Verdacht auf Alzheimer? In vielen Fällen steckt in Wahrheit etwas anderes dahinter

Fast jede zweite Alzheimer-Diagnose ist vermutlich falsch und die Betroffenen erhalten nicht die richtige Hilfe. Oft sind nicht Alzheimer, sondern ganz einfache Dinge Ursache für Vergesslichkeit und Verwirrtheit.

  • Wer zu wenig isst, kann Alzheimer-Anzeichen wie Gedächtnisstörungen bekommen.
  • Viele gängige Medikamente – Schmerzmittel, Blutdrucksenker – können als Nebenwirkung Verwirrung auslösen.
  • Die PET-Untersuchung, mit der sich Alzheimer exakt ausschließen lässt, zahlen die Kassen meist nicht.

Mehr als eine Million Menschen in Deutschland sollen Alzheimer haben. Doch in Wirklichkeit könnten es viel weniger sein. Denn oft kommt es zu Fehldiagnosen. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt die IDEAS- Studie (Imaging Dementia-Evidence for Amyloid Scanning) von Wissenschaftlern der University of San Francisco.

Plaques im Gehirn können auf Alzheimer hinweisen, fehlen sie, hat der Patient garantiert nicht Alzheimer

An der Studie nahmen mehrere tausend Patienten mit milden kognitiven Beeinträchtigungen, aber auch Demenzerkrankungen wie Alzheimer teil. Alle Probanden wurden mit Positronen-Emissions-Tomographie (PET) untersucht. Dabei handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren, das Stoffwechselvorgänge sichtbar macht und damit auch die sogenannten Amyloid-Plaques im Gehirn.

Diese Ablagerungen gelten als wichtiges Alzheimer-Anzeichen. Sind sie erkennbar, bedeutet das allerdings nicht zwingend, dass der Betroffene die Demenzerkankung hat, er kann also trotzdem geistig fit sein und auch bleiben. Das Gegenteil, also keine Plaques aufzuweisen, heißt jedoch definitiv, dass der Patient nicht Alzheimer hat.

Das Ergebnis der Studie: Rund 40 Prozent der vermeintlichen Demenzpatienten hatten gar nicht Alzheimer und erhielten damit auch nicht die richtige Therapie gegen die tatsächliche Ursache ihrer Gedächtnisstörungen und Verwirrtheit.

PET wird nicht als Diagnosehilfe für den Ausschluss von Alzheimer genutzt

Doch warum gehört die Untersuchung mit dem PET nicht bei der Diagnose von Alzheimer dazu? Ganz einfach: Sie ist mit rund 500 bis 1000 Euro teuer und deshalb in der Regel keine Kassenleistung, wenn es darum geht, bei einem verwirrten älteren Menschen Alzheimer auszuschließen. Die normale Alzheimer-Diagnostik für Kassenpatienten sieht so aus – ausführliche Anamnese und standardisierte Mentaltests – Uhr zeichnen etc. Doch damit werden viele 100.000 Menschen zu Alzheimer-Patienten gemacht, die eigentlich an anderen Problemen leiden.

Sechs Ursachen für Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit – außer Alzheimer

Eine ganze Reihe von Krankheiten und Beschwerden kann hinter Alzheimer-Symptomen wie Vergesslichkeit und Verwirrtheit stecken, die oft leicht zu ändern oder zu behandeln wären.

Besonders häufig sind:

1. Nebenwirkung oder Wechselwirkung von Medikamenten, etwa Schmerzmitteln, Cholsterinsenkern (Statine), Magensäureblocker, Blutdrucksenker, Antidepressiva, Schlaf- und Beruhigunsgmittel, sowie Medikamente gegen Osteoporose und Parkinson, Entwässerungsmittel – vor allem ältere Menschen nehmen täglich oft mehrere Medikamente ein.

2. Natriummangel – häufige Nebenwirkung bei Entwässerungsmitteln und Medikamenten gegen Verstopfung

3. Flüssigkeitsmangel – zu wenig Trinken betrifft vor allem Senioren, weil das Durstgefühl bei ihnen nicht mehr ausreichend ausgeprägt ist.

4. Schilddrüsenunterfunktion – lässt sich mit Schilddrüsenhormonen in Tablettenform behandeln und die Denkleistung springt wieder an.

5. Unterernährung – kann direkt zu einer Hirnschrumpfung (Atrophie) führen, die sich mit dem richtigen Speiseplan sogar zu großen Teilen wieder ausgleichen ließe.

6. Narkose – nach einer Narkose tritt bei älteren Menschen sehr häufig ein so genanntes postoperatives Delir auf. Oft werden die Betroffenen deshalb kurzerhand mit der Diagnose „Alzheimer“ in ein Pflegeheim abgeschoben – obwohl sich der Zustand unter normaler geistiger Forderung und liebevoller Förderung nach einigen Monaten wieder legen würde.

Verdacht auf Alzheimer – was tun?

Bestehen Sie (bei Ihren Angehörigen) auf weiteren Untersuchungen, wenn der Arzt rasch die Diagnose Alzheimer stellt, fragen Sie nach. Stellen Sie eine Liste mit allen Medikamenten auf, die der Betroffene zur Zeit einnimmt oder eingenommen hat. Legen Sie diese Liste dem behandelndem Arzt vor. Und zögern Sie nicht, die Diagnose Alzheimer anzuzweifeln, wenn diese nach einer Narkose gestellt wird.

Bluttests, eine Untersuchung des Gehirnwassers und nicht zuletzt PET helfen dabei, den Ursachen von Verwirrtheit und Vergesslichkeit auf die Spur zu kommen. Lassen Sie keine Zeit verstreichen – ist der Betroffene erst mal als vermeintlicher Alzheimer-Patient in einem Heim untergebracht, wird es schwierig, ihn wieder herauszubekommen und von anderen Ärzten als dem betreuenden Mediziner der Einrichtung untersuchen zu lassen.

Quelle: Focus.de, 29.07.2017

Palliativmedizin EBM wird um acht neue Ziffern erweitert

Die Palliativversorgung soll flächendeckend etabliert werden, so lautete der Auftrag aus dem Hospiz- und Palliativgesetz, das Ende 2015 verabschiedet wurde. Den zweiten entscheidenden Schritt dafür haben KBV und Kassen nun getan: Sie haben sich im Bewertungsausschuss darauf geeinigt, den EBM um acht neue Gebührenordnungspositionen (GOP) zu ergänzen, diese werden im neuen Abschnitt 37.3 gebündelt und – zunächst begrenzt auf zwei Jahre – extrabudgetär vergütet.

Damit könnten Patienten noch in diesem Jahr im Rahmen der besonders qualifizierten und koordinierten palliativmedizinischen Versorgung behandelt werden, so die KBV. Den nötigen ersten Schritt dafür waren KBV und GKV-Spitzenverband Anfang des Jahres gegangen, als sie mit der Anlage 30 zum Bundesmantelvertrag-Ärzte die entsprechende Vereinbarung geschlossen haben.

Die neuen GOP sind für Haus- und Fachärzte abrechenbar und umfassen neben der palliativmedizinischen Ersterhebung und Koordination der Versorgung etwa auch Hausbesuche und Rufbereitschaft. Allerdings benötigen Ärzte für einen Teil der Leistungen eine Genehmigung der KV. Die neuen Leistungen im Überblick:

GOP, für die eine KV-Genehmigung vorliegen muss:

37300 – Palliativmedizinische Ersterhebung (392 Punkte, 41,28 Euro): Der Arzt muss anhand eines Assessments den individuellen palliativen Bedarf des Patienten ermitteln und einen entsprechenden Behandlungsplan erstellen bzw. diesen aktualisieren, einmal im Krankheitsfall ansetzbar.

37302 – Zuschlag für den koordinierenden Arzt (275 Punkte; 28,96 Euro): Es geht vor allem um die Gestaltung der Zusammenarbeit mit Palliativdiensten, SAPV-Teams und Hospizdiensten, der Zuschlag wird zur Versicherten- oder Grundpauschale gezahlt.

