Frust statt Lust: Die Deutschen und die Altersvorsorge

Die Nutzung nahezu aller relevanten Vorsorgemethoden für das Alter ist rückläufig. Der Grund für diesen Rückgang ist vor allem die aktuelle Niedrigzinsphase. Das zeigt der „Axa Deutschland-Report 2017“. Und das, obwohl die Angst vor Altersarmut um 16 Prozentpunkte angestiegen ist. Altersvorsorgeart Nummer eins ist die gesetzliche Rentenversicherung. Die größten Einbußen mussten Spareinlagen bei Banken erfahren. 21 Prozent Befragte weniger als 2016 nutzen das Sparbuch und Co, um vorzusorgen.

70 Prozent aller Ruheständler in Deutschland finden, dass die Höhe der gesetzlichen Rente nicht angemessen im Vergleich zu ihren Einzahlungen ist. Das geht aus dem „Axa Deutschland-Report 2017“ (PDF-Datei, 1,6 MB) der Axa Konzern AG hervor. Für die Untersuchung wurden in 3.381 Interviews repräsentativ in allen 16 Bundesländern Erwerbstätige und Personen im Ruhestand befragt.

Laut den Studienergebnissen gaben 56 Prozent der erwerbstätigen Teilnehmer an, eine Verschlechterung ihrer Lebensqualität im Alter zu befürchten. Das sind 16 Prozentpunkte mehr als bei der letztjährigen Erhebung. Die befragten Rentner bestätigen die Befürchtung der Jungen. 58 Prozent sagten aus, dass sich ihre Lebenssituation seit Eintritt in den Ruhestand verschlechtert habe (2016: 41 Prozent).

Die momentan breite öffentliche Debatte um die Altersvorsorge […] hat zusammen mit der Niedrigzinsphase zumindest das Problembewusstsein […] weiter geschärft.

Dr. Patrick Dahmen, Vorstandsmitglied im Axa Konzern

Stimmung im Ausblick auf den Ruhestand ist schlecht

Auch eine andere Studie belegte, dass die Deutschen sich beinahe vor dem Eintritt in den Ruhestand fürchten – zumindest finanziell. Laut DIA-Deutschland-Trend des Deutschen Instituts für Altersvorsorge GmbH (DIA) von Januar dieses Jahres denken sogar 76 Prozent der 1.005 Befragten zwischen 18 und 65 Jahren, dass sie ihren Lebensstandard im Alter senken müssen (VersicherungsJournal 20.1.2017).

„Die momentan breite öffentliche Debatte um die Altersvorsorge im Vorfeld der drei Landtagswahlen und der Bundestagswahl hat zusammen mit der Niedrigzinsphase zumindest das Problembewusstsein bei Rentnern wie Erwerbstätigen weiter geschärft“, erklärt Dr. Patrick Dahmen, Mitglied des Vorstands im Axa Konzern, den Anstieg der Besorgnis.

Umso verständlicher scheint es, dass sich die Mehrheit der Axa-Befragten eine höhere Rente wünscht. Drei Viertel der Pensionäre und zwei Drittel der Erwerbstätigen sind der Ansicht, dass der Staat sich vor allem für höhere Renten in Deutschland einsetzen sollte. Vermehrtes staatliches Engagement in anderen Bereichen wie der Einsatz für geringere Steuern oder eine bessere Gesundheitsvorsorge stießen auf weniger Zustimmung.

So sorgen die Deutschen für das Alter vor

Dass die Deutschen auf die gesetzliche Altersvorsorge nicht vertrauen, zeigte schon die erwähnte DIA-Studie. Die gesetzliche Rentenversicherung schnitt unter den Befragten am schlechtesten ab. Diese und die Beamtenpension sind laut der Axa-Umfrage die meist genutzte Art der Altersvorsorge bei Erwerbstätigen (48 Prozent).

Private Lebens- oder Rentenversicherungen (ohne Riester- oder Rürup-Renten) werden von einem Drittel der erwerbstätigen Teilnehmer genutzt, um sich für den Ruhestand abzusichern. Die Hälfte sorgt nicht privat vor und gab an, es auch künftig nicht tun zu wollen. Spitzenreiter im Privatvorsorgen ist Nordrhein-Westfahlen. 43 Prozent der Bewohner dieses Bundeslandes haben eine private Lebens- oder Rentenversicherung. Die Berliner bilden hier mit 22 Prozent das Schlusslicht.

Dass die Hauptstädter eher zu den wenig engagierten Bürgern in Sachen privater Altersvorsorge gehören, bestätigt auch die Studie „Die Landkarte des Sparens: So unterschiedlich sparen die Deutschen“ (PDF, 3,8 MB) der Union Investment Privatfonds GmbH. In dieser Untersuchung gaben sogar nur 19,5 Prozent der befragten Berliner an, privat vorzusorgen.

Nur die Teilnehmer aus Mecklenburg-Vorpommern sorgten mit 18,7 Prozent weniger privat vor (VersicherungsJournal 9.3.2017). Letztere schneiden in der Axa-Befragung mit 37 Prozent deutlich besser ab.

Meistgenutzte Anlageprodukte (Bild: VersicherungsJournal)

Riester- und Rürup-Renten sind eher ungefragt

Jeder vierte erwerbstätige Studienteilnehmer zahlt in eine Riester- oder Rürup-Rente ein. Fünf Prozent wollen in Zukunft eine abschließen. Die große Mehrheit von 62 Prozent besitzt keine solche Altersvorsorge und will auch keine abschließen. Die meisten Riester- und Rürup-Sparer gibt es in Sachsen (39 Prozent), die wenigsten in Bayern (14 Prozent). Ein Vergleich zum Vorjahr ist nicht möglich, da Riester- und Rürup-Verträge 2016 nicht gesondert ausgewiesen wurden.

