnahmen von 7,2 Milliarden Euro im Jahr – allein für die absolut dringendste Maßnahme. Für eine gute Pflege in beiden Bereichen werden wir insgesamt noch sehr viel mehr Geld zusätzlich ausgeben müssen. Immerhin stimmt die Finanzierungsrechnung für diese erste Maßnahme: Gesundheitsökonomen haben die Kosten für gleiche Löhne in Alten- und Krankenpflege mit 5,9 Milliarden Euro berechnet. Aber das Geld muss auch bei den Altenpflegern ankommen. Das wird absehbar nicht geschehen, wenn man sich darauf beschränkt, nur mehr Geld ins System zu geben.

SPIEGEL ONLINE: Weil die Heimbetreiber das Geld in die eigene Tasche stecken würden?

Sell: Tatsächlich werden fast die Hälfte der Heime von privatgewerblichen Trägern betrieben – also von Unternehmen, deren Zweck es ist, Gewinn zu machen. Es wäre aber falsch, die Schuld allein bei ihnen zu suchen: Sie müssen betriebswirtschaftlich denken, das hat der Gesetzgeber bewusst so entschieden. Wenn man aber ein derart sensibles Gut wie die Altenpflege schon den Kräften des Marktes öffnet, muss man die Rahmenbedingungen so setzen, dass weder die Bewohner noch die Mitarbeiter darunter leiden. Und hier liegt einiges im Argen.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Sell: Es gibt in der Altenpflege keine gesetzlich verbindlichen Personalschlüssel, sondern ein indirektes System: Abhängig vom Pflegegrad der Bewohner wird der Personalbedarf berechnet, wobei sich das von Bundesland zu Bundesland unterscheidet. Für den höchsten Grad 5 gilt derzeit zum Beispiel in Bayern ein Richtwert von 1,79 Pflegekräften pro Bewohner. Auf dieser Grundlage bekommen die Heime dann Geld von der Pflegeversicherung. In der Theorie funktioniert das, in der Praxis produzieren Sie damit aber strukturell einen Personalmangel.

SPIEGEL ONLINE: Wie kommt das?

Sell: Angenommen, Sie betreiben ein Pflegeheim mit 50 Plätzen, sind voll belegt und haben ausschließlich Bewohner im höchsten Pflegegrad. Wenn Sie nun entsprechend dem Schlüssel Pflegekräfte fest anstellen, kommen Sie schnell in ein Dilemma: sobald nämlich einige ihrer Bewohner mit dem höchsten Pflegegrad versterben und die Bewohner, die Sie neu aufnehmen, niedrigere Pflegegrade haben. Für die bekommen Sie natürlich weniger Geld aus der Pflegeversicherung – auf ihrer Gehaltsliste stehen aber immer noch so viele Pflegekräfte wie zuvor. Aus diesem Grund kalkulieren die allermeisten Betreiber ihr Personal unter dem eigentlichen Bedarf.

SPIEGEL ONLINE: Sie plädieren also für verbindliche Personalschlüssel, wie ihn jetzt sowohl Kanzlerin Merkel als auch Herausforderer Schulz ins Spiel bringen?

Sell: Ja, umso mehr, als die Pflegeversicherung eine Teilkaskoversicherung ist: Sie trägt ja nur einen Teil der Kosten, den anderen müssen die Bewohner und ihre Angehörigen selbst bezahlen – oder die Sozialämter. Ohne verbindliche Personalschlüssel ist die Versuchung für Betreiber groß, das zusätzliche Geld aus der Pflegeversicherung zum Beispiel dazu zu verwenden, die Eigenbeteiligung zu senken und sich so einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Selbstverständlich müsste nicht nur ein allgemeiner und verbindlicher Personalschlüssel eingeführt werden. Auch die derzeitige Fachkraftquote von 50 Prozent darf auf keinen Fall abgesenkt werden, wie das die privaten Heimbetreiber gerade fordern. Und selbstverständlich müsste den Betreibern zugestanden werden, ihr Personal auch dann halten zu können, wenn sich die Bewohnerstruktur wie im eben beschriebenen Szenario ändert. Sonst sparen sie nämlich an anderer Stelle zum Nachteil von Bewohnern und Mitarbeitern.

