vdek-Pflegelotse gehört zu „Deutschlands besten Online-Portalen 2017″

Website nach Überarbeitung mit Infos zur Pflegereform, optimierter Suche und im „Responsive Design“

Berlin – Der vdek-Pflegelotse ist in Berlin mit dem Preis „Deutschlands beste Online-Portale 2017“ ausgezeichnet worden. Das Webangebot des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek) erhielt die Auszeichnung als Preisträger in der Kategorie „Vergleichsportale Pflegedienste & Pflegeheime“. Der Fernsehsender n-tv und das Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ) hatten den Internet-Award 2017 erstmalig verliehen. Grundlage für die Preisvergabe war eine repräsentative Online-Befragung zwischen Februar und März 2017 zu rund 300 Webangeboten unterschiedlicher Art. Mehr als 20.000 Kundenmeinungen holten die Marktforscher hierfür ein. Bewertet wurden die Webseiten in den Bereichen „Angebot und Leistung“, „Kundenservice“ sowie „Internetauftritt“. Darüber hinaus gaben die Befragten an, für wie empfehlenswert sie die Portale einstufen.

Der vdek-Pflegelotse ist auch in die Internetauftritte der BARMER, Techniker Krankenkasse (TK), DAK-Gesundheit, KKH Kaufmännischen Krankenkasse, hkk – Handelskrankenkasse und der HEK – Hanseatischen Krankenkasse integriert und kann dort von den Versicherten und Interessierten abgerufen werden.

Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek, sagte bei der Preisverleihung: „Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung. Es ist schön, dass der Pflegelotse den Versicherten eine wertvolle Hilfe bei der Suche nach einer passenden Pflegeeinrichtung oder einem passenden Pflegedienst bietet. Für uns ist die Ehrung Ansporn, weiter an der Optimierung der Website für die Versicherten zu arbeiten.“

Die vdek-Website www.pflegelotse.de ist einer der Marktführer unter den Informationsportalen für Pflegeeinrichtungen und verzeichnet rund 1,2 Millionen Besuche pro Monat. Das Online-Portal des vdek gibt mit bundesweit rund 25.000 Einträgen eine umfassende Übersicht stationärer Pflegeeinrichtungen, ambulanter Pflegedienste und häuslicher Betreuungsdienste. Alle Daten werden regelmäßig aktualisiert. Mit einem klaren und aufgeräumten Erscheinungsbild bietet der vdek-Pflegelotse seit seiner Überarbeitung Ende 2016 zudem eine noch höhere Nutzerfreundlichkeit: Auf einen Blick informiert die Webseite u. a. über die Größe und Qualität der Einrichtungen (Pflegenoten) sowie ihre Preise. Bei einer Vielzahl von Häusern können sich Nutzer über Bilder einen ersten Eindruck verschaffen.

Darüber hinaus zeigt das Portal an, ob die stationäre Pflegeeinrichtung mit dem Gütesiegel „Grüner Haken“ für Verbraucherfreundlichkeit und Lebensqualität zertifiziert wurde. Der Pflegelotse ist werbefrei und wurde ganz aktuell für seine besonders hohe Barrierefreiheit von einer unabhängigen Prüfstelle mit 96,75 von 100 Punkten ausgezeichnet (Gesamtbewertung: „sehr gut zugänglich“, Infos unter www.bitvtest.de).

Eine zusätzliche Hilfe bei der Wahl der Pflegeeinrichtung oder des Pflegedienstes bieten spezielle Checklisten auf www.pflegelotse.de: Versicherte und ihre Angehörigen können sich anhand der Listen ein umfassendes Bild der verschiedenen Anbieter machen. Ein FAQ-Katalog beantwortet alle wichtigen Fragen zur sozialen Pflegeversicherung, insbesondere zu den Neuerungen durch die Pflegereform seit 1. Januar 2017.

Weitere Informationen:
Informationen zur Pflegereform und den neuen Leistungen für Pflegebedürftige gibt es auch auf der Website des vdek unter www.vdek.com/fokus/pflegereform.html.

Der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) ist Interessenvertretung und Dienstleistungsunternehmen aller sechs Ersatzkassen, die zusammen nahezu 28 Millionen Menschen in Deutschland versichern:
– BARMER
– Techniker Krankenkasse (TK)
– DAK-Gesundheit
– KKH Kaufmännische Krankenkasse
– hkk – Handelskrankenkasse
– HEK – Hanseatische Krankenkasse
* (sortiert nach Mitgliederstärke)

Der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) wurde am 20. Mai 1912 unter dem Namen „Verband kaufmännischer eingeschriebener Hilfskassen (Ersatzkassen)“ in Eisenach gegründet. Bis 2009 firmierte der Verband unter dem Namen „Verband der Angestellten-Krankenkassen e. V.“ (VdAK).

In der vdek-Zentrale in Berlin sind rund 260 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. In den einzelnen Bundesländern sorgen 15 Landesvertretungen mit insgesamt rund 320 sowie weiteren 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Pflegestützpunkten für die regionale Präsenz der Ersatzkassen.

Quelle: gesundheit-adhoc.de, 24.05.2017

Versicherungen im Alter-Welche Policen Senioren brauchen

Versicherungen im Alter: Welche Policen Senioren brauchen

Im Alter entfallen für manche Versicherungen die Grundlage.(Foto: imago/Westend61)

Versicherungen sind nicht unbedingt unbegrenzt haltbar. Zumindest werden nicht alle Policen, die während des Erwerbslebens erforderlich waren, auch im Rentenalter gebraucht. Spezielle Senioren-Versicherungen sind aber auch nicht immer hilfreich.

Der Ruhestand steht bevor. Da ist es an der Zeit, ein paar Dinge auf den Prüfstand zu stellen. Dazu zählen Versicherungen. Einige sind nach wie vor sinnvoll, andere können durch Seniorenpolicen ersetzt werden. Wieder andere sind überflüssig. Von wichtig bis nichtig – ein Überblick:

Wichtig

Privathaftpflicht, Autohaftpflicht und Krankenversicherung bleiben ein Muss. Sie „sichern existenzielle Risiken ab“, begründet Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Die private Haftpflicht leistet bei Personen-, Sach- und Vermögensschäden. Sogar Haustiere – mit Ausnahmen von Hunden – sind eingeschlossen.

