GBA erweitert häusliche Krankenpflege

Mehr Leistungsspielraum in der Onkologie: Demnächst dürfen auch niedergelassene Nuklearmediziner und Radiologen bei fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren mittels PET/CT zu Lasten der gesetzlichen Kassen diagnostizieren. Darüber hinaus können Vertragsärzte künftig als neue Leistung der häuslichen Krankenpflege Symptomkontrollen bei Palliativpatienten verordnen. Beide jetzt gefassten Beschlüsse des GBA müssen allerdings noch vom Bundesgesundheitsministerium abgesegnet werden. Dafür hat das Ministerium zwei Monate Zeit. Für die PET/CT bei Kopf-Hals-Tumoren muss anschließend noch eine entsprechende Vergütungsziffer in den EBM aufgenommen werden. Das geschieht im Regelfall nicht vor Ablauf eines weiteren halben Jahres.

Die Symptomkontrolle bei Palliativpatienten, erläutert die KBV, „ist für die Behandlung schwerstkranker und sterbender Patienten in jedem Alter verordnungsfähig“. Zur Verordnung befugt sei jeder Vertragsarzt, eine besondere Qualifikation sei nicht erforderlich, heißt es weiter. Die Verordnung erfolge auf dem für häusliche Krankenpflege einschlägigen Formular 12, wobei die Symptomkontrolle bei Palliativpatienten künftig durch die neue Leistungsziffer 24a angegeben wird.

Zudem hat der GBA aktuell eine Änderung der Richtlinie zur häuslichen Krankenpflege beschlossen, mit der er die Leistungsbeschreibung „Medikamentenabgabe“ konkretisiert. Danach fällt darunter nicht nur die Medikamentengabe, sondern auch das „Richten von ärztlich verordneten Medikamenten für bestimmte Zeiträume“. Beispielsweise also die Vorbereitung eines Wochenbedarfs in Medikamentenschalen. Das „Richten“ heißt es in dem gleichfalls noch vom Ministerium zu genehmigenden GBA-Beschluss, umfasse „auch die Kontrolle, ob die Medikamente regelmäßig eingenommen wurden“.

Quelle: ÄrzteZeitung online, 27.03.2017

Bei welcher Rente Sie ab Juli Steuern zahlen müssen

 
Rente, Rentenerhöhung, Rentenanpassung
Colourbox.de

Wer heute über 722 Euro Rente bezieht zahlt ab Juli Steuern

Die Rentner freuen sich auf die Rentenanpassung im Juli – doch auch der Fiskus profitiert kräftig. Denn mit jedem Euro Rente mehr, werden mehr Senioren steuerpflichtig. Was auch Folge der seit 2005 erhobenen Rentensteuer ist.

Danach führt die geplante Anhebung der gesetzlichen Altersbezüge zum 1. Juli um 1,9 Prozent im Westen und um 3,6 Prozent im Osten im Veranlagungszeitraum 2017 zu Mehreinnahmen für den Fiskus von rund 205 Millionen Euro. Das geht nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Berechnungen des Bundesfinanzministeriums hervor. Im Zeitraum 2018 sind Steuermehreinnahmen von 420 Millionen Euro zu erwarten.

Fällig wird die Einkommenssteuer, wenn die Gesamteinkünfte eines Rentners über dem Grundfreibetrag (8.820 Euro/Verheirate 17.640 Euro) liegen.

Das bedeutet für Rentner:

Wer im Westen bisher insgesamt 722 Euro bekommt, liegt ab Juli mit 736 Euro über dem Freibetrag und muss Steuern bezahlen.

Wer im Osten bisher insgesamt 710 Euro bekommt, liegt ab Juli ebenfalls bei 736 Euro und muss Steuern bezahlen.

Für Paare gilt:

Paare im Westen, die bisher insgesamt 1432 Euro einnehmen, überschreiten ab Juli den Freibetrag von 1460 Euro.

Paare im Osten, die bisher insgesamt 1409 Euro einnehmen, überschreiten ab Juli den Freibetrag von 1460 Euro.

Neben Renteneinkünften zählen auch weitere Einnahmen wie Erträge aus Kapitalanlagen, Mieteinnahmen oder Betriebsrenten zum steuerpflichtigen Einkommen.

Wie viel Steuern muss ich zahlen?