37317 – Zuschlag Erreichbarkeit/Besuchsbereitschaft (1425 Punkte, 150,05 Euro): Für die telefonische Erreichbarkeit und Besuchsbereitschaft außerhalb der Sprechstundenzeiten erhalten Ärzte eine einmalige Vergütung von 150 Euro (einmal im Krankheitsfall). Die Zeiten, wann der Arzt erreichbar ist, stimmt er mit den Patienten, den Angehörigen oder den Pflegekräften ab.

37318 – Telefonische Beratung (213 Punkte, 22,43 Euro): Auch längere Telefonate mit Pflegepersonal, Angehörigen oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst außerhalb der Sprechstundenzeiten werden vergütet. Das Gespräch muss mindestens fünf Minuten dauern und die Leistung geht ins Tages- und Quartalsprofil ein. Die GOP ist höchstens sieben Mal im Behandlungsfall berechnungsfähig.

Ohne KV-Genehmigung abrechenbar:

37305 – Zuschlag zum Hausbesuch (124 Punkte/ 13,05 Euro): Erfolgt die palliativmedizinische Betreuung des Patienten zu Hause, im Pflegeheim oder Hospiz, können Ärzte als Zuschlag zu den GOP 01410 und 01413 je vollendete 15 Minuten knapp 13 Euro berechnen. Die Leistung geht ebenfalls ins Tages- und Quartalsprofil ein und darf pro Behandlungstag bis zu sechs Mal also für Besuche bis maximal 1,5 Stunden angesetzt werden.

37306 – der Zuschlag zu einem dringenden Hausbesuch (124 Punkte/13,06 Euro) kann hingegen nur einmal pro Besuch berechnet werden. Und er gilt nicht für Besuche im Rahmen des Not(fall)dienstes, der Notfallversorgung oder dringender Visiten auf der Belegstation.

37320 – Fallkonferenz gem. Anlage 30 BMV-Ä (64 Punkte/ 6,74 Euro): Diese GOP gibt es für die patientenorientierte Fallbesprechung unter Beteiligung der notwendigen ärztlichen Fachdisziplinen und/oder weiterer komplementärer Berufe sowie mit Pflegekräften bzw. Angehörigen. Die Leistung kann fünf Mal im Krankheitsfall angesetzt werden und gilt auch bei einer Konferenz per Telefon.

Außerdem wird der EBM noch um eine Konsiliarärztliche Pauschale ergänzt, die GOP 37317 (106 Punkte/ 11,16 Euro). Diese Leistung steht nur konsiliarisch tätigen Ärzten mit der Zusatzweiterbildung Palliativmedizin zur Verfügung – und zwar dann, wenn sie von einem Haus- oder Facharzt wegen einer speziellen Fragestellung zu Rate gezogen werden, aber kein direkter Arzt-Patienten-Kontakt zustande kommt.

Die KBV stellt klar, dass bestehende regionale Regelungen zur Palliativversorgung von der Regelung unberührt bleiben. Und auch die palliativmedizinischen Leistungen in den haus- und kinderärztlichen EBM-Kapiteln (EBM-Abschnitte 3.2.5 und 4.2.5) können weiter abgerechnet werden, sie können allerdings nicht neben den neuen GOP berechnet werden. Zudem ist der Chronikerzuschlag (03220) neben der palliativmedizinischen Ersterhebung ausgeschlossen.

Der Bewertungsausschuss hat laut KBV den Vertragspartnern auf Landesebene allerdings empfohlen, ab Oktober auch die palliativmedizinischen Leistungen in den haus- und kinderärztlichen EBM-Kapiteln für zwei Jahre extrabudgetär zu honorieren.

Quelle: ÄrzteZeitung.de, 31.07.2017

Überschwemmungen in Deutschland – Die unterschätzte Gefahr

Der Sommer ist in vielen Teilen Deutschlands dieses Jahr ungewöhnlich nass. Vielerorts hat es schon Überschwemmungen gegeben. Befragt man die Bundesbürger aber nach diesem Risiko, zeigt sich: Das Gros schätzt Überschwemmungen als ungefährlich ein. Ein Irrtum, der teuer werden kann. Hier kommen weitere Fakten.

Bundesbürger unterschätzen Überschwemmungen …

88 Prozent der Hausbesitzer halten Überschwemmungen für ungefährlich. Und zwei Drittel gehen laut einer GfK-Umfrage von 2016 davon aus, dass sie nie von einer Überschwemmung betroffen sein werden. Dabei kann Starkregen mit Überschwemmungen überall auftreten – das haben die Presseberichte der vergangenen Wochen und Monate ja nun eindeutig gezeigt.

… und überschätzen ihren Versicherungsschutz …

Ein weiteres Problem: 93 Prozent der Hausbesitzer glauben gegen Naturgefahren aller Art versichert zu sein. Dabei wissen viele nicht, dass sie für Elementargefahren wie Starkregen oder Hochwasser eine Extra-Absicherung brauchen.

Tatsächlich haben laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nur 37 Prozent eine Vorsorge für die finanziellen Folgen dieser Risiken getroffen. Knapp 11 Millionen Häuser in Deutschland sind nicht ausreichend gegen Naturgefahren abgesichert.

… dabei ist eine zielgerichtete Absicherung möglich …

Laut Branchenverband sollen 99 Prozent aller Gebäude in Deutschland problemlos gegen Starkregen und Überschwemmungen versicherbar sein. Wie hoch das Risiko in einzelnen Regionen ist, misst das „Zonierungssystem für Überschwemmungsrisiko und Einschätzung von Umweltrisiken“, kurz Zürs.

In das System haben die Versicherer über 21 Millionen Adressen eingespeist. Je nachdem wie hoch das Überschwemmungsrisiko ist, wird jede Adresse einer von vier Gefährdungsklassen zugeordnet. In der Gefährdungsklasse 1 kommt ein Hochwasser danach seltener als einmal alle 200 Jahre vor. Laut GDV fallen 90 Prozent der Adressen in diese Klasse.

Am anderen Ende des Spektrums gibt es die Gefährdungsklasse 4. Hier tritt ein Hochwasser mindestens einmal in zehn Jahren auf. Das Risiko ist also deutlich höher. Die gute Nachricht: Nur 0,7 Prozent der Häuser stehen in diesen gefährdeten Gebieten.

… und auch unbedingt nötig.

Schäden von 2 Milliarden Euro haben Naturgefahren im vergangenen Jahr verursacht. Der größte Teil dieser Schäden, 800 Millionen Euro, wurde allein durch zwei heftige Unwetter im Frühjahr 2016 verursacht.

Quelle: Pfefferminzia.de, 27.07.2017

Neue Gesetze: Krankenversicherung, Mülltrennung, Heizöl: Das ändert sich zum 1. August

Zum 1. August treten einige Änderungen und neue Gesetze in Kraft. Betroffen sind in diesem Monat vor allem Rentner, Baufirmen, Malaysia-Urlauber sowie Eigentümer von Heizöltanks.

1. Günstigere Krankenversicherung für Rentner

Rentnerinnen und Rentner, die für die Kindererziehung zumindest zeitweise nicht gearbeitet haben und über ihren Ehepartner privat mitversichert waren, können nun einfacherer in die oft günstigere Krankenversicherung für Rentner (KVdR) wechseln. Für jedes Kind werden ab dem 1. August drei Jahre als Vorversicherungszeit für die Pflichtversicherung in der Krankenversicherung angerechnet. Diese Regelung gilt für leibliche und adoptierte Kinder sowie Stief- und Pflegekinder. Informationen, ob sich diese Gesetzesänderung auf die eigene Krankenversicherung auswirkt, geben die Krankenkassen.

2. Gewerbemüll wird strikter getrennt

Zum 1. August greift die die neue Gewerbeabfallverordnung. Dadurch müssen Unternehmen konsequenter Gewerbemüll trennen – vor allem Baufirmen, bei denen unterschiedliche Abfallfraktionen anfallen, sind betroffen. Informationen dazu gibt der Zentralverband des Deutschen Handwerks oder die Deutsche Handwerkszeitung.

