Ich heile mich selbst!

Eine Akupunktur-Behandlung. Studien haben gezeigt: So etwas kann helfen. Nur weiß man nicht, ob es an den Nadeln liegt. 

In den USA soll auf Homöopathie-Präparaten künftig stehen: „Achtung, keine nachgewiesene Wirkung“. Dagny Lüdemann, Wissen-Ressortleiterin von ZEIT ONLINE fordert das in ihrem Kommentar (hier nachzulesen) auch für Deutschland. Viele Leser schreiben uns dazu: Aber was ist mit dem Placebo-Effekt? Schließlich haben Studien gezeigt, dass homöopathische Mittel den durchaus haben können. Stimmt. Passend dazu schreibt Autor Max Lebsanft hier in ZEIT Doctor, wie uns ein bisschen Selbstbetrug gesünder macht:

Bei Heuschnupfen und anderen akuten Wehwehchen vertraut Karin Meissner auf die Heilkraft der Akupunktur – obwohl die Ärztin genau weiß, dass die Nadeln selbst nicht viel bewirken. „Als Wissenschaftlerin ist mir klar, dass diese Methode wahrscheinlich keinen großen spezifischen Effekt hat“, sagt sie. „Aber das stört mich nicht: Ich nutze den Placebo-Effekt.

Mit dem Phänomen, dass selbst wirkstofflose Pillen und beliebig gesetzte Nadeln Symptome lindern können, kennt sich Meissner bestens aus. Am Institut für Medizinische Psychologie an der Universität München hat sie sich mit der Frage beschäftigt, ob die Akupunktur besser wirkt als eine Scheinbehandlung. In Kontrollversuchen werden die Nadeln nicht nach den Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) auf angeblichen Energiemeridianen platziert, sondern zufällig auf der Haut verteilt. Das Ergebnis: Es besteht praktisch kein Unterschied. „Es wirkt vor allem der Placebo-Effekt“, erklärt Meissner. Das heißt, die Wirkung beruht nicht nur auf dem Therapeutikum, sondern auf der Erwartungshaltung des Patienten und auf den Umständen, in denen Pillen, Nadeln oder Infusionslösungen eingesetzt werden.

Dieser Text gehört zu ZEIT Doctor – dem neuen Ratgeber, der hilft, gesund zu bleiben. Lesen Sie hier weitere Artikel zum Thema Gesundheit

Obwohl die Ärztin das weiß, ist sie ein Fan der Akupunktur geblieben – vor allem wegen der besonderen Begleitumstände der Behandlung. Die Ruhe und Geborgenheit der Praxis. Der Optimismus der Therapeutin, die sich geduldig anhört, unter welchen Beschwerden ihre Patienten leiden. Der leichte Schmerz beim Setzen der Nadeln, der sich schnell in ein wohliges Körpergefühl verwandelt. All das lässt ihre Beschwerden regelmäßig verschwinden.

Was Karin Meissner da macht, ist eine kleine Revolution. Lange Zeit lag der Placebo-Effekt vor allem in der Hand der Ärzte: Sie verabreichten Patienten gelegentlich wirkstofflose Pillen in dem Wissen, dass diese durch die reine Erwartung manchmal ebenso gut wirken wie echte Medikamente. Die Bundesärztekammer sprach sich sogar in einer Stellungnahme dafür aus, dass Mediziner den Effekt gezielt fördern sollten. Aber nicht nur Ärzte können diese Kraft nutzen, auch Patienten können den Placebo-Effekt für sich einspannen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 48 vom 17.11.2016. Die aktuelle ZEIT können Sie am Kiosk oder hier erwerben.

Die Grundlage dafür lieferte der US-Amerikaner Ted Kaptchuk, Medizinprofessor an der Harvard Medical School in Boston. In einer Studie aus dem Jahr 2010 verabreichte er Placebo-Pillen an Patienten, die unter dem Reizdarmsyndrom litten (Public Library of Science: Kaptchuk et al.,2010). Das Entscheidende daran: Den Probanden teilten die Wissenschaftler vorher mit, dass er sie mit einem Scheinmedikament behandele. Außerdem erklärte er ihnen, die Tablette wirkten allein durch das Ritual ihrer Einnahme. Tatsächlich schnitt die Gruppe, die das Placebo erhielt, im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Behandlung signifikant besser ab. Kaptchuk hatte den offenen Placebo-Effekt entdeckt. Für den Erfolg von Scheinmedikamenten ist es also nicht zwingend nötig, dass man sie für echt hält – solange man davon überzeugt ist, dass sie helfen. Für den Patienten bedeutet das: Er kann die Sache selbst in die Hand nehmen.

Der erste Schritt zum Do-it-yourself-Placebo klingt banal, ist aber essenziell: Man sollte sich von seinem Arzt möglichst genau beschreiben lassen, was die Therapie im besten Fall bewirken kann. „Der Patient muss den Sinn einer Therapie verstehen“, sagt die Neurologin Ulrike Bingel, die an der Universitätsklinik Essen den Placebo-Effekt erforscht. Oft seien Patienten schlecht informiert. Aus Sicht der Placebo-Forschung eine verschenkte Chance.

