Ernährung, Fitness, Vorsorge Ab 30, 40, 50, 60 Jahren: Das sind die wichtigsten Regeln für Ihre Gesundheit

Welche Art der Ernährung, wieviel Bewegung und welche Vorsorgetests brauche ich jetzt? Wir sagen, was in welcher Lebensphase zu beachten ist und welche Dinge Sie getrost vergessen können.

  • Rauchen aufhören sollten Sie spätestens mit 34 – sonst kann der Körper die Schäden nicht mehr repariern.
  • Ab 40 steigt das Herzinfarkt-Risiko für Männer steil an – vor allem, wenn vier Faktoren zutreffen.
  • Für Frauen ist Sex ab 60 ein Jungbrunnen – für Männer eher ein Gesundheitsrisiko.

Tatsache: Unseren körperlichen Höhepunkt erreichen wir mit etwa 20 Jahren. Jetzt arbeiten alle Organe optimal, die Leistungsfähigkeit von Augen, Herz, Lunge, Leber und Nieren ist grandios. Danach erneuern sich die Zellen nicht mehr so schnell und in geringerer Anzahl als in der Jugend, unweigerlich beginnt ein langsamer Abbau, der Körper verändert sich.

Allerdings liegt es an Ihnen, wie rasch diese Entwicklung voranschreitet. Der Prozess lässt sich abbremsen und teilweise erheblich hinauszögern, wenn Sie bestimmte Punkte beachten. Das sind neben den bekannten Klassikern gesunde Ernährung, Bewegung und Stressabbau auch ganz neue Gesundheitsregeln, die auf aktuellen Studien basieren und perfekt für den aktuellen Lebensabschnitt passen:

30plus – an den Kinderwunsch denken und zur Vorsorge gehen

Für Mann und Frau:

Rauchstopp jetzt

Hören Sie jetzt mit dem Rauchen auf. Studien zeigen, dass Menschen, die zwischen 25 und 34 Jahren den Rauchstopp schaffen, zehn Lebensjahre gewinnen. Wenn sie weiter rauchen, verlieren sie diese Lebenszeit.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie bis dahin uneingeschränkt paffen dürfen und keine Folgen befürchten müssen. Einer von sechs stirbt trotzdem noch vor seinem 80. Geburtstag an den Folgen des Rauchens.

Kochen lernen

Spätestens mit 30 sollte jeder so verantwortungsvoll sein, sich nicht mehr ausschließlich mit Fast Food und Convenience zu ernähren. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: zu fett, zu viel versteckter Zucker und Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker. Versuchen Sie, möglichst oft frisch für sich zu kochen – vor allem im Sommer geht das mit Salaten und Beilagen wie Fleisch, Fisch und Käse ganz einfach.

Zu den Vorsorgeuntersuchungen gehen

Ab 35 zahlen die Krankenkassen für Mann und Frau alle zwei Jahre den „Gesundheits-Check-up“ mit Blut- und Urin-Test sowie einer körperlichen Untersuchung. Auf diese Weise werden etwa Diabetes, Bluthochdruck, Schilddrüsenerkrankungen und sogar Autoimmunkrankheiten wie Rheuma frühzeitig entdeckt. Zusätzlich sollten Sie spätestens jetzt das Hautkrebs-Screening, ebenfalls eine Kassenleistung, in Anspruch nehmen. Selbstverständlich sollten die Vorsorguntersuchungen bei Darmkrebs und für die Frau Brustkrebs, den Mann (Prostata) verbindlich sein.

Für Frauen:

Folsäure schon vor der Schwangerschaft einnehmen

Jetzt ist es für Frauen höchste Zeit, ein Baby zu planen. Denn bereits ab 35 nimmt die Fruchtbarkeit deutlich ab, weniger Eizellen reifen. Wenn Sie sich für Nachwuchs entschieden haben: Beginnen Sie mindestens einen Monat vor der geplanten Schwangerschaft mit der Einnahme von Folsäure-Präparaten. Der Vitalstoff ist wichtig, damit sich das Nervensystems des Kindes richtig entwickelt und verhindert den Neuralohrdefekt (offener Rücken).

Was Sie vergessen können:

Stressen Sie sich nicht mit Fitness-Terminen

Gerade mit 30plus stehen die meisten beruflich unter immensem Druck, weil sie ihre Karriere aufbauen, Kontakte pflegen müssen, sich vernetzen – 50 Stunden Arbeit und mehr pro Woche sind oft die Regel. Die Zeit ist also knapp. Trotzdem hetzen viele jeden zweiten bis dritten Tag zusätzlich zu Sportterminen, um fit und schlank zu bleiben. Das muss jedoch gar nicht sein. Einmal am Wochenende intensiv trainieren hält ebenso fit, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Allerdings sollten Sie während der Woche zumindest in der Mittagspause eine halbe Stunde flott spazieren gehen – um das lange Sitzen vor dem Computer auszugleichen.

40plus – Zucker und vor allem Glukosesirup meiden, nicht mehr durchfeiern

Für Mann und Frau:

Lifestyle-Sünden ablegen

Was Sie früher noch ziemlich problemlos schafften – ganze Wochenenden durchfeiern, auch unter der Woche spät ins Bett gehen, viel Alkohol trinken und sich unregelmäßig ernähren – hinterlässt spätestens ab 40 deutliche Spuren. Augenringe bilden sich, Falten zeichnen sich ab und schneller als früher legt der Körper Fettdepots an. Ausreichend schlafen, nur einmal pro Woche feiern und den Alkoholkonsum deutlich reduzieren wirken dann wie eine Verjüngungskur – die allerdings (leider) dauerhaft eingehalten werden sollte. Denn Leber und Haut erholen sich nicht mehr so schnell wie mit 20 und darauf sollten Sie Rücksicht nehmen.

Diabetes-Risiko reduzieren

Während mit 30 der Körper noch meist problemlos zu viel Zucker und Kohlenhydrate abbauen kann, verliert er spätestens mit 40 diese Fähigkeit. Sicheres Anzeichen: Sie haben in den letzten Jahren zugenommen. Das Diabetesrisiko steigt um fünf Prozent, wenn das Körpergewicht auch nur um ein Prozent zugenommen hat, wie eine Langzeitstudie zeigt.

Verzichten Sie deshalb auf Zucker und vor allem auf Glukosesirup (Stärkesirup, Corn Sirup, Maissirup), der inzwischen in den meisten Süßigkeiten steckt, weil er billiger als Zucker ist und starke Süßkraft hat. Glukosesirup ist noch schädlicher als normaler Zucker und kann besonders rasch zu Diabetes führen. Schränken Sie außerdem Fleisch- und Wurstverzehr ein und bewegen Sie sich täglich an der frischen Luft, um nicht zuckerkrank zu werden.

Für Männer:

Denken Sie an Ihr Herz

Das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall steigt für Männer ab 40 dramatisch. Versuchen Sie also, Stress zu reduzieren, fettarm zu essen, ausreichend zu schlafen und täglich frische Luft zu tanken. Die meisten Herz-Kreislauferkrankungen entstehen durch Faktoren, die wir selbst beeinflussen können. Wer Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und zu hohen Cholesterinspiegel vermeidet, senkt sein Herzrisiko sogar auf fünf Prozent, wie eine große Studie beweist.

