Krankenhausaufenthalte – Zahl der Patienten steigt

Immer weniger Krankenhäuser, immer mehr Patienten: Nach der neuesten Statistik setzte sich dieser Trend auch im vergangenen Jahr fort. Zudem werden Patienten immer früher entlassen.

In Deutschland ist die Zahl der Klinikpatienten im vergangenen Jahr leicht gestiegen. 2016 wurden 19,5 Millionen Patienten stationär im Krankenhaus behandelt – das waren 277.400 oder 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Im Schnitt waren die Patienten 7,3 Tage in der Klinik – 1991 waren es noch etwa zwei Wochen.

Die durchschnittliche Bettenauslastung der öffentlichen, privaten und freigemeinnützigen Häuser lag bei 77,8 Prozent. Insgesamt verfügten die deutschlandweit 1948 Kliniken über 498.700 Betten zur stationären Versorgung.

Einen Anstieg gab es auch beim Krankenhauspersonal: So stieg die Zahl der 158.000 Vollzeitkräfte im ärztlichen Dienst um 3600 – das entspricht 2,3 Prozent. Im nichtärztlichen Dienst gab es einen Anstieg um 22.800 auf 736.500 Mitarbeiter. Davon gehörten 325.200 Arbeitskräfte zum Pflegedienst. Hier wurde im Vergleich zu 2015 ein Zuwachs um 4300 Mitarbeiter (1,3 Prozent) verzeichnet.

Immer weniger Krankenhäuser

Darüber hinaus nahmen knapp zwei Millionen Patienten im vergangenen Jahr eine stationäre Behandlung in einer der bundesweit 1148 Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtung in Anspruch. Das waren 13.300 mehr als im Vorjahr (0,7 Prozent). Die durchschnittliche Bettenauslastung lag hier bei 83,2 Prozent.

Schon lange ist die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland rückläufig. 1991 gab es noch rund 2400 Kliniken, 2015 zählte das Statistische Bundesamt nur noch 1979. Im Durchschnitt wurden pro Jahr etwa 20 Häuser geschlossen. Gleichzeitig hat sich auch die Zahl der Betten reduziert. Gestiegen ist dagegen die Zahl der Patienten. 1991 versorgten die Krankenhäuser nur etwa 14,5 Millionen Patienten vollstationär.

Quelle: Spiegel Online joe/AFP/dpa

Leistungsfähigkeit steigern – Warum die richtige Ernährung so wichtig ist

Sie wollen Ihr Gedächtnis stärken, die Muskeln explodieren lassen oder die Ausdauer eines Marathonläufers? Dann vergessen Sie Pülverchen und Pillen. Mit einer zielgerichteten Ernährung erreichen Sie auf gesundem Weg die weit besseren Ergebnisse.

Er ist mittlerweile normal geworden: der Wunsch nach Mitteln, die uns klüger, ausdauernder und schöner machen. Der Markt in Europa für Pillen und andere leistungssteigernde Mittelchen boomt. Da wittern Betrüger und Hersteller von illegalen Substanzen ihre Chance.

Bevor Sie aber zu  dubiosen und zumeist auch überteuerten Mitteln greifen, essen Sie doch lieber was Gutes. Denn mit der richtigen Ernährung können Sie sich ganz legal „dopen“. FOCUS Online hat mit Ernährungsmediziner Matthias Riedl gesprochen, was auf den Speiseplan gehört, wenn Sie gezielt Ihre Leistung fördern wollen.

1. Das richtige Essen für mehr Konzentration

Jeden Tag leistet unser Gehirn Schwerstarbeit, denn es steuert alle Prozesse in unserem Körper . Milliarden Nervenzellen verarbeiten Informationen. Dafür wird rund ein Fünftel unseres täglichen Energiebedarfs aufgewendet, auch wenn unser Gehirn sehr effizient arbeitet. Um es optimal zu versorgen, sollten Sie es mit wichtigen Nährstoffen füttern.