Die Heilserwartung ist einer der zentralen Punkte, die beeinflussen, ob die Therapie erfolgreich ist oder misslingt. In Untersuchungen mit dem Opioid Remifentanil hat Bingel nachgewiesen, dass positive Erwartungen den schmerzstillenden Effekt verdoppeln können. Umgekehrt können negative Erwartungen die Wirkung fast völlig ausschalten. Ähnliche Phänomene wurden in Studien auch für Präparate belegt, die auf die Abwehrkräfte und das Herz-Kreislauf-System wirken. In ihrem Buch Heilung von innen schlägt die amerikanische Medizinerin Jo Marchant vor, innere Bilder zu erzeugen, sich die Verbesserung der Beschwerden ganz konkret vorzustellen. Wie die Wunde langsam verheilt oder wie man nach dem Abklingen der Knieschmerzen endlich wieder befreit laufen geht.

Es gibt kein Geheimrezept für gutes Altern

15.11.2016 Bonn. Die Gesellschaft befindet sich in einem demografischen Wandel: Die Menschen werden immer älter und bilden anteilmäßig eine immer größere Gruppe. Uwe Kleinemas ist Alternsforscher an der Universität Bonn. Im Interview mit Hannah Winter spricht er über seine Forschung und verrät, welche Faktoren zu einem zufriedenen Altern beitragen können.

Herr Kleinemas, was kann ich mir unter Alternsforschung vorstellen?

Uwe Kleinemas: Die Alternsforschung beschäftigt sich im weitesten Sinne mit den Bedingungen eines guten Alterns. Also wie werde ich gesund, glücklich und zufrieden alt? Unser Forschungsgebiet umfasst dabei viele verschiedene Aspekte.

Zum Beispiel?

Kleinemas: Die Mobilität im Alter ist ein wichtiges Thema. Es wird zum Beispiel oft diskutiert, ob man älteren Menschen den Führerschein entziehen sollte. Dabei gibt es keinen wissenschaftlichen Befund, der einen Zusammenhang zwischen dem chronologischen Alter und der Fahrtüchtigkeit bestätigt. Wir untersuchen daher, wie man Bewegungsmöglichkeiten Älterer in Verkehrsräumen möglichst lange erhalten kann, ohne dass sie selbst oder die Allgemeinheit gefährdet werden. Denn Mobilität ist ein Schlüssel zur Teilhabe an der Gesellschaft.

In den Städten sollte das Thema Mobilität doch weniger ein Pro-blem sein, oder?

Kleinemas: Hier muss man aufpassen, dass die Stadt nicht nur für Alte gestaltet ist. Darin fühlen sich die jungen Menschen oft nicht mehr wohl und ziehen weg. Viel sinnvoller ist eine Stadt, die lebenswert für alle Generationen ist. Es gibt viele Gemeinsamkeiten, die man bedienen kann: Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten, die gut erreichbar sind. Mehr Sicherheit, zum Beispiel bessere Beleuchtungen in Unterführungen. Das ist für alle praktisch, unabhängig vom Alter.

Also ist es gar nicht sinnvoll, die Umgebung nur den älteren Menschen anzupassen?

Kleinemas: Nein. Das wollen diese Menschen auch nicht. Sie wollen keine Umgebung, der man ansieht, dass sie für Alte gemacht ist. Außerdem wirkt das nicht inte-grativ, sondern es passiert das genaue Gegenteil: Einzelne Gruppen werden abgespalten. Aber eine der Kernbedingungen für gutes Altern ist das Öffnen der Gesellschaft für alle Altersgruppen, sodass jeder seine Fähigkeiten einbringen kann.

Wir sprechen nun die ganze Zeit von „den alten Menschen“. Aber ab wann ist jemand überhaupt alt?

Kleinemas: Diese Frage ist nicht eindeutig beantwortbar. Es gibt keine konkrete Zahl, keine feste Grenze. Ist man alt, wenn Degenerations- oder Verfallsprozesse am Körper bemerkbar werden? Wenn sich geistiger Stillstand einstellt oder keine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben mehr stattfindet? Oder ist man alt, wenn man in Rente geht? Je nach Perspektive wird man also zu unterschiedlichen Antworten kommen.

Gibt es Faktoren, die ältere Menschen besonders unglücklich machen?

Kleinemas: Vor allem Männer haben, zum Beispiel nach dem Verlust ihrer Partnerin, ein Problem mit dem Alleinsein. Sie verspüren den Wunsch, jemand neues kennenzulernen. Die häufige Annahme, ab einem gewissen Alter spiele Liebe keine Rolle mehr, ist falsch. Es ist egal, ob jemand 17 oder 70 ist: Die Bedürfnisse nach Zweisamkeit bleiben. Und auch im hohen Alter kann man natürlich noch Schmetterlinge im Bauch haben.