Treffen jedoch alle vier Risikofaktoren auf Sie zu, können Sie fast zu 100 Prozent damit rechnen, Bluthochdruck 8396, Angina pectoris, Herzinfarkt, oder einen Schlaganfall 6313248 zu bekommen.

Für Frauen:

Hormonumstellung geht auf Augen und Nase

Bereits ab 35 Jahren produziert der Körper der Frau weniger Sexualhormone. Und spätestens ab 40 spüren viele diese Veränderung. Der gesamte Stoffwechsel läuft etwas langsamer. Sie können schneller Übergewicht ansetzen, die Schleimhäute werden trockener, auch etwa an den Augen und in der Nase. Meerwasserspray für die Nasenschleimhaut und Augentropfen, etwa mit Hyluronsäure, verbessern die Befeuchtung wieder.

Was Sie vergessen können:

Die Acht-Stunden-Regel ist überholt

Sicher, zu wenig Schlaf ist auf Dauer ungesund, macht dick, fördert Demenz und Diabetes. Doch die 8-Stunden-Regel ist überholt. Schlafwissenschaftler gehen inzwischen davon aus, dass es genetisch bedingt ist, wie viel Schlaf ein Mensch braucht – zwischen sechs und zehn Stunden ist alles normal.

50plus – gerade halten und Neues ausprobieren

Für Mann und Frau:

An der Haltung arbeiten

Wer jetzt nicht aufpasst, verliert Haltung. Vor allem, wer ständig am Computer sitzt oder viel liest, neigt Kopf und Oberkörper nach vorne. Mit den Jahren hat das Folgen: Nacken und Schulterbereich verhärten, Muskeln, Sehnen und Faszien ziehen sich zusammen. Die Lunge verliert Volumen, die Bauchorgane wie Magen und Leber werden bedrängt. Die Bandscheiben, die mit den Jahren sowieso dünner werden, verlieren noch mehr Volumen und die Körperstatik verändert sich – die schlechte Haltung macht alt. Mit einfachen Übungen wie tief durchatmen und dabei den Oberkörper dehnen, die Schultern nach hinten nehmen und das Kinn nach oben recken können Sie dem entgegensteuern. Noch besser: Regelmäßig Yoga üben.

Nicht bequem werden

Im Leben soll es zwar nie zu spät sein, etwas Neues auszuprobieren – doch mit 50 ist vermutlich der beste Zeitpunkt für neue Herausforderungen. Die meisten dieser Altersgruppe haben sich gut etabliert. Sich auf den Lorbeeren auszuruhen, kann jedoch denkfaul und unflexibel machen. Versuchen Sie deshalb jetzt, noch etwas zu ändern und zu lernen, etwa tanzen, eine zusätzliche Sprache oder mit Slackline die Balance trainieren.

Für Männer:

Depression erkennen

Männer mit 50 stehen heute meist am Zenit ihrer Karriere. Viele ziehen jetzt eine Lebensbilanz – und strudeln damit in eine Sinnkrise. Verstärkt wird das Desaster durch das Absinken des Testosteronspiegels, das mit Schlafstörungen, Depressionen und Potenzproblemen einhergehen kann. Vor allem Depressionen gestehen sich Männer jedoch nicht ein und viele Betroffene erhalten deshalb nicht die Behandlung, die ihnen helfen würde. Vermutlich ist darum die Suizidrate bei Männern um das bis zu 10-Fache höher als bei Frauen.

Stecken Sie also den Kopf nicht in den Sand, holen Sie sich professionelle Hilfe bei einem Verhaltenstherapeuten.

Für Frauen:

Knochen stärken

Tatsache: Jede vierte Frau über 50 hat Osteoporose. Oft wird das erst dann offensichtlich, wenn der erste Wirbel bricht. Lassen Sie es nicht soweit kommen: Essen Sie kalziumreich (Milchprodukte wie Hartkäse) nehmen Sie Vitamin D ein, tanken Sie täglich 15 Minuten Sonnenlicht (im Sommer nicht in den Mittagsstunden) und regen Sie durch leichtes Krafttraining die Knochenneubildung an.

Was Sie vergessen können:

Nicht mit Salzverzicht quälen

Jede Prise Salz erhöht den Blutdruck – jahrzehntelang wurden vor allem ältere Menschen mit dieser Regel genervt. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass salzarme Ernährung für Blutdruck und Herz viel weniger bringt als gedacht, ja sogar schaden kann. Salzverzicht senkt den Blutdruck nur geringfügig (um rund 1 mmHg), erhöht jedoch das Risiko für den plötzlichen Herztod und Herzversagen massiv.

 

60plus – mehr Glück und Gelassenheit finden

Für Mann und Frau:

Ein Instrument lernen, Gemeinsamkeit pflegen

Kaum eine andere Tätigkeit trainiert das Gehirn so gut wie etwa Klavier spielen, Violine, Flöte oder Gitarre. Studien mit über-60-Jährigen zeigen eindeutig, dass Konzentrations- und Merkfähigkeit durch Musikunterricht zunehmen. Auch Singen im Chor macht vor allem im letzten Lebensdrittel glücklich . Hier verstärkt der Faktor Gesellschaft den Prozess. Denn soziale Kontakte und Freundschaften sind bekanntlich eine der besten Anti-Aging-Faktoren.

Eiweiß für die Muskeln essen

Zwar nimmt die Muskelfasermasse ab 30 kontinuierlich ab. Mit eiweißreicher Ernährung lässt sich das jedoch aufhalten. Experten empfehlen für Bestager gut 1 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht. Ein Mann mit 80 Kilogramm Körpergewicht braucht also 80 Gramm Eiweiß pro Tage, das sind beispielsweise 50 Gramm Hartkäse und 200 Gramm Putenbrust. Eine Frau mit 60 Kilogramm deckt mit einer Protion Lachs und 100 Gramm Quark ihren Tagesbedarf. Wer allerdings unter Nierenschwäche leidet, sollte vorher seinen Arzt befragen, denn viel Eiweiß kann die Nieren bealsten.

Für Männer:

Sex nicht überbewerten

Der Leistungsdruck beim Sex, der vor allem bei Männern besteht, nimmt mit den Jahren ab. Zärtlichkeit rückt in den Vordergrund. Liebe und Sex genießen Männer jetzt oft mehr als in jungen Jahren. Erzwingen, etwa mit Potenzmitteln, sollten Sie dabei besser nichts, wie Studien warnen. Denn häufige Orgasmen können das Risiko für einen Herzinfarkt erhöhen. Für Frauen besteht dieses Risiko nicht. Im Gegenteil: Sie profitieren gesundheitlich von häufigem Sex.

Für Frauen:

Yoga fürs Gehirn

Frauen, die regelmäßig auf die Matte gehen, haben ein besseres Immunsystem und können sich besonders gut konzentrieren – beides Faktoren die mit zunehmenden Jahren abnehmen können. Yoga ist deshalb ein guter Tipp, um körperlich und geistig jung zu bleiben.

