Dienstleister und Polizei warnen: Falscher Telekom-Mitarbeiter in Godesberg unterwegs

BAD GODESBERG. In Bad Godesberg ist ein falscher Telekom-Mitarbeiter unterwegs. Am Dienstagnachmittag klingelte der Mann an der Tür eines GA-Lesers und wollte an seinem Provider das Signal ändern.

Deshalb wolle er über sein Tablet mein System anpassen“, beschreibt der Leser, der den Mann jedoch nicht hereinließ und andere Bad Godesberger warnen möchte. „Ich wage nicht, mir auszumalen, was geschehen wäre, wenn ich ihm den Zugang zu meinem Router ermöglicht hätte.“

Derzeit seien Kundenberater in Bonn unterwegs, „in der genannten Straße konnte allerdings keine Aktivität festgestellt werden“, teilte eine Sprecherin der Ranger Marketing & Vertriebs GmbH, dem zuständigen Vertriebspartner der Deutschen Telekom, auf Anfrage mit. Diejenigen, die für sie im Einsatz seien, seien gut erkennbar: Sie trügen das Outfit der Telekom „und weisen sich entsprechend mit einem Lichtbildausweis und einem Autorisierungsschreiben der Deutschen Telekom aus“.

Bei der Polizei ist der Fall bislang nicht bekannt, so ein Sprecher. Tipps, wie man sich richtig verhalten sollte, haben die Beamten aber trotzdem parat. „Lassen Sie keine Fremden in die Wohnung“, so die Polizei. Vor Öffnen der Tür sollte man sich durch einen blick durch den Türspion oder das Fenster ein Bild davon machen, wer vor der Tür steht. Bittet jemand zum Beispiel um ein Glas Wasser, sollte man sich fragen, warum derjenige sich nicht an eine Apotheke, eine Gaststätte oder ein Geschäft, sondern an eine Privatwohnung wendet.

„Machen Sie bei hilfebedürftiger Lage von Fremden an der Tür das Angebot, selbst nach Hilfe zu telefonieren oder das Gewünschte wie Schreibzeug oder ein Glas Wasser hinauszureichen, und halten Sie dabei die Tür gesperrt“, raten die Beamten. Und weiter: „Rufen Sie beim geringsten Zweifel unter der Notrufnummer 110 die Polizei zur Hilfe.“

Quelle: General Anzeiger online, 30.06.2017

Fernreisen: Welche Impfungen jetzt wichtig sind

Häufige, impfpräventable Infektionen auf Reisen sind Influenza und Typhus. Auch wird Brasilien- Reisenden aktuell eine Gelbfieber-Impfung empfohlen: Das Land kämpft mit dem schlimmsten Ausbruch seit 30 Jahren.

Von Anne Bäurle

Vor Fernreisen sollten in jedem Fall der Basis-Impfschutz überprüft und Impflücken geschlossen werden.
Anfang des Jahres meldete die WHO einen Gelbfieber-Ausbruch in Brasilien, der sich mittlerweile mit 3240 Verdachtsfällen und 435 Todesfällen zum größten Gelbfieber-Ausbruch in Brasilien seit 30 Jahren entwickelt hat. Das Centrum für Reisemedizin CRM rät daher ausnahmslos allen Brasilien-Reisenden, sich gegen Gelbfieber impfen zu lassen. Auch in Nachbarländern von Brasilien habe es Gelbfieber-Fälle gegeben, etwa der Todesfall eines dänischen Touristen in Peru, bemerkte Professor Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM, bei einer Veranstaltung in Berlin. „Für Reisen nach Südamerika muss die Indikation in jedem Fall sehr weit gestellt werden“, betonte Jelinek.

Erst 2014 hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO Daten vorgestellt, wonach eine einmalige Gelbfieber-Impfung für einen lebenslangen Schutz ausreicht. Daraufhin wurden auch in Deutschland die STIKO-Empfehlungen diesbezüglich geändert. „Bei vielen Ländern ist diese Information allerdings noch nicht angekommen, sodass wir nach zehn Jahren nachimpfen müssen“, so Jelinek.

Dengue-Fieber im Fokus

Am wichtigsten für die Reisemedizin sei weiterhin das Dengue-Fieber, so Jelinek. „Keine Tropenkrankheit kommt von der Zahl der Erkrankungen auch nur ansatzweise an das Dengue-Fieber heran. In den Tropen und Subtropen ist kein einziges Land frei von Dengue-Fällen.“ Die Überträgermücke Aedes aegypti sei aber auch in Südeuropa nachgewiesen worden, etwa in Frankreich und Italien. „Glücklicherweise verläuft die Krankheit aber nur selten tödlich“, sagte Jelinek.

Die intensive Forschung an einem Impfstoff gegen Dengue habe zur Zulassung einer ersten Vakzine in einzelnen Endemieländern geführt. „Die protektive Effektivität liegt bei immunologisch Naiven nur bei rund 20 Prozent“, sagte Jelinek. Auch sehe es so aus, als würden bei Geimpften tatsächlich stärkere Komplikationen bei einer Infektion auftreten als bei ungeimpften Personen. Schutz vor einer Infektion mit den Dengue-Virus bietet daher das Vermeiden von Stichen der tagaktiven Aedes-Mücke mit langer Kleidung, Repellents und Moskitonetzen. Eine weitere für die Reisemedizin wichtige Impfung ist die Typhus-Impfung, gerade für Reisende in südostasiatische Länder. Das CRM gibt für den Impferfolg der Schutzimpfung eine Schutzrate von 50 bis 70 Prozent an. Es gebe zudem eine Kombinationsimpfung gegen Typhus und Hepatitis A, die allerdings zur Zeit in Deutschland nicht verfügbar sei. Daher müsse auf die Mono-Impfstoffe zurückgegriffen werden.

Auf Basisimpfschutz achten!

Schließlich riet Jelinek zur Impfung gegen Tollwut. „Tollwut muss man in der reisemedizinischen Beratung für fast alle Reiseländer dieser Welt ansprechen.“ Relevant sei Rabies etwa immer noch auf Bali, wo es seit 2008 einen laufenden Ausbruch gebe, der von den Behörden bisher nicht in den Griff zu kriegen ist. „Indien ist neben Bangladesch das Land mit der höchsten Inzidenz, Fälle werden aber auch gehäuft aus Nordafrika gemeldet“, so Jelinek. Bei verdächtigen Tierkontakten sollten Reisende sofort einen Arzt aufsuchen und bei der Postexpositionsprophylaxe auf die Verwendung moderner Gewebekultur-Impfstoffe achten.

Häufige Reise-Infekte

Häufigkeit impfpräventabler Erkrankungen bei Reisenden aus westlichen Ländern in tropische und subtropische Länder pro Reisemonat:

» Gastroenteritis durch ETEC bei einem von 30 Reisenden.

» Influenza A oder B bei einem von 100 Reisenden.