3. Heizöltanks müssen eventuell nachgerüstet werden

Mit der neuen „Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen“ (AwSV) regelt das Bundesumweltministerium den Umgang mit wassergefährdenden Anlagen. Das sind Raffinerien, Biogasanlagen – aber auch private Heizölbehälter. Immobilienbesitzer, die über einen Heizöltank verfügen, müssen diesen eventuell nachrüsten. Regelmäßige Kontrollen der Tankanlage durch Sachverständige sind dann ab 1. August Pflicht. Das Bundesministerium informiert über die Gesetzesänderung im Detail.

4. Malaysia-Touristen müssen Urlaubssteuer zahlen

Wer nach dem 1. August 2017 Urlaub in Malaysia machen will, muss eine Touristensteuer zahlen. Pro Zimmer und Nacht werden zwischen umgerechnet 50 Cent und 4,20 Euro fällig – abhängig ist das von der Hotelklasse. Ausgenommen sind private Unterkünfte, Klöster und religiöse Herbergen. Airbnb-Zimmer fallen nur unter diese Regelung, wenn es in dem Haus mindestens sechs Mietzimmer gibt. In einigen Regionen war diese Steuer bereits 2016 eingeführt worden, nun gilt sie landesweit. Infos zu Reisen in Malaysia finden Sie in unserem Ratgeber Asien-Reise.

Quelle: stern.de, 26.07.2017

Depressionen gut therapierbar, solange sie frühzeitig erkannt werden

Depression meist gut behandelbar, doch oft unerkannt
Bei Depressionen kann den Betroffenen mit einer frühzeitig eingeleiteten Therapie meist geholfen werden, doch hindern unterschiedliche Faktoren sie oft daran, sich ihren Mitmenschen zu öffnen oder einen Arzt aufzusuchen, so Forscher des Universitätsklinikums Freiburg.

Wurde die richtige Diagnose einmal gestellt, kann bis zu 80 Prozent der Patienten mit einer Depression in einem überschaubaren Zeitraum entscheidend geholfen werden, berichtet die Freiburger Universitätsklinik. Daher ist es wichtig, auf entsprechende Anzeichen zu achten und gegebenenfalls zeitnah ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Fühlen sich Menschen über längere Zeit antriebslos und überfordert, steckt oft eine Depression dahinter“, so der Hinweis der Freiburger Experten.

Anzeichen einer Depression erkennen
Wenn Antriebslosigkeit und Gereiztheit zum Dauerzustand werden und selbst alltägliche Aufgaben eine Last darstellen, sind dies ernstzunehmende Warnzeichen. Zudem reduzieren sich bei einer Depression – im Unterschied zu einfachen Verstimmungen – auch die körperlichen und geistigen Funktionen drastisch und an Depressionen erkrankte Menschen ziehen sich meist aus dem Leben zurück, berichtet die Freiburger Uniklinik. Neben den psychischen Problemen seien oftmals auch körperliche Beschwerden festzustellen. „Die eigene vermeintliche Unzulänglichkeit in der Bewältigung des Alltags wiederum löst Ängste und Schuldgefühle aus, welche die angeschlagene Verfassung noch weiter belasten“, erläutern die Experten des Universitätsklinikums.

Frühzeitige Therapie besonders wichtig
„Das große individuelle Leiden und die deutlich erhöhte Suizidrate, vor allem bei schwer erkrankten Patienten, unterstreichen die Wichtigkeit einer frühzeitigen Therapie“, betont Prof. Dr. Dr. Katharina Domschke, Ärztliche Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Doch werde die Diagnose oft verzögert, da Unwissenheit, Verdrängung oder Schamgefühle Betroffene daran hindern, sich der Umwelt zu öffnen oder einen Arzt aufzusuchen.

Zustand der Betroffenen langfristig stabilisieren
Nach der Diagnose folgt eine auf die Patienten individuell zugeschnittene Therapie, welche bei bis zu 80 Prozent der Erkrankten in einem überschaubaren Zeitraum eine entscheidende Linderung der Beschwerden bewirkt, berichten die Experten. Die Therapie greife zuerst an der akuten Depression an und versuche im Anschluss den Zustand der Patienten so weit zu stabilisieren, dass ein baldiger Rückfall unter den Alltagsbelastungen vermieden wird. Am Ende werde auch an der langfristigen Rückfallverhütung gearbeitet.

Einsatz von Antidepressiva
Zu den Details der Therapie berichtet das Universitätsklinikum Freiburg, dass der Einsatz von sogenannten Antidepressiva sehr hilfreich sei und daher in den Leitlinien national wie international empfohlen werde. Durch die Arzneien verbessere sich die Stimmung und der innere Antrieb. Gleichzeitig werden die körperlichen Beschwerden wie Rücken- oder Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit verringert, erläutern die Experten. Die Antidepressiva wirken dabei gezielt auf die Übertragung der Nervenimpulse im Gehirn.

Psychotherapeutische Ansätze der Behandlung
Des Weiteren wird in der Regel auch eine psychotherapeutische Behandlung empfohlen, welche das soziale Umfeld der Patienten mit einbezieht und „versucht, seelische Belastungen und damit Stress in alltäglichen Situationen Schritt für Schritt abzubauen“, erläutert Prof. Dr. Elisabeth Schramm, Leitende Psychologin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Freiburg. Kritische und krankheitsförderliche Lebenssituationen seien zu bearbeite und es gelte ein unterstützendes Beziehungsnetz, ein positiveres Selbstbild und den Umgang mit schwierigen emotionalen Situationen gemeinsam mit den Patienten zu erarbeiten. Die Forschungsergebnisse der Freiburger Experten zeigen außerdem, dass auch bei chronisch verlaufende Erkrankungsformen (wenn eine Depression länger als zwei Jahre besteht) speziell dafür entwickelte Psychotherapien – vor allem in Kombination mit Antidepressiva – erfolgreich sind.

Quelle: Heilpraxisnet.de, 27.07.2017

Hausengel Akademie: Erste IHK-zertifizierte Ausbildung für „24-Stunden-Betreuungskräfte“

Rund 700.000 Betreuungskräfte aus dem osteuropäischen Ausland leben und arbeiten in deutschen Privathaushalten. Bisher gab es für diese Betreuung in häuslicher Gemeinschaft (sogenannte „24-Stunden-Betreuung“) keinen einheitlichen Qualitätsstandard. Die von der Hausengel Akademie und Springer Pflege angebotene Schulung „Betreuungskraft im häuslichen Umfeld“ erhält nun das begehrte Zertifikat der IHK Kassel-Marburg und setzt damit einen branchenweiten Qualitätsstandard für die Qualifizierung dieser Kräfte.

Die Schulung „Betreuungskraft im häuslichen Umfeld (IHK)“ hat die Hausengel GmbH gemeinsam mit Springer Pflege initiiert und damit einen europaweiten Branchenstandard gesetzt. Beide Unternehmen bieten die Weiterbildung an, so dass Interessierte selbst entscheiden können, bei welchem Anbieter sie die Schulung absolvieren möchten. Für den Bereich der sogenannte „24-Stunden-Betreuung“ existiert keine weitere, vergleichbare Ausbildung. Die IHK-Zertifizierung unterstreicht den qualitativ hohen Anspruch des Lehrgangs.

Anschlussfähigkeit zur Fachpflege

Sie pflegen Menschen mit ganz unterschiedlichen Krankheitsbildern und betreuen alte Menschen zu Hause. Sie müssen wissen, wie sie sich Erkrankten gegenüber verhalten sollten und in Notsituationen eigenverantwortlich und richtig reagieren. Sie tragen eine hohe Verantwortung und sind eine unersetzbare Stütze im deutschen Gesundheitswesen: Betreuungskräfte aus Osteuropa. Als sinnvolle Ergänzung zur ambulanten Fachpflege ist eine intensive und einheitliche Qualifizierung dieser Kräfte jedoch unerlässlich.

