Nachträge im Testament möglich

Handschriftliche Ergänzungen im Testament können auch wirksam ein, ohne dass sie jeweils einzeln unterschrieben wurden. Entscheidend dafür ist, dass der Erblasser eventuelle spätere Änderungen des Testaments in der Testamentsurkunde angekündigt hat. Dies geht aus einem Beschluss des Kammergerichts Berlin hervor (Az.: 6 W 97/16), über den die Zeitschrift „NJW-Spezial“ (Heft 21, 2017) berichtet. Dann kann auch ein unterschriebener, pauschaler Vermerk zu nachträglich vorgenommenen Änderungen am oberen Rand des Testaments ausreichen, um diese erkennbar zu decken.

In dem Fall ging es um den Nachlass einer Frau. Sie hatte am oberen Rand ihres Testaments mit Datum vermerkt, dass sie nachträglich Änderungen und Streichungen vorgenommen hat. Die einzelnen Änderungen hatte die Dame dann nicht unterschrieben. Ein Nachlassgericht hielt diese Änderungen wegen der fehlenden „formgültigen Unterschriften“ für unwirksam – das Kammergericht Berlin sah das anders.

Denn die Frau hatte ihr Testament eigenhändig unterschrieben und eventuelle Änderungen in der Testamentsurkunde angekündigt. So decke die ursprüngliche Testamentsunterschrift der Dame ausnahmsweise die nachträglich angebrachten Zusätze, berichtet die Fachzeitschrift. Mit der sogenannten „Oberschrift“ der Erblasserin seien diese Änderungen in diesem Fall erkennbar gedeckt.

Prinzipiell entspricht es aber der ständigen Rechtssprechung, dass Zusätze, Änderungen oder Ergänzungen einzeln zu unterschreiben sind, erläutert die Zeitschrift. Handelt es sich dagegen um Erläuterungen, Klarstellungen oder Berichtigungen, sei die erneute Unterschrift des Erblassers entbehrlich.

Grundsätzlich unterliegt die Form des letzten Willens hierzulande strengen Vorgaben. So kann ein Testament hier nur handschriftlich oder in notariell beurkundeter Form errichtet werden. Ersteres muss vom Erblasser vollständig mit eigener Hand geschrieben, mit Ort und Datum versehen und unterschrieben sein. Ansonsten ist es unwirksam. Bei Letzterem nimmt ein Notar den vom Testierenden geäußerten Willen in eine Urkunde auf. Nur im Notfall kann auch ein sogenanntes „Drei-Zeugen-Testament“ ohne diese Auflagen auskommen.

Quelle: ntv.de, 24.10.2017

Schenkung – So müssen Sie beim Vererben Ihrer Immobilie keine Steuern zahlen

Gib lieber mit warmer als mit kalter Hand. Das Sprichwort beschreibt eine der gängigsten Methoden, den Pflichtteil zu reduzieren.  Die Eltern verteilen ihr Vermögen bereits zu Lebzeiten an Menschen ihrer Wahl. Das Kalkül dahinter: Je weniger im Erbfall noch vorhanden ist, desto weniger können unliebsame Erben und der Fiskus beanspruchen.

Dabei müssen Erblasser jedoch schon früh an ihre künftigen Erben denken. Denn es gibt einen sogenannten Pflichtteilsergänzungsanspruch. Nur Schenkungen, die mindestens zehn Jahre vor dem Tod des Erblassers erfolgt sind, werden nicht ins Erbe eingerechnet. Geschenke hingegen, die der Erblasser bis zu zehn Jahre vor seinem Tod gemacht hat, werden dem Nachlass, der  für die Höhe des Pflichtteils ausschlaggebend ist, fiktiv hinzugerechnet.

Möglichst früh mit dem Schenken beginnen

Grundsätzlich wird dabei der Wert zum Zeitpunkt der Schenkung berücksichtigt. Seit der Erbschaftsreform 2010 gibt es jedoch eine wichtige Änderung. Für alle Erbfälle, die nach dem 1. Januar 2010 eingetreten sind, gilt: Der anzusetzende Wert verringert sich über die Jahre. „Pro Jahr gewährt der Gesetzgeber einen Abschlag von zehn Prozent“, erklärt Romana Traichel, Fachanwältin für Erb- und Familienrecht aus München.