» Typhus (nur in Südostasien) bei einem von 3000 Reisenden.

» Hepatitis A bei einem von 8000 Reisenden.

Da Reisende meist Erwachsene sind, die sonst nur selten zum Arzt gehen, sollte bei einer reisemedizinischen Beratung grundsätzlich der Basis-Impfschutz überprüft werden. Zeigen sich Impflücken, etwa gegen Masern, Polio, Diphtherie, Tetanus oder Pertussis, ist es wichtig, die jeweiligen Impfungen durchzuführen.

Gerade die Masernimpfung ist auch auf Reisen sinnvoll, da die Erkrankungszahlen in vielen Ländern zunehmen. So wurden seit Anfang des Jahres in Italien rund 3075 Infektionen gemeldet. „Und wir wissen ja, dass gerade Deutschland ein Land ist, das die Masern geradezu kultiviert“, sagte Jelinek. 2017 werde wieder ein Jahr mit besonders hoher Zahl an Maserninfektionen sein, mit bestimmten bekannten „Nestern“, etwa Berlin.

Bisher wurden in Deutschland nach Angaben des CRM 826 Erkrankungen gemeldet, im vergangenen Jahr waren es insgesamt 323. Eine 37-jährige Frau aus Essen starb vor wenigen Wochen an den Folgen einer Masern-Infektion.

Auch außerhalb der hiesigen Saison kann für Personen, die eine Fernreise planen, eine Influenza-Impfung sinnvoll sein, so das CRM. Dies gilt besonders bei Aufenthalten auf Kreuzfahrtschiffen oder bei Ausflügen innerhalb einer größeren Reisegruppe, wo sich tröpfchenübertragene Infektionen wie die Influenza leicht verbreiten. Vor allem sollten sich alle über 60-Jährigen und chronisch Kranke vor Reiseantritt gegen Grippe impfen lassen.

Abrechnungs-Tipp

Bei Parallelimpfung lieber die Beratung ansetzen!

Reiseimpfungen sind keine Leistungen der GKV, sondern immer als Individuelle Gesundheitsleistung einzustufen und nach GOÄ abzurechnen. Auch wenn einige gesetzliche Kassen die Impfkosten ganz oder teilweise übernehmen, bekommen Patienten eine Privatrechnung ausgestellt. Diese hat sich zwingend nach den Regeln der GOÄ zu richten.

Zu einer Impfung gehört neben der eigentlichen Impfleistung auch die körperliche Untersuchung zum Ausschluss einer die Impfung kontraindizierenden Erkrankung. Die Abrechnung von Impfleistungen im Rahmen der Reiseimpfprophylaxe besteht damit aus der Beratung nach GO-Nr. 1, der Organuntersuchung (Thorax + HNO) nach GO-Nr. 7 und der Impfleistung nach GO-Nr. 375. Entscheidend ist der Unterschied zum EBM, dass die Impfleistung nach GO-Nr. 375 die Impfberatung nicht enthält. Daher ist privat die Beratung berechenbar.

Ist im Rahmen der Reiseimpfung eine Zweitimpfung indiziert, ist der Ausschluss der Gesprächsleistung nach GO-Nr. 1 neben der GO-Nr. 377 für die Zusatzinjektion bei Parallelimpfung zu beachten. In diesem Fall wäre auf die Berechnung der mit 50 Punkten bewerteten Zusatzinjektion zugunsten der mit 80 Punkten bewerteten Beratung nach GO-Nr. 1 zu verzichten. Optional kann wegen des erhöhten Aufwandes der Faktor der GO-Nr. 375 gesteigert werden. (pes)

Quelle: ÄrzteZeitung online, 30.06.2017

Steigende UV-Strahlung: Zahl der Hautkrebs-Patienten stark gestiegen

Immer mehr Hautkrebserkrankungen
Die Zahl der Hautkrebs-Fälle ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Bundesweit erkranken nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft jährlich bis zu 200.000 Menschen neu an Hautkrebs. Die Deutsche Krebshilfe geht von einer höheren Zahl, von 234.000 Neuerkrankungen, aus, wobei über 20.000 Diagnosen den gefährlichen „schwarzen“ Hautkrebs betreffen. Doch auch der weiße Hautkrebs kann gefährlich werden, wenn er unbehandelt bleibt. Dass mehr Menschen an dieser Krebsart erkranken, zeigt auch die Zahl der Patienten, die deswegen in einem Krankenhaus behandelt werden müssen.

In Deutschland müssen immer mehr Patienten mit Hautkrebs in Kliniken behandelt werden. Viele der Erkrankungen wären vermeidbar.

Männer mussten häufiger in der Klinik behandelt werden als Frauen
Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, ist die Zahl der Hautkrebsbehandlungen im Krankenhaus zwischen 2010 und 2015 um 17,1 % gestiegen.

Den Experten zufolge wurden im Jahr 2015 insgesamt 100.400 Patientinnen und Patienten mit dieser Erkrankung stationär versorgt. Dabei war bei Männern (57 %) eine Krankenhausbehandlung häufiger notwendig als bei Frauen (43 %).

Knapp ein Viertel (23,1 %) musste sich wegen eines bösartigen Melanoms, dem sogenannten „schwarzen“ Hautkrebs, in stationäre Behandlung begeben.

Gut drei Viertel (76,9 %) wurden aufgrund des sogenannten „hellen“ Hautkrebs (Basalzellkarzinom und Stachelzellkarzinom) behandelt.

Hautkrebs bei den Geschlechtern an unterschiedlichen Stellen
„Schwarzer“ Hautkrebs trat bei Männern vor allem am Körperrumpf (4.600 Fälle) auf, bei Frauen vor allem an den unteren Extremitäten sowie der Hüfte (3.700 Fälle).

Vom „hellen“ Hautkrebs sind sowohl bei Frauen als auch bei Männern besonders Körperregionen betroffen, die verstärkt dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, wie zum Beispiel spezifische Teile des Gesichts, der Kopfhaut, des Halses und der Ohren.

Operative Eingriffe bei den Hautkrebspatientinnen und -patienten umfassten in erster Linie das ausgedehnte Entfernen des erkrankten Haut- und Tumorgewebes (74.200 Maßnahmen), Transplantationen in Form eines Hautlappenersatzes an der Haut und Unterhaut (56.300 Maßnahmen) sowie einer vorübergehenden Weichteildeckung (29.100 Maßnahmen).

Im Schnitt dauerte der Krankenhausaufenthalt der Hautkrebspatientinnen und -patienten 4,7 Tage.

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene werden im Krankenhaus sehr selten wegen Hautkrebs behandelt. Gut drei Viertel der Patientinnen und Patienten waren 65 Jahre und älter.

Erkrankungen oft vermeidbar
„Diese Krebsart ließe sich sehr einfach vermeiden: durch richtigen UV-Schutz und das Meiden von Solarien“, schreibt die Deutsche Krebshilfe auf ihrer Webseite.