Um einen einwandfreien Ablauf zu garantieren, brauchen die grauen Zellen Kohlenhydrate, Mineralien, Omega-3-Fettsäuren, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe. Wer sich entsprechend ernährt, kann seine Konzentrationsfähigkeit steigern. Mit einer falschen Ernährung schadet man sogar seiner Denkfähigkeit, wie eine Studie an iranischen Schulkindern zeigte.

Insgesamt wurden 245 Grundschüler untersucht. Einmal Kinder, die gesund und ausgewogen aßen, zum anderen Kinder, die viel Zucker, Weißbrot und Nudeln zu sich nahmen. Das Ergebnis: In anschließenden Tests schloss die letztere Gruppe wesentlich schlechter ab.

Langkettige Vielfachzucker

Wer also lange Zeit konzentriert arbeiten und denken will,   sollte sogenannte komplexe Kohlenhydrate zu sich nehmen. Diese langkettigen Vielfachzucker liefern unserem Gehirn über mehrere Stunden kontinuierlich Glukose, im Gegensatz zu kurzzeitigen Energie-Boostern. Traubenzucker, früher zu Konzentrationszwecken empfohlen, können Sie getrost vergessen. Er gibt nur einen kurzen Push.

Omega-3-Fettsäuren

Die Informationsübertragung und -speicherung findet in den Nervenzellmembranen statt. Diese müssen mit Omega-3-Fettsäuren versorgt werden.

Wer nicht zu Fischöl-Kapseln greifen möchte, kann es über fetten Seefisch wie Karpfen, Makrele oder Butterfisch zu sich nehmen. Als pflanzliche Alternative gilt Raps- oder Leinöl, aber auch Hanf- oder Nussöle. Die können Sie unter Ihr Essen mischen oder pur zu sich nehmen. Mit einem Löffel pro Tag sind sie gut versorgt.

Speiseplan fürs Gehirn

  • Starten Sie den Tag mit komplexen Kohlenhydraten: Essen Sie zum Beispiel Vollkornbrot , Haferflocken, Müsli oder Früchte. Jedoch sind nicht alle Kohlenhydrate gut. Zucker, Süßes und Weißmehl sorgen nur für ein kurzes Hoch und lassen die Energie anschließend rapide sinken.
  • Zum Mittagessen: ungeschälter Reis, Wurzelgemüse, Nüsse, Obst und einmal die Woche Seefisch als Omega-3-Fettsäuren-Lieferant.
  • Trinken Sie über den Tag ausreichend Wasser. Das Gehirn besteht überwiegend aus Wasser. Wer zu wenig trinkt, kann sich schlechter konzentrieren.
  • Snacks zwischendurch: Karotten, Walnüsse, Hirse und Rote Bete.

Schlauer werden Sie durch diese Ernährung nicht im eigentlichen Sinne. Jedoch sorgen Sie dadurch dafür, dass ihr Gehirn so versorgt ist, dass es seine volle Leistungsfähigkeit entfalten kann.

2. Diese Lebensmittel sorgen für starke Muskeln

Wer Muskeln aufbauen will, sollte am Tag 1,4 bis 1,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen.

Aber Achtung: Zu viel Eiweiß riskiert eine Überforderung der Nieren. Zu wenig ist ebenso schädlich für den Organismus. Die Untergrenze liegt laut unserem Experten bei 0,8 Gramm.

Ohne Training keine Muskeln

Ein Training der Muskeln ist natürlich zu ihrem Aufbau unerlässlich.   Unterstützend können Sie Ihren Ernährungsplan angleichen und an Trainingstagen schon zum Frühstück ausreichend Eiweiß zu sich nehmen. Um das Optimum beim Aufbau zu erzielen, sollten Sie circa anderthalb bis drei Stunden vor dem Training Eiweiß essen und nicht später als zwei Stunden nach dem Workout.

Hochwertige Proteine und Kohlenhydrate sind nach dem Training in der Erholungszeit der Muskeln empfehlenswert.