„Deswegen bilden wir bereits seit Jahren unsere Betreuungskräfte an unserer hauseigenen, staatlich anerkannten und zertifizierten Akademie weiter“, sagt Simon Wenz, Gründer und Geschäftsführer der Hausengel Unternehmensgruppe. „Mit unserem hohen Qualitätsanspruch an Betreuungskräfte aus Osteuropa standen wir lange Zeit recht alleine dar. Doch die Reaktionen der Betreuungskräfte, der Familien aber auch der betroffenen Fachpflegekräfte und Institutionen bestätigen uns. Auch die aktuelle IHK-Zertifizierung unserer Schulung durch die IHK Kassel-Marburg macht uns stolz und unterstreicht unseren hohen Qualitätsanspruch. Unser Ziel war es, für die Betreuung in häuslicher Gemeinschaft (sogenannte ‚24-Stunden-Betreuung‘) einen bundesweiten Qualitätsstandard zu setzen. Das haben wir nun erreicht.“, stellt Wenz fest.

E-Learning ist bereits Branchenstandard

Auch Falk Miekley, Director Professional Care von Springer Pflege, zeigt sich erfreut über die Zertifizierung der IHK: „Mit Hausengel haben wir einen Partner gefunden, der die Vorteile E-Learning- gestützter Weiterbildungsmaßnahmen sofort erkannt hat. Uns kam es besonders darauf an, dass der Kurs mit Blick auf den Bedarf der Zielgruppe umgesetzt wird. Gerade für Betreuungskräfte aus dem Ausland sind orts- und zeitunabhängige Lernmöglichkeiten sowie ein hoher Praxisbezug essentiell. Die IHK-Zertifizierung zeigt, dass wir ein modernes, ansprechendes und anschlussfähiges E-Learning geschaffen haben, dessen Curriculum alle notwendigen Themen der Pflege und Betreuung aktuell und fachlich korrekt abbildet.“

Das bestätigt auch ein Gutachten von Marie-Luise Müller, Pflege- und Qualitätsmanagerin sowie ehemalige Präsidentin des Deutschen Pflegerates e.V. Demnach ist das Curriculum des Zertifikatslehrgangs „Betreuungskraft im häuslichen Umfeld (IHK)“ für Betreuungspersonen aus dem europäischen Ausland innovativ, umfassend und zielgerichtet auf Hilfe- und Betreuungsaufgaben ausgerichtet. Dabei sichert es ein fundiertes Pflegefachwissen für Betreuungskräfte ohne pflegerische Vorkenntnisse.

Die Weiterbildung auf einen Blick

Die IHK-zertifizierte Weiterbildung richtet sich an alle Interessierten der Betreuung in häuslicher Gemeinschaft und ist in acht Sprachen verfügbar. Der Zertifikatskurs „Betreuungskraft im häuslichen Umfeld (IHK)“ umfasst 23 Module und 230 Unterrichtseinheiten. Ein vielfältiger Medienmix und praxistaugliche Inhalte animieren die Kursteilnehmer, das Gelernte zu verknüpfen und praktisch anzuwenden. Die Anmeldung kann sowohl bei der Hausengel Akademie, als auch bei Springer Pflege erfolgen: www.hausengel.de/hausengel-akademie oder www.springerpflege.de. Auf diesen Seiten finden sich auch weitere Informationen über den Kurs.

Über die Hausengel GmbH

Nach dem Grundsatz „Rundum versorgt“ bietet die Hausengel Betreuungsdienstleistungen GmbH bereits seit 2005 sowohl ambulante Pflege und Pflegeberatung durch examiniertes Pflegefachpersonal als auch „24-Stunden-Betreuung“ im eigenen Zuhause durch osteuropäische Betreuungspersonen. Die Hausengel Akademie, der hauseigene Weiterbildungsträger an dem alle Betreuungskräfte der Hausengel ausgebildet werden, ist nach den AZAV-Richtlinien der Bundesagentur für Arbeit zertifiziert. Das Unternehmen ist Mitglied im Verband für häusliche Betreuung und Pflege (VHBP e.V.), der sich für einheitliche Qualitätsstandards in der häuslichen Versorgung einsetzt. Juliane Bohl, Mitarbeiterin der Hausengel Betreuungsdienstleistungen GmbH ist darüber hinaus stellvertretende Vorsitzende des VHBP e.V. Der Großteil der Hausengel-Franchisenehmer ist Mitglied im Bundesverband der Betreuungskräfte (BDBK e.V.), der sich für die Rechte und die Qualifizierung von Betreuungskräften einsetzt.

Springer Pflege ist Anbieter qualitativ hochwertiger Fachinformationen und Services für alle Akteure der Pflege im deutschsprachigen Gesundheitswesen – von der professionellen Pflege bis hin zu pflegenden Angehörigen. Die Angebotspalette umfasst dabei verschiedenste Printprodukte, den Bereich Fort- und Weiterbildung, den Bereich Kongresse und Fachveranstaltungen, sowie umfangreiche Online-Services. Die Verlagsprodukte zeichnen sich durch exzellente Vernetzung zu Berufsverbänden, Herausgebern und Fachautoren aus. Springer Pflege ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Nature.

Quelle: gesundheit-adhoc.de, 26.07.2017

Bluthochdruck bei Frauen: die verkannte Gefahr

Einmal niedrig, immer niedrig – das gilt nicht für den Blutdruck. Vor allem Frauen können sich nicht darauf verlassen, dass sie ihr Leben lang Werte haben, die ungefährlich für sie sind. Sie sollten sich deshalb nicht in falscher Sicherheit wiegen. Sonst verpassen sie unter Umständen die Chance, einen Hochdruck rechtzeitig behandeln zu lassen.

Die Wechseljahre legen den Hebel um

Zu niedrig ist ein Blutdruck, wenn er unter Werte von 105/65 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) sackt. Besonders schlanke Frauen sind davon in jungen Jahren häufig betroffen. Ist die „Hypotonie“, so der medizinische Fachbegriff, nicht Folge einer Erkrankung wie einer Unterfunktion der Schilddrüse oder eines Herzleidens, besteht kein Grund zur Beunruhigung. Denn auch wenn der niedrige Blutdruck zeitweilig das persönliche Wohlbefinden beeinträchtigt – gefährlich ist er in der Regel nicht. Arterien und Venen werden dadurch nicht geschädigt.
Um das 50. Lebensjahr herum kann sich das jedoch drastisch ändern. „Dann haben viele Frauen keinen niedrigen Blutdruck mehr, sondern einen zu hohen“, warnt Dr. Miriam Ude, Fachapothekerin für Arzneimittelinformation aus Darmstadt. Schuld daran sind die hormonellen Veränderungen während der Wechseljahre. Bis dahin haben die Östrogene die Gefäße geschützt und ihnen geholfen, auf Schwankungen des Blutdrucks besser zu reagieren. Sinkt die Östrogenproduktion, kommt es zu einem Überschuss an männlichen Hormonen wie Testosteron. Dadurch wird vermehrt gefährliches Bauchfett eingelagert, Fett- und Zuckerstoffwechsel werden gestört, die Gefäße verengen sich. Die Folge: Der Blutdruck steigt. Und damit das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Ein Risiko, das die meisten Frauen allerdings eher bei ihren Männern vermuten.

Signale des Körpers werden falsch eingeschätzt

Dass sie selbst stärker in Gefahr schweben, unterschätzen viele. Bluthochdruck, „Hypertonie“, ist ein „stilles“ Leiden, er bereitet erst einmal keine Probleme. Treten tatsächlich Beschwerden auf, ordnen Frauen sie oft falsch ein. „Ein Schwindel bei zu hohem Blutdruck ähnelt einem bei zu niedrigen“, sagt Miriam Ude. „Das gilt auch für Sehstörungen, Flimmern vor den Augen und Kopfschmerzen. Viele Frauen nehmen solche Symptome nicht ernst. Sie denken: ‚Das kenne ich seit Jahren; das ist harmlos.‘ Doch wenn sie sich nicht untersuchen lassen, merkt niemand, dass sich in ihrem Körper etwas gefährlich verändert hat. Das ist fatal.“
Um frühzeitig festzustellen, dass aus einem niedrigen Blutdruck ein zu hoher geworden ist, ist eine regelmäßige Kontrolle nötig. Vor allem Frauen, die eventuell während einer Schwangerschaft schon mal erhöhte Werte hatten oder deren Mutter einen Herzinfarkt erlitten hat, sollten spätestens ab 50 ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren lassen. Eine Hormonersatztherapie gegen Beschwerden in den Wechseljahren kann einen bislang niedrigen oder normalen Blutdruck ebenfalls in die Höhe treiben. Das sollte der Arzt im Blick behalten. Messungen bieten aber auch Apotheken an.