Wer also frühzeitig verschenkt, kann die Höhe des Pflichtteilsergänzungsanspruchs über die Jahre stetig nach unten drücken. Und nach Ablauf der zehn-Jahres-Frist beträgt er im Idealfall sogar Null Euro. Wer sichergehen will, dass Schenkungen nicht mehr im Pflichtteil berücksichtigt werden, sollte deshalb früh mit dem Schenken beginnen.

Durch Schenkungen reduziert der Erblasser auch die Höhe des später zu versteuernden Erbes. Denn für Schenkungen gelten weitestgehend dieselben Steuerfreibeträge und Steuerklassen wie fürs Erbe. Einen Unterschied gibt es bei Eltern und Großeltern, deren Freibetrag bei Schenkung nur bei 20.000 Euro liegt. Zudem unterliegen sie Steuerklasse II statt I.

  • Ehepartner: 500.000 Euro (Steuerklasse I)
  • Kinder, Stief- und Adoptivkinder, Enkel, deren Eltern verstorben sind: 400.000 Euro (Steuerklasse I)
  • Enkel: 200.000 Euro (Steuerklasse I)
  • Geschwister, Kinder der Geschwister, Stiefeltern, Schwiegerkinder, Schwiegereltern, geschiedene Ehe- oder Lebenspartner: 20.000 Euro (Steuerklasse II)
  • Alle anderen: 20.000 Euro (Steuerklasse III)

Gerade wenn es um sehr hohe Summen geht, kann sich die Schenkung lohnen. Denn die Freibeträge für Schenkungen gelten alle zehn Jahre aufs Neue.

Rechenbeispiel:

Frau Schulz verfügt über ein Vermögen von drei Millionen Euro. Die möchte sie gerne ihren zwei Kindern vermachen. Würde sie das Geld auf einmal vererben, müssten die Kinder dafür zusammen 418.000 Euro Erbschaftsteuer zahlen (Bei einem Freibetrag von insgesamt 800.000 Euro müssen 2,2 Millionen Euro mit 19 Prozent versteuert werden).

Fängt sie hingegen früh genug mit Schenkungen an, kann sie die Steuerlast stark verringern. Schenkt sie etwa 20 Jahre vor ihrem Tod die maximal mögliche Summe an ihre Kinder und zehn Jahre vorher erneut, dann bleiben nur noch 1,4 Millionen Euro an Erbe übrig (Schenkungsfreibetrag: zweimal 800.000 Euro).

Abzüglich der Erbschaftsteuerfreibeträge von insgesamt 800.000 Euro fällt so nur eine Erbschaftsteuer von 90.000 Euro an (15 Prozent von 600.000 Euro). Die Kinder bekommen am Ende also fast 330.000 Euro mehr.

Tipp:

Gibt es zwei Elternteile, die jeweils über ein eigenes Vermögen verfügen, können sie ihren Kindern sogar die doppelte Summe steuerfrei schenken. Die Freibeträge gelten nämlich pro Schenkung.

Gemischte Schenkungen verringern den Pflichtteil

Es gibt auch Fälle, in denen die Zehn-Jahres-Frist nicht gilt. Die Geschenke werden dann immer berücksichtigt. „Das gilt zum Beispiel, wenn sich die Eltern gegenseitig beschenken oder ihr Geschenk mit einem Nießbrauchsvorbehalt kombinieren“, sagt Julia Roglmeier, Partnerin der auf Erb- und Familienrecht spezialisierten Kanzlei Roglmeier & Demirci.

Und das ist gar nicht so selten. Die Eltern übertragen in dieser Konstellation zum Beispiel ihr Mietshaus an die Tochter und vereinbaren zugleich, dass Vater und Mutter nach wie vor die Mieten kassieren dürfen. Damit sind sie wirtschaftlich gesehen noch immer Eigentümer.

Solche gemischten Schenkungen – also Präsente, die mit einer Gegenleistung verknüpft sind – helfen aber dennoch, den lästigen Pflichtteil zu minimieren. Der Grund: „Die Gegenleistung verringert zugleich den Wert des Geschenks und damit letztlich wieder den Pflichtteilsergänzungsanspruch“, erläutert Roglmeier.

Regel gilt für diversen Gegenleistungen

Beispiele für solche Gegenleistungen sind neben einem Nießbrauchsvorbehalt etwa Wohnrechte, Grabpflege oder die elterliche Pflege im Alter. Auch wer Rückforderungsklauseln vereinbart, schmälert den Wert seiner Gaben – zumindest sieht es das Oberlandesgericht Koblenz so (Az. 9 U 166/01). Das Haus soll zum Beispiel wieder an die Eltern zurückfallen, wenn der Sohn insolvent wird, stirbt oder sich scheiden lässt.