Warum haben Männer ein größeres Problem mit dem Alleinsein?

Kleinemas: Männer definieren sich häufig über Anerkennung im Beruf und haben außerhalb des Berufslebens weniger soziale Kontakte. Frauen sind viel mehr sozial unterwegs, pflegen Bekanntschaften und definieren sich weniger über Erfolg. Beim Eintritt in die Rente stehen daher besonders Männer oft vor der Frage: wohin mit meinen Fähigkeiten? Wer braucht mich, was kann ich tun? Solche Menschen können schnell unglücklich werden. Man hat alle Lebensaufgaben abgearbeitet, noch viel Lebenszeit vor sich und stellt sich nun existenzielle Fragen.

Und wie können solche Fragen beantwortet werden?

Kleinemas: Hobbys können diese Sinnfragen selten dauerhaft beantworten. Ehrenamtliches oder soziales Engagement dagegen schon eher, vor allem wenn damit die erhoffte Anerkennung verbunden ist. Insgesamt ist die Möglichkeit, sich und seine Fähigkeiten noch weiter einzubringen, ein wesentlicher Beitrag zu gutem Altern.

Haben Sie Tipps, wie man zufrieden und gesund alt wird?

Kleinemas: Es gibt kein Geheimrezept für gutes Altern. Wir kennen die stille gesellschaftliche Norm, nach der man eigentlich nicht altern darf: Ein „erfolgreicher“ älterer Mensch ist reich, dynamisch und immer noch jugendlich. Aber irgendwann wird jeder von seinem Alter eingeholt. Hilfreich ist dann ein positives Lebensgefühl und der Blick auf die Gewinne des Alters: Unabhängigkeit, Freiheit, die Früchte des Lebens ernten sozusagen. Und man sollte nicht erst kurz vor der Rente damit beginnen, ein Leben außerhalb des Berufs zu entdecken. Wer früh das Gleichgewicht zwischen Beruf und Freizeit findet, achtsam sich selbst gegenüber ist und seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten weiter trainiert, hat gute Chancen, zufrieden alt zu werden. (Hannah Winter)

Patientenrechte: Krankenkassen unterstützen Versicherte unzureichend

Krankenkassen in Deutschland müssen ihre Versicherten mehr bei der Wahrnehmung ihrer Patientenrechte unterstützen. Das belegt eine Studie des IGES-Instituts, mit dem der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann (CDU), drei Jahre nach Inkrafttreten des Patientenrechtegesetzes Bilanz zieht.

Die Studie des IGES-Instituts zeigte allerdings nicht nur Defizite auf, sondern lieferte auch positive Ergebnisse.

„Die Kassen kommen in der Studie schlecht weg“, sagte Laumann bei der Präsentation der Umfrageergebnisse in Berlin. „Da, wo sie besser steuern könnten, machen sie es nicht“, kritisierte er. Für die Studie wurden insgesamt mehr als 500 Patienten und Versicherte sowie mehr als 20 relevante Verbände befragt. Demnach kennen nur 39 Prozent aller Teilnehmer die gesetzlichen Fristen, innerhalb derer die Kassen ihre Leistungsanträge bearbeiten müssen. Und weniger als die Hälfte weiß, dass die Kassen gesetzlich verpflichtet sind, sie bei einem Verdacht auf Behandlungsfehler zu unterstützen.

Mehr Transparenz von Ärzten gefordert

Staatssekretär Laumann will genauer wissen, ob und in welchem Ausmaß die Kassen Leistungen verweigern, die ihren Versicherten eindeutig zustehen oder erst im Widerspruchsverfahren genehmigen. Dazu hat er eine weitere Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse für Ende April 2017 erwartet werden. Bei den Ärzten fordert der Patientenbeauftragte der Bundesregierung ebenfalls mehr Transparenz gegenüber ihren Patienten: Laut Umfrage wissen lediglich 62 Prozent aller Befragten, dass Ärzte verpflichtet sind, von sich aus über Behandlungsalternativen aufzuklären. Bei der Herausgabe von Patientenakten verlangt Laumann mehr Kooperationsbereitschaft von den Medizinern.

Appell an Kassen und Ärzte

Laumann forderte von den Krankenkassen einen offensiveren Umgang mit Information und Aufklärung. Wenn die Kassen stärker Verantwortung für die Steuerung von Patienten durch unser Gesundheitssystem übernehmen wollten, sei das gut, so Laumann. „Wenn sie dabei ihre eigenen Pflichten allerdings nur sehr zögerlich wahrnehmen und die Versicherten darüber nicht ausreichend informieren, untergräbt das alle Anstrengungen für ein gutes Miteinander“, kritisierte der Patientenbeauftragte. Vergleichbares gelte auch für die Ärzte, wenn sie nicht über Behandlungsoptionen aufklärten. Die Studie des IGES-Instituts zeigte allerdings nicht nur Defizite auf, sondern lieferte auch positive Ergebnisse: So kennt die überwiegende Mehrheit der Befragten ihr Recht zur Einsicht der vollständigen Patientenakte. Auch wissen die meisten, dass Ärzte ausführlich über Diagnosen und Therapiemöglichkeiten informieren müssen.