Am besten mit sanfter Therapie starten

So lange die Werte nicht deutlich erhöht sind – die Ärzte sprechen von einer „milden Hypertonie“ – reicht es oft schon, den eigenen Lebensstil zu verändern. Wer sich regelmäßig, möglichst fünfmal pro Woche 30 Minuten bewegt, sich gesund und möglichst salzarm (maximal fünf Gramm täglich) ernährt, viel Wasser und wenig Alkohol trinkt, nicht raucht und Stress abbaut, schafft es häufig, seinen Blutdruck wieder auf die von der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL empfohlenen maximalen 140/90 mmHg zu senken. Helfen kann möglicherweise außerdem die regelmäßige Einnahme von geeigneten naturheilkundlichen Mitteln“
Verbessern sich die Werte nach höchstens sechs Monaten nicht, lässt sich die zusätzliche Einnahme von Blutdrucksenkern jedoch nicht mehr umgehen. Da Frauen auf einige Medikamente empfindlicher reagieren können als Männer, braucht der Arzt viel Fingerspitzengefühl, um die richtige Dosis zu finden. Weniger ist gerade bei Frauen oft mehr. Und ein behutsames Vorgehen auf Dauer gesehen meist besser als schnelle Erfolge.

Quelle: gesundheit-adhoc.de, 26.07.2017

Rente – Frauen erzielen nur 47 Prozent der männlichen Alterseinkommen

Frauen erzielen in Deutschland ein nur halb so hohes Alterseinkommen wie Männer: Im Schnitt müssen weibliche Ruheständler mit 53 Prozent weniger Vorlieb nehmen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der grünen Bundestagsfraktion hervor (Drucksache 18/11319).

Berücksichtigt wurden hierbei nicht nur die gesetzliche Rente, sondern auch Einkünfte aus privater und betrieblicher Altersvorsorge. Besonders hoch ist die Rentenlücke bei den Betriebsrenten: Hier erzielen Frauen gar 60 Prozent weniger. Am geringsten ist die Rentenlücke hingegen bei der privaten Altersvorsorge mit 14 Prozent (siehe Grafik).

Damit sind Frauen auch stärker von Altersarmut bedroht, wie eine Auswertung des gewerkschaftsnahen WSI-Instituts zeigt. Zum Jahresende 2016 waren 308.726 Frauen ab 65 Jahren auf Grundsicherung im Alter nach dem SGB XII angewiesen – aber „nur“ 216.869 Männer. Der Frauenanteil ist bei dieser Sozialleistung um mehr als 42 Prozent höher.

Relative Rentenlücke: Wie viel Alterseinkünfte erzielen Frauen im Schnitt weniger als Männer? Quelle: Bundesregierung / Alterssicherung in Deutschland (ASID)

Frauen unterbrechen Arbeit öfter – und werden schlechter bezahlt

Ein wichtiger Grund für die Rentenlücke sind laut Bundesregierung erwerbsbiographische Unterschiede: So unterbrechen Frauen ihren Job nach wie vor weit öfter, um Kinder großzuziehen oder Angehörige zu pflegen. Das bestätigen auch Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Zwei Drittel der pflegenden Angehörigen sind Frauen, wenn in einer Familie Menschen zum Pflegefall werden und nicht ins Heim kommen sollen.

Auch strukturelle Benachteiligungen tragen dazu bei, dass Frauen im Alter weniger Geld im Portemonnaie haben. Nicht nur sind Frauen seltener in Führungspositionen tätig, unter anderem, weil sie aufgrund familiärer Aufgaben oft in Teilzeit arbeiten. Soziale Berufe, in denen Frauen überproportional vertreten sind, etwa in der Pflege oder Erziehung, sind oft auch schlechter bezahlt als technische Berufe, in denen bisher Männer dominieren. Nicht zu vergessen die Gender Pay Gap: Noch immer erhalten Frauen rund 23 Prozent weniger Lohn, wenn sie die gleiche Arbeit wie ihre männlichen Kollegen verrichten.

Rentenlücke verringert sich – sehr langsam

Aber es gibt eine gute Nachricht: Die Rentenkluft zwischen den Geschlechtern verringert sich. Das liegt auch daran, dass immer mehr Frauen erwerbstätig sind. In den alten Bundesländern dominierte noch bis Ende der 70er Jahre das männliche Alleinernährer-Modell: Der Mann sorgte für das Einkommen der Familie, während die Frau zu Hause blieb und sich um Haushalt und Kinder kümmerte. Das hat sich erst durch die Frauenbewegung radikal gewandelt, wie zum Beispiel die Sozialwissenschaftlerin Helga Riedmüller in ihrem Aufsatz „Frauen- und familienpolitische Leitbilder im deutschen Alterssicherungssystem“ ausführt. Folglich erwarben Männer früher auch höhere Renten-Anwartschaften.

Doch selbst, wenn alle Faktoren mit einem Mal wegfallen würden, die Frauen benachteiligen: Dann würde es immer noch mehr als 60 Jahre dauern, bis Frauen und Männer gleichauf bei den Alterseinkommen sind. Das zeigen ebenfalls Berechnungen des WSI Institutes. Die Grünen fordern deshalb eine Arbeitsmarkt- und Rentenreform. Betreuungsangebote für Kinder sollen ausgebaut, die schlechtere Bezahlung von Frauenberufen abgeschafft werden. Eine „flexible Vollzeit“ soll die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf garantieren. Eine „Garantierente“ soll zudem den Frauen mindestens 850 Euro aus der Rentenkasse sichern, wenn sie dreißig Jahre und mehr in die Rentenkasse eingezahlt haben.

„Geht der Trend so weiter, würde es noch bis zum Jahr 2080 dauern, bis diese Lücke geschlossen ist. Im Gegensatz zur Bundesregierung geht uns das viel zu langsam“, heißt es im Pressetext der Grünen. Und an anderer Stelle: „Frauen arbeiten genauso viel wie Männer – mindestens. Ihr Pech: Sie werden für diese Arbeit entweder gar nicht bezahlt oder eben deutlich schlechter als Männer. Ihr doppeltes Pech: Die Rente ist ein Spiegelbild des Erwerbslebens.“

Quelle: Versicherungsbote online, 25.07.2017

Alzheimer – Mit Alltagsproblemen umgehen

Menschen, die Alzheimer-Patienten pflegen, sind einem enormen Druck ausgesetzt und tragen große Verantwortung. Die Arbeit, die sie leisten, ist körperlich wie seelisch aufreibend. Wenn die Krankheit fortschreitet, müssen sich Pflegeleistende dem ständigen Wechsel anpassen, den die Patienten krankheitsbedingt durchlaufen. Im gleichen Maße müssen sie eigene Fähigkeiten angleichen, die für die Pflege notwendig sind.

In dieser Rubrik bieten wir Anregungen zum Umgang mit alltäglichen Situationen und Problemen, die bei der Pflege eines Alzheimer-Patienten eine Rolle spielen können. Bei der Gestaltung des Tagesablaufs sollten Sie die früheren Gewohnheiten, Vorlieben und Abneigungen des Patienten in Betracht ziehen, auch wenn diese nicht mehr artikuliert werden können.

Kommunikation

Wenn die Alzheimer-Krankheit fortschreitet, kann der Patient nicht klar verstehen, was um ihn herum passiert oder was von ihm verlangt wird. Das ist ein schwieriges Problem – sowohl für Patienten als auch für pflegende Angehörige. Einige Kommunikationstechniken können helfen:

  • Sprechen Sie den Patienten direkt an, sehen Sie ihn an, um sicherzustellen, dass er Sie gehört hat.
  • Sprechen Sie langsam und mit ruhiger Stimme.
  • Benutzen Sie kurze Sätze mit jeweils einer einzigen Aussage. Anstatt den Patienten zu fragen, was er möchte, nutzen Sie feststellende Sätze wie „Es ist nun Zeit zu essen.“
  • Versuchen Sie nicht, Themen zu diskutieren, an die sich der Patient nicht mehr erinnern kann. Ermutigen Sie zu Gesprächen über vertraute Dinge und Zeiten.
  • Vermeiden Sie ironische Bemerkungen und bildhafte, missverständliche Redewendungen wie „grüner Daumen“.
  • Schalten Sie Störungen wie Radio oder Fernseher aus, während sie sprechen. Es kann für den Patienten schwierig sein, die Geräuschquellen auseinander zu halten.