2005 betrug der steuerpflichtige Rentenanteil 50 Prozent. Ist also jemand vor 2006 in Rente gegangen, werden nur 50 Prozent seiner Renten in die Besteuerung einbezogen. Dieser Prozentsatz steigt mit jedem weiteren Rentnerjahrgang: für Neurentner 2017 auf 74 Prozent. Somit bleiben also 26 Prozent der ersten vollen Bruttojahresrente steuerfrei. Dieser Anteil gilt also für im Jahr 2017 neu hinzukommende Rentnerjahrgänge. Bei Bestandsrenten bleibt es beim festgesetzten steuerfreien Anteil.

Rente, Rentenerhöhung, Rentenanpassung

FOCUS Online Der Steuerpflichtige Anteil der Rente bis zum Jahr 2020

Das bedeutet: Wer 2005 in Rente gegangen ist und ab Juli eine Rente von 736 Euro bekommt, muss auf den einen Euro, den er über dem Freibetrag liegt 50 Cent Steuern zahlen.

Infolge des steigenden steuerpflichtigen Teils der Rente sowie von Rentenerhöhungen werden immer mehr Neurentner vom Fiskus belangt. Die seit 2005 erhobene Rentensteuer trifft damit weiterhin eine eher kleine, aber jährlich wachsende Gruppe Ruheständler. Im Gegenzug werden aber die von Arbeitnehmern eingezahlten Rentenbeiträge über die Jahre von der Einkommensteuer freigestellt und die Beschäftigten so entlastet.

Wegen der schrittweisen Erhöhung des steuerpflichtigen Anteils der Rente werden viele Senioren, die keine weiteren veranlagungspflichtigen Einkünfte haben, vom Fiskus verschont. In diesem Jahr werden laut Finanzministerium etwa 4,25 Millionen „Steuerpflichtige mit Rentenbezug“ vom Fiskus belangt. 2018 werden es etwa 4,35 Millionen sein.

Zu beachten ist, dass ein zusammen veranlagtes Paar als ein Steuerpflichtiger zählt. “Steuerpflichtige“ sind also nicht gleichzusetzen mit Personen. Ohne die Rentenanpassung wären 2017 den Angaben zufolge von diesen Ruheständlern rund 40.000 und 2018 rund 80.000 Steuerpflichtige mit Rentenbezug nicht vom Fiskus belangt worden.

Quelle: focus.de, 24.03.2017

Rentendebatte Wehrt euch! Wie wir Jungen den Generationenvertrag kündigen können

Den Generationenvertrag zu kündigen, ist gar nicht so leicht.

dpa/Uwe Anspach, Montage: Focus Online

Immer weniger Junge zahlen die Rente für immer mehr Alte. Das bedeutet steigende Rentenbeiträge und sinkende Renten. Glücklich ist damit niemand. Aber das Rentensystem radikal zu ändern, also den Generationenvertrag zu kündigen, ist schwierig. Das sind die Möglichkeiten.

Die Rente in Deutschland wird nach dem Umlageprinzip verteilt. Das heißt, die aktuelle Arbeitnehmergeneration zahlt für die aktuelle Rentnergeneration. Dieses System wird auch als Generationenvertrag bezeichnet.

60 Jahre nach Einführung des Umlageprinzips gibt es jedoch ein Problem, an das die Väter der Reform nicht gedacht hatten: Die Zahl der Geburten ist gesunken, die Jungen müssen immer mehr Rentner versorgen. Die Beiträge steigen, das Rentenniveau sinkt. Deswegen gibt es seit Jahren Stimmen, die fordern, das Umlagesystem zu beenden und zum kapitalgedeckten System zurück zu kehren. Das hieße: Jeder spart für sich und bekommt auch nur raus, was er einzahlt.

Das System umzustellen und den Generationenvertrag zu kündigen ist aber gar nicht einfach. Da müsste die junge Generation schon tief in die Trickkiste greifen.

Die einfachste Lösung

Der Generationenvertrag ist kein Vertrag. Damals, als Bundeskanzler Konrad Adenauer die Rente in Deutschland reformierte, haben sich nicht zwei Delegationen der Jungen und der Alten feierlich die Hand geschüttelt und die Vereinbarung unterzeichnet. Der Generationenvertrag ist ein Gesetz im sechsten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB). Über 300 Paragrafen regeln dort das deutsche Rentensystem.