Quelle: SaluwayFrank Fischer

Überblick technischer Notrufsysteme

Die meisten Menschen wünschen sich, in den eigenen vier Wänden alt zu werden. Um dies zu ermöglichen, gibt es am Markt technische Notrufsystem, die im Notfall schnell Hilfe herbeirufen können. Die Deutsche Eniorenliga hat eine Broschüre zu dessen Einsatzmöglichkeiten veröffentlicht.
Um das Leben zu Hause zu erleichtern, braucht es im Alter meist ein wenig Unterstützung und die Möglichkeit, im Notfall Hilfe zu bekommen. Ein bewährtes Sicherheitssystem ist der Hausnotruf – ein kleiner Sender, der ans Festnetztelefon angeschlossen wird und bei Bedarf schnell Kontakt zur Notrufzentrale herstellt. Er bietet Service im Alltag und Sicherheit im Notfall. „Viel zu häufig wird der Hausnotruf jedoch erst dann zum Thema, wenn bereits etwas Dramatisches wie ein Sturz oder ein Schwächeanfall passiert ist“, erläutert Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga: „Besser ist es, sich rechtzeitig und vorausschauend für ein Sicherheitskonzept zu entscheiden.“ Welches System das Geeignete ist, hängt von individuellen Gegebenheiten und Ansprüchen ab. „In jedem Fall erleichtert es allen Beteiligten das Leben: den älteren Menschen, die sich durch das Plus an Sicherheit freier bewegen können und den Angehörigen, die wissen, dass im Notfall sofort Hilfe zur Stelle ist“, so Hackler. Im Unterschied zum Festnetztelefon bietet ein Handy mit Notruffunktion auch unterwegs Sicherheit. Ob beim Einkauf, im Garten oder auf Reisen – gerade aktive Menschen können sich auf ihren mobilen Schutzengel verlassen und erhalten sich so ihre Mobilität.
Der Ratgeber „Selbstständig leben im Alter – Technik schafft Sicherheit“ kann kostenlos bestellt werden bei der Deutschen Seniorenliga, Heilsbachstraße 32 in 53123 Bonn. Hotline: 01805 – 001 905 (0,14 Euro/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise max. 0,42 Euro/Min.) www.deutsche-seniorenliga.de

Zusätzliche Informationen

  • Quelle(n): Deutsche Seniorenliga e.V.

Pflegeversicherung: Mehrheit der Deutschen ist unzureichend über neues Pflegesystem informiert

Die zum Jahreswechsel anstehenden umfassenden Veränderungen in der Pflegeversicherung sind der Mehrheit der Deutschen unbekannt. Trotz intensiver öffentlicher Debatten gehen viele Bundesbürger dem Thema der eigenen Pflegebedürftigkeit aus dem Weg, wie eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt. Das Patientenportal Saluway informiert, auf welche Veränderungen sich die Bürger zum 1. Januar 2017 bei der Pflegeversicherung einstellen müssen.

 Die aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK).

Die aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK).

„Die Zahlen zeigen, dass vielen durchaus bewusst ist, wie wichtig Vorsorge für einen möglichen Pflegefall ist. Andererseits fehlen der Wille und teilweise auch die Möglichkeiten, sich vorzubereiten“, sagt Georg van Elst, Pflegeexperte der TK, der es aber für menschlich verständlich hält, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema schwerfalle.

Zwei Drittel betrachten eigene Vorsorge als mangelhaft

Der Umfrage der Techniker Krankenkasse zufolge hat über die Hälfte der Befragten keinerlei Kenntnis von den Neuerungen. Auch die eigene Vorsorge für den Pflegefall ist für die meisten Bundesbürger kein Thema: Viele machten sich zum Thema Pflegeversicherung in eigener Sache noch keine Gedanken. Wer sich bereits konkrete Gedanken um die eigene Vorsorge für einen möglichen Pflegefall gemacht hat, sieht diese als ungenügend; zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, für einen solchen Fall nicht ausreichend vorgesorgt zu haben. Hauptgrund für diese mangelnde Vorsorge ist laut Techniker Krankenkasse der Kostenfaktor.

Das ändert sich 2017

Ab 1. Januar 2017 werden bei der Feststellung von Pflegebedürftigkeit, neben den körperli-chen, künftig stärker auch geistige und psychische Beeinträchtigungen berücksichtigt. Die Pflege kann so besser an den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen angepasst werden. Diese Neuregelung wirkt sich allerdings auf Betroffene aus, die ausschließlich wegen körper-licher Beeinträchtigungen ab 2017 einen Antrag auf Pflegeleistungen stellen; hier kann es durchaus schwieriger werden, Pflegeleistungen zu erhalten. Für diesen Personenkreis emp-fiehlt es sich, noch 2016 einen Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung zu stellen. Denn dadurch bleiben ihre Ansprüche auch über den Jahreswechsel hinaus erhalten.