SPIEGEL ONLINE: Steigen bei einem verbindlichen Personalschlüssel automatisch die Löhne in der Altenpflege?

Sell: Das bleibt abzuwarten. In jedem Fall würde der Bedarf an Altenpflegern noch einmal steigen – und zumindest in der ökonomischen Theorie müssten die Heimbetreiber ordentlich mehr Geld bieten, um überhaupt Personal zu bekommen. Allerdings besteht in der Altenpflege ein starkes Kräftegefälle zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen werden viele Heime von kirchlichen Trägern betrieben – und nach wie vor wird ihren Angestellten das fundamentale Recht zum Streik verwehrt. Und wo das nicht der Fall ist, sind zum anderen nur sehr wenige Pflegekräfte in einer Gewerkschaft, die gute Flächentarifverträge durchsetzen könnte. Man kann den Pflegekräften nur raten: Organisiert euch!

SPIEGEL ONLINE: Wenn es ohnehin bereits einen Fachkräftemangel gibt: Woher sollen die zusätzlich benötigten Altenpfleger denn kommen?

Sell: Die Lage ist tatsächlich schwierig, aber es gibt durchaus Potenzial: So steigt die Zahl derer, die eine Ausbildung absolvieren, auch weil einige Länder hier jüngst investiert und die Bedingungen verbessert haben – obwohl die Löhne so niedrig sind. Bei einem erheblichen Lohnplus dürften sich noch mehr Menschen für eine Ausbildung entscheiden. Außerdem arbeiten viele Pflegekräfte in Teilzeit, einige von ihnen könnten durch Anreize dazu gebracht werden, ihre Arbeitszeit zu verlängern. Viele Fachkräfte in der Altenpflege werden zudem durch eine qualifizierte Umschulung älterer Menschen gewonnen, das kann man weiter ausbauen. Und wenn das Berufsbild endlich aufgewertet wird, dann steigt auch die Ausbildungsnachfrage.

Quelle: Spiegel Online 22.09.2017

Ärzte raten zur rechtzeitigen Grippeschutzimpfung

Berlin – Mit Beginn der kühlen Jahreszeit naht die jährliche Grippewelle. Ärzteverbän­de, Kassenärztliche Vereinigungen (KV) sowie Ärztekammern raten vor allem Risiko­gruppen, sich auch in diesem Jahr impfen zu lassen. Nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Grippesaison: Im Winter 2016/2017 hatte das Robert-Koch-Institut mehr als 113.000 Influenzafälle registriert, mehr als 675 davon verliefen tödlich.

„Gerade ältere Menschen brauchen oft sehr lange, bis sie sich von der Infektion erholt haben“, erklärte Andreas Leischker, Impfexperte der Deutschen Gesellschaft für Geria­trie (DGG). Vor allem für ältere, chronisch kranke und immungeschwächte Menschen sowie Schwangere berge die Krankheit ein hohes Risikopotenzial. Der Berufsverband der Frauenärzte warnte, bei grippeerkrankten Schwangeren steige die Gefahr einer Frühgeburt.

Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen empfiehlt die Schutzimpfung vor allem für Risiko­gruppen. Aber auch Personen, die in Beruf oder Freizeit viel Kontakt zu anderen Menschen hätten, sollten sich impfen lassen. Da sich die Eigenschaften der Grippeviren von Saison zu Saison verändern, musste die Stammzusammensetzung der Influenza-Impfstoffe auch für dieses Jahr aus Bestand­teilen der aktuell weltweit zirkulierenden Influenza-Virustypen neu entwickelt werden. „Deshalb ist es notwendig, sich jedes Jahr gegen Grippe impfen zu lassen“, macht der Präsident der hessischen Ärztekammer, Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, deutlich.