Speiseplan für die Muskeln

  • Starten Sie Ihren Tag mit einem eiweißreichen Frühstück. Essen Sie dafür zum Beispiel Hüttenkäse, Magerquark, Eier oder Joghurt.
  • Wer lieber pflanzlich essen möchte, kann zu Hanfsamen, Sojabohnen, Erdnüssen oder Kürbiskernen greifen. Auch in Linsen ist viel Eiweiß enthalten.
  • Snacks zwischendurch: Ein absoluter Liebling bei Sportlern ist Erdnussbutter. Ob man nun daraus eine Soße zaubert oder sie einfach nur auf ein Vollkornbrot streicht, bleibt Ihnen überlassen.
  • Auch beim Muskelaufbau ist es wichtig, viel zu trinken. Vor allem, da das Training mitunter schweißtreibend sein kann.
  • Essen Sie nach dem Training komplexe Kohlenhydrate wie Hafer-, Dinkel-, Gersten- und Roggenflocken oder Vollkornnudeln.

Ernährungsmediziner Riedl erklärt: „Beziehen Sie Ihr Eiweiß nicht nur aus rotem Fleisch, denn dieses steht im Verdacht, bei über 80 Gramm am Tag zu Krebs zu führen. Setzen Sie lieber auf eine ausgewogene Mischung aus tierischen und pflanzlichen Eiweißen.“

3. Die perfekte Kost für eine bessere Kondition

Wenn wir uns schnell bewegen, atmen wir schneller. Beim Laufen wird   unser Herz-Kreislauf- und Atemsystem beansprucht und der Organismus mit Sauerstoff versorgt. Auch unser Blutkreislauf wird angeregt. Umso wichtiger, dass unser Herz und unsere Lungen gesund sind. Schädlich sind also ein hoher Cholesterinspiegel, Bluthochdruck und natürlich Übergewicht.

Um Ihren Cholesterinspiegel zu senken, greifen Sie zu Lebensmittel, die reich sind an sekundären Pflanzenstoffen, Vitaminen und Zink. Auf Kohlenhydrate sollten Sie als Ausdauersportler keines Falls verzichten.

Wer seine Energie nur aus Fett und Eiweiß bezieht, hätte nach dem Ausdauertraining – sei es nun Laufen, Radfahren oder Schwimmen – einen rapiden Leistungsabfall. Leider kann unser Körper Kohlenhydrate nicht lange speichern. Daher müssen die Speicher regelmäßig aufgefüllt werden.

Speiseplan für mehr Kondition

  • Wer morgens trainiert, sollte bereits drei Stunden vor dem Training Kohlenhydrate zu sich nehmen. Starten Sie ihren Tag mit einem Müsli aus Haferflocken oder Vollkornbrot.
  • Essen Sie Gemüse, Salat und zum Beispiel mageres Fleisch oder leichten Fisch wie Kabeljau, Schellfisch oder weißen Heilbutt zu Mittag um ihr Cholesterin niedrig zu halten.
  • Als Snacks für unterwegs eignen sich Beeren, Fruchtjoghurt, Rosinen, Nüsse oder Müsliriegel.

Quelle: focus Online 14.08.2017

Masern sind in Europa auf dem Vormarsch – wegen Impfunwilligkeit

Gefährliche Impflücken!
In Rumänien breitet sich eine Masernepidemie aus. Doch Todesopfer gibt es nicht nur dort zu beklagen. Im Gegensatz zum ganzen amerikanischen Kontinent ist Europa weit von den WHO-Zielen entfernt.

Die Ursache der Masern-Erkrankungen ist ein Virus, aber man könnte auch sagen, der Grund für die vielen Fälle sind fehlende Impfungen.

Mehr als 8000 Erkrankte und 32 Tote, das ist die Bilanz der seit Monaten andauernden Masernepidemie in Rumänien. Dies sei die heftigste Masernwelle in Europa seit Jahren, betonen nationale wie auch europäische Behörden. Anzeichen für ein Abklingen gibt es (noch) keine. Die Regierung hat nun ein Gesetz zur Impfpflicht vorbereitet. Eltern müssen bei der Einschulung vorweisen, dass der Nachwuchs gegen diverse Erkrankungen, darunter auch Masern, geimpft ist.