Gemischte Schenkungen können zudem den Schenker absichern, damit er nicht vor Ende seines Lebens ohne alles dasteht. Hat er etwa alles an seine Kinder verschenkt und verkracht sich mit ihnen, so hat er keine Möglichkeit mehr, über sein Vermögen zu bestimmen. Vermacht jemand seinen Kindern also etwa sein Haus, so sollte er überlegen, sich ein lebenslanges Wohnrecht einräumen zu lassen. Bei einem Mietshaus sollte er sich das Nutzungsrecht sichern.

Freibeträge für Erbschaften:

Bei Erbschaften gelten ähnliche Freibeträge wie bei Schenkungen. Überschreitet das Erbe den Freibetrag, gilt der jeweilige Steuersatz für jeden Euro, der über der Grenze liegt.

Diese Freibeträge und Steuerklassen gelten bei einer Erbschaft

Erbe, Erbschaftssteuer, Immobilien, Schenkung

Quelle: Bundesfinanzministerium /eigene Darstellung

So viel Steuern müssen Erben zahlen

Erbe, Erbschaftssteuer, Immobilien, Schenkung

Quelle: Bundesfinanzministerium /eigene Darstellung

 

Familienbanden lohnen sich im Bereich der Erbschaftsteuer also besonders. Noch deutlicher werden die Unterschiede, wenn es nicht nur um Geldvermögen geht, sondern um Immobilien. Wenn die vom Ehepartner oder den Kindern bewohnt werden und das auch noch zehn weitere Jahre lang, dann bleibt die komplette Immobilie steuerfrei.

Quelle: focus.de, 18.10.2017

Steuererklärung abgeben: Wann ist die Frist gewahrt?

Wer freiwillig eine Steuererklärung abgibt, hat dafür bis zu vier Jahre Zeit. So kann bis zum 31. Dezember 2017 noch eine freiwillige Einkommensteuererklärung für das Jahr 2013 eingereicht werden. Das Finanzgericht (FG) Köln hat nun zudem entschieden, dass der Einwurf einer Steuererklärung am letzten Tag der Antragsfrist auch dann fristwahrend ist, wenn er bei einem unzuständigen Finanzamt erfolgt (Az.: 1 K 1637/14, 1 K 1638/14).

In dem Fall warf ein Steuerzahler am 31.12.2013 gegen 20.00 Uhr bei einem unzuständigen Finanzamt seine freiwillige Steuererklärung für das Jahr 2009 ein. Das zuständige Finanzamt lehnte eine Veranlagung mit der Begründung ab, dass die Erklärung erst 2014 an es weitergeleitet worden sei. Der Antrag auf Durchführung einer Veranlagung sei damit erst nach Ablauf der vierjährigen Festsetzungsfrist und damit verspätet gestellt worden.

Doch nach Auffassung des FG ist es gesetzlich nicht vorgeschrieben, dass ein Veranlagungsantrag beim zuständigen Finanzamt eingehen muss. Denn die Finanzverwaltung kann einem steuerlich unberatenen Bürger nicht die Unzuständigkeit eines Finanzamtes vorhalten, wenn sie selbst nach außen als einheitliche Verwaltung auftritt. Schließlich gehe auch der Einwurf der Erklärungen außerhalb der üblichen Bürozeiten nicht zu Lasten des Steuerzahlers. Insoweit habe die Finanzverwaltung einen generellen Empfangs- beziehungsweise Zugangswillen.

Gegen das Urteil hat das eigentlich zuständige Finanzamt allerdings Revision beim Bundesfinanzhof eingereicht (Az.: VI R 37/17 und VI R 38/17).

Steuerzahler, die verpflichtet sind, beim Finanzamt eine Erklärung über ihre erzielten Einkünfte aus dem vergangenen Jahr einzureichen, haben dafür in diesem Jahr noch nicht zwei Monate mehr Zeit. Die entsprechende Gesetzesänderung ist zwar am 1. Januar 2017 in Kraft getreten, gilt aber erst ab dem Steuerjahr 2018. Diese muss dann also bis zum 31. Juli 2019 eingereicht werden.

Sofern die entsprechenden Steuererklärungen durch Personen, Gesellschaften, Verbände, Vereinigungen, Behörden oder Körperschaften angefertigt werden, verändert sich diese Frist, bis zum 31. Dezember 2017.