Denn als Hauptursache für die Entstehung von Hautkrebs gelten vor allem zu viel UV-Licht und erbliche Veranlagungen.

Menschen sollten sich von klein auf vor der Sonne schützen, um das Erkrankungsrisiko zu senken.

Beim Sonnenschutz kommt es auf den Hauttyp an. Je heller die Haut, desto mehr Schutz ist erforderlich. Zudem sollte man sich am UV-Index orientieren, der tagesaktuell online abgerufen werden kann. Ein Sonnenbrand sollte stets vermieden werden.

Ab dem 35. Lebensjahr zur Vorsorgeuntersuchung
Zwar gibt es verschiedene Hautkrebsarten, die unterschiedlich behandelt werden müssen, doch eines gilt für alle Krebsarten:

„Je früher sie erkannt werden, desto größer sind die Heilungschancen und desto schonender kann ggf. die Behandlung vorgenommen werden“, schreibt die Deutsche Krebsgesellschaft.

Die Kosten für ein Hautkrebsscreening werden ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre als gesetzliche Regelleistung von den Krankenkassen übernommen. Manche Kassen bezuschussen die Vorsorge auch schon für jüngere Versicherte.

Quelle: Heilpraxisnet.de, 29.06.2017

Stiftung Warentest: Nur jedes dritte Mineralwasser ist gut

Wer Mineralwasser kauft, sollte aufpassen. Laut Stiftung Warentest verfälschen Plastikflaschen häufig den Geschmack. In anderen Proben fanden die Tester Pestizidrückstände.

Unerwünschte Stoffe und ein komischer Geschmack: Nicht alle Mineralwasser sind so unberührt, wie viele meinen. Von 30 untersuchten Wassern mit mittlerem Kohlensäuregehalt schnitten bei Stiftung Warentest nur 11 „gut“ ab. 18 Mineralwasser erhielten die Note „befriedigend“, heißt es in der Zeitschrift „test“.

Ein Wasser bewertete Stiftung Warentest nur mit „ausreichend“, weil es mit 0,5 Mikrogramm je Liter vergleichsweise viel krebserregendes Chrom enthielt. Der Leitwert für Trinkwasser beträgt den Testern zufolge 0,3 Mikrogramm pro Liter. Doch selbst bei einer dauerhaften Aufnahme des Wassers sei das Gesundheitsrisiko eher gering, erklärte die Stiftung.

Die ersten Plätze hingegen belegten das Wasser von Edekas Eigenmarke „Gut & Günstig“ sowie „Saskia“ von Lidl. Ebenfalls gut schnitten der Franken Brunnen sowie Gerolsteiner ab.

Noch ein „natürliches Mineralwasser“?

Laut Stiftung Warentest wurden in fünf Wassern Spuren von Süßstoffen, Pestizidabbauprodukten und einem Korrosionsschutzmittel gefunden. Die Gehalte sind demnach zwar „gesundheitlich unbedenklich“. Doch die Bezeichnung „natürliches Mineralwasser“ sei damit infrage gestellt.

Abstriche beim Geschmack müssen Verbraucher zudem bei Wasser aus Kunststoffflaschen machen, urteilten die Warentester. Viele Wässer schmecken untypisch zitronig. Das kommt vom Acetaldehyd, einem Stoff, der bei der Herstellung des Kunststoffs PET entsteht. Er kann ins Wasser übergehen. Gesundheitlich ist er unkritisch, bewertet wurde die Verpackung dennoch mit „mangelhaft“.

In einer früheren Untersuchung hatte Stiftung Warentest auch in stillen Mineralwässern Verunreinigungen gefunden. Sechs der Flüssigkeiten enthielten den Prüfern zufolge so viele Keime, dass sie für Immunschwache riskant sein könnten. Das getestete Leitungswasser hingegen war zwar nicht perfekt, aber gut. Das Fazit damals: „Mineralwasser ist überbewertet.“

Quelle: Spiegel online, 28.06.2017

Was ändert sich Juli 2017? Rente, Video-Sprechstunde und Glücksspiel

In Deutschland stehen ab dem 1. Juli 2017 wieder einige Änderungen und Neuerungen auf dem Plan. Vor allem Rentner profitieren von den neuen Gesetzen.

Gute Nachrichten für Rentner! Sie kommen ab Juli 2017 mehr Geld. Weitere Änderungen treten zum Monatswechsel in Kraft.

Ab dem 1. Juli gibt es wieder einige Gesetzesänderungen und Neuerungen in Deutschland. Beispielsweise kommen die Krankenkassen für die Kosten der Video-Sprechstunden auf. Rentner profitieren gleich von zwei neuen Gesetzen. Aber auch in der Branche des Glücksspiels werden Gesetzesänderungen vorgenommen. Das müssen Verbraucher wissen!

Video-Sprechstunde beim Arzt

Lange Wartezeiten im Wartezimmer der Arztpraxis sind bald Geschichte. Zusätzlich zu den persönlichen Sprechstunden in der Arztpraxis werden nämlich Video-Sprechstunden angeboten.

Die Kosten für Online-Termine mit dem Arzt werden ab dem 1. Juli von den Krankenkassen übernommen. Mit dem E-Health-Gesetz gehört dieses Angebot zum Bestandteil der vertragsärztlichen Versorgung.

Rentenanpassung: Mehr Geld für Rentner

Die Rentner und Rentnerinnen in Deutschland bekommen ab dem 1. Juli 2017 mehr Geld. In den alten Bundesländern steigt die Rente um 1,90 %, in den neuen um 3,59 %. Mit dieser Rentenerhöhung im Juli 2017 nähert sich der Rentenwert in den neuen Ländern auf 95,7 Prozent des Rentenwertes im Westen an.

Bis zum 1. Juli 2024 soll der Rentenwert zwischen dem Westen und Osten komplett angeglichen sein und ein gleiches Rentenrecht für ganz Deutschland gelten.

Flexirente: Hinzuverdienst steigt auf 6300 Euro im Jahr

Für Rentner gibt es neben der Rentenanpassung eine weitere Neuerung. Die bisherige Teilrente wird ab dem 1. Juli 2017 durch die sogenannte Flexirente ersetzt.

Durch die Kombination der neuen Teilrente mit der Teilzeitarbeit können Arbeitnehmer flexibler aus dem Berufsleben aussteigen. Denn ab Juli 2017 können Teilrentner jährlich 6300 Euro hinzuverdienen. Darüber liegende Verdienste werden zu 40 % auf die Rente angerechnet.

WhatsApp-Aus für ältere Geräte

Einigen Smartphone-Nutzern droht ab 1. Juli 2017 das Aus des beliebten Messenger-Dienstes WhatsApp.