Die betriebliche Altersversorgung oder die Vorsorge über ein berufsständisches Versorgungswerk sind mit einem Prozentpunkt Vorsprung zur privaten Altersvorsorge die zweitmeist genutzten Anlagemöglichkeiten für das Alter. Mit 47 Prozent der Stimmen kommt diese Vorsorgeart im Bundesvergleich in Rheinland-Pfalz am häufigsten vor. Schlusslicht, mit 24 Prozent, bildet Sachsen-Anhalt.

Im Vergleich zum Vorjahr mussten Spareinlagen bei Banken den größten Verlust hinnehmen. Während 2016 noch 43 Prozent der Erwerbstätigen eine Spareinlage bei ihrer Bank besaßen, sind es aktuell nur noch 33 Prozent. Besonders die Niedersachen haben ihre Meinung zu Sparbuch und Co geändert. Hier ging die Nutzung zwischen den Befragungen 2016 und 2017 um 21 Prozentpunkte zurück. Auch Immobilien, Aktien- und Investmentfonds als Altersanlage sind rückläufig.

Private Altersvorsorge sinnlos?

Mehr als die Hälfte der Befragten (51 Prozent Erwerbstätige, 52 Prozent Ruheständler) gaben an, nicht zu wissen, ob private Altersvorsorge überhaupt noch sinnvoll ist. Besonders die Hauptstädter stellen sich diese Frage (65 Prozent) und auch sonst gibt es keinen Wert unter 40 Prozent bei der Sinnfrage im Bundesvergleich.

Hauptgrund für die schlechte Stimmung ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. 57 Prozent der erwerbstätigen Teilnehmer wollen in dieser Zinsphase keine neuen Anlagen zur Altersvorsorge abschließen. Jeder Fünfte plant sogar, Anlagen, die sich nicht mehr rechnen, zu kündigen.

Einstellung zu Anlagen (Bild: VersicherungsJournal)

Wenn die arbeitenden Deutschen Geld für das Alter zurücklegen, dann zu 42 Prozent weniger als 100 Euro monatlich. Etwas mehr als jeder Fünfte (22 Prozent) legt zwischen 100 und 200 Euro im Monat beiseite. Die wenigsten (drei Prozent) investieren mehr als 400 Euro. Die meisten „Vielsparer“ gibt es in Rheinland-Pfalz. Hier gaben sechs Prozent der Befragten an, monatlich über 400 Euro in ihre Altersvorsorge zu stecken.

Quelle:VersicherungsJournal.de, 28.04.2017

Angehörige selbst pflegen-So funktioniert die Pflegezeit

Angehörige selbst pflegen: So funktioniert die Pflegezeit

Ist ein Angehöriger für längere Zeit pflegebedürftig, können Beschäftigte ihre Arbeitszeit bis zu 24 Monate reduzieren, müssen aber mindestens 15 Stunden pro Woche weiter arbeiten.(Foto: dpa)

Seit dem 1. Januar gibt es Pflegegrade statt -stufen. Damit sollen mehr Bedürftige von staatlicher Unterstützung profitieren. Die steigenden Kosten wirken sich auch auf Pflegezusatzversicherungen aus.

Für die meisten Arbeitnehmer ist der Alltag straff durchorganisiert. Doch dann passiert etwas Unerwartetes: Ein naher Angehöriger erleidet einen Schlaganfall und wird zum Pflegefall. Jemand aus der Familie muss von jetzt auf gleich trotz Berufstätigkeit Hilfe organisieren oder eben selbst dem Pflegebedürftigen zur Seite stehen.

Muss man gleich nach dem Ereignis wieder zur Arbeit?

Wird ein Angehöriger plötzlich zum Pflegefall, kann sich ein Arbeitnehmer einmalig bis zu zehn Tage von der Arbeit freistellen lassen. In der Zeit kann er sich entweder nach einer Pflegekraft umsehen und sie engagieren oder aber sich selbst um die Pflege des Bedürftigen kümmern. „Dieses Recht auf Freistellung hat jeder Beschäftigter, unabhängig von der Größe des Unternehmens, bei dem er oder sie tätig ist“, sagt eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums in Berlin. Während der zehn Tage ist der Arbeitnehmer weiterhin kranken- und rentenversichert sowie gegen Arbeitslosigkeit versichert. Da er für die Zeit keinen Lohn oder kein Gehalt bekommt, hat er Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld. Es muss bei der Pflegekasse des pflegebedürftigen Angehörigen beantragt werden.

Wie lange kann ein Arbeitnehmer insgesamt freinehmen?

Wer einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen selbst zu Hause pflegen möchte, kann bis zu sechs Monate unbezahlt seine Arbeitszeit reduzieren oder auch ganz aus dem Job aussteigen. So sieht es das Pflegezeitgesetz vor. „Einen solchen Anspruch haben aber nur jene, die in einem Betrieb mit mehr als 15 Beschäftigten tätig sind“, erklärt Cornelia Jurrmann vom Sozialverband VdK Deutschland. Der Pflegebedürftige muss zudem mindestens in Pflegegrad eins eingestuft sein. Um die Pflegezeit zu finanzieren, können Arbeitnehmer ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragen. Wer einen nahen Angehörigen in seiner letzten Lebensphase begleiten möchte, kann sich nach dem Pflegezeitgesetz bis zu drei Monate vollständig oder teilweise von seinem Arbeitgeber freistellen lassen – auch, wenn der Pflegebedürftige in einem Krankenhaus oder in einem Hospiz versorgt wird.