Quelle: ntv.de, 16.10.2017

Andere Länder, andere Sitten – Gilt ein Testament per nicht versandter SMS?

Wer die gesetzliche Erbfolge umgehen möchte, macht ein Testament. Dies ist wohl überall auf der Welt so. Auch in Australien. Und auch dort wird um die Gültigkeit des letzten Willens gezankt. Beispielsweise in Brisbane, vor einem Gericht.

Verhandelt wurde dort ein Fall, bei dem ein Mann kurz vor seinem Suizid seine Frau und seinen Sohn enterbt hatte. Beide waren die gesetzlichen Erben. Was für Streit sorgte, war die Tatsache, dass in dem Handy des Mannes eine nicht abgeschickte Kurznachricht an seinen Bruder gefunden wurde. In der SMS, die mit einem Smiley versehen war, erklärte der Erblasser, seinen Bruder zum Alleinerben machen zu wollen. Wörtlich heißt es dort: „Du bekommst alles, was ich habe, mein Haus und meine Pensionsansprüche.“ Über seine Frau schrieb er: „Sie ist wieder zu ihrem Ex zurück. Ich bin fertig.“ Darunter folgten die Worte „mein Testament“.

Vor allem die Tatsache, dass die Kurznachricht niemals versandt wurde, sorgte für Streit. Doch vor Gericht wurde die SMS als gültiges Testament anerkannt. Laut Urteil war die Absicht deutlich erkennbar. Die Richterin befand: „Die informelle Natur des Textes ist kein Hindernis, ihn als ausreichenden Ausdruck der Testamentsabsicht des Verstorbenen anzuerkennen“.

Stellt sich die Frage, ob dies auch hierzulande möglich wäre – sie ist mit einem klaren Nein zu beantworten. Denn in Deutschland unterliegt die Form des letzten Willens strengen Vorgaben. So kann ein Testament hier nur handschriftlich oder in notariell beurkundeter Form errichtet werden. Ersteres muss vom Erblasser vollständig mit eigener Hand geschrieben, mit Ort und Datum versehen und unterschrieben sein. Ansonsten ist es unwirksam. Bei Letzterem nimmt ein Notar den vom Testierenden geäußerten Willen in eine Urkunde auf. Nur im Notfall kann auch ein sogenanntes „Drei-Zeugen-Testament“ ohne diese Auflagen auskommen.

Quelle: ntv.de, 11.10.2017

Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall: Für wen Aspirin gut ist – und für wen nicht

Acetylsalicylsäure, weltbekannt als Aspirin, vertreibt nicht nur Kopfschmerzen. Täglich in einer Mini-Dosis eingenommen, schützt es vor Herzinfarkt, Schlaganfall und vielleicht sogar vor Krebs. Umstritten ist allerdings, wer profitiert und wann die Nebenwirkungen überwiegen.

Während in Europa gerade die Nebenwirkungen von frei verkäuflichen Schmerzmitteln die Diskussion bestimmen, raten viele Mediziner jenseits des Atlantiks dazu, einen dieser umstrittenen Wirkstoffe täglich einzunehmen – als Schutz vor Herzinfarkt, Schlaganfall und sogar Krebs. Wir passt das zusammen?

Rundum-Hilfe: Acetylsalicylsäure, bekannt als Aspirin

Acetylsalicylsäure (ASS), weltweit bekannt unter dem Markennamen „Aspirin“, wirkt schmerzlindernd, blutverdünnend und entzündungshemmend. Gegen Schmerzen bedarf es einer höheren Dosierung – die entsprechenden Tabletten sollten nur kurzfristig eingenommen werden. Gegen das Verklumpen von Blutplättchen und bei Entzündungen wirkt schon die schwache Dosis von 75 bis 100 Milligramm. Jeden Tag und langfristig eingenommen, schützt dieses „Baby-Aspirin“ vor Thrombosen, Herzinfarkt und Schlaganfall. Ganz nebenbei soll das tägliche ASS auch einen Schutz vor Krebs, vor allem Darmkrebs, entwickeln.

Schützt das Herz, verursacht Blutungen

Allerdings streiten Mediziner darüber, wie groß der Aspirin-Schutz tatsächlich ist, welche Personen davon profitieren und wie viele Jahre der Wirkstoff eingenommen werden soll. Denn so unumstritten die positiven Effekte sind, so klar ist auch, dass selbst niedrige ASS-Mengen die Nieren belasten, den Magen angreifen und zu schweren Blutungen im Verdauungstrakt oder auch im Gehirn führen können.