WhatsApp möchte die Weiterentwicklung der App in Zukunft auf Geräte konzentrieren, die von der großen Masse genutzt werden. Deshalb wird für ältere BlackBerry- und Nokia-Geräte der WhatsApp-Support ab 1. Juli 2017 eingestellt.

Neue Richtlinien für Gefahrguttransporte

Neue Vorschriften hinsichtlich des Gefahrguttransports auf der Straße traten bereits im Januar 2017 in Kraft. Nach einer Übergangsregelung bis Juni 2017 gelten ab dem 1. Juli 2017 nur noch die neuen Richtlinien.

Die Vorschriftsänderungen für die Beförderung gefährlicher Güter auf Straßen sind in der ADR 2017 (Accord européen relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route / Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße) festgehalten.

Die neue Fassung des ADR beinhaltet beispielsweise neue Gefahrenstoffgruppen und Kennzeichnungen. Beim Be- und Entladen des Gefahrenguts werden neue Sicherheits- und Aufsichtspflichten eingeführt.

Werden die neuen Regelungen ab dem 1. Juli 2017 nicht eingehalten, drohen Bußgelder.

Änderungen des Glücksspielstaatsvertrags

Eine weitere Neuerung, die ab dem 1. Juli 2017 wirksam ist, betrifft die Glücksspiel-Branche. Der neue  Glücksspielstaatsvertrag besagt unter anderem, dass Spielhallenbetreiber nur noch über eine Konzession für zwölf Geräte verfügen und keine Mehrfachkomplexe mehr betreiben dürfen.

Zum Schutz vor Spielsucht wird im neuen Glücksspielstaatsvertrag  ebenfalls aufgenommen, dass der Abstand benachbarter Spielhallen mindestens 100 Meter betragen muss. Wird dieser Mindestabstand nicht gewährleistet, müssen Spielotheken im Umkreis von 100 Metern schließen.

Vielen Spielhallen droht mit dem Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags das Aus. Dennoch sind Ausnahmen des Vertrages möglich.

Quelle: Wetter.com, 09.06.2017

Eröffnung einer neuen Niederlassung von Privatbüro Plus in Bad Neuenahr

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir laden Sie herzlich zur Eröffnung unserer Niederlassung in Bad Neuenahr

Privatbüro Plus GmbH
Poststraße 19
53474 Bad Neuenahr
Telefon 02641.9035222

am Samstag, den 01.07.2017 von 10:00 bis 17:00 Uhr ein.

Alle Vorbereitungen sind abgeschlossen, alle Weichen für einen erfolgreichen Start unserer Niederlassung in Bad Neuenahr sind gestellt. In unseren neuen Räumlichkeiten, mitten in der Fußgängerzone in Bad Neuenahr, starten wir mit unserem Service.
Seit 2003 sind wir bereits in Bonn als Dienstleister rund um Ihre private Verwaltung sehr erfolgreich aktiv und haben uns entschlossen, neben Köln, auch in Bad Neuenahr zum 01.Juli 2017 eine Niederlassung zu eröffnen.
Viel mehr erfahren Sie aber durch einen Besuch in der Poststraße 19. Sie erreichen Frau Ariane Schaefer zu den dort genannten Öffnungszeiten.
Nutzen Sie die Gelegenheit und schauen Sie am Eröffnungstag zu einem kleinen Umtrunk herein. Wir freuen uns auf das Kennenlernen.

Mit freundlichen Grüßen

Petra Mellinghoff
Privatbüro Plus GmbH

Studie – Heilkraft der Hände

Berührung ist die erste Sprache des Menschen.

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Ob Baby oder Greis: Menschen leiden weniger stark unter Schmerz und Stress, wenn sie berührt werden.

Pavel Goldstein kam während der Geburt seiner inzwischen vierjährigen Tochter auf die Idee. „Meine Frau hatte starke Wehen und ich dachte nur daran, wie ich ihr helfen könnte“, erinnert sich der Psychologe von der Universität Haifa. „Ich hielt ihre Hand und das schien die Beschwerden bereits zu lindern. Deshalb wollte ich später im Labor herausfinden, ob Berührung tatsächlich die Schmerzen verringern kann – und wenn ja, wie.“ Was passiert, wenn einer intuitiv die Hand des anderen ergreift, sobald der Zahnarztbohrer, fiese Spritzen oder andere brenzlige Situationen drohen?

Der Wissenschaftler aus Israel hat mit seinem Team bei jungen Paaren untersucht, was Körperkontakt bewirken kann. Im Fachblatt Scientific Reports zeigen die Forscher, dass sich physiologische Vorgänge wie Herzschlag und Atmung bereits einander annähern, wenn sich Partner im selben Raum befinden. Plötzlich auftretender Schmerz – in diesem Fall ausgelöst durch leichte Hitzereize am Unterarm – unterbricht diese Synchronisierung jedoch. Dürfen sich die Paare hingegen berühren, während der Schmerz ausgelöst wird, passen sich die Rhythmen einander an und das Leiden wird weniger stark empfunden.

Die schmerzlindernde Wirkung der Berührung lässt sich sogar noch steigern. Sie fällt umso stärker aus, je ausgeprägter die Empathie füreinander ist. „Berührung könnte das Werkzeug sein, mit dem wir Mitgefühl vermitteln“, sagt Goldstein. „Die Folgen sind mit der Einnahme von Schmerzmitteln vergleichbar.“

Berührung ist die erste Sprache. Babys spüren von Anfang an die beruhigende Wirkung und behagliche Wärme, wenn sie angefasst werden. Sie wachsen schneller, sind weniger schmerzempfindlich und besser vor Infektionen geschützt, wenn sie immer wieder liebevoll berührt werden. Doch viele Gesellschaften pflegen mit zunehmendem Alter nicht Nähe und Körperkontakt; vielmehr prägen Distanz und Abgrenzung das Miteinander. Dabei gilt auch für Erwachsene, dass Gefäße elastischer bleiben, Herzinfarkte seltener sind und die Mobilität im Alter erst später eingeschränkt ist, wenn man immer wieder liebevoll berührt wird.

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Der Mensch ist ein soziales Wesen, auch wenn das im Alltag oft nicht zu spüren ist. Sehen Kinobesucher einen bewegenden Film, gleichen sich ihre Herzrhythmen und Atemzüge an, beim Singen und Tanzen geschieht das sowieso, aber auch zwei Fußgänger fallen nebeneinander in den gleichen Schritt und in Konferenzen nehmen Kollegen die gleiche Sitzhaltung ein. Umgekehrt ist Einsamkeit und Ablehnung sogar körperlich schmerzhaft. „Ausgrenzung tut physisch weh“, sagt Naomi Eisenberger von der University of California in Los Angeles. Sie spricht von „sozialen Schmerzen“, die entstehen, wenn jemand aus einer Gruppe ausgeschlossen wird und sich allein fühlt.