„Es geht nicht nur um den Individual-, sondern um den Kollektivschutz“, sagte auch Wolfgang-Axel Dryden, Vorsitzender der KV Westfalen-Lippe. Je mehr Menschen gegen Grippe geimpft seien, desto schwerer könnten sich die gefährlichen Viren ausbreiten.

Laut KV Brandenburg (KVBB) sind Oktober und November die besten Monate für die Schutzimpfung. „Nach der Impfung dauert es etwa 14 Tage, bis der Körper einen ausreichenden Schutz aufgebaut hat“, verdeutlichte KVBB-Vize Andreas Schwark. Vor diesem Hintergrund hat der niedersächsische Hausärzteverband seine Mitglieder bereits vor Wochen aufgefordert, aktuelle Grippeimpfstoffe in ausreichender Menge zu bevorraten.

© hil/sb/aerzteblatt.de

Schleichendes Vergessen: Wie äußern sich Alzheimer und Demenz?

Es beginnt mit Gedächtnislücken und Sprachproblemen. Die Kranken werden orientierungslos und können sich nicht mehr erinnern. Schließlich verlieren sie ihre Selbstständigkeit und erkennen ihre Angehörigen nicht mehr. Jahr für Jahr erhalten in Deutschland rund 300.000 Menschen die Diagnose Demenz oder Alzheimer. Zum Weltalzheimertag am heutigen Donnerstag machen Verbände erneut auf die Krankheit aufmerksam, die der Nervenarzt Alois Alzheimer 1906 erstmals beschrieb. Fragen und Antworten:

Was ist Alzheimer?

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. In Deutschland gelten der Deutschen Alzheimergesellschaft zufolge heute etwa 1,6 Millionen Menschen als demenzkrank. Ungefähr zwei Drittel davon haben Alzheimer. Die Erkrankung des Gehirns führt zum Verlust von geistigen Funktionen wie Denken, Sprache, Urteilsfähigkeit und Orientierung sowie zum Absterben oder einer starken Schädigung von Gehirnzellen vor allem in der Hirnrinde.

Welche Symptome zeigen sich?

Alzheimer beginnt mit Vergesslichkeit und mangelndem Antrieb. Im weiteren Verlauf werden die gewohnten Handlungen immer schwieriger. Der Patient vergisst häufiger Worte, wird orientierungslos und kann sich nicht mehr erinnern. Einfache Handgriffe wie das Öffnen und Schließen von Knöpfen werden unmöglich. Schließlich verliert der Patient seine Selbstständigkeit und erkennt seine Angehörigen nicht mehr. Die Störungen des Denk- und Urteilsvermögens lassen ein normales Alltagslebens immer schwieriger werden. Viele Betroffene werden misstrauisch, aggressiv oder depressiv.

Was löst die Krankheit aus?

Die genauen Ursachen sind noch nicht endgültig geklärt. Das Gehirn von Alzheimerkranken weist typische Eiweißablagerungen auf. Fehlgeleitete Stoffwechselvorgänge schädigen die Nervenzellen. Die für das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit wichtigen Übertragungsstoffe im Gehirn können dann nicht mehr gebildet werden. In 90 Prozent der Fälle wirken genetische Faktoren, Alterungsprozesse und Vorerkrankungen des Gehirns und Umwelteinflüsse zusammen. In sehr wenigen Fällen gibt es eine rein erbliche Veranlagung.

Wer ist betroffen?

Zwar kann die Krankheit auch schon vor dem 50. Lebensjahr auftreten, das Alter ist aber unbestritten der größte Risikofaktor für Alzheimer. Etwa zwei Drittel der Betroffenen sind älter als 80 Jahre, fast 70 Prozent sind zudem Frauen. 2015 wurden mehr als 19.000 Alzheimerpatienten in Kliniken behandelt – fast doppelt so viele wie 15 Jahre zuvor.

Gibt es Aussicht auf Heilung?