Was Sie vergessen können:

Multivitamintabletten schlucken

Bei vielen Älteren stehen sie schon auf dem Frühstückstisch – Vitaminpillen. Doch die bunten Gesundheitsbooster versprechen mehr, als sie halten, wie viele Studien gezeigt haben. Besser: Gesunde, abwechslungsreiche und frische Lebensmittel. Sie bieten die lebenswichtigen Vitamine und Mineralstoffe.

Es gibt jedoch eine Ausnahme: B-Vitamine. Vor allem Senioren können davon zu wenig abbekommen, weil der Darm diese Vitalstoffe nicht mehr richtig resorbiert. Sprechen Sie deshalb mit Ihrem Hausarzt über Vitamin-B-Injektionen, die sofort wirken und den Körper optimal mit dem Nervenvitamin versorgen.

Wer aufmerksam war, hat sicher gemerkt, dass man mit steigendem Alter immer mehr Dinge beachten muss. Alt werden und dabei jung bleiben, wird meist nicht geschenkt. Doch mit ein bisschen Engagement schaffen es die meisten, gesund und fit älter zu werden – wobei das biologische Alter heute oft weit unter dem liegt, was im Pass steht. Nicht umsonst ist 60 das neue 40…

Quelle: focus online, 21.07.2017

 

Ältere Menschen in Krankenhäusern – Keine optimale Versorgung

Über 70-Jährige liegen immer häufiger im Krankenhaus. Meistens werden sie länger als nötig versorgt, damit die Kliniken den höchstmöglichen Erlös erhalten. Das ergab der Barmer-Krankenhausreport 2017, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Die Zahl der offiziell mehrfach erkrankten älteren Patienten stieg demnach zwischen 2006 und 2015 von 1,1 auf zwei Millionen. Der Grund sei die Vergütung der geriatrischen frührehabilitativen Komplexbehandlung (GFKB), welche diese betroffenen Patienten erhalten. Sie ist an die Dauer des Krankenhausaufenthaltes gekoppelt. Im Gegensatz zur Reha erfolgt die GFKB im Krankenhaus und dient zur Behandlung einer akuten Erkrankung, sie kann auch auf eine Reha vorbereiten. Ziel: Wie bei der Reha soll der Patient gesund werden und selbstständig leben können. GFKB-Patienten laut des Berichts sind durchschnittlich 84 Jahre alt und zu 70 Prozent weiblich. Eine häufige Diagnose ist der Oberschenkelhalsbruch.

Die Kliniken können eine höhere Pauschale abrechnen, wenn ein Patient mindestens 14 Tage stationär an der GFKB teilnimmt. Nach Angaben der Barmer wurden 2006 58 Prozent der betroffenen Patienten nach zwei Wochen entlassen, 2015 waren es 75 Prozent. „Die Vergütungsform bestimmt so den Entlassungszeitpunkt“, sagt Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender von Barmer. Die Anzahl der GFKB-Patienten sei von 2006 bis 2015 um 180 Prozent angestiegen. Die Barmer fordert flexiblere Vergütungsmodelle, damit die Behandlungsdauer auf die Patienten abgestimmt werden kann.

Bei der geriatrischen Behandlung zeigen sich deutliche regionale Unterschiede: In Bayern gibt es 4,3 Prozent GFKB-Patienten, in Hamburg sind es 24,3 Prozent. Das ist von großer Bedeutung, da das Behandlungsergebnis von der Versorgungsform abhängen kann, so Straub. Die GFKB ist demnach weniger erfolgreich als die Reha: Die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden, liegt laut Barmer bei GFKB-Patienten bei 47 Prozent, bei Reha-Patienten sind es 40 Prozent. Eine GFKB kostet innerhalb von zwei Wochen 950 Euro mehr als eine Reha. „Die Versorgung muss vom Bedarf des Patienten abhängen“, fordert Straub.

Die Barmer empfiehlt, Geriatrie in großen Kliniken anzulegen. Bei Krankenhäusern mit mindestens fünf Abteilungen sei das Risiko, später in einem Altenheim zu landen, um sechs Prozent niedriger als bei einem kleinen Krankenhaus. Die Geriatrie wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen: Bis 2050 soll laut des Berichts die Anzahl der über 70-Jährigen in Deutschland um 46 Prozent steigen.

Quelle: taz.de, 20.07.2017

 

Gedächtnisverlust – Was vor Demenz schützen kann

Weltweit leiden ungefähr 47 Millionen Menschen unter Demenz – 2050 rechnen Experten mit 131 Millionen. Einige Fälle ließen sich womöglich verhindern – unter anderem durch Hörgeräte und bessere Bildung.

Die Zahl der weltweiten Demenz-Fälle ließe sich reduzieren, wenn die Risikofaktoren konsequent und von Kindheit an bekämpft würden. Zu diesem Ergebnis kommen internationale Experten in einem Artikel im Fachmagazin „The Lancet“. In der Jugend sei mangelnde Bildung einer der wesentlichen Risikofaktoren. Im mittleren und höheren Lebensalter wirkten sich Übergewicht, hoher Blutdruck, Hörverlust oder soziale Isolation nachteilig aus.

Insgesamt hatten die Wissenschaftler um Gill Livingston vom University College London neun Risikofaktoren für verschiedene Demenz-Krankheiten identifiziert und bewertet. Dazu zählen auch Depression, Diabetes, Rauchen sowie mangelnde Bewegung. Würden alle diese Risikofaktoren vollständig beseitigt, könnte die Zahl der weltweiten Demenz-Fälle um etwa ein Drittel sinken, berechneten die Forscher.

Bildung zur Vorbeugung

Eine gute schulische Ausbildung sei demnach eine besonders wichtige vorbeugende Maßnahme. Sie erhöhe die kognitiven Fähigkeiten und die Belastbarkeit des Gehirns. Hätten alle Kinder auf der Welt schlagartig Zugang zu ausreichender Bildung, ließe sich beinahe jeder zehnte Fall (acht Prozent) von Demenz vermeiden, berechneten die Autoren. Nur der Verlust des Gehörs habe größere negative Auswirkungen als mangelnde Schulausbildung.

Allerdings schränken die Wissenschaftler ein: „Die Zahlen sollten mit Vorsicht interpretiert werden, weil es nicht möglich ist, alle Risikofaktoren vollständig auszuschalten“. Zudem seien bei den Berechnungen manche potenziellen Risikofaktoren nicht berücksichtigt worden, etwa Alkoholkonsum oder Schlafmangel.

Aktionspaket auf wissenschaftlicher Basis

Bis zum Jahr 2050 rechnen die Forscher mit rund 131 Millionen Demenzkranken weltweit. 2015 lag die Zahl der Betroffenen noch bei 47 Millionen. In reichen Ländern wie den USA, Großbritannien, Schweden, Niederlande und Kanada ging der Studie zufolge die Zahl der Krankheitsfälle zuletzt zurück. Sollten dort Risikofaktoren wie Übergewicht und damit zusammenhängende gesundheitliche Probleme weiter zunehmen, würde sich dieser Trend aber schnell wieder umkehren.