Paare, Freunde und Kollegen sollten deshalb die hauseigene Schmerzapotheke öfter nutzen, fordert Goldstein. Leiden lassen nach, und schon bei gelegentlichen flüchtigen Berührungen halten Beziehungen länger. Sogar ein Berg wirkt weniger steil, wenn man Händchen hält. Beim Anstieg zum Gipfel kann es nie schaden, im Gleichschritt und mit synchronem Puls voranzukommen.

Quelle: SZ.de, 26.06.2017

Web 2.0 – Vielen Schwerkranken hilft Bloggen bis zum letzten Atemzug

In Ruhe und Zurückgezogenheit sterben war gestern. Heute schreiben sich viele das Leid in aller Öffentlichkeit von der Seele. Sie kommen dadurch mit der Krankheit oft besser zurecht.

Von Thomas Müller

 Bloggen ist populär geworden, auch das Bloggen über Krankheit und Tod.
„Hallo. Ich heiße Dmitrij Panov und ich werde bald sterben. Klingt komisch, ist aber so.“ Mit diesen Worten beginnt der 25-jährige Marburger seinen Blog „Sterben mit Swag“. Die letzten neun Monate seines Lebens breitet er öffentlich seine Gedanken und Gefühle aus. „Irgendwas muss man doch hinterlassen, wofür man nicht in die Kanalisation steigen muss, um’s zu finden“, schreibt er.

Bloggen ist populär geworden, auch das Bloggen über Krankheit und Tod. Social Media sind längst in die Krankenzimmer und Hospize vorgedrungen. Das Web 2.0 als interaktive Bühne vor anonymem Publikum, das die Selbstentblößung erleichtert, das mal applaudiert, mal aufmuntert, mal kritisiert, mal pöbelt. In einer Welt, in der viele bereit sind, alle Details ihres Lebens auf Facebook vorzuführen, mag die Hemmschwelle für ein öffentliches Krankheitstagebuch gering sein, der Krebsblog ist dann häufig nur die Fortführung der „Timeline“ im öffentlichen Raum. So war es etwa bei der 2016 gestorbenen Moderatorin Miriam Pielhau: Sie machte einfach ihre Facebookseite öffentlich. Ihr letzter Eintrag wurde über 6000-mal „geliked“.

Doch einen öffentlichen Krankheitsblog starten auch Patienten, die sich für Social Media zuvor nur wenig interessiert haben. Was also bewegt Menschen, plötzlich vor großem Publikum über ihre Körperfunktionen und -dysfunktionen zu plaudern?

Ähnlich wie expressives Schreiben

Neben dem Verlangen, ein Vermächtnis zu hinterlassen, kann das Bloggen ein Weg sein, mit der Krankheit besser zurechtzukommen. Kommunikationswissenschaftler um Stephen Rains und David Keating aus Tucson, USA, sehen eine gewisse Ähnlichkeit dieses „Cybercopings“ mit expressivem Schreiben, das bei der Bewältigung von Lebenskrisen helfen soll. In einer Metaanalyse von 150 Studien aus dem Jahr 2006 zeigten sich positive Auswirkungen auf Psyche und Gesundheit bei Personen, die sich das erlebte Leid von der Seele schrieben (Psychological Bulletin 2006; 132, 823). Das expressive Schreiben löst nach dem Inhibitionsmodell unterdrückte Gedanken und Emotionen, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken, und fördert die kognitive Verarbeitung. Die Selbstregulationstherorie geht hingegen davon aus, dass starke emotionale Ausdrücke beim Schreiben den Betroffenen ein Kontrollgefühl geben, das den Umgang mit negativen Gefühlen erleichtert. Das müsste demnach auch fürs Bloggen gelten. Allerdings verarbeiten Blogger ihre Erlebnisse unter den Augen der Öffentlichkeit, und das ist dann doch ein großer Unterschied, geben Rains und Keating zu bedenken (Commun Research 2015, 42: 107). Die Kommunikationswissenschaftlerin Deborah Chung und die Pathologin Sujin Kim aus Lexington, USA, sehen durch das Bloggen vor allem zwei Bedürfnisse von schwer Erkrankten befriedigt – das nach emotionaler Unterstützung und das nach Information (JASIST 2008; 59: 297). „Die Patienten werden häufig mit komplexen Informationen konfrontiert und müssen sowohl mit der physischen als auch psychischen Belastung durch ihre Krankheit zurechtkommen.“

Wie sehr das Emotionsmanagement dabei im Vordergrund steht, konnten die beiden Forscherinnen in einer Umfrage bei 113 Teilnehmern von Krebsblogs zeigen. Sie konfrontierten die Blogger mit einer Reihe von Statements wie: „Blogs helfen mir, meinen Frust im Umgang mit Krebs auszudrücken“ oder „Ich habe über Krebsblogs wichtige Informationen erhalten“. Am stärksten war die Zustimmung bei Statements zum emotionalen Management, der Informationsaustausch landete auf dem zweiten Platz. Deutlich weniger hilfreich scheinen Blogs zu sein, um Probleme zu lösen, etwa die aktuelle Therapie zu verändern, bessere Entscheidungen im Umgang mit der Krankheit zu treffen oder sich für Arztgespräche zu wappnen.

Der Informationsaustausch ist jedoch ein kritischer Punkt. In einer Umfrage bei Ärzten gab immerhin ein Viertel an, im Internet erworbenes Wissen der Patienten sei in der Regel völlig falsch, nur ein Bruchteil (acht Prozent) beurteilte das Internetwissen als völlig korrekt (Journal of Medical Internet Research 2003; 5: e17). Pielhau etwa schwor auf eine kohlenhydratarme vegane Ernährung. „Krebszellen brauchen nur Zucker, mit dem anderen Zeug können sie nichts anfangen“, so ihre Begründung. Da solche Promitipps andere Kranke beeinflussen, schlagen Chung und Kim vor, die Patienten zu trainieren, Fakten von Fiktion zu unterscheiden und auf vertrauenswürdige Webseiten zu gehen.

Mehr als ein Informationskanal

Manchmal folgt ein Blog aber vor allem einem praktischen Bedürfnis: den aktuellen Zustand eines erkrankten Angehörigen zu posten, um durch die vielen Anfragen per Telefon und Mail nicht völlig gelähmt zu werden. Sehr eindrucksvoll beschreibt der Endokrinologe Dr. Leon Bach aus Melbourne in Australien, wie er zum Blogger wurde (Journal of Clinical Oncology 2008; 26: 4504). Nachdem seine Frau Ilana an Brustkrebs erkrankt war, wollten ihre Freunde ständig wissen, wie es ihr ging. Die Bachs stellten schließlich fest, dass sie dafür weder die Kraft noch die nötig Zeit hatten. Als sich Ilanas Zustand eine Woche vor ihrem Tod zuspitzte, begann der Arzt einen Blog und informierte damit alle Freunde und Bekannten über ein tägliches Update. „Ich dachte zunächst nur an einen Informationskanal, aber daraus wurde etwas weitaus Mächtigeres. Ich war in der Lage, das Geschehen der letzten 24 Stunden zu reflektieren, und konnte mich viel ehrlicher und intimer ausdrücken als in den unzähligen emotional erschöpfenden Telefongesprächen.“

Bach bedauert, dass er den Blog nicht schon früher begonnen hatte. Die „Macht des Bloggens“, so schreibt er, wird noch immer unterschätzt, gerade im Endstadium einer Erkrankung. Er rät seinen Kollegen, mit Patienten am Lebensende über dieses Werkzeug zu sprechen.