Die Police gilt sowohl bei Schäden, die an Demenz Erkrankte anrichten, als auch beim Umzug ins Altersheim. In dem Fall kann es lohnen, auf einen Senioren- oder Singletarif umzusteigen. Diese kosten meistens einen zweistelligen Euro-Betrag pro Jahr. Sie sind somit billiger als andere Tarife.

Ältere Menschen, die mit ihren Kindern unter einem Dach leben, können über deren Haftpflicht- und Hausrat-Policen mitgeschützt sein. Diese Geld sparende Option sollte geprüft werden, rät der BdV.

Weniger wichtig

Eine Rechtsschutz-Versicherung sollte auf einen Tarif ohne Berufsrechtsschutz umgestellt werden, sofern dieser günstiger ist. „Es ist kein Arbeitgeber mehr da, mit dem man streiten kann“, sagt Frank Golfels, Präsident des in Berlin angesiedelten Bundesverbands der Versicherungsberater.

Der Nutzen einer privaten Pflegeversicherung ist unter Fachleuten umstritten. Vor einer Entscheidung dafür oder dagegen sollten Senioren sich in Heimen ihrer Umgebung über die Kosten für einen Platz informieren und abwägen, ob sie nicht mit Rente und Leistungen der gesetzlichen Pflegekasse über die Runden kommen, empfiehlt Golfels.

Die durchschnittliche Pflegezeit liege derzeit bei zwei bis drei Jahren. Wer sich für den Abschluss entscheidet, sollte bedenken, dass der Beitrag umso höher wird, je später der Vertrag unterschrieben wird. „Völliger Blödsinn“ sei die Police für Ruhestandsbeamte, die von Staats wegen abgesichert seien.

Nichtig

In die Rubrik Wegfallen ordnet Golfels die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ein. Der Grund ist einfach: Wer nicht mehr arbeitet, muss das Risiko der Berufsunfähigkeit nicht mehr absichern. Die BU kann mit dem Rentenbeginn also gekündigt werden.

Einsparpotenzial sehen Golfels und Boss rund um die Gesundheit. Verzichtbar ist demnach eine Krankenhaustagegeldpolice, denn mit Beginn des Ruhestands ist keine Vorsorge für vorübergehende Arbeitsunfähigkeit mehr erforderlich.

Tarife, die Leistungen wie eine professionelle Zahnreinigung oder aufwendige Zahnkronen anbieten, kommen im höheren Lebensalter den Fachleuten zufolge höchstens für Menschen in Frage, die Wert auf eine besonders hochwertige Versorgung im Mund legen.

Eine Versicherung für die Brille ist nach Ansicht von Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ebenfalls entbehrlich. Sein Tipp: Die kaputte Brille vorübergehend durch ein Billigmodell ersetzen oder regelmäßig etwas Geld für eine neue zurücklegen. Denn generell hält Gatschke zu Produkten passende Policen für Humbug.

Frank Golfels fällt weiterer „Schnickschnack“ ein: Schutz gegen kaputte E-Bike-Akkus zum Beispiel. „Neu kaufen ist wahrscheinlich billiger“, sagt er. Für gestohlene Räder kommt meistens die Hausratversicherung auf. Ein Diebstahlpolice für Rollator und andere Hilfsmittel von der Krankenkasse ist ebenfalls nicht notwendig: „Sofern keine grobe Fahrlässigkeit beziehungsweise kein Vorsatz beim Bestohlenen festzustellen ist, wird bei Verlust und Diebstahl grundsätzlich problemlos ersetzt“, heißt es beim AOK-Bundesverband.

„Finger weg“ lautet der Tipp von Bianca Boss in Bezug auf eine spezielle Senioren-Unfallversicherung. „Sie ist mit teuren Assistenzdienstleistungen verbunden“, begründet sie ihre Einschätzung. In der Regel sei lediglich die Organisation von Services wie Essenslieferung und Schneeräumen eingeschlossen, die tatsächliche Leistung müsse der Senior dann aber extra zahlen. Eine Alternative: Essen auf Rädern und Pflegedienst direkt beauftragen.

Aus Seniorensicht auch kein lohnendes Geschäft: die Sterbeversicherung, die für die Beerdigungskosten aufkommen soll. In sie wird nach den Erfahrungen der Experten meist mehr eingezahlt, als rauskommt. Außer den Kosten habe die Police einen anderen Haken, sagt Boss: Oft laufe sie maximal bis zum 85. Lebensjahr – wer danach stirbt, geht leer aus.

Rechtzeitig Geld zur Seite legen ist eine Alternative. Die andere kann eine Lebensversicherung sein, aus der das Begräbnis finanziert wird oder die Erben profitieren. Lebensversicherungen sind mit einer Gesundheitsprüfung verknüpft.

Quelle: ntv.de, 22.05.2017

G20-Gesundheitsminister-Das sind die wichtigsten Themen

Zum ersten Mal treffen sich an diesem Freitag und Samstag die Gesundheitsminister der G20. Auf der Tagesordnung stehen bekannte Ziele – und neue Lernmethoden. Eine Übersicht über die wichtigsten Themen.

Das sind die wichtigsten Themen

Zum ersten Mal treffen sich an diesem Freitag und Samstag die Gesundheitsminister der G20.

© alexlmx / stock.adobe.com

Scheinwerfer aus aller Welt richten sich in diesen Tagen auf das Thema globale Gesundheit, wenn sich die Gesundheitsminister der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer der Welt zum ersten Mal treffen. Für Gastgeber Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) ist die globale Gesundheitspolitik mit Angela Merkels Schwerpunktsetzung zu einem „Markenzeichen der internationalen Verantwortung des Landes“ geworden. Bereits während der deutschen G7-Präsidentschaft hatte Merkel dem Thema zu neuem Gewicht verholfen. In Berlin finden sich nun einige Punkte wieder.

» Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen: In Berlin soll diskutiert werden, wie die deutschen Anstrengungen – sei es in der Krankenhaushygiene, beim bedachten Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin oder bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe – auch international fortgeführt werden können. Für das Thema zeichnet sich bereits seit einiger Zeit eine weltweit verstärkte Aufmerksamkeit ab: Die Europäische Kommission legte 2011 den „Aktionsplan zur Abwehr der steigenden Gefahr der Antibiotikaresistenz“ vor, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelte 2015 einen „Globalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen“. In der „Berliner Erklärung“ einigten sich die G7- Gesundheitsminister zuletzt darauf, Anreize zur Förderung von Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika und Diagnostika zu prüfen (die „Ärzte Zeitung“ berichtete).

» Globales Krisenmanagement: Hinter dem abstrakten Wort steht in Berlin ein konkretes Vorhaben. Denn bei ihrem Treffen schlüpfen die Minister mit Vertretern von WHO und Weltbank in die Rolle von Krisenmanagern. Anhand eines fiktiven Ausbruchs einer tödlich verlaufenden und über die Atemwege übertragenen viralen Infektionskrankheit wollen die Gesundheitsminister das globale Krisenmanagement und die Vernetzung miteinander trainieren. Das Ziel: wichtige Erkenntnisse für die Abstimmung im Krisenfall zu gewinnen. Dazu gehören die Erprobung von Kommunikations- und Meldewegen sowie eine schnelle Organisation der Hilfe vor Ort.

» Einbindung der WHO: Ein wichtiger Teil des globalen Krisenmanagements ist die Einbindung der WHO im Krisenfall. Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von „Brot für die Welt“, mahnte an, dass sich die Staats- und Regierungschefs dazu auf eine ausreichende Finanzierung der WHO verständigen sollten. „Die G20 sollte die WHO endlich ausreichend und verlässlich finanziell stärken und ihr Gewicht als zentrale Instanz für globale Gesundheit erhöhen – nicht zuletzt auch dadurch, dass sich auch die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Treffen dazu verständigen“, erklärte sie in dieser Woche. Die Vollversammlung der Weltgesundheitsorganisation findet am 22. Mai in Genf statt.

» Nachhaltige Verbesserung der Gesundheitswesen in Entwicklungs- und Schwellenländern: Auch dies soll dazu beitragen, das globale Krisenmanagement zu verbessern. „Gesundheitswesen vor Ort müssen so gestärkt werden, dass sie für künftige Epidemien besser gerüstet sind“, erklärt Gröhe. Dazu gehört in erster Linie der Aufbau von Gesundheitsbehörden, die Krankheitsausbrüche schneller melden und Kontakte von infizierten Personen verfolgen. Der Tagesordnungspunkt ist auch eine Lehre, die aus der Ebola-Krise gezogen wurde.

» Gemeinsame Erklärung der Gesundheitsminister: Sie soll am Samstag in Berlin verabschiedet werden. Vorbereitet hat die Erklärung die sogenannte Health Working Group, die Ende Februar zu einer dreitägigen Konferenz zusammengekommen war. Die konkreten Inhalte der Erklärung sind noch unklar. Jedoch sehen viele G20-Gesundheitsexperten Chancen, dass sich auf die Empfehlung der Gesundheitsminister hin auch die Staats- und Regierungschefs im Juli des Themas Gesundheit als globale Priorität annehmen.

» Nicht auf der Agenda steht die Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten wie Herz-Kreislaufleiden, Krebs oder Diabetes. Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) hat das scharf kritisiert: „Die Politik darf nicht aus den Augen verlieren, dass nichtübertragbare Krankheiten inzwischen weltweit Todesursache Nummer eins sind“, betonte Dr. Dietrich Garlichs, Sprecher von DANK, „mit großem Abstand vor den traditionellen Infektionskrankheiten oder Infektionen durch multiresistente Keime.“

Quelle: ÄrzteZeitung online, 19.05.2017

Banken müssen helfen-Was taugt der Kontowechselservice?

Verbraucher sollten das alte und das neue Konto zur Sicherheit einige Zeit parallel laufen lassen.  Verbraucher sollten das alte und das neue Konto zur Sicherheit einige Zeit parallel laufen lassen. (Foto: imago/McPHOTO)

 

Banken verlangen zunehmend Gebühren rund um das Girokonto. Keine schlechte Zeit, um über einen Wechsel der Bankverbindung nachzudenken und Geld zu sparen. Zum Glück muss das Geldinstitut beim Wechsel helfen. Finanztest schaut, wie das klappt.

Spätestens, seitdem einige Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken auch Gebühren für das Geldabheben verlangen, ist für viele Verbraucher das Ende der Fahnenstange erreicht. Sie denken über einen Kontowechsel nach. Denn es gibt auch noch Geldinstitute, die deutlich weniger oder sogar fast gar nichts für das Girokonto verlangen.

Zudem soll der kostenlose Wechsel des Girokontos zu einem anderen Geldinstitut per Zahlungskontengesetz seit September vergangenen Jahres deutlich einfacher geworden sein.

Grundsätzlich können Verbraucher jederzeit und ohne Angaben von Gründen das Girokonto wechseln. Dann muss die neue von der alten Bank die Kontoauszüge der letzten 13 Monate anfordern, um dann die entsprechenden Daueraufträge einzurichten und bei Lastschriften und Überweisungen alle bestehenden Kontakte zu informieren. Der wechselwillige Kunde muss sich dadurch eigentlich nicht darum kümmern, dass an jedem ersten des Monats die Miete auch vom neuen Konto gezahlt wird. Die Banken müssen die Daten innerhalb von zwei Wochen bearbeiten, das Verfahren gilt für jeden Kontowechsler, auch wenn kein Online-Konto besteht. Soweit die Vorgabe per Gesetz.

Und wie schaut es in der Praxis aus? Finanztest hat geprüft, wie der Kontowechselservice in der Praxis läuft und hat den digitalen Kontwechselservice der DKB, der Berliner Sparkasse und der Comdirect Bank ausprobiert. Laut der Untersuchung gibt es insgesamt noch Luft nach oben, auch wenn der Ansatz des Gesetzgebers löblich ist.