Zu den nahen Angehörigen zählen laut Pflegezeitgesetz: Großeltern, Eltern, Schwiegereltern und Stiefeltern. Hinzu kommen Ehegatten, Lebenspartner, Partner einer eheähnlichen oder lebenspartnerschaftsähnlichen Gemeinschaft, Geschwister, Lebenspartner der Geschwister und Geschwister der Lebenspartner. Der Begriff umfasst außerdem Kinder, Adoptiv- und Pflegekinder sowie Schwiegertöchter, Schwiegersöhne und Enkelkinder.

Und was, wenn jemand länger gepflegt werden muss?

Ist ein Angehöriger für längere Zeit pflegebedürftig, können Beschäftigte ihre Arbeitszeit bis zu 24 Monate reduzieren, müssen aber mindestens 15 Stunden pro Woche weiter arbeiten. Sie bekommen dann auch entsprechend weniger Lohn oder Gehalt. Dieses Modell nennt sich Familienpflegezeit. Voraussetzung ist, dass der Beschäftigte in einem Betrieb mit mehr als 25 Arbeitnehmern tätig ist. Ebenso wie bei der Pflegezeit kann der Beschäftigte die Familienpflegezeit über ein zinsloses Darlehen finanzieren.

„Wird vor der Familienpflegezeit noch eine Pflegezeit in Anspruch genommen, darf die Kombination eine Gesamtdauer von zwei Jahren nicht überschreiten“, sagt Verena Querling. Sie ist Referentin im Bereich des Pflegerechts bei der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf. Von dem Zeitpunkt der Ankündigung, eine Auszeit nehmen zu wollen, bis zum Ende der Familienpflegezeit oder der Pflegezeit darf der Arbeitgeber dem Beschäftigten nicht kündigen.

Was ist beim Antrag zu beachten?

Spätestens acht Wochen vor dem gewünschten Beginn muss der Beschäftigte den Arbeitgeber schriftlich darüber informieren, dass er Familienpflegezeit beanspruchen möchte. Von wann bis wann genau er oder sie Pflegezeit nimmt, muss zehn Arbeitstage vor Beginn der Auszeit angekündigt werden, erklärt die Ministeriumssprecherin. Der Beschäftigte muss mitteilen, um wie viele Stunden die Arbeitszeit reduziert werden soll. „Dabei ist auch anzugeben, an welchen Tagen der Arbeitnehmer wie viele Stunden arbeiten möchte“, sagt Querling. Dem Schreiben muss der Pflegegrad-Bescheid des Angehörigen beiliegen.

Wer keinen rechtlichen Anspruch auf Pflegezeit oder Familienpflegezeit hat, sollte sich rechtzeitig mit dem Arbeitgeber zusammensetzen und nach einer Lösung für die Pflege des Angehörigen suchen, rät Querling.

Welche Vorteile hat die Pflegezeit für den betroffenen Angehörigen?

„Für den Pflegebedürftigen ist das oft angenehmer, als in einem Heim von Fremden betreut zu werden“, sagt Jurrmann. Er oder sie bleibt in der gewohnten Umgebung und behält den vertrauten Kontakt zu Angehörigen und Nachbarn. „Das ist für alle gut.“

Quelle:ntv.de, 28.04.2017

Ambulante Versorgung steht vor Kapazitätsproblemen

Die ärztliche Versorgung steht vor Herausforderungen: Abnehmende Versorgungskapazitäten treffen auf eine steigende Nachfrage nach Leistungen.

Von Anno Fricke

Ambulante Versorgung steht vor Kapazitätsproblemen

Empfang in der Praxis: Aufgrund der demografischen Entwicklung halten die ambulanten Versorgungskapazitäten nicht mehr Schritt.

© AOK-Mediendienst

BERLIN. Die Menschen in Deutschland werden älter, die Nachfrage nach medizinischen Leistungen steigt. Der medizinische Fortschritt und die wachsende körperliche Robustheit auch hochbetagter Menschen erlauben es, immer mehr Behandlungen ambulant vorzunehmen und die Patienten sich zuhause erholen zu lassen.

Mit dieser Entwicklung halten die ambulanten Versorgungskapazitäten derzeit nicht Schritt. Seit der Gesetzgeber mit dem Vertragsarztrechtsänderungsgesetz (2007) den Ärzten eine weitreichende Flexibilisierung ihrer Arbeitsbedingungen zugestanden habe, seien die Kapazitäten der Hausärzte und grundversorgenden Fachärzte wie Pädiatern und Gynäkologen rückläufig, sagte der Geschäftsführer des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (ZI), Dr. Dominik von Stillfried, bei einem ZI-Forum am Mittwoch in Berlin. In der Folge sei zum Beispiel die Anstellung in den Praxen deutlich gestiegen.

3% ist die tatsächliche Arbeitskapazität laut ZI seit 2009 gestiegen – obwohl pro Kopf der Bevölkerung 10 % mehr Ärzte in der ambulanten Versorgung tätig sind.