„Die Autoren machen zu Recht auf die Bedeutung und das gewaltige Potenzial von Prävention durch Veränderungen des Lebensstils und von Umweltfaktoren aufmerksam“, kommentiert Monique Breteler, Direktorin für Populationsbezogene Gesundheitsforschung am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn. Aus ihrer Sicht muss allerdings noch besser geklärt werden, ob alle genannten Faktoren kausale Auswirkungen auf die Krankheit haben – also tatsächlich dafür verantwortlich sind, dass diese auftritt und nicht nur zufällig gleichzeitig erscheinen.

Quelle: spiegel online.de, 20.07.2017

Sterbehilfe-Debatte.de: Neues Infoportal zu Palliativmedizin, Hospizarbeit contra Sterbehilfe, Suizidbeihilfe

Am 10. Juli wurde das völlig überarbeitete Infoportal www.sterbehilfe-debatte.de von der InteressenGemeinschaft Kritische Bioethik Deutschland freigeschaltet. Es bietet umfassende Informationen zum Thema pro menschenwürdige Pflege, Palliativmedizin und Hospizarbeit contra Sterbehilfe und Suizidbeihilfe. Dabei spiegelt es die diesbezüglichen gesellschaftlichen und biopolitischen Debatten der letzten Jahre wider und gibt einen chronologischen Überblicke über die Entwicklungen aller Themenbereiche.

Die seit 2006 bestehende Webseite wurde mit dem Relaunch sowohl inhaltlich als auch technisch überarbeitet. Alle Informationen wurden thematisch übersichtlich sortiert, lesbar aufbereitet, systematisch ergänzt und auf den neuesten Stand gebracht. Grundlage dafür bildeten die Themenspecials, die zu bestimmten Anlässen erstellt werden. Technisch wurde die Seite zeitgemäß responsive gestaltet. Das bedeutet, das Layout passt sich allen Nutzergeräten automatisch an.

Konkret gibt es unter Sterbehilfe-Debatte.de u.a. folgende Themenbereiche:

  • Alles zur Debatte im Deutschen Bundestag um ein Verbot der Suizidbeihilfe – von Anfang bis zur Verabschiedung eines Gesetzes zum Verbot der geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung § 217 StGB Ende 2015.
  • Eine Rubrik „Sterbehilfe im Ausland“ mit einem Blick auf die Rechtslage und Debatten in Nachbarländern wie die Schweiz, Niederlande, Belgien und Luxemburg.
  • Ausführliche Informationen zur Debatte um die rechtliche Verbindlichkeit von Patientenverfügungen von 2004 bis 2010, bis zur Verabschiedung der entsprechenden Gesetzesregelung.
  • Informationen zur Entwicklung der Hospiz- und Palliativversorgung mit dem Hospiz- und Palliativgesetz HPG und ergänzend Infos zur Kinderhospizarbeit sowie zur Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland.
  • Menschenwürdige Pflege und die Diskussion um Pflegemissstände.

Ergänzt wird das Infoportal zur Sterbehilfe-Debatte mit einer Literaturrubrik mit ausgewählten Büchern und mit Adressen. Die Adressrubrik bietet Schwerkranken, die Angst vor unerträglichen Schmerzen / Leiden und den Wunsch nach Sterbehilfe bzw. Suizidbeihilfe haben, oder deren Angehörigen in Notsituationen Adressen z.B. von Palliativ- und Hospizdiensten als Unterstützung.

In dem Zusammenhang stellt die IG Kritische Bioethik Deutschland klar, dass sie keinerlei Ärzte vermittelt, die assistierten Suizid durchführen und Anfragen dazu zwecklos sind. Sie verweist vielmehr auf die Palliativ- und Hospizdienste. Diese können ein Sterben in Würde ermöglichen und Ängste und Schmerzen lindern. Damit schwindet der Wunsch nach Sterbehilfe in den allermeisten Fällen.

Quelle: adhoc.de, 20.07.2017

Wann die Deutschen in Rente gehen

Das durchschnittliche Renteneintrittsalter (Rente wegen Alters) lag im vergangenen Jahr bei 64,1 Jahren, wie aktuellen Statistikdaten der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) zu entnehmen ist.

Dies bedeutet eine minimale Zunahme im Vergleich zum Vorjahr (plus knapp 0,1 Jahre), liegt aber in etwa auf dem Niveau der beiden Jahre davor. Im Vergleich zu 2010 ist eine Zunahme um rund sieben Monate zu beobachten, im Vergleich zu 2005 ein Plus von gut zehn Monaten. Zur Jahrtausendwende lag der Wert noch um 1,8 Jahre niedriger.

Bild: Wichert

Eingerechnet ist hier die Mütterrente (VersicherungsJournal 6.6.2014, 14.7.2015), durch die nach DRV-Angaben „viele westdeutsche Frauen im Alter ab 65 Jahren […] durch die Anerkennung eines weiteren Kindererziehungsjahres pro Kind mit Geburt vor 1992 die Wartezeit von fünf Jahren für einen erstmaligen Rentenanspruch erlangt“ haben.

Fast jeder Vierte ging 2016 vorzeitig in Altersrente

2016 haben insgesamt 783.718 Bundesbürger erstmals eine Altersrente bezogen, wie aus dem statistischen Datenmaterial weiter hervorgeht. Fast jeder vierte davon (in absoluten Zahlen fast 200.000) ist vor dem gesetzlich vorgegebenen Renteneintrittsalter in Rente gegangen, musste also eine entsprechende Minderung der Versorgungsbezüge in Kauf nehmen (VersicherungsJournal 11.4.2016).

Am häufigsten gab es Abschläge bei den gut 150.000 Altersrenten für langjährig Versicherte – hier wurden in 99 von 100 Fällen Abschläge in Kauf genommen. Bei den gut 310.000 Regelaltersrenten gab es hingegen nur in rund jedem tausendsten Fall Abschläge. Noch geringer war der Anteil bei den knapp 225.000 Altersrenten für besonders langjährig Versicherte (in nicht einmal jedem 4.000sten Fall).

2016 im Schnitt 26,2 Monate Rentenabschlag

Bundesweit kamen die Neurentner mit Abschlägen 2016 auf durchschnittlich 26,2 (Vorjahr: 25,5) Abschlagsmonate. Das bedeutet im Schnitt einen Rentenabschlag von 7,86 Prozent (0,3 Prozent pro Monat).

Bild: Wichert

Die aktuellen 26,2 Abschlagsmonate liegen zwar mit fast drei Monaten leicht über den Werten der Jahre 2013 und 2014. Allerdings waren es den Statistikdaten der Deutschen Rentenversicherung zufolge zwischen 2005 und 2011 deutlich mehr – nämlich zwischen 26 und 39 Monate.

Quelle: Versicherungsjournal, 20.07.2017

Mindestlohn steigt – Mehr Gehalt für Pflegekräfte

Pflegekräfte verdienen in der Regel vergleichsweise wenig – diese Erkenntnis hat sich auch in der Politik durchgesetzt. Das Kabinett hat nun eine Erhöhung des Mindestlohns beschlossen. Sie betrifft aber nicht Beschäftigte in Privathaushalten.

Der Mindestlohn für Pflegekräfte steigt bis Anfang 2020 in mehreren Schritten auf 11,35 Euro pro Stunde im Westen und 10,85 Euro im Osten. Eine entsprechende Verordnung von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles passierte das Bundeskabinett in Berlin.