Demnach fehlten mal die Buchungslisten, mal ist nicht eindeutig, was der Bankkunde tun soll, und mal lassen sich Daueraufträge nicht einfach auf das neue Konto übertragen. Zweimal klappte der Wechsel aber insgesamt gut. Beim dritten Wechsel von der Hypoverseinsbank zur Comdirect klappte der digitale Vorgang allerdings nicht, was daran lag, dass die Übertragung der sensiblen Bankdaten nicht die nötige Freischaltung der alten Bank erhalten hatte. Eine Problematik, die auch bei anderen Geldinstituten, die nicht Gegenstand der Untersuchung waren, vorkommen soll.

So oder so: In der vorgegeben Zeit von 14 Tagen klappte der Wechsel bei keiner Bank. Dennoch funktioniert der Kontoumzug dank des neuen Services bequemer als bisher, so das Fazit von Warentest. Auch deshalb, weil bei Fehlern die Bank haften muss, wenn Positionen übersehen worden sind und der Kunde dadurch in Zahlungsverzug gerät. Grundsätzlich sollten Verbraucher das alte und das neue Konto aber zur Sicherheit einige Zeit parallel laufen lassen.

Quelle: ntv-online, 15.05.2017

Pflegeversicherung – Versicherer müssen die Policen umstellen

Anfang des Jahres ist das zweite Pflegestärkungsgesetz in Kraft getreten.  stevepb/Pixabay

Die Anbieter von Zusatzpolicen für den Pflegefall müssen ihre Verträge wegen der Pflegereform an das neue Recht anpassen. Der Eigenanteil bei stationärer Pflege ist jetzt für die Versicherten einheitlich geregelt. Deswegen gelten nun auch für die Pflegepolicen einheitliche Beträge, die je nach Pflegegrad über oder unter den bisherigen Tagegeldern nach dem Stufensystem liegen.

Anfang des Jahres ist das zweite Pflegestärkungsgesetz in Kraft getreten. Ausgehend von dieser Reform müssen die Versicherer ihre Pflegepolicen so anpassen, das dem neuen Recht gedient und gleichzeitig kein Versicherter schlechter gestellt wird als bisher. Wer als Kunde in diesen Tagen einen Nachtrag zu seiner Police bekommt, dem fallen im Nachtrag zur Police die im stationären Bereich gesunkene Tagegelder auf.

Pflege-Transformation

Die Übersicht zeigt, wie Leistungsfälle von Pflegestufen in –grade transformiert werden.

Eigenanteil für die stationäre Pflege jetzt einheitlich

Liest man aktuelle Vertragsnachträge, dann fragen sich viele Kunden, auch Vermittler, ob die Versicherer bei der Pflege im Heim bisher versicherte Gelder für die Zukunft unangemessen gemessen gekürzt haben. Dem ist vorauszuschicken: Der wesentliche Unterschied zwischen der alten und der neuen Pflegewelt betrifft den Eigenanteil der Versicherten. War dieser Anteil der Versicherten bisher variabel je nach Pflegestufe, so ist er nun einheitlich geregelt – weswegen stationäre Pflegegelder in den Policen-Nachträgen künftig für die Pflegegrade 2 bis 5 den gleichen Betrag ausweisen.

Ein Beispiel zeigt das Blog von Diamantfinanz: Hatte ein Kunde bisher für die Pflegestufen stationär monatlich für Stufe 1 = 300 Euro, Stufe 2 = 600 Euro und Stufe 3 = 1.200 Euro versichert, dann kann im aktuellen Nachtrag seines Versicherers nun einheitlich ein Betrag von 500 Euro stehen für die neuen Pflegegrade 2 bis 5. Praktisch bedeutet das, der Versicherte erhielte bei einem niedrigen Pflegegrad mehr Geld (500 Euro) als in der bisherigen Stufe 1 (300 Euro).

Umstellung der Pflegepolicen muss wertgleich erfolgen

Umgekehrt bekommen Versicherte im Pflegefall bei höherem Pflegegrad weniger Geld (500 Euro statt bisher 1.200 Euro in Stufe 3). Ist eine solche Rechnung gerecht? Die Versicherer müssen ihre Verträge mit den Kunden nach dem Prinzip der so genannten wertgleichen Leistungszusage an das neue Pflegerecht anpassen, sagt der Deutsche Aktuarverband (DAV), der das Wichtigste zur Pflegereform in einem Papier zusammengefasst hat.

Technisch gesehen müssen die Mathematiker für die Policen-Nachträge den in unveränderter Höhe kalkulierten Barwert der Pflege-Leistungen (vereinfacht gesagt) auf die neuen Pflegegrade samt Schaden-Wahrscheinlichkeiten umrechnen. Daraus ergeben sich die in den unteren Pflegegraden die erhöhten, bei höheren Graden abgesenkten Leistungen im stationären Pflegefall. Rechtsgrundlage für die zu ändernden Verträge ist § 143 SGB XI (Sonderanpassungsrecht der Versicherer).

Zum Hintergrund des Pflegestärkungsgesetzes II:

Um die neu eingeführten Pflegegrade von 1 bis 5 (statt Stufen 0/1-3) zu ermitteln, werden Versicherte künftig nach 64 Merkmalen begutachtet und je nach verbleibender Leistungsfähigkeit „bepunktet“; anhand dieser sechs Module:

  1. Mobilität
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit Krankheits- oder Therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Quelle: Versicherungsbote Online, 18.05.2017

Rente: Jeder vierte Neurentner mit Abschlägen

Ruheständlerinnen vor einem See (Symbolbild). Jeder vierte Neurentner geht mit Abschlägen in Rente. SilviaRita@Pixabay.com

Von den 888.521 Personen, die 2015 ihre Altersrente antraten, mussten 204.620 (entspricht 23 Prozent) mit Abschlägen auf ihre gesetzliche Rente in den Ruhestand gehen. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor.