Quelle: ÄrzteZeitung online, 19.06.2017

Angst vor Alzheimer – „Auch wenn die Krankheit das Leben nimmt, die Liebe nimmt sie nicht“

Jonas und Mareile haben nur wenig Zeit, um ihre Träume zu leben. Denn Jonas weiß, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit früh an Alzheimer erkranken wird.

Jonas* wollte. Nach einem Test lebt der 31-jährige Ingenieur mit der Gewissheit, dass er einen Gendefekt von seinem Vater geerbt hat, von dem nur ein Prozent aller Alzheimer-Patienten betroffen sind. Forscher gehen davon aus, dass sämtliche Träger einer solchen Mutation erkranken – und zwar in deutlich jüngerem Alter als der Großteil der Alzheimer-Kranken, die an der häufigsten, sporadischen Form oder aber an anderen familiären Formen der Demenz leiden.

Jonas ist erfolgreich im Beruf und glücklich verheiratet. Seine Frau Mareile und er wünschen sich Kinder, dabei wissen sie: Jonas würde den Gendefekt mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent an seine Kinder weitergeben. Wie geht das junge Paar damit um?

Jonas, wann haben Sie Ihrer Frau gesagt, dass Sie voraussichtlich an Alzheimer erkranken werden?

JONAS: Das war schon, bevor wir zusammengezogen sind. Und es war definitiv nicht mein Plan. Was hat noch mal dazu geführt?

MAREILE: Wir hatten den Verdacht, dass ich schwanger bin …

JONAS: Ouh … ja, genau.(beide lachen) Das war im November 2013. Wir kannten uns kaum zwei Monate, und ich hatte noch nicht darüber nachgedacht, ob und wann ich es dir sagen würde. Aber in der Situation gab es kein langes Überlegen. Denn ich wusste ja nicht, wie du darüber denken würdest. Mit einer Lüge hätte ich nicht leben wollen.

Können Sie sich noch an Ihre genauen Worte erinnern?

JONAS: Nein. Ich weiß noch, dass mir die Tränen gekommen sind und dass ich … einfach Angst hatte …

MAREILE: Du hast bitterlich geweint und hast mir erzählt, was für eine Krankheit dein Vater hatte. Dann bist du zum Thema genetische Belastung übergegangen.

Wie haben Sie reagiert?

MAREILE: Meine größte Angst war, dass er gerade mit mir Schluss machen möchte, weil er auf einmal so ernst war. Es tat mir unglaublich leid, dass er diese Geschichte mit sich trägt, dass er solche Angst hatte, mir das zu sagen. Aber ich habe keinen Gedanken daran verschwendet, dass ich dem Ganzen nicht gewachsen wäre oder mir das zu kompliziert werden würde. Auf gut Deutsch, da muss sich das Schicksal schon etwas anderes überlegen, dass ich mir den tollen Mann entgehen lasse.

„Ich habe den Gentest nie bereut. Seitdem lebe ich viel bewusster. Er hat mich stärker gemacht.“ © Tomeu Coll

Wann trat die Bedrohung Alzheimer in Ihr Leben, Jonas?

JONAS: Im September 2006. Mein Vater übernachtete mit meinem Onkel auf einer Berghütte. Morgens war das Bett meines Onkels leer. Er war nachts auf der Toilette und hat den Weg zurück nicht gefunden. Mein Vater fand ihn zitternd auf der Treppe vor der Hütte. „Mit meinem Bruder stimmt was nicht“, sagte er uns später und klang sehr beunruhigt. Wenn ich heute zurückblicke, war mein Vater da schon selbst krank.

Wie haben Sie das gemerkt?

JONAS: Bei der Hochzeit meiner ältesten Schwester ein Jahr zuvor wollte mein Vater eine Rede halten, brachte aber nur Wortsalat raus. Danach war peinliche Stille, keiner verstand, was los war. Das muss sehr unangenehm für ihn gewesen sein, denn er war noch bei klarem Verstand. Nach der Hochzeit wollte sich noch keiner eingestehen, dass er krank war – schließlich war er erst 58 Jahre alt. Dann wurde es immer auffälliger. Er zog sich mehr und mehr in sein Büro zurück, das bei uns im Haus war. Ich weiß nicht, was er in den vielen Stunden dort gemacht hat, jedenfalls nicht mehr gearbeitet. Später haben wir entdeckt, dass es übersät war von Merkzetteln, auf denen die simpelsten Dinge standen.

Wie ging es zu Ende mit ihm?

JONAS: Wir ließen ihn noch lange in seinem Büro sitzen, weil wir glaubten, dass ihm die gewohnte Umgebung Sicherheit geben würde. Bis Mitte 2011 hat meine Mutter ihn zu Hause gepflegt, dann kam er ins Pflegeheim. Ich studierte damals im Ausland und bekam nur noch sporadisch was mit. Weihnachten besuchte ich ihn. Er erkannte mich nicht. Zwar konnte er noch sprechen, wirre Wortaneinanderreihungen, aber nicht mehr selbst essen oder trinken. Im Januar 2012 starb er an einer Lungenentzündung.

Wann schöpften die Ärzte den Verdacht, dass es ein familiärer Gendefekt sein könnte?

JONAS: Mein Onkel wurde zuerst genetisch untersucht. Mein Vater hat sich lange gegen jede Diagnostik gewehrt, aber irgendwann war er so krank, dass man auch ihn untersuchen konnte. Das war dann die Bestätigung …

… und Sie ahnten, dass auch Sie betroffen sein könnten?

JONAS: Ich war zunächst wild entschlossen, auch einen Gentest zu machen. Meine Mutter und meine Schwestern fragten mich, was mir dieses Wissen in meiner damaligen Situation bringen würde. Ich beschloss dann, lieber abzuwarten. Ein paar Wochen später war ich wieder an dem Punkt, nein, ich will es wissen! Im Oktober 2011, mein Vater lebte noch, machte ich den Test.

Wie haben Sie das Ergebnis aufgenommen?

JONAS: Meine Mutter saß neben mir im Wartezimmer. Als die Humangenetikerin kam, hätte ich auch schon wieder gehen können. Man sah ihr an, dass sie keine guten Nachrichten für mich hatte. Ich habe nicht mehr wahrgenommen, was sie alles erzählt hat. Ich schätze mich als einen sehr positiven Menschen ein, der bis zur letzten Sekunde glaubt, dass alles gut wird. Umso größer waren dann meine Enttäuschung, Trauer und Wut, und am Ende spürte ich nur noch Leere.