Todesfälle in diversen Ländern

Frankreich und Italien haben diesen Juli Pflichtimpfungen bei Kindergartenkindern für Masern und weitere Erkrankungen beschlossen. Denn auch in diesen Ländern breitet sich das Masernvirus seit Monaten aus, in Italien wurden bisher sogar mehr als 3600 Fälle gemeldet. Ein sechsjähriger Bub sowie zwei weitere Patienten verstarben an den Folgen der immer noch als harmlos geltenden «Kinderkrankheit».

Doch die erwähnten Länder sind keineswegs eine unrühmliche Ausnahme. In ganz Europa sind die Masernviren auf dem Vormarsch. So gab es in Deutschland seit Jahresbeginn über 800 Fälle, mehr als die Hälfte davon in Nordrhein-Westfalen, aber auch kleinere Ausbrüche in Hessen, Sachsen und den beiden Südländern Bayern und Baden-Württemberg. In Deutschland verstarb ebenfalls ein Patient, genauso wie in der Schweiz. Auch hier nahmen in den letzten Jahren die Fälle insgesamt zu statt ab. (Verweis) So wurden dem Bundesamt für Gesundheit von Anfang 2017 bis 7. August 68 Fälle gemeldet, im selben Zeitraum der Vorjahre waren es hingegen 39 (2016) beziehungsweise 20 (2015).

Die Ursache der Erkrankungen ist ein Virus, aber man könnte auch sagen, der Grund für die vielen Fälle sind fehlende Impfungen. Europa ist von dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gesteckten Ziel, bis zum Jahr 2015 keine endemischen, also sozusagen einheimischen Masernerkrankungen mehr aufzuweisen und die Viren bis 2020 gar ausgerottet zu haben, weit entfernt. Da Masernviren nur im Menschen überleben, wäre das mit einer Impfquote von 95 Prozent der Bevölkerung zu erreichen. Doch weder Rumänien noch Deutschland, Italien oder die Schweiz erreichen diesen Idealfall.

Armut oder Fehleinschätzung

Während die zu geringe Impfquote in Rumänien auch ein Problem der Armut und eines zunehmend schlechter funktionierenden Gesundheitssystems ist, wächst in den «reicheren» Ländern offenbar die Impfunwilligkeit – weil man die Masern immer noch unterschätzt oder erwiesenen Fehlinformationen über gravierende Impfschäden Glauben schenkt. In Deutschland erhielten zudem Kleinkinder oft zu spät die für einen völligen Schutz nötige zweite Impfung, kritisiert das Robert-Koch-Institut in Berlin. Deutschland zähle in puncto Masern-Eliminierung zu den Schlusslichtern in Europa.

Was Europa derzeit nicht schafft, ist hingegen auf dem ganzen amerikanischen Kontinent bereits Realität. Die WHO hat diesen – bekanntermassen nicht nur mit reichen Ländern bestückt – letztes Jahr als frei von endemischen Masern erklärt. Ärzte weisen darauf hin, dass jede und jeder plötzlich darauf angewiesen sein könne, dass genügend Personen im Umfeld geimpft seien und somit die Masernviren sich gar nicht erst ausbreiten könnten: wenn man nämlich eine das Immunsystem schwächende Krankheit bekomme.

Quelle: Neue Züricher Zeitung 14.08.2017

Dick trotz Süßstoff

Zuckerverzicht sinnlos?

Studien zufolge lässt sich mit Süßstoffen nur wenig bis gar nicht abnehmen. Beobachtungsstudien deuten sogar auf eine gegenteiligen Effekt hin.

Ein Leitartikel von Thomas Müller

Süßstoff oder Zucker in den Tee? Das ist im Prinzip egal.

Seit Süßstoffe als Zuckerersatz populär geworden sind, wird über Nutzen und Schaden der künstlichen Kohlenhydrate diskutiert. Standen anfangs Bedenken zur Kanzerogenität im Vordergrund, geht es heute vor allem um vermeintlich appetitanregende, Übergewicht fördernde sowie diabetogene Wirkungen.