In den USA, wo Aspirin in Großpackungen in jedem Drugstore erhältlich ist, schlucken 40 Prozent der Generation 50-plus täglich eine Aspirin-Tablette zur Vorbeugung. Ihren Arzt fragen dabei die wenigsten, ob es Sinn macht. Viele Mediziner, allen voran der weltweit bekannte David Agus, raten ohnehin allen Erwachsenen im mittleren Alter zum täglichen Baby-Aspirin: Männern über 45, um einem Herzinfarkt vorzubeugen, Frauen über 55, um einen Schlaganfall abzuwenden.

50- bis 59-Jährige mit Infarkt-Risiko profitieren von „Baby-Aspirin“

Die Mediziner der US Preventive Services Task Force grenzen die Empfehlung nun ein: Allen 50- bis 59-Jährigen raten sie, zehn Jahre lang täglich eine „low dose“ von 81 Milligramm zu nehmen – sofern es Risikofaktoren für eine kardiovaskuläre Krankheit gibt oder für Krebs, vor allem Darmkrebs. In diesem Alter überwiegen die schützenden Aspirin-Effektederen negative Begleiterscheinungen. Dagegen profitieren jüngere Nutzer zu wenig, bei Älteren kommt es zu oft zu Blutungen.

Die potenzielle Krebsprävention haben verschiedene Studien der letzten Jahre nahegelegt. Zuletzt stellte eine Studie der Harvard-Universität fest, dass nach mindestens sechs Jahren ASS-Konsum ein leicht rückläufiges Darmkrebs-Risiko feststellbar ist. Dafür würde sprechen, dass Entzündungen Krebs fördern, und niedrig dosiertes ASS eine starke antientzündliche Wirkung hat.

Skepsis gegenüber „Aspirin für alle“

Deutsche Experten sind allerdings wesentlich zurückhaltender. Für die Darmkrebs-Prophylaxe sehen die Forscher vom Deutschen Krebsforschungszentrum keine ausreichenden Beweise. Außerdem: Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und eine darmfreundliche Ernährung (viel Ballaststoffe, wenig rotes und verarbeitetes Fleisch, wenig Alkohol) können ebenso vorbeugen – ganz ohne ASS-Nebenwirkungen.

Herzmediziner, etwa von der Deutschen Herzstiftung, wollen die tägliche Ass-Dosis nur bestimmten Personengruppen zugestehen: Menschen, die schon einmal einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten, oder ein hohes Risiko tragen, in Zukunft einen Infarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden.

All jene, denen niedrig dosiertes ASS helfen kann, sollten sich auf jeden Fall mit ihrem Arzt absprechen und sich dann streng an die regelmäßige Einnahme halten.

Vorbeugendes Aspirin nicht eigenmächtig absetzen

Eine neue Studie der Universität Upsala hat nämlich festgestellt, dass Menschen, die schon einmal einen Herzinfarkt hatten, ein hohes Risiko für einen weiteren Infarkt haben, wenn sie das niedrig dosierte ASS absetzen. Das tun immerhin bis zu 20 Prozent der Patienten in den Jahren nach dem Herzereignis, andere nehmen das „Kardio-ASS“ nur sporadisch. Dadurch steigt die Gefahr eines weiteren Infarkts oder Schlaganfalls um fast 40 Prozent.

Bei geplanten Operationen werden Patienten oft aufgefordert, ASS eine Woche vor dem Termin abzusetzen, um die Blutgerinnung nicht zu gefährden. Viele tun es ohne Rücksprache mit dem Arzt. Dadurch kann bei einigen Menschen, die Gefahr eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls um bis zu 60 Prozent steigen. Das hat wiederum eine Untersuchung an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf ergeben, wie die „Pharmazeutische Zeitung“ berichtet.

Nebenwirkungen, Wechselwirkungen – Aspirin ist kein Bonbon

Wer täglich Aspirin schluckt und es gut verträgt, vergisst leicht, dass es auch in niedriger Dosis mit anderen Medikamenten kollidiert. Etwa, wenn jemand Mini-ASS fürs Herz und Ibuprofen gegen akute Gelenkschmerzen einnimmt.  Beide Wirkstoffe docken an denselben Rezeptoren an, dürfen daher nur mit großem Zeitabstand eingenommen werden.