Das Gute daran: Ein Gesetz lässt sich ändern. Dazu müsste die Bundesregierung oder der Bundesrat eine Gesetzesinitiative starten. Die ginge zur ersten, zweiten und dritten Beratung in den Bundestag, dann an den Bundesrat und schließlich an den Bundespräsidenten – solange es keinen Einspruch gäbe.

Das Dilemma: Schon an der Gesetzesinitiative wird die Änderung des Umlageverfahrens in ein kapitalgedecktes Verfahren aber wohl scheitern. Schließlich haben die heutigen Alten früher schon für „ihre“ Alten eingezahlt – und nicht für sich. Sie haben also nicht genug Rücklagen, um jetzt ihre Rente zu finanzieren.

Das sagt der Experte dazu

Axel Börsch-Supan, Leiter des Munich Center for the Economics of Aging (MEA) am Max-Planck-Institut, hält einen solchen Vorstoß daher für Quatsch: „Eine ergänzende Kapitaldeckung wäre ok, aber eine Ersetzende wäre kompletter Unsinn.“  Und selbst das sei nur mit einer vierzigjährigen Übergangszeit machbar – „also frühestens für die Enkel der Babyboomer“, wie Börsch-Supan gegenüber FOCUS Online betont. „Außerdem funktioniert doch die Gesetzliche Rentenversicherung trotz allen Unkenrufen hervorragend.“

Die Alternativen

Wenn die Jungen trotzdem aus dem Umlageverfahren raus wollen, müssen sie sich also etwas einfallen lassen. Drei Tipps kommen vom Freiburger Rentenexperten Bernd Raffelhüschen: „Es gibt Wege den Generationenvertrag zu kündigen: Ins Ausland gehen, sich selbstständig machen oder Beamter werden.“

Sprich: Wer nicht einzahlt, gehört auch nicht zum System. Er muss aber auch das Risiko alleine tragen. Das müssen sich vor allem Selbstständige und Auswanderer klarmachen: Die Kosten werden im Alter nämlich nicht unbedingt geringer. Und die Rendite der Rentenversicherung ist immer noch kaum zu schlagen – selbst bei sinkendem Rentenniveau.

Der letzte Ausweg

Wer sich all das nicht traut, dem bleibt nur die Macht der Masse, um die Rente zu reformieren: „Wenn die Beitragszahler auf die Barrikaden gehen, haben die Rentner das Nachsehen“, betont Raffelhüschen. Darum müssen sich allerdings die Jungen selbst kümmern: „Um das ganz deutlich zu sagen: Die junge Generation wird nicht bedient. Alle Parteien verteilen das Geld nur unter den alten Jahrgängen – und zwar zu Lasten der Jungen. Die Jungen sind eben nicht die Mehrheit und haben keine Lobby“, so Raffelhüschen.

Quelle: focus.de, 23.03.2017

Weniger raus als eingezahlt – Wenn die Rentenversicherung Minus macht

(Foto: imago/Martin Bäuml Fotodesign)

 

Die private Rentenversicherung war Jahrzehnte ein Verkaufsschlager. Im aktuellen Zinsumfeld haben die Versicherer jedoch Probleme, selbst den Garantiezins zu erwirtschaften. Für Kunden droht bei Neuabschluss ein Minusgeschäft, wie Finanztest berichtet.

Der Schuldige ist schnell ausgemacht: der Niedrigzins. Er eint derzeit Geldinstitute, Versicherungen und Verbraucher bei dem schwierigen Unterfangen, brauchbare Zinsen am Markt zu erwirtschaften. Betroffen hiervon sind auch private Rentenversicherungen, die analog zur Lebensversicherung verstärkt Produkte anbieten, die noch nicht einmal mehr den mickrigen Garantiezins von noch 0,9 Prozent offerieren, sondern nur noch den Erhalt des eingezahlten Kapitals. Doch ungeförderte Policen dieser Art lohnen sich kaum. Daran ändern auch die erfolgversprechenden Bezeichnungen der Produkte nichts. Insbesondere durch die hohen Kosten der Policen, aber auch wegen teuren Extras wie einem Hinterbliebenenschutz bekommen Verbraucher bei einem Neuabschluss nicht selten weniger heraus, als sie eingezahlt haben, wie die Zeitschrift „Finanztest“ in einer Untersuchung herausgefunden hat.