In epidemiologischen Studien zeigt sich zwar ein klarer Zusammenhang zwischen Süßstoffkonsum und Gewichtszunahme, dieser dürfte aber vor allem auf der Fehlannahme beruhen, der Verzicht auf einen Löffel Zucker im Kaffee könnte die übrigen Ernährungssünden wettmachen.

Es sind eben eher die Adipösen, die zu Süßstoffen greifen, was den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Süßstoffkonsum weitgehend erklären kann.

Einfluss auf Darmflora

Allerdings gibt es auch ernst zu nehmende Bedenken, dass Süßstoffe selbst einen ungünstigen Effekt auf die Gewichts- und vor allem Blutzuckerkontrolle haben. In einer vor drei Jahren veröffentlichten Studie konnten Forscher bei Mäusen eine Glukoseintoleranz induzieren, wenn sie ihnen hohe Mengen Saccharin ins Futter mischten (Nature 514,181–186).

Als Ursache erwies sich eine Veränderung der Darmflora. Wurde die durch Süßstoffe veränderte Darmflora auf andere Mäuse übertragen, führte dies ebenfalls zu Problemen beim Glukosestoffwechsel.

Ähnliches beobachteten die Forscher bei gesunden Testpersonen: Bei hohem Saccharinkonsum litt die Glukosetoleranz und es kam zu Darmfloraveränderungen wie bei Mäusen. Ob solche Effekte auch beim üblichen Süßstoffkonsum von Bedeutung sind, ist jedoch eine andere Frage.

Diese können zwar auch Forscher um Dr. Meghan Azad von der Universität in Winnipeg nicht beantworten, immerhin haben sie aber die vorhandene Literatur nach kontrollierten Untersuchungen und Kohortenstudien zu dem Thema durchforstet (CMAJ 2017;189:E929-39).

Das Ergebnis ist wenig überraschend: In 30 Kohortenstudien stellte sich erneut heraus, dass adipöse Menschen häufiger Süßstoffe konsumieren, in sieben randomisiert-kontrollierten Untersuchungen – zumeist mit Adipösen und Hypertonikern – gab es keinen klaren Zusammenhang zwischen Süßstoffkonsum, Gewicht oder kardiometabolischen Veränderungen.

30 Kohortenstudien mehr als 400.000 Teilnehmern

Insgesamt hatten an den 30 Kohortenstudien mehr als 400.000 Personen teilgenommen, immerhin rund 1000 waren es zusammengenommen in den randomisiert-kontrollierten Studien.

In diesen hatten die Teilnehmer im Süßstoffarm gesüßte Lebensmittel oder einfach nur Süßstoff zur Verfügung gestellt bekommen, in den Kohortenstudien war der Süßstoffkonsum über Ernährungsfragebögen ermittelt worden.

Die kontrollierten Studien ergaben in den Süßstoffgruppen eine geringe, aber statistisch nicht belastbare Gewichts-, BMI- und Bauchumfangabnahme. Eine signifikante Gewichtsreduktion wurde immerhin in Untersuchungen mit einer Dauer von 1,5–2 Jahren erzielt, nicht aber in kürzer dauernden Studien.

Die Kohortenstudien deuteten – auch unter Berücksichtigung von Anfangsgewicht und BMI – auf eine leichte Gewichtszunahme bei hohem Süßstoffkonsum, was sich prima mit einer reversen Kausalität erklären lässt: Wer viel zunimmt, will dem vielleicht mit Süßstoffen entgegensteuern.

30 Prozent häufiger metabolisches Syndrom

Nicht wirklich erhellend sind auch die metabolischen Resultate. In den kontrollierten Studien wurden sie erst gar nicht erhoben – diese waren zu klein und dauerten nicht lange genug, um etwa Auswirkungen auf die Diabetesinzidenz zu erfassen.

In den Kohortenstudien trat ein metabolisches Syndrom in den Gruppen mit dem höchsten Süßstoffkonsum etwa 30 Prozent häufiger auf, die Diabetesrate war rund drei Prozent höher als bei Teilnehmern mit geringem Süßstoffgebrauch.