Der Grad der Selbstständigkeit im Alltag sowie die Abhängigkeit von personeller Hilfe – nach diesen Kriterien wird die Pflegebedürftigkeit künftig bemessen. Die bisherigen drei Pflegestu-fen sind Vergangenheit. Diese werden ab Januar 2017 durch fünf Pflegegrade abgelöst. Wer schon eine Pflegestufe hat, wird automatisch dem entsprechenden Pflegegrad zugeordnet.

Für Pflegeheimbewohner steigt unter Umständen der Eigenanteil an den Kosten – denn für die Pflegegrade 2 und 3 in stationären Einrichtungen gibt es ab 2017 weniger Geld. Aktuell hängt die Höhe der Eigenanteile von der Pflegestufe ab. Künftig wird im Pflegeheim jedoch jeder Bewohner den gleichen Betrag zahlen, unabhängig vom Pflegegrad. In Pflegestufe I (Pflegegrad 2) werden dann 294 Euro weniger und in Pflegestufe II (Pflegegrad 3) 68 Euro weniger pro Monat gezahlt. Menschen, die ab dem 1. Januar 2017 ins Pflegeheim einziehen, müssen sich darauf einstellen, dass die Zuzahlung für die unteren Pflegegrade wahrschein-lich ansteigen, während sie für die höheren Pflegegrade gleich bleibt oder sogar günstiger werden kann. Diejenigen, die zum Jahreswechsel bereits in einer Pflegeeinrichtung wohnen, müssen sich keine Gedanken machen: Sie genießen Bestandschutz und zahlen weiterhin den gewohnten Betrag. Wer konkret plant, in der nächsten Zeit in ein Pflegeheim zu ziehen, sollte sich über den günstigsten Zeitpunkt des Einzugs und der Antragstellung gut beraten lassen.

Pflegebedürftige Menschen, die zu Hause wohnen und dort versorgt werden, erhalten auch weiterhin die bisherigen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Nach der Umwandlung der Pflegestufe in einen Pflegegrad wird gleich viel oder sogar mehr gezahlt werden. Dieser sogenannte Schutz des Besitzstandes gilt lebenslang – auch bei einem Wechsel der Kranken- und Pflegekasse. Nehmen die Einschränkungen zu und wird der Pflegegrad angehoben, ändert sich entsprechend die Leistung aus der Pflegeversicherung. Dies gilt vor allem für den Fall, wenn bei einer erneuten Begutachtung festgestellt wird, dass keine Pflegebedürftigkeit mehr besteht.

Auch wenn die jüngere Generation nicht von den zum Jahreswechsel anstehenden umfassenden Veränderungen in der Pflegeversicherung betroffen ist, rät Georg van Elst „angesichts der steigenden Zahl Pflegebedürftiger in den kommenden Jahren, die aktuellen Veränderungen zum Anlass zu nehmen, sich mit dem Thema zu befassen.“

Quelle: Saluway Frank Fischer

Hamburg und Bremen wollen Opfer ärztlicher Behandlungsfehler entschädigen – TK Hamburg begrüßt die Initiative

Die Landesregierungen von Hamburg und Bremen wollen einen Patientenentschädigungs- und Härtefallfonds für Opfer ärztlicher Behandlungsfehler ins Leben rufen. Eine entsprechende Bundesratsinitiative ist gestern beschlossen worden. Damit fordern die beiden Länder die Bundesregierung auf, einen entsprechenden Gesetzesentwurf auszuarbeiten und in den Bundestag einzubringen. Die Techniker Krankenkasse (TK) begrüßt den Vorstoß.

Der Techniker-Krankenkasse zufolge wird nur jeder siebte angezeigte Behandlungsfehler als solcher anerkannt und mit Schadensersatz für den Betroffenen versehen.

Der Techniker-Krankenkasse zufolge wird nur jeder siebte angezeigte Behandlungsfehler als solcher anerkannt und mit Schadensersatz für den Betroffenen versehen. Die Durchsetzung arzthaftungsrechtlicher Schadensersatzansprüche scheitere häufig an der fehlenden Möglichkeit nachzuweisen, dass der Gesundheitsschaden durch eine Behandlung oder unbekannte Komplikation verursacht wurde, bestätigt auch die Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz. „Auch wenn ein ärztlicher Fehler naheliegt, können Patientinnen und Patienten oft die für die Arzthaftung erforderlichen Voraussetzungen nicht zur Überzeugung des Gerichts nachweisen“, heißt es in einer Pressemeldung der Hamburger Behörde. Betroffene müssten dann alleine die schwerwiegenden gesundheitlichen und finanziellen Folgen der Behandlung tragen, soweit sie nicht von Dritten, insbesondere von sozialen Leistungsträgern, unterstützt würden.