Seither gebe es pro Kopf der Bevölkerung zwar zehn Prozent mehr Ärzte in der ambulanten Versorgung, der Anstieg der tatsächlichen Arbeitskapazität betrage aber lediglich drei Prozent. Schon heute wären demografieadjustiert allerdings schon vier Prozent mehr Arbeitsleistung als zum Ausgangspunkt der Berechnung im Jahr 2009 nötig. „Die Empfindung, dass es schwerer ist als früher, Ärzte zu erreichen, ist für viele Patienten durchaus real“, sagte von Stillfried.

Und die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen. Ab 2024 wechselten die „Babyboomer“ die Seiten und würden von Beitragszahlern zu Rentenbeziehern, sagte Professor Boris Augurzky vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI).

Überstürzte und radikale Gegenmaßnahmen als Therapie werden in der KBV gleichwohl abgelehnt. „Es ist fatal, in einem hochkomplexen Gesundheitswesen eilige Veränderungen vorzunehmen“, warnte KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister. Dass dort, wo es zu wenig niedergelassene Ärzte gebe, ein Krankenhaus eins zu eins mit allen Fachabteilungen in die ambulante Versorgung einspringen könne, bleibe ein schieres Fantasieprodukt interessierter Kreise. Arztschelte sei fehl am Platze, betonte der Vorsitzende des NAV-Virchowbundes, Dr. Dirk Heinrich. Alle Veränderungen im System würden letztendlich von den Vertragsärzten angestoßen.

Einer der weitreichendsten Vorstöße der Vertragsärzteschaft zielt auf eine intersektorale Verbindung der fachärztlichen Versorgung. In der Politik ist das Echo darauf gespalten. Die Planung müsse über die Sektoren hinweg erfolgen. Zudem müssten die Geldflüsse in die Sektoren dementsprechend angepasst werden, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion Maria Michalk.

Der Vertragsarzt sei das „Arbeitstier“ der Versorgung, das Zauberwort aber heiße Vernetzung, pflichtete ihr Kollege von den Grünen, Dr. Harald Terpe, bei. Der gesundheitspolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion gehen die Veränderungen allerdings zu langsam: Die gegenseitige Blockadehaltung und das politische Ping-Pong-Spiel von ambulantem und stationärem Sektor seien „richtig ätzend“, wetterte Hilde Mattheis.

Eine Verzahnung der Sektoren, wie etwa in der bislang noch schwachbrüstigen ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) angelegt, scheitert bislang auch an den unterschiedlichen Finanzierungslogiken. „Es ist schwierig, Geld aus einem Sektor zu holen und in einen anderen zu schieben“, gab Thomas Ballast, stellvertretender Vorstand der Techniker Krankenkasse zu bedenken.

Quelle:ÄrzteZeitung Online, 28.04.2017

Mindestlöhne in der Pflege steigen

Der Mindestlohn in der Pflege steigt zum 1. Januar 2018 im Westen von bisher 10,20 Euro auf 10,55 Euro und im Osten von 9,50 Euro auf 10,05 Euro in der Stunde.

Foto: ostromec (Fotolia)

Das beschloss die Pflegekommission, wie das Bundessozialministerium am Dienstag in Berlin mitteilte. In zwei Schritten soll er dann den Angaben zufolge bis Januar 2020 weiter auf 11,35 Euro pro Stunde im Westen und 10,85 Euro im Osten wachsen.

Davon profitierten gerade Pflegehilfskräfte, so das Ministerium. In Einrichtungen, die unter den Pflegemindestlohn fallen, arbeiten demnach derzeit rund 900.000 Beschäftigte. Dort, wo der spezielle Pflegemindestlohn nicht gelte, etwa in Privathaushalten, gelte der allgemeine gesetzliche Mindestlohn.

Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) sagte: „Pflege ist kein Beruf wie jeder andere. Sie ist Dienst vom Menschen am Menschen und zentral für unsere älter werdende Gesellschaft. Der Bedarf an guter, qualifizierter und motivierter Arbeit wächst in allen Pflegebereichen.“

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Wie Sie bei der privaten Krankenversicherung sparen können

Unter Umständen kann es sich lohnen, die Selbstbeteiligung zu erhöhen, um die Beiträge für die private Krankenversicherung zu senken.(Foto: dpa)

AnzeigeDer Ausstieg aus der privaten Krankenversicherung ist kaum möglich. Die hohen Kosten lassen sich aber trotzdem oft senken – wenn Sie einige Tipps beachten.


„Es ist leichter, eine Ehe zum Scheitern zu bringen, als eine private Krankenversicherung zu verlassen“, sagt der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Deutlich leichter ist es, seinen Beitrag zu reduzieren, wenn die nächste Erhöhung kommt. Viele Wege können dabei zum Ziel führen.

Risikozuschläge prüfen: Nicht selten zahlen Versicherte wegen bestimmter Malaisen (Rücken, Bandscheibe) Risikozuschläge. Ob dies so ist, steht im Versicherungsschein. Wenn der Gesundheitszustand aber seit Längerem besser ist und dies ein Arzt bestätigt, können Versicherte beantragen, dass der Zuschlag wegfallen soll. Das Verbraucherportal Finanztip warnt allerdings davor, einen Risikozuschlag durch einen Ausschluss von bestimmten Leistungen auszugleichen, um Geld zu sparen: „Das kann später teuer werden“.