Derzeit beträgt der Mindestlohn-Satz für Pflegekräfte 10,20 Euro in Westdeutschland und 9,50 Euro im Osten. Zum 1. Januar 2018 soll er auf 10,55 Euro (Westen) beziehungsweise 10,05 Euro (Osten) steigen.

In Privathaushalten gilt ein niedrigerer Satz

Die Lohnuntergrenze in der Pflege betrifft rund 908.000 Beschäftigte. Wenn Privathaushalte als Arbeitgeber fungieren, gilt der Pflege-Mindestlohn nicht, sondern der allgemeine gesetzliche Mindestlohn von deutschlandweit derzeit 8,84 pro Stunde.

Die niedrigen Löhne im Pflegebereich stehen seit Langem in der Kritik und werden auch für den Mangel an Pflegekräften mitverantwortlich gemacht. Die Bundesagentur für Arbeit hatte für 2016 einen dramatischen Mangel an examinierten Altenpflegern festgestellt.

Quelle: tagesschau.de, 19.07.2017

Urlaub von der Pflege

Wenn jemand einen Angehörigen zuhause pflegt, stellt sich im Sommer vielleicht die Frage nach Urlaub. Wie geht man dann vor? Das ZQP beantwortet die wichtigsten Fragen.

1. Wo gibt es Hilfe, wenn man den Pflegebedürftigen in den Urlaub mitnehmen möchte?

Urlaubsangebote für Pflegende und deren pflegebedürftige Angehörige nehmen zu. Mittlerweile gibt es auch gemeinnützige Reisevermittler, die helfen können, ein passendes Angebot zu finden. Einige Pensionen, Ferienanlagen sowie Pflegehotels sind auf diese Art der „Pflegeferien“ spezialisiert. Die Pflege kann dann am Urlaubsort entweder vollständig oder teilweise abgegeben werden. So können Pflegepersonen beispielsweise Freizeitaktivitäten oder ein Wellnessangebot genießen und gleichzeitig im Blick haben, wie es ihrem Angehörigen geht – so bietet sich Freiraum und trotzdem können schöne Erlebnisse geteilt werden. Manche Angebote sind zudem auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zugeschnitten.
Viele Pflegeberatungsstellen und teilweise auch Betroffenenverbände informieren, wie sich ein passender Urlaub realisieren lässt und welche Kosten im Rahmen eines solchen Urlaubs von der Pflegeversicherung übernommen werden.

2. Und wenn ein gemeinsamer Urlaub nicht möglich ist oder man das nicht möchte – wie vermittelt man das seinen Angehörigen schonend?

Grundsätzlich gilt: Nur wer gut für sich selbst sorgt, hat langfristig die Kraft, auch für andere gut zu sorgen. Pflegende Angehörige sollten daher ganz offen vermitteln, dass sie die Auszeit zur Regeneration benötigen, um neue Kraft zu tanken und so die Pflege anschließend weiter leisten zu können. Wichtig ist darüber hinaus auf jeden Fall, den Pflegebedürftigen möglichst weitgehend in alle Entscheidungen, die ihn betreffen, einzubeziehen. Was sind dessen Wünsche und Bedürfnisse in Bezug auf die Pflegevertretung? Welche Sorgen gibt es, welche Ängste? Manchmal bestehen vielleicht Befürchtungen, aus der Kurzzeitpflege nicht mehr nach Hause zurückkehren zu können. Wenn sich das Thema als besonders schwierig erweist, kann es helfen, jemanden als Vermittler hinzuzuziehen – zum Beispiel eine nahestehende Person, ein vertraute Pflegekraft oder einen Pflegeberater.

3. Wer versorgt während der Pflege-Auszeit meinen pflegebedürftigen Angehörigen?

Prinzipiell gibt es zwei unterschiedliche Arten der Entlastungspflege, um Auszeiten von der Pflege zu erleichtern: die Verhinderungs- und die Kurzzeitpflege. Die Verhinderungspflege soll vor allem ermöglichen, dass die Pflege zu Hause von einer Vertretung sichergestellt wird, wenn die Hauptpflegeperson nicht zur Verfügung steht. Bei der Kurzzeitpflege wird die Pflege für einen begrenzten Zeitraum in einer stationären Einrichtung übernommen. Zu den Möglichkeiten und den finanziellen Zuschüssen im Einzelfall sollten sich pflegende Angehörige professionell beraten lassen. Sie haben einen Anspruch auf kostenlose Pflegeberatung; diese kann teilweise auf Wunsch auch zu Hause stattfinden. Damit die Suche nach einer Beratung leichter fällt, bietet das ZQP unter www.zqp.de/beratungsdatenbank eine deutschlandweite Übersicht mit mehr als 4.500 nicht-kommerziellen Beratungsangeboten zur Pflege an.

Überblick Verhinderungspflege:

Wenn Pflegebedürftige während der Auszeit der Hauptpflegeperson weiterhin zu Hause gepflegt werden wollen, kann Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden. Die Pflege wird dann durch eine andere Person übernommen. Wird diese Verhinderungspflege etwa von einem ambulanten Pflegedienst oder dem Nachbarn geleistet, beläuft sich die Leistung der gesetzlichen Pflegeversicherung auf bis zu 1.612 Euro – für sechs Wochen pro Kalenderjahr. Voraussetzung: Der Pflegebedürftige hat einen der Pflegerade 2 bis 5 erreicht. Zudem muss der Pflegebedürftige zuvor mindestens sechs Monate zu Hause gepflegt worden sein. Oftmals springen jedoch Kinder, Schwiegerkinder oder Enkel ein. In diesem Fall werden maximal Kosten in 1,5-facher Höhe des Pflegegeldes übernommen.

Wenn solche nahen Angehörigen oder mit dem Pflegebedürftigen in Hausgemeinschaft Lebenden, den Pflegebedürftigen zu Hause versorgen, können sie teilweise auch anfallende Kosten geltend machen. Dazu zählen Fahrtkosten oder Verdienstausfall. Entsprechende Belege sollten gesammelt und die Kostenübernahme bei der gesetzlichen Pflegekasse oder der privaten Pflegeversicherung beantragt werden.

Verhinderungspflege kann auch stundenweise in Anspruch genommen werden. Besonders bei der Betreuung von Menschen mit Demenz kann dies hilfreich sein, wenn Angehörige einmal beruhigt das Haus verlassen wollen.

Überblick Kurzzeitpflege:

Ist die Pflege vorübergehend zu Hause nicht machbar, besteht die Möglichkeit, den Pflegebedürftigen kurzzeitig in einem dafür ausgewiesenen Pflegeheim unterzubringen. Das Angebot an Kurzzeit- und Tagespflegemöglichkeiten ist in Deutschland regional unterschiedlich gut ausgeprägt.

Der Antrag auf Kurzzeitpflege muss bei der gesetzlichen Pflegekasse oder der privaten Pflegeversicherung gestellt werden, bevor diese in Anspruch genommen werden kann. Wird diese bewilligt, werden die Kosten bis zu 1.612 Euro für acht Wochen im Jahr – u. a. für pflegebedingte Aufwendungen oder soziale Betreuung – übernommen. Generell gilt: Anspruch auf eine Kurzzeitpflege haben alle Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2.