Tägliche Pflege

Hin und wieder kann sich Ihr Patient weigern zu baden. Der Grund dafür kann sein, dass Baden für ihn zu kompliziert geworden ist, dass der Patient Angst vor dem Wasser bekommt, oder dass Schamgefühle aufkommen. Auch Probleme mit dem Sehen machen es schwierig, die Umrisse der Dusche oder Wanne zu unterscheiden. Der Betroffene kann vergessen haben, wie die Wasserhähne funktionieren oder er kann sich nicht mehr erinnern, was er mit Seife und Waschlappen anfangen soll. Das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit zieht auch die Koordination in Mitleidenschaft, was zusätzlich zu Sicherheitsrisiken führt.

  • Vermeiden Sie es mit dem Patienten darüber zu diskutieren, ob ein Bad nötig ist oder nicht. Sagen Sie einfach „es ist Badezeit“. Noch effektiver kann dies sein, wenn Sie zu einer festgelegten, regelmäßigen Zeit und an einem bestimmten Platz das Bad ankündigen.
  • Denken Sie daran, den Schlüssel aus der Badezimmertür und Rasierer sowie elektrische Geräte wie Fön oder Lockenstab aus den Schränken zu entfernen.

Hier einige Tipps, die helfen können, die Badezeit problemloser zu gestalten:

  • Halten Sie alles griffbereit, bevor Sie beginnen. Das verhindert Unterbrechungen.
  • Stellen Sie sicher, dass der Raum warm genug ist.
  • Füllen Sie die Wanne nur wenige Handbreit mit Wasser. Prüfen Sie die Temperatur des Wassers.
  • Vermeiden Sie Badeöle oder andere Zusatzstoffe, die die Wanne rutschig machen.
  • Teilen Sie den Badevorgang in einzelne Schritte auf. Versuchen Sie es zum Beispiel so: „Hier ist der Waschlappen. Wasch’ deinen Arm.“
  • Seien Sie ruhig und freundlich, aber bestimmt. Vermeiden Sie Ablenkungen oder Diskussionen. Es ist das Beste, die Aufmerksamkeit immer auf die aktuelle Aufgabe zu richten.
  • Hetzen Sie nie.
  • Schauen Sie nach Hautausschlägen oder wunden Stellen.
  • Legen Sie ein Handtuch über die Schultern des Badenden, es vermittelt ihm ein warmes Gefühl und Privatsphäre.
  • Seien Sie flexibel. Wenn ihr Angehöriger sich weigert, in die Wanne zu steigen, waschen Sie ihn mit Schwamm und Badeschüssel im Schlafzimmer.

Ankleiden

Patienten sollten ermutigt werden sich selbst anzukleiden, so lange sie dazu in der Lage sind. Dabei sollte man berücksichtigen, welche Gewohnheiten der Patient in der Vergangenheit hatte. Routine funktioniert meist am besten bei alltäglichen Aktivitäten. Hier einige Vorschläge, die die Unabhängigkeit Ihres Patienten erhöhen können:

  • Legen/hängen Sie alle Kleidungsstücke in der Reihenfolge zurecht, in der sie angezogen werden sollen.
  • Kennzeichnen Sie Schubladen und Kommoden mit Kleidung. Sie können zum Beispiel Bilder aus Zeitschriften verwenden.
  • Fragen Sie nicht, welche Kleidung Ihr Patient bevorzugt.
  • Entfernen Sie selten getragene Kleidungsstücke, um die Auswahl zu begrenzen.
  • Hetzen Sie den Patienten nie.
  • Nutzen sie einfache Kleidungsstücke. Klettband kann viele Verschlüsse ersetzen.
  • Strickjacken sind einfacher anzuziehen als Pullover. Auch Jogging-Anzüge sind bequem und gleichzeitig modisch.
  • Legen Sie Bürsten und Kämme übersichtlich hin.
  • Kleidung kann zu einem Risiko werden, wenn sie nicht richtig passt. Stellen Sie sicher, dass die Kleidungsstücke, die getragen werden, Ihren Patienten nicht behindern.

Auto fahren

Wann sollte ein Alzheimer-Patient nicht mehr fahren? Diese Frage ist komplexer als es scheint. Der Grund: Auto fahren ist eine Gewohnheit und viele Alzheimer-Patienten können scheinbar durchaus auch mit der Krankheit fähig sein, gut zu fahren.

Trotzdem bleiben einige wichtige Fragen offen. Zum Beispiel: Kann der Patient im Ernstfall umgehend reagieren? Sind Reflexe und muskuläre Koordination noch gut? Ist das Seh- und Hörvermögen unbeeinträchtigt? Können Entscheidungen noch schnell und adäquat getroffen werden? Wenn es irgendein Bedenken hinsichtlich der Antwort auf eine dieser Fragen gibt, dann ist das Risiko des Fahrens vermutlich zu hoch.

Auto fahren ist emotional stark besetzt, weil es persönliche Unabhängigkeit repräsentiert. Versuchen Sie deshalb, die Situation ruhig mit dem Patienten zu diskutieren. Mögliche Reaktionen beinhalten Klagen, Ärger und Sturheit. Bieten Sie Sympathie und Verständnis an. Der Alzheimer-Patient wird dies brauchen, um die berechtigten Gefühle von Leid und Verlust auszudrücken. Aus Sicherheitsgründen sollten Sie allerdings standhaft bleiben. Es kann hart für Sie sein, ein Machtwort über ihren Partner oder ein Elternteil sprechen zu müssen. Dennoch, wenn ein verwirrter Autofahrer eine Gefahr für andere darstellt, haben Sie keine Wahl. Wenn der Patient auf den Autoschlüsseln besteht, können Sie das Auto fahruntüchtig machen, indem Sie die Verteilerkappe abschrauben oder die Batterie abklemmen. Manche Pflegepersonen lösen das Problem, indem Sie das Auto eine zeitlang entfernt vom Haus parken.

Essenszeit

Mahlzeiten können der Höhepunkt des Tages im Leben eines Alzheimer-Patienten sein. Sie können die Freude darüber erhöhen, indem Sie eine regelmäßige Routine etablieren, Störungen auf ein Minimum beschränken und Geschirr bereitstellen, das die Einschränkungen des Patienten berücksichtigt. Hier einige Strategien, die helfen können:

  • Servieren Sie jeweils nur ein Essen, damit Ihr Alzheimer-Patient nicht entscheiden muss, was er zuerst essen will.
  • Benutzen Sie einen tiefen Teller oder eine Schüssel, um Kleckern zu verhindern.
  • Um die Frustration zu minimieren, schneiden Sie das Essen in mundgerechte Stücke.
  • Hat Ihr Alzheimer-Patient vergessen, wie man eine Gabel benutzt? Zu beobachten, wie Sie die Technik demonstrieren, kann ihm diese Fertigkeit zurückbringen. Wenn nicht, bieten Sie dem Patienten einen Löffel an oder erwägen Sie, ihm nahrhaftes Finger Food (Häppchen, die er mit den Fingern essen kann) anzubieten.
  • Ein kleinerer Löffel ermöglicht es ihm, kleinere Bissen zu nehmen und verhindert, dass er zu viel hinunterwürgt oder sich verschluckt.
  • Eine vorgebundene Serviette und eine Tischdecke aus Plastik erleichtern das Reinigen.
  • Vermeiden Sie sehr heiße Speisen, um das Risiko des Verbrühens zu verhindern.