Selbstbehalt erhöhen: Wer die eigene Beteiligung (Selbstbehalt) erhöht, kann den monatlichen Beitrag senken. Der Versicherte muss in diesem Fall jedoch einen höheren Betrag der jährlichen Behandlungskosten selbst bezahlen, erst dann kommt die Versicherung für die weiteren Kosten auf. So Geld zu sparen, ist allerdings heikel: Nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW) lässt sich der Selbstbehalt nicht ohne Gesundheitsprüfung einfach wieder verringern. Außerdem kann ihn der Versicherer einseitig innerhalb der gesetzlichen Grenzen erhöhen. Und der Arbeitgeber steuert – anders als bei den Monatsbeiträgen – keinen Cent dazu.

Den Tarif checken: Versicherte sollten prüfen lassen, ob sie in einen anderen Tarif gehen können, für den weniger Prämien anfallen. Das gilt vor allem dann, wenn sie sich in einem geschlossenen Tarif befinden, für den die Beiträge in die Höhe schießen, weil dort nur noch ältere Menschen versichert sind und junge nicht mehr aufgenommen werden. Auf den Tarifwechsel haben die Kunden ein Recht, und viele Anbieter haben sich auch dazu verpflichtet, hier beratend zu helfen und dabei den Gesundheitszustand zu berücksichtigen, der zum ersten Vertragsschluss bestand. Musterbriefe an den Versicherer finden sich auf der Homepage der VZ NRW.

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In den Standardtarif wechseln: Für Versicherte, die vor dem 1. Januar 2009 bereits Mitglied einer PKV waren, kommt der Standardtarif infrage. Damit sind überwiegend die Leistungen versichert, die auch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) im Portfolio hat. Der Beitrag darf den durchschnittlichen Höchstsatz in der GKV nicht überschreiten, das sind 2017 monatlich 682,50 Euro, inklusive Zusatzbeitrag. „In der Regel wird der Beitrag aber sehr viel geringer, je größer die Vorversicherungszeit und je niedriger das Alter ist“, heißt es bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Sie rät, sich vor der Behandlung beim Arzt unbedingt als Standard-Versicherter auszuweisen, damit es nicht später bei der Abrechnung zu Problemen kommt.

In den Basistarif wechseln: Dieser gilt als Alternative für PKV-Mitglieder, die sich nach dem 31.12.2008 privat versichert haben. Auch hier sind nur Leistungen versichert, die die GKV bietet. Der Beitrag darf den Höchstbeitrag in der GKV nicht überschreiten. Auch bei diesem Tarif sollten Versicherte in der Arztpraxis sicherstellen, dass sie nicht plötzlich einen Teil der Behandlungskosten selbst bezahlen müssen.

In die GKV zurückkehren: Das kommt in Betracht, falls ein Tarifwechsel nicht hilft. Die Rückkehr ist allerdings schwierig. Angestellte müssen ihr Bruttogehalt unter die Jahresgrenze von derzeit 57 600 Euro drücken, etwa in dem sie vorübergehend Teilzeit arbeiten oder mehr Geld in die betriebliche Altersvorsorge einzahlen. Selbständige können sich anstellen lassen, müssen dann aber auch weniger als 57 600 Euro verdienen.

Altersrückstellungen nicht verlieren: Die VZ NRW warnt ältere Voll-Versicherte ab 40 Jahren davor, den privaten Krankenversicherer ohne unabhängige Beratung zu wechseln. Es könne dann passieren, „dass Vorerkrankungen mit einem hohen Risikozuschlag oder einem vollständigen Leistungsabschluss bedacht werden“. Dafür könne schon ein ärztlich diagnostizierter Verdacht ausreichen. Außerdem könnten die Altersrücklagen nicht vom alten zum neuen Versicherer übertragen werden, wenn der Kunde „bereits vor dem 1. Januar 2009 versichert war“.

Quelle: SZ online, 25.04.2017

Deutsche Senioren bleiben länger gesund

Die Lebenserwartung der Deutschen steigt – und mit ihr die Zahl der Jahre, die Senioren in guter Gesundheit verbringen können. Darauf macht die Kampagne „7 Jahre länger“ der Versicherer aufmerksam. Demnach geht der Anstieg der Lebenserwartung nicht einher mit einer längeren Krankenphase.

Älterer Herr auf einer Harley Davidson (Symbolbild). Die deutschen Senioren erfreuen sich immer länger einer guten Gesundheit.Softcodex@Pixabay.com

Die Deutschen leben immer länger bei guter Gesundheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des Demografen Roland Rau, der am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock (MPIDR) lehrt. Zwischen 2005 und 2013 haben demnach 65-jährige Frauen weitere 2,8 gesunde Lebensjahre hinzugewonnen und können darauf hoffen, im Schnitt bis fast zum 73. Lebensjahr gesund zu bleiben. Bei Männern betrug das Plus gegenüber 2005 immerhin noch 2,3 gesunde Lebensjahre (siehe Tabelle 1).

Gesundheitsempfinden der Senioren „sehr gut“ oder „gut“

Für die Studie im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wertete der Demografieforscher Daten der Europäischen Haushaltsbefragung „EU-SILC“ aus, für die jährlich 14.500 Deutsche befragt werden. Dabei müssen die Befragten auf einer fünfstufigen Skala ihren Gesundheitszustand von „sehr gut“ bis „sehr schlecht“ bewerten. Roland Rau berücksichtigte für die Auswertung ausschließlich Stimmen von Senioren, die ihre eigene Gesundheit mit „sehr gut“ oder „gut“ eingeschätzt hatten.