Wegen der unterschiedlichen Ergebnisse für ASS – hier gut, hier schädlich – sind Mediziner noch weit davon entfernt, eine Empfehlung für den Wirkstoff auszusprechen, die für alle gilt. Auch wenn Aspirin-Tabletten allgegenwärtig sind, es sind eben keine harmlosen Drops.

Quelle: focus.de, 05.10.2017

Krankenkassen: Viele Gesundheitskarten ungültig

Viele Gesundheitskarten können seit Anfang Oktober nicht mehr in Arztpraxen eingelesen werden – für Patienten kann das eine etwas umständlichere Prozedur bedeuten. Betroffen sind der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zufolge Gesundheitskarten der sogenannten ersten Generation.

Krankenkassen haben Versicherten schon Karten der neueren und weiterhin gültigen Generation 1 Plus oder 2 zuschickt, erklärt der GKV-Spitzenverband. Ein bundesweites Problem beim Einlesen fürchtet man darum nicht. Dennoch dürfte es einige Versicherte geben, die ihre Karte nicht ausgetauscht haben. Zum Beispiel, weil sie den Begleitbrief der Kasse nicht gelesen haben und dachten, dass die alte Karte noch in Ordnung ist und man deshalb keine Neue brauche, so eine Verbandssprecherin.

Das Problem: Ob die eigene Karte nicht mehr einzulesen ist, lässt sich nicht sicher feststellen. Karten der ersten Generation tragen
das Kürzel „G1“ oben rechts auf der Vorderseite – genau wie Karten der weiterhin gültigen Generation 1 Plus. Sie seien optisch nicht zu unterscheiden, sagt die Verbandssprecherin. Klar erkennbar sind Karten der zweiten Generation, die das Kürzel «G2» tragen.

Was heißt das für Krankenversicherte, die eine „G1“-Karte haben und nicht sicher sind, ob sie diese schon einmal ausgetauscht haben? Sie können im Prinzip nur bei ihrem nächsten Arztbesuch herausfinden, ob ihr Karte einlesbar ist oder nicht. Stellt sich in der Praxis heraus, dass die Karte veraltet ist, sollte man rasch bei seiner Kasse eine neue Karte anfragen oder die alte gegen die neue Karte austauschen, wenn man diese noch ungebraucht daheim herumliegen hat.

Quelle: apotheke-adhoc.de, 04.10.2017

Trends in der Tumortherapie – Neue Medikamente, individuelle Therapien: 2017 schenkt Krebspatienten neue Hoffnung

Fast täglich erreichen uns Meldungen über Erfolge gegen Krebs. Meist handelt es sich um Ergebnisse aus dem Labor oder erste Studien mit wenigen Patienten. FOCUS Online stellt wichtige Neuerungen vor, die Patienten bereits in Anspruch nehmen oder wahrscheinlich noch in diesem Jahr erwarten können.

Rund zehn Krebsmedikamente stehen kurz vor der Zulassung.Gezielte Therapien helfen auch manchem hoffnungslosen Fall.Die klassischen Krebstherapien sind schonender und individueller geworden.

 

Jedes Jahr 500.000 Neuerkrankungen und 230.000 Tote quer durch alle sozialen Schichten, alle Altersgruppen – Krebs ist die Volkskrankheit schlechthin. Und weil Krebs auch die Angstkrankheit Nummer 1 ist, sind alle empfänglich für Nachrichten, die von „Durchbruch gelungen, endlich Hoffnung, jetzt heilbar …“ sprechen. Viele Patienten sind dann enttäuscht, wenn Ärzte doch nur die klassischen Drei anbieten können: Operation, Chemotherapie und Bestrahlung. In der Krebsforschung tut sich derzeit zwar mehr als in den Jahrzehnten zuvor. Doch der Weg zur Therapie ist weit.

FOCUS Online hat zwei Experten gefragt, welche neuen Therapien, Medikamente und Tests schon im onkologischen Alltag angekommen sind: Jürgen Krauss, Sektionsleiter Klinische Immuntherapie am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg und Ulrich Keilholz, Direktor am Comprehensive Cancer Center der Charité Berlin.