Rente: Durchschnittlich Abschläge von 7,65 Prozent

Im Durchschnitt wiesen die abschlagsbehafteten Altersrenten einen Abschlag von 25,5 Monaten auf. Das entspricht Abschlägen von 7,65 Prozent, da für jeden Monat, den man vor Erreichen der Regelaltersrente in Rente geht, ein Abschlag von 0,3 Prozent berechnet wird.

„Die Arbeitsbelastung ist in vielen Berufen so hoch, dass eine Erwerbstätigkeit bis zum Regelrentenalter für viele körperlich gar nicht möglich ist“ kommentierte Sabine Zimmermann die Zahlen, stellvertetende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag. Auch die Beschäftigungschancen Älterer seien nicht so gut, wie die Bundesregierung das glauben machen will, sagte die Linkenpolitikerin laut Pressemeldung.

„Dass trotz wachsender Altersarmut heute schon so viele Beschäftigte mit Abschlägen in den Ruhestand gehen, zeigt, wie unrealistisch alle Diskussionen um ein noch höheres Renteneintrittsalter sind“, so Zimmermann.

Linke fordert abschlagsfreie Rente nach 40 Beitragsjahren

Die Linke zieht mit der Forderung nach einer niedrigeren Regelaltersgrenze in den Bundestagswahlkampf. „Jede und jeder muss wieder spätestens ab 65 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen dürfen. Nach 40 Beitragsjahren wollen wir einen abschlagsfreien Einstieg in die Rente schaffen. Das soll bereits ab der Vollendung des 60. Lebensjahres möglich sein“, sagte Matthias W. Birkwald, rentenpolitischer Sprecher der Linksfraktion, im Interview mit dem Versicherungsboten. Die Linke fordert zudem eine Solidarische Mindestrente von 1.050 Euro sowie die Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent.

Enterbt, was nun? Wer trotzdem einen Anteil einfordern kann

Berechtigte müssen ihren Anspruch nach dem Tod des Erblassers gegenüber den Erben geltend machen.

Berechtigte müssen ihren Anspruch nach dem Tod des Erblassers gegenüber den Erben geltend machen. (Foto: dpa-tmn)

Wenn ein Streit in der Familie eskaliert oder sich Verwandte entfremden, können Erblasser Angehörige vom Erbe ausschließen. Doch auch Enterbte haben unter bestimmten Umständen einen Anspruch auf einen Teil des Nachlasses.

Das schwarze Schaf der Familie soll nichts vom Vermögen bekommen? Grundsätzlich ist das möglich. „Entweder ordnet der Vererbende den Ausschluss eines gesetzlichen Erbens im Testament an oder er erwähnt ihn einfach gar nicht“, sagt Eugénie Zobel-Kowalski von der Stiftung Warentest.

Abhängig vom Verwandtschaftsgrad steht dem Enterbten aber unter Umständen ein Mindestanteil des Nachlasses zu, der Pflichtteil. Wichtige Fragen und Antworten:

Wem steht der Pflichtteil zu?

Zum Kreis der Berechtigten gehören der Ehe- beziehungsweise Lebenspartner bei einer eingetragenen Lebensgemeinschaft sowie die Kinder. „Geht eine dieser Personen laut Testament leer aus, hat sie einen Anspruch auf die Auszahlung des Pflichtteils“, erklärt Stephanie Herzog von der Arbeitsgemeinschaft Erbrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). Leben die Kinder des Erblassers nicht mehr, werden die Enkel pflichtteilsberechtigt. „Verstirbt jemand ohne Abkömmlinge, so haben die Eltern einen Pflichtteilanspruch, nicht aber Geschwister, Neffen oder Nichten“, erläutert Rechtsanwalt und Notar Thomas Grote aus Essen.

Wie hoch ist der Pflichtteil?

Die Faustregel: „Der Pflichtteil entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils“, sagt Herzog. Bei einer Familie mit zwei Kindern bedeutet das: Laut gesetzlicher Erbfolge würde die Ehefrau nach dem Tod ihres Mannes die Hälfte des Nachlasses bekommen und die beiden Kinder jeweils ein Viertel des Erbes. Als Pflichtteil steht den Kindern jeweils ein Achtel des Nachlasses zu.

Wie lange kann ein Berechtigter den Pflichtteil einfordern?

Berechtigte müssen ihren Anspruch nach dem Tod des Erblassers gegenüber den Erben geltend machen. Die Frist verjährt nach drei Jahren. „Sie beginnt am Ende des Jahres, in dem der Erblasser gestorben ist und die Person Kenntnis von der Enterbung hat“, sagt Grote. Verstirbt der Erblasser also etwa am 22. Mai 2016, kann der Berechtigte seine Pflichtteilforderung bis zum 31. Dezember 2019 anmelden – etwa durch Klageerhebung oder Beantragung eines Mahnbescheides.

Formal gibt es kaum Vorgaben. „Rein rechtlich reicht es, wenn der Berechtigte seine Forderung mündlich äußert. Ich würde jedoch jedem empfehlen, die Auszahlung schriftlich einzufordern“, sagt Herzog. Meist kennt der Berechtigte nicht die Höhe des Nachlasses. Er hat aber einen Auskunftsanspruch – die Erben müssen ihm den gesamten Nachlass offenlegen. „Um die Höhe seines Anspruches zu ermitteln, muss er davon die Beerdigungskosten und gegebenenfalls sonstige Schulden abziehen“, erläutert Herzog. Auch Schenkungen zu Lebzeiten müssen gegebenenfalls berücksichtigt werden.

Kann der Erblasser jemanden den Pflichtteil auch entziehen?

Im Prinzip ja, die Hürden sind aber sehr hoch. „Der Pflichtteilberechtigte ist vom Gesetzgeber gut geschützt“, sagt Grote. Möglich ist der Entzug etwa, wenn der Pflichtteilberechtigte ihm nach dem Leben getrachtet oder ihn körperlich verletzt hat. „Aber auch, wenn der Berechtigte eine schwere Straftat begangen hat und dafür ein Jahr ohne Bewährung ins Gefängnis musste“, sagt Grote.