Andere mögliche Probleme: Manche Alzheimer-Patienten vergessen, dass sie gerade eben gegessen haben und verlangen nach Essen. Dies werden Sie durch einen fixen Ablaufplan in den Griff bekommen. Argumentieren Sie nicht – finden Sie stattdessen eine Ablenkung. Zum Beispiel die, dass Sie Ihren Patienten bitten, zunächst gemeinsam mit Ihnen eine Arbeit fertig zu machen. Die Aktivität wird die Aufmerksamkeit vom Essen ablenken.

Was ist mit den Patienten, die über den Kühlschrank herfallen? Sie sollten diesen abschließen, vor allem, wenn er Nahrungsmittel enthält, die aus medizinischen Gründen verboten sind. Vielleicht finden Sie auch einen anderen Platz, um bestimmte Nahrungsmittel zu verstauen – zum Beispiel einen kleinen Kühlschrank im Keller. Versuchen Sie gesunde Snacks bereitzuhalten.

Teilweise essen die Patienten auch zu wenig, sie haben das Hungergefühl verloren. Bereiten Sie die Lieblingsspeisen des Patienten zu. Falls Probleme mit dem Schlucken auftreten sind weiche oder pürierte Speisen leichter zu essen. Erinnern Sie zu festgelegten Zeiten an das Essen. Stellen Sie Teller mit kleinen Häppchen auf, die der Patient gerne isst und auf die er jederzeit zugreifen kann.

Erinnern Sie den Patienten daran, regelmäßig zu trinken. Süße Fruchtsäfte oder Limonaden können Kalorien zuführen und werden oft lieber getrunken als Wasser.

Schlafprobleme

Wenn die Alzheimer-Krankheit fortschreitet, wird Ihr Patient möglicherweise ein verändertes Schlafverhalten entwickeln. Ruhe- und Schlaflosigkeit in der Nacht sind nicht ungewöhnlich und können für Pflegepersonen stressig sein, wenn dies zu dem Wanderverhalten führt, das weiter unten auf dieser Seite beschrieben wird. Einige Tipps, die Schlafprobleme verkleinern, sind:

  • Verhindern Sie Nickerchen am Tage, wenn der Patient nachts nicht durchschläft.
  • Nutzen Sie dessen überschüssige Energien für ein paar tägliche Übungen.
  • Fragen Sie den Arzt des Patienten, ob die Medikamente, die er bekommt, eventuell Schlaflosigkeit verursachen können.
  • Vermeiden Sie nach Möglichkeit Koffein in jeder Form.
  • Stellen Sie sicher, dass Ihr Patient auf der Toilette war, bevor er ins Bett geht.
  • Versuchen Sie eine feste Zeit und normale Routine für das Zubettgehen einzuhalten.

Soziale Kontakte

Viele Patienten, vor allem in den frühen Stadien der Krankheit, gehen durch Phasen der Depression, wenn sie mehr und mehr realisieren, dass die Alzheimer-Krankheit ihre Persönlichkeit und ihr Leben verändert. Ein soziales Miteinander während dieser frühen Phasen kann Depressionen manchmal abwehren und stimulierend sein. Drängen Sie Ihren Patienten nicht zum Kontakt mit anderen, aber ermutigen Sie ihn so sozial aktiv zu sein wie möglich. Fördern Sie seine Teilnahme an einfachen Aufgaben oder einfachen Tätigkeiten, die in der Vergangenheit Freude bereitet haben.

Eine weitere Möglichkeit sind Selbsthilfegruppen speziell für Patienten mit Alzheimer-Krankheit. Diese Gruppen geben Patienten die Chance, mit anderen Betroffenen zu sprechen, die durch dieselben Veränderungen gehen und dieselben Emotionen erfahren. Sie können sie selbst sein, ohne Angst zu haben, dass sie Fehler machen.

Es gibt die Gruppen nicht in jeder Gemeinde, aber Sie sollten in Krankenhäusern vor Ort nachfragen, bei Wohlfahrtsverbänden, in Kirchen oder Pflegeeinrichtungen für Erwachsene. Vielleicht entscheiden Sie auch, eine eigene Selbsthilfegruppe in Ihrer Gemeinde zu gründen.

Sundowning

Aus nicht bekannten Gründen werden viele Alzheimer-Patienten am frühen Abend rund um den Sonnenuntergang ruhelos und umtriebig. Man nennt dies „Sundowning“. Einige Vorschläge, diese Symptome zu mindern, sind:

  • Ein Nickerchen oder eine Ruhezeit am Nachmittag, wenn dies den Nachtschlaf nicht stört.
  • Ein frühes Abendessen oder ein später Nachmittags-Snack.
  • Gute Beleuchtung innerhalb des Hauses, um das abnehmende Sonnenlicht draußen zu kompensieren.
  • Planen Sie anstrengende Aktivitäten wie zum Beispiel die Körperpflege früher am Tag.

Toilettengang

Manchmal haben Alzheimer-Patienten Schwierigkeiten, rechtzeitig zur Toilette zu kommen. Durch eine körperliche Untersuchung kann ein Arzt feststellen, ob ein medizinisches Problem vorliegt.

Handelt es sich nicht um ein medizinisches Problem, werden die „Unfälle“ durch die Verwirrung hervorgerufen, die mit der Alzheimer-Krankheit einhergeht. Patienten können Probleme haben, sich daran zu erinnern, was zu tun ist, wenn der Harndrang auftritt. Manche Patienten haben Schwierigkeiten sich zu erinnern, wo das Badezimmer ist oder denken nicht rechtzeitig daran dort hinzugehen. Folgendes kann helfen:

  • Führen Sie einen regelmäßigen Zeitplan für die Toilettengänge des Patienten ein.
  • Beginnen Sie im Zweistunden-Intervall mit einem ersten Gang am Morgen. Planen Sie zusätzlich einen Gang nach jedem Nickerchen ein. Passen Sie die Intervalle so an, wie es notwendig ist.
  • Bringen Sie Nachtlichter im Schlafzimmer, Korridor und Badezimmer an.
  • Streichen Sie die Badezimmertür in leuchtender Farbe oder bringen Sie ein Motiv als Blickfang auf ihr an.
  • Versuchen Sie es mit sicheren Bettauflagen für Erwachsene (in Sanitätshäusern erhältlich, auch professionelles Pflegepersonal kann Ihnen helfen, diese Produkte auszuwählen).
  • Ab einem gewissen Punkt im Verlauf der Erkrankung Ihres Patienten werden Sie den Einsatz von Erwachsenenwindeln einplanen müssen.

Umherwandern und Weglaufen

Eine schwer nachzuvollziehende Verhaltensweise von Alzheimer-Patienten ist das Umherwandern. Die Konsequenzen dieses Verhaltens können verhängnisvoll sein, wenn der Patient eine sichere Umgebung verlässt. Dennoch: Das Umherwandern oder Abschreiten innerhalb sicherer Räume wird niemandem schaden und kann für einige Patienten sogar beruhigende Effekte haben. Wenn das Umherwandern weder gefährlich für den Patienten noch sonderlich störend für Sie ist, ist einzig eine „freie Bahn“ im Haus notwendig.

Wird das Umherwandern bedenklich und ist die Sicherheit des Patienten in Gefahr, sind einige Schutzmaßnahmen gefragt. Die Pflegeperson sollte den Patienten beobachten, um herauszufinden, ob das Umherwandern planlos ist oder ob es ein Ziel oder einen Zweck verfolgt. Das Kommunikationsverhalten von Alzheimer-Patienten ist oft eingeschränkt, daher ist es nicht einfach, den Grund für das Umherwandern zu entdecken. Versuchen Sie dieses Umherwandern über einige Tage täglich auf- und zu beschreiben, um den Grund dafür aufzudecken. Die Beobachtung des Patienten wird gewöhnlich einige Aufschlüsse liefern.

  • Wird der Weg benutzt, um sich positiv zu stimulieren?
  • Reagiert Ihr Patient auf ein neues Medikament?
  • Macht Ihr Patient den Eindruck, als suche er etwas?
  • Wandert Ihr Patient jeden Tag zur gleichen Zeit, zum Beispiel nach dem Aufwachen oder spät am Abend?
  • Wandert Ihr Patient nach einer stressigen Situation wie einer Auseinandersetzung, lauten Geräuschen, grellen Lichtern usw.?
  • Könnte das Verhalten eine Angstreaktion sein? Sucht Ihr Patient Sicherheit?
  • Gab es an diesem Tag Störungen im normalen Ablauf?