Die Analyse wird in einer Pressemeldung der GDV-Kampagne „7 Jahre länger“ vorgestellt. Die Initiative der Deutschen Versicherer soll laut Eigenbeschreibung das Bewusstsein dafür schärfen, dass die Menschen immer älter werden und länger fit bleiben. Denn die Deutschen würden ihre Lebenserwartung unterschätzen und das Alter zu pessimistisch bewerten, heißt es im Pressetext des GDV.

Lebenserwartung ebenfalls leicht gestiegen

Ebenfalls gestiegen ist laut Rau zwischen 2005 und 2013 die verbleibende Lebenserwartung der Deutschen – wenn auch weniger deutlich als die Zahl der gesunden Lebensjahre. Frauen konnten im Alter von 65 Jahren 2013 im Schnitt auf weitere 20,7 Lebensjahre hoffen (+0,6 Lebensjahre gegenüber 2005), Männer auf 17,6 weitere Lebensjahre: Sie gewannen ein volles Lebensjahr hinzu. Für diese Zahlen nutzte der Altersforscher Zahlen des „Human Mortality Database„, einer Datenbank, die Angaben zur Lebenserwartung der Bevölkerung aus 38 Ländern ausweist (siehe Tabelle 2).

„Der Anstieg der Lebenserwartung geht nicht einher mit einer längeren Krankheitsphase. Die Menschen bleiben zugleich immer länger gesund“, kommentiert Rau die Ergebnisse. Ein Grund sei die gesündere Lebensweise vieler Menschen sowie der medizinische Fortschritt.

„Im Untersuchungszeitraum ist beispielsweise die Sterblichkeit in Deutschland aufgrund von Kreislauferkrankungen um knapp 20 Prozent gesunken“, berichtet Rau. Auch in der Behandlung von Krebs gebe es bessere Heilungschancen – die zweithäufigste Todesursache nach Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt.

Weitere Definition für Wohlbefinden: „Abwesenheit schlechter Gesundheit“

Roland Rau berücksichtigte für die Einschätzung der Senioren-Gesundheit eine weitere Definition für gutes Befinden: die „Abwesenheit schlechter Gesundheit“. Diese ist etwas weniger streng als „gute Gesundheit“, kann aber als Maßstab dafür dienen, dass die Senioren keine gravierenden Gesundheitsprobleme haben.

Hierfür rechnete der Statistiker bei den EU-SILC-Auswertung nicht nur Antworten ein, bei denen Senioren ihren Gesundheitszustand mit „sehr gut“ oder „gut“ bewertet hatten, sondern auch jene für „mittel“. Herausgerechnet wurden hingegen die beiden Ausprägungen „schlecht“ oder „sehr schlecht“.

Das Ergebnis: Frauen hatten im Schnitt 2013 noch 17,1 relativ beschwerdefreie Jahre vor sich, Männner immerhin noch 15,2 Jahre. Das bedeutete bei den Frauen ein Plus von 2,1 beschwerdefreien Jahren gegenüber 2005 und bei den Männern ein Plus von 1,8 Jahren.

Subjektives Gesundheitsempfinden: Senioren bewerten ihre Gesundheit positiver

Bezüglich der relativen Gesundheit sorgte im Jahr 2009 die Studie „Gesundheit und Krankheit im Alter“ für Aufsehen, gemeinsam durchgeführt vom Roland-Koch-Institut, dem Statistischen Bundesamt sowie dem Deutschen Zentrum für Altersfragen. In der Studie wurde hervorgehoben, dass speziell bei chronischen Erkrankungen die Senioren bemerkenswerte Anpassungsleistungen vollbringen: selbst wenn körperlich eine Einschränkung vorliegt, bewerten Senioren ihre Gesundheit eher positiv als jüngere Generationen.

Gemäß der Studie werden die Kategorien für das eigene Gesundheitsempfinden im Alter nach unten korrigiert. Man rechnet damit, krank zu werden, und lernt, mit den Einschränkungen zu leben. Die Folgen dieser Anpassung sind positiv: Chronische Krankheiten werden mit ihrer Fortdauer als weniger belastend wahrgenommen. Auch das Einnehmen von Medikamenten wird als „normal“ akzeptiert. Man fühlt sich den Umständen entsprechend gut.

Quelle: Versicherungsbote online, 25.04.2017

EZB-Studie Warum die Bürger die Inflation überschätzen

 

Frankfurt Fragt man jemanden, der alt genug ist, die Euro-Einführung miterlebt zu haben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Antwort lautet: Die Preise haben sich als Konsequenz verdoppelt. Das entspricht noch nicht einmal annähernd der Wirklichkeit – die Inflation betrug 2,2 Prozent im Jahr 2002 und bewegt sich seither um dieses Niveau. Aber das wird den Gesprächspartner vermutlich nicht umstimmen.

Eine Studie der Europäischen Zentralbank, basierend auf Daten der Europäischen Kommission, zeigt, dass Verbraucher als Ganzes das Preiswachstum praktisch immer überschätzen. Jedoch geht es um mehr als nur die verzerrte Wahrnehmung der Verbraucher in einem Wirtschaftsraum, der von Palermo bis Cork reicht. Ihre Überschätzung hat erheblichen Einfluss auf Politiker und Notenbanker.