In jedem Fall sollte der Erblasser im Testament oder im Erbvertrag genau beschreiben, warum die Teilhabe des Pflichtteilberechtigten am Nachlass unzumutbar ist. Denn besteht nach dem Tod des Erblassers eine Unklarheit, kann die Entziehung des Pflichtteils unwirksam sein. „Dann müssten die Erben gute Argumente und Beweise vorweisen, warum dies dennoch gerechtfertigt ist“, erklärt Herzog.

Quelle: ntv.de, 15.05.2017

Hausbesuch vom Therapeuten – dieses Modell soll Schule machen

Einige Kliniken betreuen psychisch Schwerkranke in deren eigenen vier Wänden statt in der Psychiatrie. Die ersten Erfahrungen sind vielversprechend. Jetzt soll das Modell Schule machen.

Psychiatrie

Das Zuhause gibt Halt – auch und gerade in psychischen Krisen.                © Katarzyna Sonnewend/Plainpicture

Die Nacht vor dem ersten Treffen war lang. Mehr als hundert Mal rief Sigrid Ahrend* in der Klinik an. Stunde um Stunde, manchmal alle paar Minuten. „Was ich noch vergessen hatte …“, „was mir ganz wichtig ist für morgen …“ Immer wieder fiel ihr etwas ein, das sie dringend noch sagen wollte, bevor sie am nächsten Tag kommen würden, die Leute von der Psychiatrie. Wach war Sigrid Ahrend ja sowieso. Sie schlief kaum, auch nicht in normalen Nächten.

Jetzt sitzt die 51-Jährige an ihrem Küchentisch in Itzehoe, karierte Bluse überm Ringelshirt, Pünktchensocken in Sandalen. Ahrend teilt sich die Wohnung mit einer anderen psychisch kranken Frau. Betreuer helfen den beiden durch den Alltag – und neuerdings auch die Leute vom Klinikum Itzehoe, die vorbeikommen, um Ahrend seelisch stabiler zu machen. Fachpfleger Joachim Scheele und Sozialpädagogin Kerstin Rickert sind heute schon zum dritten Mal da. Sigrid Ahrend hat vorher nur noch zweimal angerufen. Auch weil sie inzwischen wieder schlafen kann.

Menschen in schweren psychischen Krisen, nimmt man an, gehören in die Psychiatrie. In Itzehoe ist das anders. Im sogenannten Home-Treatment versorgen Klinikärzte, Pfleger und Sozialarbeiter ihre Patienten in der eigenen Wohnung. Ein Konzept, das an den starren Grenzen des deutschen Gesundheitssystems rüttelt, weil es die Trennung zwischen „ambulant“ und „stationär“ aufhebt.

„Ich habe das Gefühl, man kümmert sich um mich. Das ist schön.“

Die ersten Erfahrungen in etwa 20 Kliniken deutschlandweit sind so vielversprechend, dass das Bundeskabinett vor Kurzem eine gesetzliche Grundlage dafür geschaffen hat, die Betreuung in den eigenen vier Wänden flächendeckend einzuführen – als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen.

Das Klinikum Itzehoe hat schon vor zweieinhalb Jahren aufs Home-Treatment umgestellt. Das Außendienstteam besteht im Kern aus einem Leiter, einer Ärztin für Psychiatrie, dem Pfleger Scheele und der Sozialpädagogin Rickert. Sie fahren mal zu zweit, mal zu dritt durch den schleswig-holsteinischen Kreis Steinburg und besuchen die Betroffenen, wo sie sich am wohlsten fühlen: in ihren Häusern, bei ihren Familien, in Wohneinrichtungen und manchmal auch im Café.

Die Therapeuten betreuen regelmäßig zwischen 15 und 25 Patienten, manche von ihnen jeden Tag. Die meisten leiden unter schweren Depressionen, Burnout oder Ängsten, und gut zwei Drittel haben Psychosen. Auch Sigrid Ahrend. Immer wieder ist die ehemalige Finanzbeamtin wochenlang in Kliniken behandelt worden, in ihr altes, selbstständiges Leben hat sie trotzdem nicht zurückgefunden.

Psychose-Patientin Sigrid Ahrend (von hinten) mit ihren Betreuern und dem Home-Treatment-Team des Klinikums Itzehoe.

Psychose-Patientin Sigrid Ahrend (von hinten) mit ihren Betreuern und dem Home-Treatment-Team des Klinikums Itzehoe. © Jonas Wresch

Noch vor wenigen Jahren, sagt Pfleger Scheele, hätte man Sigrid Ahrend nach ihren hundert Anrufen wahrscheinlich einfach ruhiggestellt. Stattdessen haben sie sich erst einmal mit ihr an den Küchentisch gesetzt und ihr einen Vorschlag gemacht: Sie könne doch einfach alles aufschreiben, was ihr nachts einfalle, und es dann beim nächsten Treffen erzählen. Fand sie ganz leicht, sagt sie. Und überhaupt, sie mag den Besuch. „Ich habe das Gefühl, man kümmert sich um mich. Das ist schön.“ Joachim Scheele überlegt oft, was aus seinen Patienten geworden wäre, wenn schon vor 20, 30 Jahren jemand so mit ihnen gearbeitet hätte, wie er und seine Kollegen das heute tun. Nicht einfach verordnen, sondern reden, mit allen, die im Alltag dazugehören.

Bei Sigrid Ahrend sind das vor allem die Betreuer ihrer Wohngemeinschaft. Sie sprechen mit Scheele und der Sozialpädagogin Rickert darüber, was sich seit dem letzten Treffen verändert hat. Ahrend nimmt jetzt andere Medikamente („ich bin tagsüber nicht mehr so schlapp“), sie schafft wieder mehr („Dienstag haben wir Bolognese gekocht“). Und doch bleibt da nach wie vor ein Problem: Sie bestehe darauf, sagt ihr Betreuer, ihre Tabletten zu mörsern. Und beim Umfüllen gehe immer die Hälfte der Dosis verloren.