Hierbei macht es keinen Unterschied, ob auf ein Produkt gesetzt wird, welches noch mit dem Garantiezins ausgestattet ist oder aber um eines, welches nur noch den Erhalt des eingezahlten Kapitals garantiert – vor Kosten. Bei Letzteren handelt es sich um Versicherungen, die mögliche erzielte Überschüsse in renditestärkere Produkte, sprich Aktien, investieren (Modell „Index­policen“) oder es werden als Ausgleich für keine garantierte Verzinsung höhere Überschüsse in Aussicht gestellt (Modell „Neue Klassik“).

Die Tester haben für ihre Untersuchung alle Versicherer angeschrieben, um zu überprüfen, was für Kunden bei einem Neuabschluss noch zu holen ist. Das Ergebnis: von 21 geprüften Tarifen mit Kapitalwahlrecht (der Kunde kann hier zwischen Einmalzahlung und Rente wählen) garantieren 15 den Beitragserhalt nicht für alle drei von „Finanztest“ betrachteten Laufzeiten von 10, 15 und 20 Jahren. Bei einem Versicherer (Volkswohlbund) betrug das Minus hochgerechnet auf 20 Jahre 1792 Euro. Von den fiktiv gezahlten Beiträgen in Höhe von 24.000 Euro blieben so nur noch 22.208 Euro übrig.

Aber auch Inhaber von älteren, aus heutiger Sicht üppig verzinsten Verträgen von bis zu 4 Prozent, kommen nicht ungeschoren davon. Denn bei den Überschüssen werden diese nicht mehr so beteiligt wie noch vor einigen Jahren. Mitunter werden diese auch ganz gestrichen.

„Finanztest“ rät Bestandskunden, ihre Verträge hinsichtlich der Kosten zu optimieren. Im Einzelnen bedeutet dies:

  • Der Kontrakt sollte von monatlicher auf eine jährliche Zahlung umgestellt werden – dies erhöht die Ablaufleistung deutlich.
  • Bei Verträgen, die weniger als 10 Jahre laufen, sollte einer automatischen Beitragserhöhung (Dynamik) widersprochen werden. Ansonsten fressen die Kosten hierfür das Plus auf.
  • Ein Extra-Unfallschutztod ist meist nicht sinnvoll, dafür aber immer teuer. Er kann separat aufgekündigt werden.
  • Noch länger laufende Verträge mit anständiger Verzinsung sollten nicht gekündigt werden, da es derzeit am Markt keine vergleichbar hohe und dennoch sichere Verzinsung gibt.

Quelle: n-tv.de, 23.03.2017

Gemeinsames Testament – Wenn es Streit ums Datum gibt

Ehepartner können ein gemeinsames Testament aufsetzen. Rein formell gehören unter den Text der Ort und das Datum samt Unterschrift. Genauer gesagt, beiden Unterschriften. Müssen auch Datum und Ort zweimal aufgeführt sein? Mit der Frage beschäftigte sich ein Gericht.

Ehegatten können ein gemeinschaftliches Testament ohne notarielle Beurkundung handschriftlich erstellen. Dazu gehören die Unterschriften der beiden Personen und das Datum. Oder muss das zweimal angegeben werden?

Bei einem gemeinsamen Testament schreibt einer der beiden den gemeinsamen letzten Willen auf. Dann unterscheiben beide Partner das Testament. Das Dokument ist auch gültig, wenn der Erblasser beim Unterzeichnen die Angabe des Datums nicht wiederholt. Das geht aus einem Beschluss des Oberlandesgerichts Düsseldorf hervor (Az.: 3 Wx 55/16), wie die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) informiert.

In dem Fall hatte die Ehefrau des Erblassers handschriftlich in das gemeinschaftliche Testament geschrieben: „Wir (…) setzten uns gegenseitig zu Alleinerben ein.“ Dann folgten Ort, Datum und Unterschrift der Ehefrau. Unmittelbar daneben unterschrieb ihr Mann – ohne die Angabe von Ort und Datum zu wiederholen. Der Sohn des Erblassers fühlte sich übervorteilt und hielt das Testament für unwirksam. Er argumentierte, es stehe aufgrund der fehlenden Datumsangabe nicht fest, wann der Ehemann das Testament tatsächlich unterschrieben habe. Deshalb klagte er gegen das Testament.

Die Richter urteilten anders: Selbst wenn der Erblasser das von der Mutter geschriebene Testament zu einem anderen Zeitpunkt unterschrieben hätte, stehe dies der Wirksamkeit des Testaments nicht entgegen. Denn entscheidend ist allein, dass es sich um eine gemeinschaftliche Erklärung der Eheleute handelt. Voraussetzung dafür sei, dass der Wille zur gemeinschaftlichen Errichtung zur Zeit der letzten Erklärung bei beiden Beteiligten noch vorhanden war. Nach Auffassung der Richter ergab sich dies in diesem Fall eindeutig aus der letzten Verfügung.