Eine Heilung ist bislang nicht möglich. Durch eine rechtzeitige Therapie mit Medikamenten kann der Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit aber etwas hinausgezögert werden. Auch Verhaltens-, Musik- oder Erinnerungstherapien können die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Die Forschung konzentriert sich nicht nur auf Therapien, sondern auch auf die Früherkennung. Denn die Krankheit wird meist erst erkannt, wenn die geschädigten Hirnzellen unwiederbringlich verloren sind. Eine verlässliche Methode zur Früherkennung würde die Chance erhöhen, den Krankheitsverlauf zumindest zu verzögern.

Kann etwas zur Vorbeugung getan werden?

Experten empfehlen geistige, körperliche und soziale Aktivitäten zur Verringerung des Risikos, an Alzheimer zu erkranken. Empfohlen wird auch eine ausgewogene sowie fett- und cholesterinarme Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes. Untersuchungen zeigten, dass die Zunahme der Erkrankungen in manchen Ländern nicht mehr so groß ist wie erwartet. Als Grund dafür werden eine gesündere Lebensweise und rege Hirnaktivität vermutet.

Was sind die Prognosen für die Zukunft?

Bis zum Jahr 2050 wird sich die Zahl der Demenzkranken Schätzungen zufolge auf etwa drei Millionen nahezu verdoppeln, sofern kein Durchbruch in der Prävention und Therapie gelingt.

Quelle: ntv.de, 21.09.2017

 

Heime am Limit: Deutschland droht ein Aufnahmestopp für Pflegebedürftige

Die Zahl der Pflegebedürftigen ist seit Jahresbeginn deutlich angestiegen. Bei den Pflegekassen waren vergangenes Jahr 2,75 Millionen Männer und Frauen registriert. Ende Juni 2017 waren es 3,1 Millionen und damit 350.000 Menschen oder 12,9 Prozent mehr.

Das geht aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Linke-Bundestagsfraktion hervor, wie die „Passauer Neuen Presse“ vom Dienstag berichtet.

Gegenüber 1999 ist die Zahl der Pflegebedürftigen um mehr als die Hälfte (54 Prozent) gestiegen, vor acht Jahren lag sie bei zwei Millionen. Wie aus der Antwort des Ministeriums hervorgeht, werden heute auch deutlich mehr Menschen ausschließlich zu Hause von ihren Angehörigen versorgt. Hier stieg die Zahl von einer Million im Jahr 1999 auf 1,4 Millionen im Jahr 2015. Die Hälfte der Pflegebedürftigen wurde 2015 daheim betreut.

Fast doppelt so viele Pfleger wie zur Jahrtausendwende

Seit 1999 hat auch das Pflegepersonal erheblich zugenommen. Bei ambulanten Pflegediensten waren 1999 183.000 Menschen beschäftigt, 2015 waren es 355.000, also fast doppelt so viele. In Pflegeheimen stieg die Zahl der Beschäftigten von 441.000 auf 730.000.

Die Linksfraktion sieht im starken Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen ein Alarmsignal: „350.000 pflegebedürftige Menschen mehr in sechs Monaten offenbaren einen gewaltigen politischen Handlungsbedarf“, sagte Vizefraktionschefin Sabine Zimmermann der „Passauer Neuen Presse“.

Heime verhängen Aufnahmestopps

Die bisherige Politik setze auf Angehörige als „Ersatzpflegedienst der Nation“. „Während in Pflegeheimen Aufnahmestopps verhängt werden, weil Pflegekräfte fehlen, sollen die Angehörigen noch stärker in die Bresche springen“, erklärte die Linke-Politikerin.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz erklärte bereits am Montag, es gebe einen dramatischen Personalmangel und strukturelle Probleme. In der Altenpflege werde die Würde der Menschen „mit Füßen getreten in vielen Fällen“. Sollte er Bundeskanzler werden, wolle er einen „Neustart in der Pflege“ initiieren – und zwar innerhalb der ersten 100 Regierungstage. Nötig seien mehr Personal in der Pflege, eine bessere Bezahlung der Pfleger und mehr Plätze für Pflegebedürftige.