„Wenn ich die Hälfte nehmen sollte – die würde ich ja nehmen“, sagt sie plötzlich. „Also lassen Sie in Wahrheit“, hakt Kerstin Rickert nach, „einen Teil der Mittel verloren gehen, um die Dosis selbst zu reduzieren?“

„Ja …“

Verhandeln statt behandeln

Es entsteht eine kurze Pause. Dann fragt Pfleger Scheele: „Und was könnte jetzt dabei helfen, dass Sie nichts mehr unter den Tisch fallen lassen?“

Verhandeln statt behandeln – das ist einer der Grundsätze, nach denen die mobilen Therapeuten arbeiten. Zwei Jahre lang wurden sie geschult, bevor sie sich zu den ersten Hausbesuchen aufmachten. In den Küchen und Wohnzimmern ist ihre wichtigste Aufgabe, genau hinzuhören. Welche Probleme könnten zur Krise geführt haben? Und wer oder was kann helfen? Wie lässt sich verhindern, dass ein Problem größer wird?

Manchmal reichen schon ganz banale Tipps. So besuchen die Frauen des Teams immer wieder auch Mütter mit Babyblues. „Schlaf, sobald dein Kind schläft.“ „Lass den Haushalt liegen.“ Eine Psychiatrie-Therapeutin kann das mit anderem Nachdruck sagen als Freundinnen und Hebammen – und so dazu beitragen, die Krise in den Griff zu bekommen, ehe nur noch die stationäre Unterbringung bleibt.

Mit dem Home-Treatment, sagt Arno Deister, Chef der Psychiatrie in Itzehoe, verschiebe sich der Fokus vom Reparaturbetrieb auf die „Gesundhaltung“ der Patienten. In Itzehoe scheint das zu funktionieren. Denn während deutschlandweit immer mehr Psychiatriebetten in den Krankenhäusern bereitgehalten werden, kommt das Klinikum im Norden mit 60 von ursprünglich 118 Betten aus. Den übrigen Bedarf decken eine Tagesklinik und das Home-Treatment. Nach den bisherigen Datenauswertungen in Itzehoe bleiben die Patienten so selbstständiger und besser an Familie und Freunde gebunden als stationär Behandelte.

Auch die ersten breiter angelegten Untersuchungen sind positiv: Bei manchen seelischen Krankheiten, etwa bei Depressionen und Schizophrenie, ist die Behandlung vor Ort genauso effektiv wie im Krankenhaus – die Patienten erleben sie aber als weniger belastend. Genau wie ihre Angehörigen.

Psychiatrie zu Hause: Der Patient muss in der Lage sein, sich an Vereinbarungen zu halten

Gerade ihnen, den Partnern, den Eltern oder erwachsenen Kindern, hilft der Hausbesuch sehr. Sie wollen sich um die Kranken kümmern, müssen aber auch die eigenen Kräfte schonen. Und merken, dass sie allein oft nicht weiterkommen. Der Satz „Das höre ich jetzt zum ersten Mal“ fällt regelmäßig, wenn das Team bei den Leuten im Wohnzimmer sitzt.

Auch Sigrid Ahrends Betreuer Raoul Keller hat ihn gerade gesagt, als er hörte, dass sie ihre gemörserten Medikamente mit Absicht verstreut. Und nicht etwa aus Ungeschick, wie sie ihm immer wieder versichert hat. Nun handelt die Runde einen Kompromiss aus. Das Klinikteam will mit der Ärztin besprechen, ob auch eine geringere Dosis der Medikamente genügen würde. Und Sigrid Ahrend verspricht, diese geringere Dosis dann auch tatsächlich zu nehmen.

Es ist ein Geschäft – ein Geschäft, das man nicht mit jedem psychisch Kranken machen kann. Die wichtigste Voraussetzung für die Teilnahme am Home-Treatment ist denn auch: Der Patient muss in der Lage sein, sich an Vereinbarungen zu halten. Immer wieder steht vor allem Birgit Molitor, die verantwortliche Ärztin, vor der Frage, ob sie einem Patienten seine Beteuerungen glauben soll – oder lieber nicht. Vor allem dann, wenn sie Sorge hat, er könnte sich selbst oder anderen gefährlich werden. „Letztlich ist das nur ein Bauchgefühl“ , sagt sie. „Aber das muss stimmen.“

Bei Sigrid Ahrend hat die Ärztin kein schlechtes Gefühl. Joachim Scheele und Kerstin Rickert erzählen ihr von ihren Verhandlungen, und Molitor ist einverstanden: Die Patientin darf ihre Dosis reduzieren.

„Das ist doch schon mal was“, hatte Sigrid Ahrend in ihrer Küche gesagt, als sich der Kompromiss abzeichnete. Allerdings sieht sie noch immer nicht ein, weshalb sie die Mittel überhaupt nehmen soll.

Das, so hat das Psychiatrieteam beschlossen, wird dann Thema des nächsten Hausbesuchs sein.

*Name von der Redaktion geändert

Quelle: Stern Online, 14.05.2017

Fachkräftemangel Pflegeheime setzen auf Osteuropäer

Pflegekräfte aus Ost- und Südosteuropa finden immer öfter Arbeit in Deutschland. In den vergangenen vier Jahren ist ihre Zahl deutlich gestiegen – vor allem in der Altenpflege.

Szene aus einem Pflegeheim

DPA Szene aus einem Pflegeheim

 

Die Zahl der ausländischen Pflegekräfte in Deutschland ist in den vergangenen vier Jahren um 62 Prozent gestiegen. Zwischen Dezember 2012 und September 2016 erhöhte sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit auf rund 117.400.

Insgesamt stammen nun 6,7 Prozent der rund 1,7 Millionen Pflegekräfte aus dem Ausland – die meisten aus Osteuropa. Im September 2016 kamen gut 66.000 Pfleger von dort. Sie arbeiten in der Gesundheits- und Krankenpflege, als Geburtshelfer oder im Rettungsdienst. Die Zahl der Altenpfleger aus Süd- und Osteuropa hat sich von knapp 16.000 Ende 2012 auf fast 32.000 im September 2016 verdoppelt.