Das Pflegegeld wird während der Kurzzeitpflege bis zu acht Wochen zu 50 Prozent weiterbezahlt. Allerdings: Die Kosten – zum Beispiel für Unterkunft und Verpflegung – die während der Kurzzeitpflege in der Einrichtung entstehen, muss der Pflegebedürftige, soweit er das kann, selbst tragen.

Es gibt noch weitere flexible Möglichkeiten, Entlastungsangebote zu finanzieren. Zum Beispiel durch Verschieben von Mitteln aus der Kurzzeitpflege in die Verhinderungspflege und der Kombination von Kurzzeit- mit Verhinderungspflege.

Personen im Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auf Kurzzeitpflege. Allerdings besteht hier die Möglichkeit, entsprechende Leistungen aus dem sogenannten Entlastungsbetrag von monatlich bis zu 125 Euro – der auch aufgespart werden kann – teilweise zu finanzieren.

Quelle: pflegedienst-care.de, 18.07.2017

Aufgaben einer 24-h-Pflegekraft: Was Sie von der rund um die Uhr Betreuung erwarten dürfen

Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in unserem Land, steigt von Jahr zu Jahr. Im Gegenzug werden Plätze in Pflegeheimen knapp, erst recht dann, wenn kurzfristig ein Pflegeplatz gebraucht wird. In den meisten Einrichtungen existieren Wartelisten und so bitter es klingt, erst wenn jemand für immer von uns gegangen ist, kann der Wohnplatz wieder neu vergeben werden.

Diese Situation ist weder akzeptabel noch ad hock lösbar. Für Angehörige und den Pflegebedürftigen selbst, stellt sich daher immer wieder die Frage, was tun, wenn eine Betreuung dringend notwendig wird. Mehr und mehr wächst deshalb das Interesse an sogenannten 24-Stunden-Pflegekräften. Wer sich bisher nicht mit dem Thema auseinander setzen musste, wird mit dem Begriff kaum etwas anfangen können. Aus diesem Grund möchte ich Ihnen in diesem Beitrag die Aufgaben einer solchen Pflegekraft näher bringen. Bitte bedenken Sie, dass es sich hierbei um grundlegende Leistungen handelt, die von den meisten Agenturen so angeboten werden. Was in Ihrem speziellen Fall später vereinbart wird, können Sie selbst festlegen und schriftlich im Vertrag fixieren.

Vorteil einer 24 h Pflege

Fragt man ältere Menschen, wie Sie sich ihren Lebensabend vorstellen, kommt in erster Linie der Wunsch, in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben. Das lässt sich bei Pflegebedürftigkeit aber nur realisieren, wenn jemand die Betreuung übernehmen kann. Da die Angehörigen fast immer selbst berufstätig sind, kann die Familie diese Aufgabe nicht übernehmen. Hier „springen“ die 24-Stunden-Pflegekräfte ein, die rund um die Uhr vor Ort sind, da sie mit im Haushalt wohnen. Meist sind es „auf Herz und Nieren“ geprüfte Kräfte aus dem osteuropäischen Raum. Damit werden unter anderem die Kosten für die Betreuung im Rahmen gehalten – ein Punkt der nicht außer Acht zu lassen ist.

3 grundlegende Aufgabenbereiche einer 24-h-Pflegekraft

Pflegerische Tätigkeiten

Die meiste Aufmerksamkeit brauchen Pflegebedürftige bei der täglichen Körperpflege. Hier liegt auch der Hauptaufgabenbereich einer 24-h-Pflegekraft. Allerdings gilt zu beachten, dass nur die Grundpflege übernommen werden kann. Fachliche Aufgaben und medizinische Behandlungspflege müssen weiterhin von einem ambulanten Pflegedienst oder dem Arzt übernommen werden. Zu den Aufgaben der leichten Grundpflege gehören unter anderem:

  • Hilfestellung beim An- und Ausziehen
  • Teilkörperwäsche
  • Ganzkörperwäsche (Duschen oder Baden)
  • Haarpflege (eventuell auch Bartrasur)
  • Mundpflege (Hilfe beim Zähneputzen oder Reinigung der Prothese)
  • Gabe von Essen und Getränken (bei Bedarf auch füttern)
  • Hilfe beim Toilettengang
  • Wechseln von Inkontinenzvorlagen

Diese Pflegeaufgaben gehen sehr in den intimen und persönlichen Bereich des Pflegebedürftigen, daher ist es wichtig, dass eine gewisse Vertrauensbasis aufgebaut wird. Wie in jeder menschlichen Beziehung muss die Chemie stimmen, deswegen sollten Sie die Wahl der Pflegekraft nicht dem Zufall überlassen. Seriöse Agenturen, wie die Deutsche Seniorenbetreuung, bieten daher eine unverbindliche Beratung an, bei der Sie sich gegenseitig beschnuppern können.

Aufgaben im Haushalt

Ob Sie Tätigkeiten im Haushalt von der Ganztagspflegekraft erledigen lassen möchten, entscheiden Sie selbst. Oftmals ist es jedoch so, dass Sie ihren eigenen Haushalt führen und damit genug ausgelastet sind. Dann können folgende Tätigkeiten vertraglich mitvereinbart werden:

  • Aufräumen und Putzen (Staubsaugen, Boden wischen, Badreinigung)
  • Wäsche waschen und bügeln
  • Einkäufe erledigen
  • Zubereitung der Mahlzeiten
  • leichte Gartenarbeiten

Alltagsstruktur und Mobilität

Für den Pflegebedürftigen ist es nicht nur wichtig, dass jemand anwesend ist, sondern auch, dass derjenige sich kümmert. Ein gut strukturierter Alltagsablauf ist daher das A und O. Gemeinsame Beschäftigungen, wie Brettspiele, Spaziergänge und vor allem Kommunikation, fördern das allgemeine Wohlbefinden. Insbesondere Demenzkranke brauchen diese Form der „Unterhaltung“. Ausführliche Informationen und Ratschläge diesbezüglich, finden Sie bei der Landesinitiative Demenz-Service Nordrhein-Westfalen. Neben den häuslichen Tätigkeiten zur Förderung und Stabilisierung der Mobilität, ist die 24-Stunden-Pflegekraft auch außer Haus mit dabei. Zum Beispiel als Begleitung:

  • bei Arztbesuchen
  • zu Frisörterminen
  • zur Fußpflege (insbesondere Diabetiker)
  • bei kleinen Ausflügen
  • um Freunde und Bekannte zu besuchen

Belastungsgrenzen einer 24-Stunden-Pflegekraft

Auch wenn der Name es vermuten lässt, eine 24-Stunden-Pflegekraft ist nicht rund um die Uhr einsatzfähig. Damit sie ihre Aufgaben zur vollen Zufriedenheit erledigen kann, sollte ihr ein privater Lebens- und Freiraum eingerichtet werden. Sprechen Sie genau ab, wann Sie selbst Aufgaben übernehmen können, damit die Pflegekraft sich erholen kann – am besten in Abstimmung mit dem Tagesrhythmus der pflegebedürftigen Person.