Quelle: n-tv.de, 23.03.2017

Renten steigen zum 1. Juli

Rund 21 Millionen Rentner in Deutschland können sich freuen. Das Bundessozialministerium hebt die Renten an – besonders im Osten.

Die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland erhalten vom 1. Juli an mehr Geld. Ihre Bezüge würden im Westen um 1,9 Prozent und im Osten um 3,6 Prozent angehoben, teilte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) mit.

Die Rentenerhöhung orientiert sich vor allem an der Lohnentwicklung. Die Anpassung der Altersbezüge fällt in diesem Jahr geringer aus als im Vorjahr. Zum 1. Juli 2016 hatte es mit einem Plus von 4,25 Prozent im Westen und 5,95 Prozent im Osten die höchste Anhebung seit über 20 Jahren gegeben. Dazu hatte auch ein einmaliger Statistikeffekt beigetragen.

Derzeit gibt es im Westen Deutschlands nach Angaben der Rentenversicherung etwa 16,9 Millionen und im Osten rund 4,1 Millionen Rentner.

Quelle: n-tv.de , 22.03.2017

Neuer Ratgeber zur Bewertung von Pflegequalität

Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat einen neuen, kostenlosen Ratgeber für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zur besseren Bewertung von Pflegequalität veröffentlicht. Damit sollen diese unabhängige und qualitätsgesicherte Informationen darüber erhalten, wie Pflege aus fachlicher Sicht sein sollte. Im Mittelpunkt stehen hierbei häufig von Pflegediensten erbrachte Leistungen, wie zum Beispiel die Unterstützung bei der Körperpflege, die Vorbeugung von Druckgeschwüren, die Verabreichung von Medikamenten oder die Betreuung von Menschen mit Demenz. Zu jedem Thema werden laienverständlich die wichtigsten Hinweise gegeben. Dazu wird erläutert, was zur Beratung und zum Handeln professionell Pflegender gehört und was bei der Pflege nicht sein sollte. Zudem erhält der Leser Tipps, was bei Fragen und Problemen im Rahmen der Pflege zu tun ist.

Bild: Pflegequalität ist für Laien schwer vergleichbar. © RAM /Fotolia

Pflegequalität ist für Laien schwer vergleichbar. © RAM /Fotolia

Laut einer repräsentativen Befragung ZQP wünscht sich die überwiegende Mehrheit der Deutschen (96 Prozent), im Bedarfsfall verlässliche Informationen über die Qualität von professionellen Pflegeangeboten zu bekommen. Insbesondere möchten die Befragten wissen, ob die Pflege zum Beispiel in den Bereichen Hygiene, Wundversorgung oder Ernährung fachlich richtig durchgeführt wird. Das ist für 77 Prozent von ihnen bei der Auswahl eines Pflegeangebots besonders relevant. Allerdings ist es für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen oftmals schwer nachzuvollziehen, ob die mit einem ambulanten Pflegedienst vereinbarten Leistungen fachlich richtig und angemessen sind. Damit sie dies künftig besser einschätzen können, hat das ZQP den Ratgeber „Gute Pflege erkennen“ entwickelt. Er fasst verbrauchergerecht zusammen, was in fachlichen Leitlinien und verschiedenen ethischen und rechtlichen Dokumenten festgehalten ist.

Verunsicherung bei Angehörigen

„Wir wissen, dass Pflegebedürftige und ihre Angehörigen häufig über die Qualität der Pflege verunsichert sind und ihnen nicht klar ist, was sie von professioneller Pflege erwarten können. Dadurch kann es zu Missverständnissen kommen. Unser Ratgeber hilft sowohl bei der Einordnung als auch der Wertschätzung von Pflegeangeboten. Und er trägt zum Austausch zwischen Pflegebedürftigen, pflegenden Angehörigen und professionell Pflegenden bei“, erklärt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP.