War es aus heutiger Sicht richtig, diesen Test zu machen?

JONAS: Ich habe den Gentest nie bereut. Seitdem lebe ich viel bewusster. Er hat mich stärker gemacht.

Wie das? Das verstehe ich nicht …

JONAS: Man bekommt eine andere Sicht auf die Dinge. Man wird dazu gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen, dass wir alle irgendwann mal sterben werden. Dass man nie weiß, wann, und den Zeitpunkt nicht beeinflussen kann. Das geht aber nicht nur mir so, sondern jedem. Ich bin bloß einer von ganz wenigen, die sich so jung schon Gedanken darüber machen. Für andere mag die unheilbare Krankheit eines Familienangehörigen oder eine Nahtoderfahrung der Anlass sein. Jeder kommt früher oder später im Leben an diesen Punkt. Ich habe das schon hinter mir, und, ja, das macht vieles einfacher.

Das klingt absurd. Sie wissen, dass Sie wahrscheinlich früh an einer schrecklichen Krankheit sterben werden, und das macht Ihnen keine Angst?

JONAS: Natürlich habe ich auch Angst. Immer wenn ich vergesslich bin, denke ich an Alzheimer. Ich habe Angst vor dem Moment, in dem mir bewusst wird, es geht los, und ich bekomme alles noch mit. Vor der Ohnmacht, nichts dagegen tun zu können, ja! Aber das lähmt oder hemmt mich nicht. Es ist nicht so, dass ich wegen dieser Angst etwas nicht tun würde, es ist eher so, dass ich wegen dieser Angst etwas bewusst dann doch tue. Und da meine ich keine Dummheiten wie Drogen, Extremsportarten oder übermäßigen Alkoholkonsum, sondern einfach nur Entscheidungen, bei denen man sich unsicher ist. Dann zu sagen, ich probiere es einfach.

Ein Beispiel, bitte!

JONAS: Ein Beispiel … tja, gute Frage …

MAREILE: … Dass du mir nach einem Jahr schon einen Antrag gemacht hast?

JONAS: Tatsächlich gehört das dazu. Ich glaube nicht, dass ich mich das sonst so früh getraut hätte.

Und Sie, Mareile, haben sofort Ja gesagt? Oder hatten Sie Zweifel, ob Sie diesem Schicksal gewachsen sind?

MAREILE: Ich würde andersherum fragen. Warum sollte ich Zweifel haben? Das gehört sich für mich nicht. Sobald man mit jemandem zusammenlebt, ist das ein eheähnliches Verhältnis. Und da gehören nun mal auch Krankheiten mit dazu. Abgesehen davon ist er ja noch nicht mal krank. Das ist nur eine Möglichkeit, aber vielleicht kommt alles ganz anders.

Vermutlich werden Sie Ihren Mann in einer nicht allzu fernen Zukunft pflegen müssen. Macht Ihnen das keine Angst?

MAREILE: Doch, natürlich. Ich fürchte mich davor, dass mir vielleicht die Kraft und Ausdauer fehlen, um das durchzustehen. Dass ich irgendwann ungeduldig oder garstig mit ihm werde, ihm sogar eine klatsche. Das möchte ich nicht. Denn ich weiß ja, dass er das alles später nie machen wird, weil er ein fieser Kerl ist, sondern weil die Krankheit das mit ihm macht und er mich dann nicht mehr als seine Frau erkennt. Angst habe ich natürlich auch vor der Einsamkeit im Alter. Weil dann mit dem Lebenspartner früh ein großer Part des Lebens wegbricht. Und sollten wir mal Kinder haben, glaube ich nicht, dass die Lust haben, jeden Sonntag Mutti zum Essen dazuhaben.

Sind Sie sich sicher, dass Sie Kinder haben wollen?

JONAS: Klare Antwort. Ja!

Künstliche Befruchtung?

MAREILE: Nein.

JONAS: Sex.

Gab es darüber jemals Zweifel?

JONAS: Es gab einen Punkt, an dem wir es beide ausgesprochen haben. Das war nach dem Vortrag eines Humangenetikers, der uns versicherte, dass wir durch jede Ethikkommission kommen würden, wenn wir nach einer Gendiagnostik abtreiben wollten.

Mareile und Jonas haben sich auf einer Dating-Plattform kennengelernt und viele Wochen gechattet, bevor sie sich trafen © Tomeu Coll

MAREILE: Wir waren erleichtert, dass wir es beide so gesehen haben. Für mich wäre es keine Option, dass ich entscheide, welcher Embryo in die Tonne kommt und welcher nicht. Man stelle sich vor, wir entscheiden uns für einen Embryo ohne Gendefekt, und aus dem Kind wird ein Attentäter. Außerdem sehe ich doch an meinem eigenen Mann, dass es ein absolut lebenwertes Leben ist. Ein Kind mit diesem Gendefekt kommt nicht pflegebedürftig auf die Welt, es ist lebensfähig ohne Maschinen, es kann ein kürzeres, aber trotzdem erfülltes Leben führen.

Manche würden so eine Haltung als unverantwortlich bezeichnen.

JONAS: Oder egoistisch. Das hat mir meine Schwester vorgeworfen.

MAREILE: … die den Defekt nicht geerbt hat. Ganz ehrlich, diese Diskussion werde ich mit deiner Familie nicht führen. Wenn wir in die Planung gehen, werden wir nichts sagen. Wenn da einer der Meinung ist, das wäre egoistisch, brennt der Wald.

Auch wenn Ihr Kind den Defekt nicht erbt, kann es sein, dass Sie schon krank werden, bevor es erwachsen ist.

JONAS: Ja. Dann ist das so. Vielleicht …

MAREILE: Nein, du musst dich gar nicht erklären. Also, ich will dir jetzt nicht den Mund verbieten, aber vielleicht werde ich ja vorher noch krank. An irgendwas, was man weder durch einen Gendefekt noch sonst irgendwie erahnen kann. Das Leben ist nicht vorhersehbar.

JONAS: Ich glaube, wenn man sich mit dem Thema Tod noch nicht so offen befasst hat wie wir, ist es schwierig, unsere Haltung nachzuvollziehen, weil man in dem Moment einfach nur sieht: Der weiß aber schon mehr über den Rest seines Lebens, als ich über den Rest meines Lebens weiß, und deshalb muss er anders damit umgehen.

MAREILE: … was ja Blödsinn ist. Weil niemand das Leben überlebt. Wir können vielleicht sogar etwas mehr Vorkehrungen treffen, damit unsere Kinder nicht irgendwann dastehen und feststellen, oh, unsere Eltern haben nie ein Testament oder eine Patientenverfügung gemacht. Bei uns sind die Sachen dann geklärt, wir wollen unseren Kindern diese Last abnehmen. Außerdem tun wir auch etwas dafür, dass es vielleicht irgendwann ein Medikament gibt.