Lässt sich der Grund herausfinden, wird es einfacher sein, das Umherwandern zu verhindern. Was immer die Ursache ist, bestimmte schützende Maßnahmen können getroffen werden, um die Person vom Umherwandern außerhalb einer sicheren Umgebung abzubringen. Üben Sie jeden Tag mit Ihrem Patienten. Spaziergänge können manche Ruhelosigkeit und Unrast verhindern. Es ist gut für Sie beide! Selbst wenn Sie einen Auslöser für das Umherwandern des Patienten ausgeschaltet haben, wird es Ihnen vielleicht nicht möglich sein, dieses Verhalten komplett abzustellen. Es folgen einige Tipps zur Bewältigung des Umherwanderns:

  • Lassen Sie Ihren Patienten ein Armband mit persönlichen Daten tragen, welches darauf hinweist, dass es sich um eine Person mit „Gedächtnisverlust“ handelt. Name und Telefonnummer sollten auf seine Identität hinweisen.
  • Informieren Sie die Nachbarn, dass Sie sich um eine Person mit Gedächtnisverlust kümmern. Erklären Sie, was zu tun ist, wenn sie Ihren Patienten irgendwann einmal alleine draußen sehen.
  • Reflektierendes Klebeband kann auf der Kleidung aufgebracht werden. Ihr Patient ist dann für andere etwas besser sichtbar. Jeder Alzheimer-Patient sollte eine persönliche Kennung mit sich tragen. In die Kleidung eingenähte oder aufgebügelte Namensschildchen können über Namen und Telefonnummer informieren.
  • Einige Menschen würden nicht irgendwo hingehen, ohne bestimmte persönliche Dinge wie Brille, Schuhe, ihre Brieftasche mitzunehmen. Nutzen Sie dieses Wissen, indem Sie diese Dinge an einem sicheren Ort deponieren, der nur Ihnen bekannt ist.
  • Wenn Ihr Patient weggelaufen ist, informieren Sie umgehend die Polizei. Wenn Sie ein aktuelles Foto sowie eine Beschreibung des Patienten für die Polizei bereithalten, spart dies Zeit. Sehr wichtig ist es, dass Sie Ihren Patienten nach der Rückkehr liebevoll begrüßen und mit Zuneigung empfangen.

Verletzendes Verhalten

Wenn die Krankheit voranschreitet, treten Veränderungen im Gehirn und im Körper auf. Zeitweilig werden Alzheimer-Patienten von Verwirrung überwältigt und sind dann extrem aufgebracht. Oftmals treten Verhaltensprobleme am Abend auf. Vielleicht hat die Verwirrung, die der Patient durchleidet oder eine bedrohlich erscheinende Umwelt, die er den ganzen Tag hindurch erleben musste, ihn müde gemacht und negative Gefühle an die Oberfläche befördert. Wenn Ihr Patient verletzend reagiert:

  • Bleiben Sie gelassen und führen Sie den Patienten ruhig aus der aufgeregten Situation.
  • Erinnern Sie sich daran, dass Anfeindungen aus der Frustration über Einschränkungen, dem Unverständnis über das, was in der Umgebung vor sich geht oder einfach aus dem Vergessen des angemessenen Verhaltens resultieren können.
  • Versuchen Sie festzustellen, was diese Reaktion verursacht. Gibt es ein Muster?
  • Vermeiden Sie Diskussionen oder Beweisführung und bieten Sie ein freundliches Wort oder eine nette Berührung.
  • Suchen Sie den Arzt Ihres Patienten auf. Reizbarkeit und Feindseligkeit können direkt aus einigen körperlichen Beschwerden resultieren, die der Patient nicht beschreiben kann.

Quelle: alzheimer-forschung.de

Fernüberwachung bei Herzschwäche kann Klinikaufenthalt ersparen

Das Universitäts-Herzzentrum Freiburg · Bad Krozingen (UHZ) nutzt als erstes Klinikum Baden-Württembergs einen miniaturisierten Sensor, mit dem sich der Blutdruck bei Herzschwäche-Patienten aus der Ferne kontrollieren lässt. Mithilfe des in die Lungenschlagader implantierten Sensors misst der Patient einmal täglich den Blutdruck sehr nahe am Herzen und überträgt die Werte per Handy an das Behandlungszentrum am UHZ. Steigt der Druck, kann das der Vorbote einer akuten, lebensgefährlichen Herzschwäche sein. Noch vor Auftreten von Symptomen können die behandelnden Ärzte aus der Ferne die Therapie so anpassen, dass der Blutdruck wieder fällt. Eine internationale Studie im Fachmagazin The Lancet kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass dadurch bis zu jede dritte Krankenhauseinweisung bei Patienten mit Herzschwäche entfallen könnte.

Herzschwäche kontrollieren

Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt. Typische Anzeichen sind Atemnot bei leichter körperlicher Belastung wie Treppensteigen. Bei einer Herzinsuffizienz reicht die Pumpleistung des Herzens nicht mehr aus, um den Blut- und Sauerstoffbedarf des Körpers zu decken. Das schwerste Stadium einer Herzinsuffizienz wird als Dekompensation bezeichnet und kündigt sich durch Müdigkeit, Atemnot, Schwellungen der Beine und der Leber an. Unbehandelt kann es zum Herzstillstand führen.

„Für die Patienten bedeutet das neue Herz-Überwachungsystem einen enormen Gewinn an Lebensqualität und auch an Lebenszeit“, sagt Prof. Dr. Andreas Zirlik, Stellvertreter des Ärztlichen Direktors an der Klinik für Kardiologie und Angiologie I des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen. „Das System schlägt Alarm, noch bevor die Patienten Symptome bemerken.“ Dadurch können im besten Fall ein Krankenhausaufenthalt und Folgeschäden an Herz und Nieren vermieden werden, die wiederum das Sterberisiko erhöhen. Geeignet ist das CardioMEMS genannte System für Patienten, die in den letzten zwölf Monaten wegen Herzschwäche im Krankenhaus waren und der Herzinsuffizienzklasse III gemäß der Klassifizierung der New York Heart Association (NYHA) angehören.

Seit Oktober 2016 wurde das CardioMEMS-System an den Kliniken für Kardiologie und Angiologie I und II des UHZ im Rahmen einer klinischen Studie bei neun Patienten eingesetzt. Weitere folgen in den nächsten Wochen und Monaten. Bei zwei Patienten hat sich das System im Akutfall schon bewährt. „Als sich die Werte verschlechterten, haben wir die Patienten angerufen und mit einer angepassten Therapie gezielt gegengesteuert. Damit konnten wir ihnen vermutlich den Krankenhausaufenthalt ersparen“, sagt Prof. Zirlik.
Der etwa büroklammergroße Sensor funktioniert während der gesamten Lebenszeit des Patienten und benötigt keine Batterien. Für die tägliche Messung legt sich der Patient auf ein spezielles Kissen. Dieses regt den Sensor über magnetische Wellen an und empfängt dann die Messwerte. „Die Messvorgänge sind schmerzfrei und dauern nur wenige Sekunden“, sagt Dr. Wolfgang Zeh, Oberarzt und Leiter der Arbeitsgruppe für Klinische Herzinsuffizienz der Klinik für Kardiologie und Angiologie II des UHZ.

Im November 2016 wurden im Fachmagazin The Lancet die Ergebnisse einer großen Studie mit 550 Patienten veröffentlicht. Demnach wurden Patienten mit CardioMEMS ein Drittel seltener wegen Herzschwäche ins Krankenhaus eingeliefert als Patienten ohne das System. In Europa ist Herzinsuffizienz bei älteren Menschen der häufigste Grund für Klinikeinweisungen. Innerhalb von sechs Monaten kommt die Hälfte aller Herzinsuffizienzpatienten erneut in die Klinik.

Quelle: Medizin Aspekte online