Jährlich 500.000 Krebsdiagnosen – und jede Erkrankung ist anders

Bisher sind 250 – manche Krebsforscher sprechen auch von 300 – Krebsarten und Subtypen bekannt. Sie unterscheiden sich, was Entstehungsgeschwindigkeit, Aggressivität, Neigung zur Metastasenbildung und damit Behandlungsmöglichkeiten und Überlebenschancen angeht. Die Krebsmedizin hat es jedes Jahr mit 500.000 neuen individuell unterschiedlichen Tumorgeschichten zu tun. Die Hälfte handelt von Darmkrebs, Lungenkrebs, Hautkrebs, Brustkrebs oder Prostatakrebs.

Die bedeutsamsten Neuerungen für Krebs kommen aus dem Pharmalabor. Aber auch die klassische Therapie hat sich verändert und verbessert:

OPs werden mit computergestützter Hightech-Navigation durchgeführt, oft ohne große Schnitte mit Schlüsselloch-Technik.Bestrahlungen erfolgen in unterschiedlicher Intensität und zielgenau auf den Tumor – das umliegende Gewebe wird geschont.Chemo-Wirkstoffe werden auf Basis der Tumorbiologie ausgewählt und kombiniert. Die zielgerichtete Therapie verbessert die Prognose.Die kombinierte Radio-Chemo-Therapie soll Tumore schrumpfen und weniger radikale Operationen ermöglichen.Generell wird die Therapie heute am Patienten und seinem Tumor ausgerichtet.

 

Und auch das gehört zu den Neuerungen gegen Krebs: Seit Anfang 2017 ist Cannabis zur Schmerzlinderung zugelassen worden. Für etwa 15 Prozent der Patienten, deren Krebs mit Schmerzen verbunden ist, wirkt Cannabis besser als andere Schmerzstiller.

Neue Medikamente zunächst nur im Rahmen von Studien

Mehr als 500 Krebs-Medikamente testen Unternehmen derzeit weltweit an Patienten. Laut dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller stehen etwa zehn neuartige Krebsmedikamente im Jahr 2017 vor der europaweiten Zulassung.

Die Palette reicht von einem Medikament gegen Übelkeit durch die Chemotherapie über ein Diagnosemittel zum Aufspüren von Wächter-Lymphknoten bis zu neuen Antikörpern für die verheißungsvolle Immuntherapie.

Sobald ein Mittel zugelassen ist und vom Hersteller auf den Markt gebracht wird, darf jeder Facharzt es verschreiben. In der Realität werden neueste Therapien aber nicht sofort in jeder onkologischen Praxis ankommen. Patienten bekommen sie nur im Rahmen von Studien, denn Wirkstoffe müssen ihre Alltagstauglichkeit erst unter Beweis stellen.

Neu für Brustkrebs-Patientinnen

Die Heilungsrate bei Brustkrebs liegt heute bei 80 Prozent. Bevor eine Therapie beginnt, untersuchen die Ärzte genau, welcher Brustkrebs vorliegt. Ist er aggressiv? Hormonempfindlich? Was sagt seine DNA? Danach richtet sich die Behandlungsstrategie.

Für eine noch genauere Individualisierung gibt es bald neue Medikamente:

Bei hormonempfindlichem Brustkrebs: Der Wirkstoff Ribiciclib wird für Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs nach der Menopause zugelassen. Bei HER2-positiver Brustkrebs: Eine sogenannte bispezifische Antikörper-Therapie bringt noch vor der Operation zwei Gegenspieler zusammen, das bewährte Trastuzumab (Herceptin) und das neuere Pertuzumab.In Europa bereits zugelassen, aber noch nicht auf dem deutschen Markt ist Lymphoseek (Wirkstoff Tilmanocept). Es kann Wächterlymphknoten schnell aufzuspüren, die dann untersucht werden.Die Immuntherapie hat sich bisher nur beim seltenen, aggressiven und schwer zu behandelnden  triple-negativen Brustkrebs als Hoffnung erwiesen.Relativ neu in der Brustkrebstherapie ist die intraoperative Strahlentherapie. Noch während der Tumor-OP wird der Wundherd bestrahlt. Dadurch kann die nachfolgende Strahlendosis reduziert und vor allem die Rückfallquote drastisch gesenkt werden.

Neu für Prostatakrebs-Patienten

Das sind die aktuellen Trends im Umgang mit dem häufigsten Männerkrebs:

Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs soll neben der Hormontherapie schon frühzeitig eine Chemo beginnen.

Ein MRT vor der Biopsie soll in Kombination mit Ultraschall die gezielte und schonende Biopsie erlauben.

Die PSA-Tests werden als Diagnose-Instrument zurückgefahren. Der Test auf prostataspezifische Antikörper im Blut bleibt wichtig für die Therapie-Kontrolle.