Um Patientenrechte zu stärken, soll der Patientenentschädigungs- und Härtefallfonds als eine bundesunmittelbare Stiftung des öffentlichen Rechts eingerichtet werden. Er springt dann ein, wenn dem Betroffenen über herkömmliche haftungsrechtliche Ansprüche nicht geholfen werden kann. Ein Grund dafür kann sein, dass der Behandlungsfehler und/oder der Zusammenhang zwischen Behandlung und gesundheitlichen Schaden nicht mit der dafür ausreichenden, weit überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden konnte. Der Fonds wird auf Antrag der Betroffenen aktiv. Damit sie aber nicht zu lange auf eine Entscheidung warten müssen, ist eine vorgegebene Entscheidungsfrist geplant. Die Gutachter schlagen vor, dass eine entsprechende Stiftung zunächst mit 100 Millionen Euro ausgestattet wird.

Die Techniker Krankenkasse begrüßt die Initiative der beiden Landesregierungen. In den meisten Fällen könne der Zusammenhang zwischen Behandlung und Schaden juristisch nicht eindeutig bewiesen werden. „Die Betroffenen werden in diesen Fällen nicht entschädigt“, bedauert Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg. „Mit der Einrichtung des Fonds wird die bestehende Lücke geschlossen und bestimmten, besonders belasteten Patienten geholfen. Das begrüßen wir sehr“, so Puttfarken.

Die Initiative der beiden Länder ist bereits der zweite Versuch. Im August 2012 war der Vorschlag zur Einführung eines Patientenentschädigungsfonds vom bayrischen Gesundheitsministerium im Bundesrat vorgestellt worden. Der Bundesrat forderte daraufhin eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Prüfung eines Patientenentschädigungsfonds. Von Seiten der Bundesregierung wurde dies abgelehnt und nicht im Gesetz zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten, dass am Tag 26. Februar 2013 in Kraft trat, verankert. Zum einen widerspräche ein Entschädigungsfonds dem deutschen Haftungssystem. Zum anderen sei die Finanzierung völlig ungeklärt. Um diese strittigen  Punkte zu klären hatte die Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz im Anschluss die renommierten Bremer Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Dieter Hart und Prof. Dr. Robert Francke mit einem Gutachten und der Ausarbeitung eines entsprechenden Gesetzesvorschlags beauftragt. Bei der Präsentation im August 2013 zeigte sich die Hamburger Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks zuversichtlich: „Der Bundesgesundheitsminister hat den Härtefallfonds mit der Begründung abgelehnt, es gebe kein umsetzbares Konzept. Diese Ausrede gilt ab heute nicht mehr.“ Seitdem gab es im Bundestag verschiedene weitere parlamentarische Diskussionen zur Gestaltung des Patientenentschädigungs- und Härtefallfonds. Es bleibt abzuwarten ob eine dem deutschen Haftungssystem angemessene und zugleich finanzierbare Lösung gefunden werden kann.

Quelle Saluway Felix Gimm

Dürfen Medikamente an Demenzkranken erforscht werden?

Medikamente dürfen nur an schwer Demenzkranken getestet werden, wenn diese auch einen Nutzen davon haben. Ein neues Gesetz, über das der Bundestag diese Woche berät, soll das ändern. Die wichtigsten Fakten.

Dürfen Patienten an Studien teilnehmen, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, selbst einzuwilligen? Mit dieser Frage beschäftigt sich diese Woche erneut der Bundestag. Von dem Vorstoß betroffen sind unter anderem die 1,6 Millionen Menschen in Deutschland, die an Demenz erkrankt sind.

Eigentlich sollte das Gesetz bereits Anfang Juni verabschiedet werden. Weil jedoch mehrere Abgeordnete, auch aus den Regierungsparteien CDU und SPD, ethische Bedenken anmeldeten, wurde der Termin verschoben. Nach einer erneuten Beratung am Mittwoch soll nun am Freitag eine Entscheidung fallen. Der Fraktionszwang ist dabei aufgehoben.

Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Welche Regeln gibt es bislang?

Bislang dürfen Therapien vor allem an Patienten erprobt werden, die noch in der Lage sind, der Studienteilnahme zuzustimmen. Sie müssen den Studienaufbau, die Zielsetzung sowie Risiken und Nebenwirkungen abschätzen können. Das kann bei einer Demenz im Anfangsstadium noch der Fall sein, bereits bei mittelschwerer Ausprägung erfüllen jedoch nur wenige Patienten diese Voraussetzungen.

Sind die Erkrankten nicht mehr in der Lage, selbst zu entscheiden, gelten verschärfte Regeln: Teil eines Forschungsprojekts dürfen sie dann nur sein, wenn ihnen die Teilnahme möglicherweise selbst nutzt – etwa weil eine neue Therapie erprobt wird oder sie eine besonders intensive medizinische Betreuung während der Studie bekommen. Dann kann der gesetzliche Betreuer die Einwilligung geben.

Was soll sich ändern?