Inwiefern?

JONAS: Ich nehme an einem Langzeit-Forschungsprojekt teil und lasse mich alle zwei Jahre untersuchen, ob sich schon etwas verändert hat in meinem Körper. Das kann 10 oder sogar 20 Jahre vor Ausbruch der Krankheit passieren.

Das zwingt Sie, sich ständig vorzustellen, wie Alzheimer Ihren Körper schleichend in Besitz nimmt …

JONAS: Das kann ich nicht ausblenden, klar. Aber ich glaube, dass auch das gut ist für mich. Wenn man sich am Anfang einmal und dann nie wieder mit dem Thema beschäftigt, läuft man Gefahr, zurück in den Alltagstrott zu verfallen. Angenommen, man möchte unbedingt eine Reise machen und denkt dann, ach die mache ich nächstes Jahr, dieses Jahr muss ich noch was Dringendes für die Arbeit erledigen. Solche Sachen. Ich glaube, das passiert mir seltener als anderen.

Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, wie Sie sterben wollen?

JONAS: Ja, habe ich. Ich möchte tatsächlich nicht länger als nötig am Leben gehalten werden.

Haben Sie über Sterbehilfe nachgedacht?

JONAS: Nein.

Würden Sie eine künstliche Ernährung ablehnen, wenn Sie nicht mehr essen wollen?

JONAS: Ja. Dann möchte ich, dass man mich sterben lässt – glaube ich. Aber das Problem ist: Wer soll entscheiden, wann ich nicht mehr essen will? Vielleicht kann ich einfach nur nicht artikulieren, dass ich wahnsinnige Schmerzen im Mund habe und nichts in den Mund nehmen möchte. Ja, wir wollen eine Patientenverfügung machen, aber will ich, dass meine Frau das entscheiden muss? Sie würde ständig die Last der Entscheidung tragen.

MAREILE: Aber du kannst ja in der Patientenverfügung solche Dinge sehr detailliert festlegen. Und ich bin dann nur noch die ausführende Kraft, die darauf achtet, dass diese Punkte alle abgearbeitet werden.

Jonas: Das müssen wir noch im Detail diskutieren. Spätestens wenn wir Kinder haben.

So viele schwere Gedanken, die Ihr Leben belasten. Glauben Sie, Ihre Liebe wird immer stärker sein als die Krankheit?

MAREILE: Auf jeden Fall. Auch wenn die Krankheit das Leben nimmt, die Liebe kann sie nicht nehmen. Auch wenn mein Mann mich nicht mehr erkennt, trage ich immer noch alle Erinnerungen an denjenigen in mir, der er mal war.

JONAS: Meine Eltern haben die große Liebe erlebt, die zwischendurch etwas abgeflaut war. Als mein Vater dann schwer krank wurde, hat meine Mutter ihre Liebe zu ihm neu entdeckt, das hat sie mir mehrfach gesagt. Ich glaube, die Liebe ist etwas, was nicht nur im Moment existiert. Deshalb ist sie auch nicht auf den Moment angewiesen.

*Jonas möchte nicht, dass Arbeitgeber und Freunde von seinem Schicksal erfahren. Deshalb bleibt er anonym.

Quelle: stern.de, 18.06.2017

Zeugen retteten Seniorin mit Rollator von der Autobahn

Bonn. Eine Seniorin mit Rollator auf der A565 in Lengsdorf sorgte am Montagnachmittag für Aufsehen. Dank der Aufmerksamkeit einer Fahrgemeinschaft konnte die Frau sicher zurück ins Pflegeheim gebracht werden.

Erst auf den zweiten Blick ist Tanja Bungartz aufgefallen, dass an diesem Bild etwas nicht stimmen kann. Die Duisdorferin fuhr am Montagnachmittag mit ihrer Fahrgemeinschaft auf dem Heimweg die Autobahnabfahrt Lengsdorf der A 565 entlang, als sie aus dem Fenster heraus eine alte Dame mit einem Rollator sah. Die Seniorin bewegte sich zielstrebig Richtung Schnellstraße, immer entlang dem Abfahrtstreifen.

„Ich habe den anderen gesagt, wir müssen sofort anhalten“, erzählt Bungartz. Das taten sie dann auch. Auf die Frage, wohin sie unterwegs sei, antwortete die Dame mit dem Rollator, sie gehe nur spazieren. Es sei eine gewisse Überredungskunst vonnöten gewesen, die Spaziergängerin davon zu überzeugen, dass der Rollator nicht das geeignete Fortbewegungsmittel für die Autobahn sei, sagt Bungartz.

Letztlich griff sie auf einen Kniff zurück: „Ich sagte ihr, sonst müsse sie wohl mit der Polizei nach Hause fahren.“ Danach ließ sich die alte Dame auf das Angebot der Fahrgemeinschaft ein. Ob sie möglicherweise dement gewesen sei, konnte die Duisdorferin nicht sagen. Sie vermutet allerdings, dass die Seniorin den Seitenstreifen der Abfahrt von der Provinzialstraße aus als Fußgängerweg identifiziert habe und deshalb auf den falschen Weg geraten sein könnte.

Der Rollator muss mit

In jedem Fall sei die rüstige Frau durchaus „pfiffig aufgetreten“, sagt Bungartz. Sie willigte der Autofahrt nur unter der Bedingung ein, dass der zusammenklappbare Rollator in jedem Fall mitmüsse. Und so verwahrten die Helfer das Fortbewegungsmittel im Kofferraum des Kleinwagens. Anschließend steuerte Bungartz mit der neuen Mitfahrerin gemeinsam das einige Hundert Meter entfernte Pflegeheim an, in dem die Seniorin offensichtlich wohnte: Ein entsprechendes Adressbändchen trug sie am Körper.

Bungartz rief unterwegs noch die Polizei an, die von dem ungewöhnlichen Ausflug, der sicher böse hätte ausgehen können, bereits Kunde hatte. Wie bereits am Dienstag berichtet, hatten mehrere Passanten den ungewöhnlichen Ausflug der Polizeileitstelle gemeldet. Der alarmierte Streifenwagen der Autobahnpolizei konnte unverrichteter Dinge umkehren, Tanja Bungartz war schneller.

Im Pflegeheim, das am Dienstag auf Anfragen zu dem Vorfall nicht reagierte, war die Bewohnerin nach GA-Informationen noch nicht vermisst worden. Verletzt wurde bei der Aktion weder die alte Dame noch ein anderer Verkehrsteilnehmer. Der Zwischenfall führte laut Polizei auch nicht zu Verkehrsbeeinträchtigungen.

Quelle: General Anzeiger, 13.06.2017

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