Quelle: focus.de, 21.09.2017

Ablagerungen nachweisbar: Alzheimer zeigt sich im Urin

Die genaue Diagnose der Alzheimer-Krankheit (Morbus Alzheimer) ist nicht einfach. Ein spezielles bildgebendes Verfahren kann die typischen Ablagerungen, Plaques genannt, nachweisen – es wird jedoch nicht überall angeboten, belastet den Körper des Patienten mit radioaktiver Strahlung und ist zudem sehr teuer.

Teile der Ablagerungen und Abbauprodukte aus dem nervenzerstörenden Prozess der Erkrankung lassen sich zwar auch in der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit der Patienten finden; die Entnahme dieser Flüssigkeit ist jedoch ein ziemlich starker Eingriff mit entsprechenden Risiken. Forscher sind daher auf der Suche nach einem günstigeren, weniger oder gar nicht invasiven Diagnosemittel. Wissenschaftler um Prof. Cheng am Neurologischen Institut der Medizinischen Universität Tianjin in China untersuchten daher eine weitere Quelle für Hinweise auf eine Alzheimererkrankung: den Urin. Dort lässt sich nämlich, so wie im Gehirngewebe oder der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit, bei Alzheimerpatienten das Protein AD7c-NTP vermehrt nachweisen, das unter anderem als Auslöser für das Absterben von Nervenzellen und Fehlfunktionen der Mitochondrien, der „Kraftwerke der Zellen“, verstanden wird.

Test der Diagnose-Aussagekraft anhand Urinprobe

Um die Aussagekraft einer Diagnose anhand der Urinprobe zu testen, untersuchten die Forscher 22 Patienten, die leicht bis mäßig an Alzheimer erkrankt waren, und verglichen sie mit 8 Patienten, die unter leichter Beeinträchtigung der Denkleistung (leichte kognitive Beeinträchtigung, LKB) litten. Bei allen Patienten wurde der Zusammenhang zwischen AD7c-NTP im Urin, Ablagerungen im Gehirn und klinischen Symptomen der Alzheimererkrankung oder der leichten kognitiven Beeinträchtigung untersucht.

Mithilfe eines speziell auf Alzheimerplaques zugeschnittenen bildgebenden Verfahrens wurde die Menge der alzheimertypischen Ablagerungen bei allen Patienten gemessen. Die Konzentration des AD7c-NTP-Proteins im Urin wurde in einer Laboranalyse ermittelt. Zusätzlich wurden erste Hinweise auf eine Demenzerkrankung in der Denkleistung und Verhaltensauffälligkeiten mit zwei verschiedenen Tests überprüft.

Unterscheidung von wahrscheinlich an Alzheimer erkranken Patienten

63,6 Prozent der Alzheimerpatienten (14 von 22) und 25,0 Prozent der leicht kognitiv beeinträchtigten Patienten (2 von 8) zeigten die Alzheimerablagerungen. Die Menge des AD7c-NTP-Proteins im Urin war interessanterweise höher, wenn die Patienten Ablagerungen zeigten, als wenn dies nicht der Fall war. Anhand dieses Urinwerts ließen sich damit die Patienten, die wahrscheinlich an Alzheimer erkrankt waren, von denen unterscheiden, bei denen das sicher nicht der Fall war. Die Denkleistungs- und psychiatrischen Tests schienen bis auf einen Wert dagegen nicht mit dem Urinwert übereinzustimmen. Lediglich die bei Demenzpatienten häufige Unruhe zeigte sich bei hoher AD7c-NTP-Konzentration auch verstärkt.

Die Urinkonzentration des nervenschädigenden AD7c-NTP-Proteins zeigte demnach eine gute Vorhersage über die alzheimertypischen Ablagerungen im Gehirn und spiegelte ebenso ein Verhaltenssymptom der Alzheimerdemenz, die Unruhe, wider. Damit erlaubt dieser Wert möglicherweise eine günstige, schnelle und patientenfreundliche Diagnosealternative. Die klinische Anerkennung einer solchen Diagnostik könnte eventuell auch Patienten in frühen Stadien einer möglichen Erkrankung erkennen und ihnen schneller eine optimierte Behandlung ermöglichen.

Quelle: ntv.de, 21.09.2017