Zwischen 2004 und Mitte 2015 lag der Mittelwert der wahrgenommenen Inflationsrate in der Eurozone bei 9,5 Prozent, was beträchtlich über der tatsächlichen durchschnittlichen Inflationsrate von 1,8 Prozent lag, geht aus der Studie hervor. Für die Europäische Union insgesamt lag die wahrgenommene Inflation bei 9,8 Prozent und die tatsächliche Zahl bei zwei Prozent. Das Ausmaß der Fehleinschätzung variiert, abhängig von Bildung, Geschlecht und wie gut es der Wirtschaft geht – noch auffälliger sind die Wahrnehmungsunterschiede auf Ebene der einzelnen Staaten.

Folgendes Ergebnis sticht besonders heraus: Trotz wiederholter Horrorgeschichten in den Medien über steigende Preise neigen die Deutschen laut der Studie dazu, die Inflation weniger zu überschätzen als die meisten anderen Europäer. Hingegen wird in Ländern mit höherer Inflation (z.B. Bulgarien, Lettland oder Rumänien) oder in denen es wirtschaftlich schlechter läuft (z.B. Italien oder Griechenland) die Wahrnehmung der Inflation deutlich stärker von der Realität entkoppelt. Schweden, Finnen, Dänen, Franzosen und Belgier sind am genauesten, besonderes wenn es um die Vorhersage der Inflation geht.

Laut der Studie „neigen Konsumenten stärker zur Überschätzung der Inflation während einer Rezession“. War bei der Einführung der Währungsunion die Differenz zwischen Wahrnehmung und Realität auf ihrem Höchststand, haben sich die Dinge seither langsam verbessert – womöglich auch aufgrund der Tatsache, dass die Inflationsrate in den vergangenen Jahren nahe null gelegen ist.

Und Politiker dürften sich mit dem Gedanken trösten, dass die erwartete zukünftige Inflation immer unter der wahrgenommenen aktuellen Inflation lag, was das Vertrauen in die Fähigkeit der Zentralbanken widerspiegelt, die Preise grundsätzlich im Griff zu behalten.

Quelle: Handelsblatt, 24.04.2017

Krankenhäuser schlagen Alarm: Ärzte sollen in zwei Minuten über Notfall entscheiden

Abklärungspauschale, Notfall, Notfallambulanz

dpa/Armin Weigel Ein Krankenwagen fährt vor die Notaufnahme der Klinik.

Seit April gilt die neue Notfall-Regelung. Danach soll ein Arzt in Rekordzeit klären, ob ein Patient in der Notaufnahme zu einem niedergelassenen Arzt geschickt werden kann oder sofort in der Klinik behandelt werden muss. Gefährdet das die Versorgung der Patienten?

Überfüllte Notfallambulanzen in Krankenhäusern, überlastete Ärzte und zunehmend genervte Patienten: Wer entscheidet wann, ob ein Notfall ein Notfall ist? Das führt wieder zu heftigen Diskussionen zwischen den rund 150.000 niedergelassenen Ärzten und den rund 2000 Krankenhäusern.

Der Vorwurf der Kassenärzte: Über die Notfallambulanzen füllen sich viele Krankenhäuser ihre Betten. Fünf Milliarden Euro im Jahr verdienten die Kliniken mittlerweile mit Leistungen, die eigentlich ambulant von niedergelassenen Ärzten erledigt werden sollten.

Die Krankenhäuser beschweren sich im Gegenzug, die Praxen seien nur begrenzt geöffnet. Zudem werde die Behandlung von Notfallpatienten nicht ausreichend honoriert. Jetzt gibt es neuen Krach – wegen der seit 1. April geltenden „Abklärungspauschale“.

Notfall oder nicht? Dafür werden zwei Minuten bezahlt

Dabei entscheidet ein Arzt, ob der Notfallpatient zu einem niedergelassenen Arzt geschickt werden kann, oder ob er weiter stationär im Krankenhaus behandelt werden muss. Die Pauschale wird tagsüber mit 4,74 Euro honoriert und nachts mit 8,42 Euro.

Das „ist definitiv unzureichend und skandalös“, klagt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Georg Baum. Denn offiziell entspreche dies gerade einmal zwei Minuten Zeit für verwaltungsmäßige Erfassung und korrekte medizinische Diagnose. Es entstehe ein immenser Zeitdruck.

Baum sagt: „Medizin in einer Zeitspanne, die nicht für ein hartgekochtes Ei reicht, das kann nicht im Sinne von Ärzten sein. Im Sinne von Patienten ist es sicherlich nicht.“

So haben Ärzte mehr Zeit für die „echten“ Notfälle

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes (Gesetzliche Krankenversicherung), Johann-Magnus von Stackelberg, sagte der dpa, dass „die Krankenhauslobby in diesem Streit Patienten und Ärzte mit ihren Schreckensmeldungen verunsichert“, sei ärgerlich. Der Streit zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten um ambulante Behandlungen dürfe nicht auf dem Rücken der Patientinnen und Patienten ausgetragen werden. „Wir brauchen funktionierende Modelle der Zusammenarbeit.“

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, erläuterte der Nachrichtenagentur, wenn in einer ersten Abklärung entschieden werde, ob ein Patient auch ambulant von einem niedergelassenen Arzt behandelt werden kann, entlaste das die Notfallambulanzen.

Die Ärzte dort hätten dann mehr Zeit für die „echten“ Notfälle. „Für diese Abklärung hat es bisher keine Honorierung gegeben.“ Seit 1. April gebe es nun genau für diese Abklärung Geld.

Laufen Patienten Gefahr, nicht angemessen behandelt zu werden?