Geht es nach Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), soll es künftig möglich sein, schwer Demenzkranke unter strengen Auflagen in medizinische Studien einzubeziehen, die für sie keinen direkten Nutzen haben. Das kann etwa der Fall sein, wenn die Krankheit bereits zu weit fortgeschritten ist.

Voraussetzungen dafür wären zwei Punkte:

  • Erstens müssten die Teilnehmer, als sie noch zustimmungsfähig waren, in einer Patientenverfügung festgehalten haben, dass sie einer späteren gruppennützigen Forschung zustimmen.
  • Zweitens müsste der gesetzliche Betreuer nach umfassender Aufklärung über die Studie einwilligen, dass der Demenzkranke teilnimmt.

Zum Gesetzentwurf der Regierung liegen derzeit drei fraktionsübergreifende Änderungsanträge vor:

  • Einer von ihnen sieht vor, dass die gruppennützige Forschung, wie zunächst geplant, erlaubt wird, wenn Patienten vor dem Aufsetzen der Patientenverfügung eine ärztliche Beratung angeboten wird.
  • Der zweite Entwurf will die ärztliche Beratung zur Pflicht machen.
  • Die Abgeordneten Uwe Schummer (CDU), Ulla Schmidt (SPD), Kathrin Vogler (Linke) und Kordula Schulz-Asche (Grüne) wollen die bisherige restriktive Regelung behalten.

Warum wird das Gesetz jetzt geändert?

Grundlage der Gesetzesinitiative ist eine EU-Verordnung, die 2018 in Kraft treten soll. Demnach sollen klinische Studien mit nicht einwilligungsfähigen Patienten erlaubt werden, auch, wenn sie den Patienten möglicherweise nichts mehr nutzen. Eine Ethikkommission soll dann entscheiden. Allerdings dürfen die EU-Staaten auf nationaler Ebene strengere Regeln einführen. Das neue deutsche Gesetz wäre ein Kompromiss zwischen der bislang strengen Regelung im Land und der liberalen EU-Verordnung.

Was spricht dagegen?

Gegner der Novelle sprechen von einem Dammbruch. Einige ziehen gar Vergleiche mit menschenunwürdigen Versuchen zur NS-Zeit.

Bei einer Fachanhörung im Bundestag sprachen sich auch einige Mediziner gegen die Neuregelung aus. Sie argumentierten, man könne erfolgsversprechende Studien bereits jetzt durchführen, die Neuregelung sei daher überflüssig. Andere sagen, man könne einer Studie grundsätzlich erst dann zustimmen, wenn man wisse, worum genau es darin geht, welche Rolle man selbst spielt und welche Risiken es gibt.

Die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft weist darauf hin, dass Demenzkranke besonders schutzbedürftige Menschen seien, die ihre Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr widerrufen können. Die Betreuer könnten dadurch in einen Zwiespalt geraten. Auch die Behindertenverbände halten es für schwierig, den aktuellen Willen von Dementen zu ermitteln.

Die Kirchen sehen in der Novelle einen Verstoß gegen die Menschenwürde und warnen davor, dass „der Mensch zum bloßen Objekt herabgestuft und benutzt wird“. Andere Kritiker wie die SPD-Abgeordnete Kerstin Griese halten Arzneitests an nicht einwilligungsfähigen Menschen generell nur für akzeptabel, wenn diese selbst einen Nutzen davon haben.

Was spricht für die Änderung?

Fachleute argumentieren, dass sich Ergebnisse aus Arzneimitteltests in früheren Krankheitsstadien nicht einfach auf spätere Erkrankungsphasen übertragen lassen. Daher seien mehr Studien an schwer Erkrankten nötig.

Gesundheitsminister Gröhe verweist zudem darauf, dass auch das neue Gesetz enge Grenzen hat. Eine Studie müsse weiterhin sofort abgebrochen werden, wenn der Patient erkennen lässt, dass er nicht weiter einverstanden ist.

Laut dem Gesetz müssten Tests zudem immer zunächst an einwilligungsfähigen Patienten stattfinden. Die Studien müssten weiterhin von einer Ethikkommission geprüft werden. Das neue Gesetz sieht zudem vor, eine Bundesoberbehörde einzuführen, die abschließend über die Versuche entscheidet. Auch das ist allerdings umstritten.

Im Hinblick auf die Kritik, dass ein vergleichsweise Gesunder nicht abschätzen könne, wie er im Falle der schweren Krankheit behandelt werden möchte, verweisen manche Ethiker zudem auf bisherige Patientenverfügungen, in denen genau dies verlangt wird.

Gibt es bereits ähnliche Regelungen?

2004 gab es in Deutschland eine ähnliche Diskussion. Damals wurde entschieden, dass Minderjährige an klinischen Studien teilnehmen dürfen – auch, wenn sie selbst nicht unmittelbar von der Forschung profitieren.