Informationen sind kostenlos

Alle Informationen entsprechen dem aktuellen Wissensstand und sind in enger Zusammenarbeit mit ausgewiesenen Pflegeexperten erarbeitet worden. Sie basieren insbesondere auf den Expertenstandards des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP). „Qualitätseinschätzung ist kein von oben verordnetes Expertenthema. Die Menschen wollen sich eine Meinung bilden und selbst entscheiden. Dabei müssen wir sie stärken – auch in der ambulanten Pflege. Mit diesem Ratgeber stellen wir deswegen entsprechende grundlegende und gesicherte Informationen kostenlos bereit“, kommentiert Suhr.

Fast drei Viertel (73 Prozent) der rund 3 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden zu Hause gepflegt. Ein Drittel davon – etwa 690.000 – erhält Unterstützung durch einen ambulanten Dienst. Bundesweit gibt es circa 13.000 ambulante Dienste.

Der Ratgeber steht kostenlos zum Download bereit.

Quelle: saluWAY online, 13.03.2017

Altenpflege schlecht bezahlt

„Auf Deutschland kommt ein großes Problem zu“

In kaum einem Beruf ist der Bedarf größer als in der Altenpflege, doch die Löhne sind noch immer niedriger als in anderen Branchen. Der Pflegenotstand scheint unausweichlich.

© dpa

Wer soll sich um die Alten von morgen kümmern?

Die Löhne in der Pflege hinken nach Angaben des Deutschen Pflegerates immer noch weit hinter anderen Branchen her. „Damit nicht genug haben wir in Deutschland ein deutliches Lohngefälle in der Pflege selbst“, sagte der Präsident der Pflegerates, Andreas Westerfellhaus der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe Lohnunterschiede zwischen der Kranken- und Altenpflege „von 30 Prozent in ostdeutschen und rund 18 Prozent in westdeutschen Bundesländern. Vom Ziel eines gleichen Lohns für die gleiche Arbeit sind wir daher weit entfernt.“

Dabei seien gute Bezahlung und attraktive Arbeitsbedingungen überaus wichtig, um den drohenden Pflegenotstand zu vermeiden. Angesichts niedriger Geburtenziffern und steigenden Bedarfs an Pflegepersonal komme auf Deutschland ein großes Problem zu, sagte der Pflegerat-Präsident. Das Statistische Bundesamt gehe schon in den nächsten acht Jahren von einem Bedarf von 135.000 bis 214.000 Vollzeitkräften aus.

Zu wenige Pflegekräfte auch in Kliniken

Trotz des vor einem guten Jahr in Kraft getretenen Krankenhausstrukturgesetzes, das einen Ausbau der Pflege am Bett vorsieht, bestehe nach wie vor ein Nachholbedarf von rund 50.000 Mitarbeitern in der Krankenhauspflege. Ein erster Schritt für mehr Personal sei die geplante Bündelung der Fördermittel, sagte Westerfellhaus. Künftig stünden jährlich 830 Millionen Euro für zusätzliche Pflegestellen in den Krankenhäusern zur Verfügung.In der kommenden Woche (23. bis 25. März) findet der Deutsche Pflegetag in Berlin statt. Es ist die zentrale Branchenveranstaltung rund um das Thema Pflege. Westerfellhaus bekräftigte: „Die Pflege ist und bleibt ein Frauenberuf. Über 80 Prozent aller in der Pflege Beschäftigten sind Frauen und sie leisten enorm viel, bei einer steigenden körperlichen und psychischen Belastung.“

Der Deutsche Pflegerat ist ist der Dachverband der Berufsverbände im Pflege- und Hebammenwesen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Online 20.03.2017

Drei Tipps zur Altersvorsorge von Frauen

Warum haben Frauen in Deutschland durchschnittlich eine niedrigere Rente als Männer? Häufig spielen biografische Faktoren eine Rolle – zum Beispiel berufliche Auszeiten für die Kindererziehung oder langjährige Teilzeitjobs. Rentenexpertin Daniela Steinle gibt Tipps, wie Frauen fürs Alter vorsorgen können.

Eine private Altersvorsorge ist Frauen wichtiger als Männern. Das zeigt unsere Umfrage zum Weltfrauentag. 44 Prozent der befragten Frauen halten eine eigene Vorsorge, beispielsweise mit Riester oder einer privaten Rentenversicherung, für äußerst wichtig oder sehr wichtig, aber nur 33 Prozent der Männer.