Bei der sogenannten fokalen Therapie wird nur ein Teil der Prostata entfernt – das geht aber nur, wenn ein einziger, kleiner, klar umrissener Tumor vorliegt. Vorteil: Das Risiko von Impotenz oder Inkontinenz wird minimiert.

Eine neue Wirkstoff gegen die meistverbreitete Krebsart bei Männern bekommt noch in diesem Jahr die Zulassung: Padeliporfin. Der Wirkstoff wird in die Blutgefäße des Tumors injiziert und mit Laserstrahlen aktiviert. Das lässt die Gefäße absterben und kappt die Versorgungswege des Tumors.

Neu für Darmkrebs-Patienten

Bei keiner anderen Krebsart ist der Unterschied zwischen völliger Heilung und Tod je nach Stadium der Entdeckung so extrem. Weil die Heilungsrate im Frühstadium so hoch ist, wird bei Darmkrebs viel Wert auf die Diagnose gelegt:

Ein Test auf verborgenes Blut im Stuhl gehört ab dem 50. Lebensjahr zur Krebsfrüherkennung . Ein immunologischer Stuhltest weist den Blutfarbstoff Hämoglobin mit einem Antikörper nach und ist genauer und empfindlicher als der frühere Standardtest. Die Methode ist schon länger zugelassen, musste aber aus eigener Tasche bezahlt werden.  Ab 2017 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.

Geschätzte zwei Prozent aller Darmkrebspatienten haben stark mutierte Tumorzellen, ein Signal für das Ansprechen auf eine Immuntherapie. Allerdings gibt es noch keine Tests, die diese kleine Patientengruppe herausfiltern können.

Neu für Hautkrebs-Patienten

Die Diagnose „Weißer Hautkrebs“ ist sehr viel häufiger (etwa 230.000 Patienten pro Jahr), aber auch sehr viel harmloser als der Schwarze Hautkrebs mit 22.000 Neudiagnosen. Das Melanom bildet sehr schnell Metastasen und verläuft daher für 3000 Patienten pro Jahr tödlich.

Während Formen des Weißen Hautkrebses mit Salben wie Imiquimod behandelt werden können,  zeigt die Immuntherapie gute Behandlungserfolge bei schwarzem Hautkrebs: Für diese Krebsart wurde schon im Jahr 2012 das europaweit erste immuntherapeutische Medikament Ipilimumab zugelassen.

Für Melanom-Patienten mit einer bestimmten Tumor-Mutation wird es bald einen weiteren Immun-Antikörper geben: Binimetinib.

Neu für Lungenkrebs-Patienten

Von den häufigen Krebsarten hat Lungenkrebs die schlechteste Überlebensrate. Aber: Zielgerichtete Therapien und Immuntherapien zeigen hier Erfolg, besonders beim nicht-kleinzellige Lungenkrebs (NSCLC). Er macht 80 Prozent der Bronchialkarzinome aus.

Immuntherapien mit Nivolumab oder Pembrolizumab für metastasierten NSCLC zeigten eine Lebensverlängerung von zwei bis drei Jahren – gegenüber zehn Monaten mit Standardtherapie.

Für die Immuntherapie von NSCLC gibt es bald auch den Wirkstoff Atezulizumab. Der sogenannte Checkpoint-Inhibitor wirkt, indem er die Inaktivierung von Immunzellen aufhebt.

Zielgerichtete Therapien stehen allerdings nur für Patienten mit nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen zur Verfügung, die bestimmte molekularbiologische Merkmale aufweisen.

Komme ich für eine Therapie in Frage?

Vor allem die vielversprechenden Immuntherapeutika werden zunächst nur in spezialisierten Krebszentren zum Einsatz kommen, nicht in der ambulanten Onkologie. Die Gründe:

Die neuen Therapien kommen nur für einen Teil aller Patienten in Frage, deren Tumore bestimmte Eigenschaften haben.Nur Patienten mit fortgeschrittener Krankheit werden derzeit behandelt.Die Substanzen können das Immunsystem gegen Krebszellen scharf machen, es aber auch zu schweren Autoimmunreaktionen anstacheln.Die Krebszentren selbst, wie etwa das CCC an der Charité,  oder Organisationen wie der Krebsinformationsdienst und die Deutsche Krebshilfe informieren, wer für neue Behandlungen geeignet ist.

Quelle: focus.de, 04.10.2017