Zu den 20 erfassten ost- und südosteuropäischen Herkunftsländern gehören nach Auskunft der Bundesagentur für Arbeit etwa Albanien, die Russische Föderation und Polen. Eine prozentuale Aufschlüsselung, aus welchen Ländern die meisten Pflegekräfte nach Deutschland kamen, lag der Bundesagentur nicht vor. Zuerst hatte der MDR über die Zahlen berichtet.

Zahlreiche Agenturen vermitteln inzwischen Pfleger an private Haushalte. Sie unterstützen alte und kranke Menschen, die zu Hause gepflegt werden wollen. Lesen Sie hier, wie Monika aus der Slowakei sich 24 Stunden am Tag um das Ehepaar Kurz kümmert.

Quelle: Spiegel online, 12.05.2017

Kein Arzt trotz Hausnotrufs-Müssen die Johanniter zahlen?

Tragbares Hausnotruf-Gerät.

Tragbares Hausnotruf-Gerät.(Foto: imago stock&people

Eine Notrufanlage in der eigenen Wohnung – bei Senioren wird das immer beliebter. Nun entschied der Bundesgerichtshof über einen der ersten Haftungsfälle, bei dem eine angemessene Hilfe trotz Bestätigung des Notknopfes ausgeblieben ist.

Über den Hausnotruf geht nur noch ein Stöhnen ein. Zu Hilfe geschickt werden aber Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes. Kein Arzt. Dabei war bekannt, dass der Kunde ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall hatte. Zwei Tage später wird er halbseitig gelähmt und mit einer Sprachstörung in seiner Wohnung gefunden.

Muss die Johanniter Unfallhilfe, die den Notruf betreute, nun Schadenersatz und Schmerzensgeld zahlen?

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom Donnerstag ist das gut möglich (Az.: III ZR 92/16).

Was wollen die Kläger?

Der Mann selbst starb noch während des Berufungsverfahrens. Seine Töchter führen das Verfahren aber weiter. Sie wollen Schadenersatz und mindestens 40.000 Euro Schmerzensgeld.

Worauf stützen sie ihre Forderungen?

Die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes setzten den Mann auf seiner Couch ab. Damit endete ihr Einsatz. Einen Arzt riefen sie nicht, sie ließen den Kunden alleine in seiner Wohnung zurück. Zwei Tage später kam er ins Krankenhaus, wo ein nicht ganz frischer Schlaganfall diagnostiziert wurde. Die Klägerinnen sind deshalb der Meinung, ihr Vater habe am Tag des Notrufs einen Schlaganfall erlitten – und die gravierenden Folgen wären vermieden worden, wenn der Mitarbeiter, der den Notruf entgegen genommen hatte, medizinisch qualifizierte Rettungskräfte geschickt hätte. Die Vorinstanzen hatten die Klage abgewiesen.

Was hat der Bundesgerichtshof nun entschieden?

„Das scheint uns schon ziemlich daneben zu sein, wie das Berufungsgericht die Sache gewürdigt hat“, sagte der Vorsitzende Richter, Ulrich Herrmann, in der Verhandlung. Minutenlang sei über den Notruf nur ein Stöhnen zu hören gewesen. Ein akuter medizinischer Notfall habe sich deshalb aufgedrängt, heißt es im Urteil. Mitarbeiter mit einer bloßen Erste-Hilfe-Ausbildung zu schicken, sei keine angemessene Reaktion gewesen.

Wie geht es jetzt weiter?

Der Bundesgerichtshof hat die Sache zurückverwiesen an das Berliner Kammergericht. Dort wird es neben der Höhe des Schadenersatzes darum gehen, ob die Pflichtverletzung der Johanniter ursächlich war für Lähmung und Sprachstörung des Mannes. In der Regel muss das der Kläger beweisen. Umgekehrt ist die Beweislast etwa bei groben Behandlungsfehlern eines Arztes. Diesen Grundsatz übertrugen die Karlsruher Richter jetzt auch auf den Hausnotrufvertrag.

Gab es schon weitere Haftungsfälle bei Hausnotrufen?

„Das ist der erste, von dem ich höre“, sagt Anne-Katrin Wiesemann von der Verbraucherzentrale Sachsen. Die geforderte Schmerzensgeldsumme von 40.000 Euro hält sie für „ziemlich spektakulär“. Selbst bei Behandlungsfehlern gebe es in der Regel weniger. Sowohl bei den Johannitern als auch beim Arbeiter-Samariter-Bund hat es nach eigenen Angaben bisher keine vergleichbaren Fälle gegeben.

Wie verbreitet sind solche Notknöpfe?

„Der Markt wächst“, sagt der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. „Rund 100 Millionen Euro geben Pflegebedürftige jährlich für diese Dienste aus.“ Allein den Hausnotruf der Johanniter nutzen bundesweit derzeit mehr als 150.000 Menschen, 80.000 sind es beim Arbeiter-Samariter-Bund. Beide beobachten eine steigende Nachfrage.

Ist es normal, dass kein Rettungswagen gerufen wird?

„Jeder Notfall wird individuell bearbeitet“, sagt Johanniter-Sprecherin Therese Raatz. Das heißt: Unter Umständen werden nur Angehörige, Nachbarn oder das Pflegepersonal benachrichtigt. Ebenso sei aber auch eine Alarmierung des Rettungsdienstes möglich. Entscheidend seien der Zustand des Anrufers und die medizinische Indikation.

Welche Ausbildung haben die Mitarbeiter im Hausnotruf?

„Die Mindestanforderung für alle ist eine Erste-Hilfe-Ausbildung“, sagt Raatz. Bei den Johannitern seien unter den Mitarbeitern beispielsweise Sanitätshelfer, Pflegefachkräfte und Rettungssanitäter. Aus Sicht von Verbraucherschützerin Wiesemann ist es wichtig, bei Vertragsschluss darauf zu achten, dass im Hintergrund qualifizierte Mitarbeiter stehen, „dass das nicht nur eine Seelsorge-Nummer ist“.

Quelle: n-tv.de, 11.05.2017