Durchschnittsrente nur halb so hoch

Fakt ist: Die Durchschnittsrente von Frauen ist nur gut halb so hoch wie die von Männern. Der Grund: Frauen haben durch ihre Erwerbsbiografie nach wie vor deutliche Nachteile gegenüber Männern. Auszeiten zur Kindererziehung und zur Pflege von Angehörigen oder auch eine langjährige Teilzeitarbeit schmälern die gesetzliche Rente oft erheblich. R+V-Rentenexpertin Daniela Steinle hat deshalb drei Tipps für Frauen zusammengestellt:

Tipp 1: Klären Sie Ihr Rentenkonto!

Daniela Steinle: „Klären Sie frühzeitig, wie hoch Ihre gesetzliche Rente voraussichtlich ausfällt und welchen Rentenanspruch Sie schon erworben haben. So können Frauen auch checken, ob alle bisherigen Jobs und Ausbildungszeiten mitberücksichtigt sind oder ob Lücken klaffen. Dann können Sie beim örtlichen Versicherungsträger die notwendigen Dokumente einreichen. Informationen gibt es unter www.deutsche-rentenversicherung.de.“

Tipp 2: Nehmen Sie staatliche Förderungen mit!

Daniela Steinle: „Die perfekte Altersvorsorge besteht aus drei Säulen: der gesetzlichen Rente, der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge. Frauen sollten zumindest riestern. Schließlich spart der Staat hier kräftig mit. 154 Euro Förderung kommen im Jahr auf den eigenen Sparbetrag von mindestens 60 Euro jährlich oben drauf, für Mütter sogar noch mehr – pro Kind gibt es eine Zulage von 185 Euro bzw. 300 Euro. Das Schöne: Riestern können tatsächlich fast alle, nicht nur Festangestellte. Es genügt beispielsweise auch, wenn der Ehemann sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist.“

Tipp 3: Fangen Sie so früh wie möglich an, privat vorzusorgen!

Daniela Steinle: „Frauen müssen mehr Geld für das Alter zurücklegen als Männer, denn sie bekommen im Durchschnitt nicht nur weniger Rente, sondern müssen damit auch länger auskommen: Laut Statistischem Bundesamt werden Frauen fünfeinhalb Jahre älter als Männer. Wer also schon in jungen Jahren eine eigene private Vorsorge aufbaut, hat im Alter mehr davon.“

Gastbeitrag von Dr. Karsten Eichner, Pressesprecher der R+V Versicherung.

Quelle: R+V online, 08.03.2017

Pflegeversicherung muss sich an Hausnotrufsystem beteiligen

Die private Pflegeversicherung einer an Demenz erkrankten Versicherten muss entsprechend den vertraglichen Bestimmungen anteilig für die Kosten eines Hausnotrufsystems aufkommen. So lautet das Urteil des Sozialgerichts Detmold im Fall einer 1928 geborenen privat pflegeversicherten Klägerin. Ihr war es trotz ihrer Demenz noch möglich, eigenständig in einer altersgerechten Wohnanlage zu leben. Die beklagte Pflegeversicherung wollte sich nicht an den Kosten für das Hausnotrufsystem beteiligen: Sie berief sich darauf, die Versicherte könnte dieses Hilfsmittel nicht bedienen und es wäre folglich nicht notwendig. Das Gericht war anderer Ansicht. Die von der beklagten Pflegeversicherung eingeholten Gutachten hätten keine Ergebnisse geliefert, die gegen eine Nutzung des Hausnotrufs sprachen.

Bis zum Umzug in ein Pflegeheim im Februar 2016 war die Klägerin durch ihre Demenz noch nicht so eingeschränkt, dass sie nicht imstande gewesen wäre, den Hausnotruf zu nutzen. Das Hilfsmittel unterstützte die Versicherte vielmehr in ihrer selbstständigen Lebensführung und erleichterte die Pflege, so das Gericht. Das Hausnotrufsystem ermöglichte es der Klägerin, weiterhin in ihrer Mietwohnung zu leben. Auf Nachfrage konnte die Versicherte bestätigen, den Hausnotruf bedienen zu können.

Wie das Gericht entschied, darf die Versorgung mit einem Hilfsmittel nicht verweigert werden, solange nicht sicher feststeht, dass ein Versicherter die Vorteile nicht nutzen kann. Unter Berücksichtigung eines Beihilfeanspruchs der Klägerin muss die beklagte Pflegeversicherung 30% der Kosten des Hausnotrufsystems übernehmen.

SG Detmold, Urteil vom 15.09.2016, Az.: S 18 P 123/13

Quelle: AssCompact online, 08.03.2017