Steuererklärung 2018 – Gesundheitskosten bündeln und absetzen

Kosten für Zahnersatz, Brillen oder Kuren können die Steuerlast senken. Denn diese Ausgaben erkennt das Finanzamt als außergewöhnliche Belastungen an. Voraussetzung: Die zumutbare Eigenbelastung wird überschritten.

Diese Belastungsgrenze ist unterschiedlich hoch und richtet sich nach der Höhe des Einkommens, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder. „Dazu sollte man noch vor Jahresende einen Kassensturz machen“, rät Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Lohnsteuerhilfevereine (BVL).

Der Kassensturz kann sich in diesem Jahr umso mehr lohnen, denn der Bundesfinanzhof hat eine neue Rechenregel für außergewöhnliche Belastungen aufgestellt (Az.: VI R 75/14). Danach ist sie jetzt stufenweise mit dem Teil des Gesamtbetrags der Einkünfte zu berechnen, der den im Gesetz ausgewiesenen Grenzbetrag übersteigt. Bei vielen Steuerzahlern wird die Grenze nun schneller überschritten.

Zum Hintergrund: Bestimmte Kosten dürfen als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Erst wenn die sogenannte zumutbare Eigenbelastung überschritten ist, werden die Kosten aber vom Finanzamt steuermindernd berücksichtigt.

Ein Beispiel: Ein Ehepaar mit einem Kind und einem Gesamteinkommen von 50.000 Euro muss sich eine zumutbare Eigenbelastung von 1346 Euro (bis 15.340 Euro x 2 Prozent, die darüber liegenden Einkünfte von 34.660 Euro x 3 Prozent) anrechnen lassen. Für das Ehepaar sind bis November bereits Arzt- und andere medizinische Kosten in Höhe von 1300 Euro angefallen. Im Dezember wird für die Ehefrau eine neue Gleitsichtbrille für 600 Euro bestellt und noch vor Jahresende bezahlt. Davon wirken sich 554 Euro steuermindernd aus, die beim Ehepaar beispielsweise rund 150 Euro Steuerersparnis bringen.

Wäre die Brille erst 2018 bezahlt worden und wären keine anderen größeren Kosten angefallen, hätten sich die außergewöhnlichen Belastungen weder 2017 noch 2018 steuermindernd ausgewirkt.

Quelle: ntv.de, 20.11.2017

Winterdienst und Putzhilfe – Wie das Finanzamt im Haushalt hilft

Nicht jeder kann oder will Schnee schippen und bei Glatteis streuen – und das auch noch mehrmals am Tag. Aber es gibt ja Studenten, Nebenjobber oder professionelle Anbieter, die für einen den Winterdienst verrichten – gegen Entgelt natürlich. Das Gute: Die Kosten hierfür kann man gegenüber dem Finanzamt geltend machen.

Wer Dritte im Umfeld von Haus und Garten beschäftigt, kann dies in seiner Steuererklärung auf Seite drei des Mantelbogens angeben. „Die Beträge werden von der Steuerschuld, nicht vom zu versteuernden Einkommen abgezogen“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler Deutschland in Berlin. Möglich ist laut Klocke ein Abzug von bis zu 5710 Euro pro Jahr für Haushaltshilfen, Minijobber oder Handwerker.

Auch wer nur für einige Wochen im Winter einen Dritten beauftragt, um das Haus herum Schnee zu schippen und Streugut auf den glatten Wegen zu verteilen, kann die Kosten dafür beim Finanzamt geltend machen. „Es zählen Lohn- und Arbeitskosten sowie Maschinen- und Fahrtkosten, ebenso Kosten für Reinigungs- und Schmiermittel sowie Streugut“, erklärt Markus Fischer von der Stiftung Warentest in Berlin.

Barzahlungen werden nicht anerkannt

Generell gilt, dass 20 Prozent der Arbeitskosten steuerlich abgesetzt werden können. Arbeitet im Haushalt ein Minijobber, der kocht, putzt oder bügelt, dann lassen sich bis zu 510 Euro im Jahr geltend machen. Voraussetzung: Der Minijobber ist bei der Minijobzentrale angemeldet. „Die steuerliche Höchstgrenze für Minijobber liegt bei 2550 Euro im Jahr, 20 Prozent davon sind 510 Euro“, erläutert Uwe Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine in Berlin.