Quelle: aktive-rentner.de

600 Krankenhäuser erhalten Mittel für neue Pflegestellen

Insgesamt 600 Krankenhäuser haben im ersten Projektjahr vom Pflegestellen-Förderprogramm profitiert und wollen 1.600 zusätzliche Pflegestellen aufbauen, das berichtet der GKV-Spitzenverband in einer heutigen Pressemitteilung. Finanziert werden diese zusätzlich Pflegenden in den Krankenhäusern durch Gelder der gesetzlichen Krankenkassen. Die Krankenkassen stellten in den ersten zwölf Monaten des Programms 52 Millionen Euro zur Verfügung, wie der aktuelle Projektbericht des GKV-Spitzenverbandes an das Bundesgesundheitsministerium auflistet.

1/3 der Krankenhäuser hat Förderoption noch nicht genutzt

Wie gut und vor allem wie nachhaltig das Programm tatsächlich wirkt, bleibt  abzuwarten. Im Bericht heißt es dazu, dass etwa von einem Drittel der anspruchsberechtigten Häuser bisher nicht bekannt ist, ob die Förderoptionen genutzt werden. Krankenhäuser können die Fördergelder für 2016 auch im Folgejahr abrufen. Ob die Mittel aus dem Förderprogramm sachgerecht verwendet und wirklich zusätzliche Pflegestellen entstanden sind, kann erst nachträglich festgestellt werden. Hierfür müssen die Krankenhäuser den Krankenkassen das Testat eines Jahresabschlussprüfers vorlegen. Für den aktuellen Bericht liegen diese Informationen noch nicht vor. Aussagen zu den tatsächlich geschaffenen zusätzlichen Pflegestellen sind daher erst in den Folgejahren möglich.

Hintergrund

Mit dem aktuellen Pflegestellen-Förderprogramm sollen die gesetzlichen Krankenkassen den Aufbau von Pflegestellen in Krankenhäusern unterstützen. Von 2016 bis 2018 können die Kliniken damit neue Pflegestellen schaffen und Teilzeitstellen aufstocken. In den drei Förderjahren können Krankenhäuser bis zu 0,15 Prozent ihres Erlösbudgets zusätzlich erhalten, um die Pflege am Krankenbett zu stärken. Insgesamt stehen dafür bis zu 660 Millionen Euro zur Verfügung. Diese zusätzlichen Mittel erhalten die Krankenhäuser über Zuschläge, die sie mit den Krankenkassen vor Ort vereinbaren. Das aktuelle Pflegestellen-Förderprogramm hat einen Vorläufer: Bereits von 2009 bis 2011 hatte der Gesetzgeber die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet, den Aufbau von Pflegestellen in Krankenhäusern finanziell zu unterstützen. Von den ca. 1,1 Mrd. Euro der Kassen profitierten damals 1.100 Krankenhäuser und schufen 15.300 Pflegekräfte. Per Testat belegt sind jedoch nur 13.600 Stellen.

Quelle: saluway.de, 07.07.2017

Wann gibt es wieder Geld fürs Geld? Was Sie jetzt für Ihr Geld tun können

Aktien, Anleihen, Immobilien, Versicherungen, Gold: Was gewinnt, was verliert? Hier geben Experten finanzielle Vorsorge-Tipps.

Endlich eine gute Nachricht: Für Anlagen ab 20 000 Euro gibt es wieder 2,4 Prozent Zinsen im Jahr. Ist dies das lang ersehnte Indiz für die Zinswende? Für das Ende der Phase, in der magere 0,5 bis 1,0 Prozent nicht einmal die schleichende Geldentwertung (Inflation aktuell: 1,6 Prozent) ausglichen?

Wer jetzt gleich eine TAN für die Überweisung heraussucht, sollte bedenken: Das neue Angebot stammt von der Banca Sistema, die 2011 aus italienischen Banken- und Sparkassenorganisationen hervorging, und es gilt für Festgeld mit zehn Jahren Laufzeit. Wer vorher aussteigt, verliert alle Zinsen. Zwar gilt die Bank als solide und profitabel, allerdings ist ihr Kerngeschäft der mitunter riskante Forderungsaufkauf. Dazu sind bei ihr Anleger bis 100 000 Euro über den staatlichen italienischen Sicherungsfonds FITD geschützt, der jedoch weniger kapitalstark ist als die deutsche Einlagensicherung.

Das Beispiel zeigt: Die Zinswende kommt, sie macht sich aber zuerst bei langlaufenden Offerten bemerkbar, bevor sie auch die beliebten Tagesgelder erreicht. Eine langfristige, kluge Strategie ist deshalb die beste Reaktion.

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1. Hypothek und Immobilie

Wer ein Haus bauen oder eine Immobilie kaufen will, sollte jetzt bis zu fünf Jahre vorausplanen, empfiehlt der Frankfurter Finanzberater Max Herbst. Er hält bei den Hypothekenzinsen (zehn Jahre fest) eine Anhebung von einem Prozentpunkt im Lauf der kommenden zwölf Monate für „denkbar“. Als Folge könnten vor allem in Ballungsgebieten „die Immobilienpreise stagnieren oder sogar leicht nachgeben“.

Wer in den kommenden fünf Jahren für seine Hypothek eine Anschlussfinanzierung braucht, sollte sich mit einem sogenannten Forward-Darlehen befassen. Damit lässt sich das heute niedrige Zinsniveau in die Zukunft retten: Wer zum Beispiel eine Anschlussfinanzierung in zwölf Monaten braucht, zahlt dann mit dem Forward-Darlehen einen Zinsaufschlag von durchschnittlich 0,12 Prozentpunkten, wie Herbst ermittelte.

Beim aktuellen Angebot der Santander  Bank (1,22 Prozent effektiver Jahreszins bei zehn Jahren Laufzeit, 100 000 Euro Forward-Darlehen, 400 000 Euro Immobilienwert, zwei Prozent Anfangstilgung, fünf Prozent Sondertilgung) fällt ein Aufschlag sogar erst ab dem 13. Monat an.

Steigt der Hypothekenzins binnen Jahresfrist um nur einen Prozentpunkt, hat der Forward-Darlehensnehmer alles richtig gemacht: Er spart fast die Hälfte (10 000 Euro) an Zinsen. Die Variante lässt sich auf eine Vorlaufzeit von bis zu 60 Monaten verlängern. Sie kostet dann im Schnitt einen Prozentpunkt Zinsaufschlag – „und selbst das kann sich noch lohnen“, erklärt Herbst (Vergleichsrechner finden Sie unter www.fmh.de).

Übrigens: Wer sicher ist, jetzt eine Immobilie kaufen zu wollen, der sollte nicht lange warten und die – noch – sehr günstigen Zinsen mitnehmen. Denn die Banken werden, so vermuten zahlreiche Experten, die Zinswende vorwegnehmen – für langfristige Kredite sind die absoluten Niedrigzinsphasen ohnehin bereits vorbei.