Quelle: Spiegel jme/AFP

BARMER GEK bemängelt massiv gestiegene Kosten für Heil- und Hilfsmittel

Die Kosten für Heil- und Hilfsmittel sind in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Das stellt die BARMER GEK mit Verweis auf den Heil- und Hilfsmittelreport 2016 fest. Die Kasse rechnet mit weiteren Kosten mindestens im mittleren dreistelligen Millionenbereich, sollte das kürzlich beschlossene Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz wie geplant umgesetzt werden. Sie fordert deshalb, Heilmittelausgaben stärker zu begrenzen und die Streuung von Therapeuten nach Bedarfsplanung anzupassen. Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) hält dagegen. Sie fürchtet unzumutbare Wege für Patienten, würden Physio- oder Ergotherapiepraxen geschlossen.

Barmer GEK fordert, Kosten für Heil- und Hilfsmittel zu senken.

„Die massiven regionalen Ausgabendifferenzen bei Heilmitteln sind rein medizinisch und durch Versorgungsunterschiede nicht erklärbar“, findet Dr. Christoph Straub, Vorstandschef der BARMER GEK. Er ruft dazu auf, die Leitlinien zu konkretisieren und das Verordnungsverhalten der Ärzte zu untersuchen. Die kassenärztlichen Vereinigungen sollten sich darüber austauschen, wodurch der regional so unterschiedliche Einsatz von Heilmitteln zustande komme. Ärzte müssten das verordnen, was medizinisch erforderlich und wirtschaftlich ist, heißt es in der Meldung weiter.

Bedarfsplanung für Therapeuten

Auch eine aus dem Bericht hervorgehende Streuung der Therapeuten ist der Krankenkasse ein Dorn im Auge. „Es gibt keinen Grund, warum einige Regionen mehr als doppelt so viele Physiotherapeuten brauchen sollten als andere“, zitiert die BARMER GEK in ihrer Pressemeldung den Verfasser des Reports, Prof. Daniel Grandt und rät zu einer Bedarfsplanung für Therapeuten. Während in Nordrhein-Westfalen ein Physiotherapeut auf 2137 Versicherte der Barmer GEK komme, sei das Verhältnis in Brandenburg einer zu 806.

„Wir als Patientenberatung sehen eine solche Entwicklung kritisch“, entgegnet Heike Morris, juristische Leiterin der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland gegenüber dem Patientenportal Saluway. Sie sieht die Patientenrechte in Gefahr. Gerade in ländlichen Gebieten könnte die Begrenzung von Heilmittelpraxen insbesondere ältere und hilfsbedürftige Menschen von der Versorgung abschneiden. „Es ist etwas anderes, eine längere Anfahrt zu einem seltenen Facharztbesuch zu tätigen, als dies bei mehrmals in der Woche stattfindenden Heilmittelanwendungen zu realisieren.“

Stärkere Reglementierung der Heilmittel

Kritisch sieht die Patientenberatung auch die geforderte stärkere Budgetierung der Heilmittel. Das Budget für Heilmittel sei jetzt schon reglementiert. Heilmittelrichtgrößenvereinbarungen würden je nach Fachgebiet bestimmen, in welchem Umfang Ärzte Mittel verordnen dürfen. „Liegen keine Praxisbesonderheiten vor und die Ausgaben für Heilmittel mehr als 15 Prozent über dem Budget, wird ein Prüfverfahren gegen den Arzt eingeleitet“, so die juristische Leiterin der UPD weiter. Bei mehr als 25 Prozent habe der Mediziner die Kosten aus eigener Tasche zu zahlen.

Dem pflichtet auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung bei: „Schon heute unterliegen von Ärzten veranlasste Heilmittel der Wirtschaftlichkeitsprüfung“, sagt KBV-Sprecher Dr. Roland Stahl und berichtet: „Auf Bundesebene haben wir uns gerade erst Ende September wieder mit dem GKV-Spitzenverband auf Rahmenvorgaben für Heilmittel im Jahr 2017 geeinigt.“ Darauf basierend würden die regionalen Heilmittelvorgaben zwischen den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Krankenkassen der Länder beschlossen. Der von der Barmer GEK geforderte regelmäßige Austausch der Kassenärztlichen Vereinigungen zum Thema Heilmittel bestehe bereits.

Gesetz tritt im März in Kraft

Ende August hatte die Bundesregierung einen Gesetzentwurf zur Heil- und Hilfsmittelverordnung beschlossen. Der Entwurf zielt darauf ab, Versicherte schneller und besser mit Hilfen wie Schuheinlagen, Prothesen, Rollstühlen oder Hörgeräten zu versorgen. Zugleich soll die Stellung der Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen aufgewertet werden. Unter anderem sieht das Schreiben eine Blankoverordnung von Heilmitteln vor. Die Mittel werden weiterhin vom Arzt verschrieben, Physio-, Ergotherapeuten etc. bestimmen aber die Auswahl und die Dauer der Therapie sowie die Frequenz der Behandlungseinheiten. Das Gesetz soll im März 2017 in Kraft treten.

Quelle: Barmer GEK Frauke Sievers

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