Wer eine Voll- oder Teilzeitkraft für seinen Haushalt engagiert hat und für sie Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung entrichtet, kann 20 Prozent der Aufwendungen in der Steuererklärung geltend machen. Die Höchstgrenze liegt bei 20.000 Euro, man kann also bis zu 4000 Euro von der Steuerschuld abziehen. In gleicher Höhe sei ein Abzug möglich, wenn man haushaltsnahe Dienstleistungen einschließlich Pflege und Betreuung zum Beispiel von einer Agentur erledigen lässt, erklärt Klocke.

Handwerkerarbeiten, zu denen auch Wartungsarbeiten zählen, erkennt der Fiskus mit maximal 1200 Euro pro Jahr an. Diese Summe entspreche 20 Prozent von 6000 Euro Gesamtausgaben für Lohn-, Fahrt- und Maschinenkosten, rechnet Fischer vor. Verbraucher sollten unbedingt darauf achten, dass der Handwerker auf der Rechnung die Lohn- und Fahrtkosten getrennt von den Materialkosten ausweist. Denn nur für Lohn-, Fahrt- und Maschinenkosten gibt es einen Steuerabzug.

Barzahlungen werden nicht anerkannt. Das Finanzamt will eine datierte Rechnung sehen. Auf Nachfrage muss der Steuerzahler per Beleg beweisen, dass er den Betrag auf das Konto des Handwerkers überwiesen hat, wie aus einem Urteil des Finanzgerichts Düsseldorf (Az: 15 K 3449/06 E) hervorgeht.

Außerdem muss auf der Handwerker-Rechnung erkennbar sein, dass die Leistungen tatsächlich im Haushalt vorgenommen wurden. Wurde zum Beispiel die Waschmaschine von Handwerkern zu Hause abgeholt und in der Fachwerkstatt repariert, dann gibt es keinen Abzug.

Nicht rückwirkend oder im Voraus

Auch Mieter können Handwerkerarbeiten in ihrer Steuererklärung geltend machen – das ist zum Beispiel der Fall, wenn sie auf ihre Rechnung Wände streichen oder andere Schönheitsreparaturen ausführen lassen.

Mieter sollten ihre jährliche Nebenkostenabrechnung im Blick haben. So können sie ihre Anteile an den Kosten für den Hausmeister, die Treppenhausreinigung, die Fahrstuhlwartung, die Gartenarbeit und den Schornsteinfeger in ihrer Steuererklärung angeben. „Grundsätzlich lassen sich alle möglichen Varianten für einen maximalen Steuerabzug von 5710 Euro miteinander kombinieren“, betont Klocke.

Ein steuerlicher Abzug kommt nicht infrage, wenn es sich um Beschäftigungsverhältnisse mit nahen Angehörigen handelt – zum Beispiel zwischen Eltern und im Haushalt lebenden Kindern. Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse mit Angehörigen, die nicht im Haushalt des Steuerpflichtigen leben, werden anerkannt. Voraussetzung: Die Verträge sind wie unter Fremden wirksam zustande gekommen und die vereinbarten Leistungen wurden auch tatsächlich erbracht.

Für Steuerpflichtige ist es mitunter schwierig auszumachen, was unter haushaltsnahe Dienstleistungen fällt. Dazu zählen Wohnungsreinigung, Gartenpflege sowie Betreuung und Versorgung von Pflegebedürftigen. Kosten für Friseure, die ins Haus kommen, können nur dann steuerlich geltend gemacht werden, wenn man pflegebedürftig ist. „Nicht unter haushaltsnahe Dienstleistungen fallen etwa die Erteilung von Sprachunterricht oder Freizeitbetätigungen“, sagt Klocke.

Generell gilt: Haushaltsnahe Dienstleistungen können nur dann abgesetzt werden, wenn der Verbraucher auch Einkommensteuer bezahlt hat – das hat der Bundesfinanzhof (Az.: VI R 44/08) entschieden. Ein Jahr rückwirkend oder im Voraus könnten die haushaltsnahen Dienstleistungen nicht berücksichtigt werden.

Quelle: ntv.de, 16.11.2017