Nein, sagen trotz der unterschiedlichen Positionen alle drei Parteien. „Es gibt durch die neue Abklärungspauschale keinen Zeitdruck“, unterstreicht der GKV-Spitzenverband. Jeder Patient solle weiterhin so ausführlich untersucht werden wie nötig. Sei eine weiterreichende Diagnose erforderlich, könne diese natürlich entsprechend höher abgerechnet werden.

Und bei einem „echten“ Notfall wie Herzinfarkt oder Blinddarmdurchbruch spiele die Abklärungspauschale überhaupt keine Rolle. Die „Abklärung der Behandlungsnotwendigkeit“ ziele auf Fälle wie die Blase an der Ferse durch neue Schuhe, die am Sonntagmorgen um 2.25 Uhr behandelt werden sollen – und die Ärzte von echten Notfällen abhielten.

Quelle Focus online, 20.04.2017

 

DocMorris eröffnet Arzneimittelautomat

Berlin – Im baden-württembergischen Hüffenhardt können Patienten ihre Medikamente jetzt am Automaten von DocMorris holen. Das Terminal ist seit gestern in Betrieb, auch Rezepte können eingelöst werden. Rx-Boni werden nicht gewährt – aus rechtlichen Gründen. Das Regierungspräsidium hat lediglich eine Anzeige erhalten und will den Fall nun prüfen.

In den Geschäftsräumen der 2015 geschlossenen Brunnen-Apotheke können sich Kunden per Videochat von pharmazeutischen Mitarbeitern in Heerlen beraten lassen. Optional kann der Bildkontakt ausgeblendet werden. Die Apotheker und PTA am Sitz der Versandapotheke können Medikamente freigeben, die dann vom Automaten ausgegeben werden. Kontrolliert wird die Packung ebenfalls per Videoübertragung. Auch Rezepte können am Terminal eingelöst werden. „Die ersten Kunden waren schon da“, sagt ein DocMorris-Sprecher.

Vor Ort sind sogenannte „Welcome-Managerinnen“ präsent und stehen den Interessenten mit Rat und Tat zur Seite. Sie nehmen die Kunden in Empfang, zeigen ihnen die Beratungskabine und holen die erforderlichen Unterschriften für die Datenverarbeitung ein. Außerdem helfen sie am Kassenterminal.

Der Automat hat dem Sprecher zufolge 8000 Lagerplätze, 500 Medikamente können gekühlt gelagert werden. Auch wenn nur ein schmales Sortiment für die Akutversorgung vorrätig gehalten werde, könnten die Rabattverträge bedient werden, so der Sprecher. Nachgefüllt wird bei Bedarf, wer die Ware bringt, wollte der Sprecher nicht verraten. Auch zum Automaten wollte er keine Angaben machen. Die Technik für die Telekommunikation kommt von der Telekom, die seit zwei Jahren auch den Livechat via Website unterstützt und auch beim Apothekenbus vor vier Jahren mit an Bord war.

Quelle: Apotheke ADHOC online, 20.04.2017

Die Notfallmappe

Wie sieht das mit dem privaten Papierkram aus?

Nur wenige sind hier für den Notfall gerüstet. Dabei kann es jeden treffen, unverhofft, eben noch Mitten im Leben und plötzlich auf der Intensivstation. Eine Notfallmappe, in der die wichtigsten privaten Unterlagen gut sortiert zu finden sind, erspart im Ernstfall  Zeit und Nerven.

Herzstück dieser Mappe ist eine Vorsorgevollmacht. Mit Ihr haben Sie es in der Hand, wer über Ihre persönlichen Angelegenheiten und schlimmstenfalls Ihr Schicksal entscheidet, wenn Sie selbst nicht mehr in der Lage dazu sind. Eine gut sortierte Notfallmappe liefert zudem einen Überblick über Versicherungen, Finanzen, Mietverträge, Steuern, berufliche Unterlagen, und vieles mehr. Griffbereit und sicher aufbewahrt ist die Mappe eine gute Rückversicherung für den Ernstfall. Darüber hinaus erleichtert sie den Angehörigen sich einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Papiere zu verschaffen und ermöglicht ihnen so schnelles und gezieltes Handeln.

Zugegeben, das Zusammensuchen und Sortieren der Unterlagen ist schon eine leidige Angelegenheit. Das weiß auch Petra Mellinghoff, Geschäftsführerin von der Privatbüro Plus GmbH in Röttgen.
Als Expertin auf diesem Gebiet bietet sie deshalb u.a. regelmäßig Informationsveranstaltungen rund um das Thema „Eine Mappe für den Notfall erstellen“ an und hat vor kurzem sogar einen Leitfaden für das Anlegen einer persönlichen Notfallmappe herausgegeben. „Anhand übersichtlicher Register führt  die Mappe durch alle wichtigen Lebensbereiche. Jede Registerkarte sagt Ihnen genau, welche Unterlagen abgeheftet werden sollten“, erklärt Petra Mellinghoff.

Eine gut geordnete Notfallmappe, die alle zwei Jahre auf den aktuellsten Stand gebracht werden sollte, gibt nicht nur älteren sondern auch jungen Menschen das gute Gefühl, dass im Zweifelsfall alles in ihrem Sinne geregelt ist.

Notfallmappen können bei Privatbüro Plus erworben werden.


Informationsveranstaltungen zum Thema „Eine Mappe für den Notfall erstellen“ finden in regelmäßigen Abständen u.a. in den Räumen von Privatbüro Plus, Herzogsfreudenweg 2, in Bonn-Röttgen statt:
http://www.privatbuero-plus.de/termine.html.
Wir freuen uns auf Ihr kommen.