2. Tages- und Festgeld

Wichtig ist es in dieser Phase, den Markt genau zu beobachten und flexibel zu bleiben. Ein Teil des verfügbaren Geldes könnte, schon längerfristig angelegt, höhere Zinsen bringen, ein anderer Festgeldangebote von einem Jahr nutzen, für die man derzeit 0,8 bis 1,3 Prozent Zinsen bekommt (Haitong Bank Portugal). Im Tagesgeldbereich gibt es bei einer Anlage in Deutschland maximal 0,8 Prozent für Neukunden (Consorsbank) und 0,5 Prozent für Bestandskunden (AK Bank). Besser verzinst zum Beispiel die französische Oney-Bank mit 1,07 Prozent (gutes Aa2-Länder-Rating). „Sicherheitsbewusste Sparer sollten einen Teil ihres Geldes so anlegen, dass die Erträge möglichst an die Inflationsrate heranreichen, also etwa auf Festgeldkonten“, rät Herbst.

3. Lebensversicherung

Bei den Lebensversicherern läuft seit Jahren eine Umschichtung weg von (Staats-)Anleihen hin zu Aktien und Realwerten wie Infrastrukturprojekten. Für Kunden mit einer klassischen Kapitallebensversicherung inklusive Zinsgarantie ergeben sich durch eine Zinswende laut Ergo-Chef Markus Rieß „keine Änderungen“. Neukunden empfiehlt er fondsgebundene Lebens- oder Rentenversicherungen. Verbraucherschützer hingegen raten, gleich selbst regelmäßig in Fonds (zum Beispiel breit gestreute ETFs) zu investieren und das Todesfallrisiko gesondert mit einer günstigen Risikolebensversicherung abzudecken.

4. Aktien

Was Aktien und Zinsen betrifft, gibt es eine Börsianerregel. Sie lautet: Steigen die Zinsen, werden Anleihen attraktiver – und Aktien geraten unter Druck. Doch es ist ein bisschen wie bei den Bauernregeln fürs Wetter. Oft stimmt der Kausalzusammenhang nicht. Denn die Attraktivität der Firmenanteile hängt auch von anderen Faktoren ab. Etwa der künftigen Gewinnerwartung eines Unternehmens.

Steigende Zinsen bedeuten eben nicht unbedingt schlechtere Konjunkturaussichten. Wie auch das Gegenteil nicht immer zutrifft. Derzeit haben wir – noch – praktisch Nullzinsen, aber eben auch fast Vollbeschäftigung.

Vor allem können höhere Zinsen positiv auf die gesellschaftliche Stimmung wirken. Die derzeitige Nullzinsphase und das Anleihekaufprogramm der EZB werden von vielen Geschäftsleuten als ungesund empfunden. Ein Ende dieser Phase würde das Vertrauen in die Wirtschaft stärken – und so die Investitionsbereitschaft. Im Übrigen kommt es Unternehmern gar nicht auf die absolute Höhe der Zinsen an. Wichtig ist die Differenz zwischen den Zinsen – oder besser den Finanzierungskosten – und den erzielbaren Gewinnen.

Anleger sollten aber gerade in einer Phase steigender Zinsen genau darauf achten, in welche Branchen oder auch Unternehmen sie investieren. Allen voran könnten Banken und Versicherungen profitieren.

Auch Konsumgüterherstellern könnte die Zinswende zupass kommen – selbst wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht. Klar: Wenn es Geld praktisch umsonst gibt, geben die Leute es leichter aus. So weit die Theorie. Doch die stimmt nur bedingt. Denn wenn es für das Ersparte kaum oder gar keine Zinsen gibt, müssen Sparer deutlich mehr für ihre Altersvorsorge zurücklegen. Ihr Kapital arbeitet ja nicht für sie. Insofern könnte die Zinswende auch Geld für Konsumartikel freisetzen.

5. Anleihen

Steigen die Zinsen, sinken die Anleihepreise – das ist ein inhärentes Gesetz dieser Anlageklasse. Doch Bond-Investoren müssen nicht unbedingt tatenlos zusehen, wie ihr Vermögen abschmilzt. Normalerweise wäre es vernünftig, in Erwartung steigender Zinsen vor allem langlaufende Anleihen zu verkaufen – und in kurzfristige Papiere zu wechseln. Doch wer heute kurzfristige Papiere guter Bonität kauft, muss wegen der negativen Renditen vieler dieser Papiere Verluste in Kauf nehmen. Da ergibt es mehr Sinn, das Geld erst einmal zu horten und abzuwarten, bis die Zinsen wieder steigen. Genau diese Tendenz zeichnet sich an den Bond-Märkten schon ab: Die Renditen am langen Ende sinken, die am kurzen Ende steigen.

Eine interessante Möglichkeit bieten sogenannte Floater, also variabel verzinsliche Anleihen. Sie sind an einen Referenzzins gebunden, beispielsweise an den Euribor. Steigen die Zinsen während der Laufzeit des Papiers, dann profitiert der Investor mit.

Übrigens: Auch am Anfang einer Zinswende sollten Anleger nicht gleich all ihr Geld in langfristige Anleihen investieren – jedenfalls nicht, wenn sie erwarten, dass die Zinsen weiter steigen. Ein guter Mix – mit einem Schwerpunkt auf zwei bis höchstens fünf Jahre lang laufenden Papieren ist in dem Fall wichtig.

6. Gold

Gold ist das klassische Investment für Crash-Zeiten und zinslose Phasen. Nach der Finanzkrise 2008 schoss der Preis nach oben, dann fiel er wieder, bewegte sich aber lange auf relativ hohem Niveau, weil die Zinsen in den USA und im Euro-Raum immer weiter sanken.

Als Mittel der Krisenvorsorge hat das Metall weiter seine Berechtigung, wenn auch in kleineren Mengen. Sollten Großkonflikte wie jene mit Nordkorea oder in der arabischen Welt eskalieren, könnte der Goldpreis kurzfristig auch anziehen. Doch grundsätzlich gilt: Wenn es wieder Zinsen gibt, dürfte Gold längerfristig eher nach unten gehen.

Dennoch gibt es keinen Grund, sich jetzt panikartig von all seinen Beständen zu trennen. Denn Gold ist auch ein beliebter Inflationsschutz. Und dass steigende Zinsen die Inflation sofort eindämmen, ist eben längst nicht sicher. Es kann auch sein, dass die Normalisierung der Geldpolitik zusammen mit einer starken Wirtschaftskraft einen Investitionsschub auslöst, der inflationstreibend wirkt.

7. Alternative Anlagen

Und wie sieht es bei alternativen Anlagen aus? In der zinslosen Ära steckten viele Anleger mangels anderer Möglichkeiten ihr Geld in seltene alte Automobile, in Kunst oder Wein. Auch hier gilt: Kommt der Zins zurück, dürfte sich die Nachfrage und damit der Preisauftrieb bei Sachwerten wieder abschwächen. Möglicherweise fallen hier und da die Preise sogar, weil Anleger ihre Investition liquidieren, um in Anleihen einzusteigen. Dann lässt sich ein Preisrückgang sogar für einen Kauf nutzen.

Wer allerdings Kunst oder rare Weine ohnehin mit einem sehr langem Anlagehorizont von Jahrzehnten erwirbt, den muss die Schwankung nicht groß kümmern.

Quelle: focus.de, 19.07.2017