Auch diese Differenzen lassen sich gut über eine reverse Kausalität erklären: Wer dick wird, nimmt eher Süßstoffe, bekommt aufgrund seiner Gewichtszunahme aber auch eher metabolische Probleme.

Signifikante Unterschiede bei der Insulinresistenz und Glukosetoleranz wurden in den Untersuchungen nicht gefunden.

Weiter untergraben werden die Resultate durch eine häufig schlechte Qualität und eine hohe Heterogenität der Studien. Was bleibt, ist wieder einmal die Erkenntnis, dass sich der Einfluss einzelner Ernährungskomponenten kaum in Studien nachweisen lässt – vor allem nicht in fragebogenbasierten Kohortenstudien.

Quelle: ÄrzteZeitung Online 14.08.2017

Einsamkeit ist gefährlicher als Übergewicht

Die erste Analyse, in die 148 Studien mit mehr als 300.000 Teilnehmern eingegangen waren, zeigte, dass stärkere soziale Bindungen mit einem 50 Prozent niedrigeren Risiko für einen vorzeitigen Tod in Zusammenhang standen. Dies berichtete Julianne Holt-Lunstad, Psychologie-Professorin an der Brigham Young University, auf der Jahrestagung der American Psychological Association in Washington. Die zweite Analyse beinhaltete 70 Studien mit über 3,4 Millionen Personen aus Nordamerika, Europa, Asien und Australien. Hier fanden die Forscher heraus, der Einfluss von sozialer Isolation auf die Sterberate sogar den Effekt anderer Risikofaktoren wie etwa Fettleibigkeit überstieg.

Nach Meinung der Wissenschaftlerin sollte der Forschung in diesem Bereich eine größere Priorität eingeräumt und mehr Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Dies könnte das Training sozialer Fähigkeiten bei Schulkindern umfassen oder dass Ärzte die Frage nach soziale Verbindungen im Rahmen medizinischer Untersuchungen stellten, so Holt-Lunstad. Darüber hinaus könnten Maßnahmen helfen, die Menschen auf den Ruhestand vorbereiten, da viele soziale Bindungen mit dem Beruf zusammenhingen. Mit anderen Menschen sozial verbunden zu sein, sei ein fundamentales menschliches Bedürfnis, das sowohl für das Wohlbefinden als auch für die Lebensdauer wichtig ist, so die Forscher.

Quelle: aponet.de, 08.08.2017

Eigenanteil zu Pflegeheimkosten – So viel verlangt Ihr Bundesland für die Pflege Ihrer Eltern

Der Eigenanteil, den Patienten in einem Pflegeheim seit Jahresbeginn für die Pflegekosten zahlen müssen, variiert von Bundesland zu Bundesland sehr stark. Während Heimbewohner in Thüringen dafür mit durchschnittlich 225 Euro am wenigsten zahlen müssen, liegt das Saarland mit im Schnitt 869 Euro an der Spitze.

Das geht aus einer aktuellen Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. Im Bundesschnitt betragen die Kosten demnach 581 Euro pro Person. Unter dem Durchschnitt beim Eigenanteil an den Pflegekosten liegen auch

Schleswig-Holstein (289 Euro),
Mecklenburg-Vorpommern (295 Euro),
Sachsen-Anhalt (303 Euro),
Sachsen (312 Euro),
Niedersachsen (346 Euro),
Bremen (473 Euro) und
Brandenburg (479 Euro).

Überdurchschnittlich hoch sind die Eigenteile außer im Saarland in

Berlin (856 Euro),
Baden-Württemberg (768 Euro),
Nordrhein-Westfalen (758 Euro),
Bayern (725 Euro),
Rheinland-Pfalz (663 Euro),
Hamburg (600 Euro) und
Hessen (587 Euro).

Beim Eigenanteil wird nicht mehr nach Pflegestufe unterschieden

Seit Januar ist das neue Pflegesystem in Kraft. Das bedeutet: In jeder vollstationären Pflegeeinrichtung gilt ein einrichtungseinheitlicher pflegebedingter Eigenanteil. Es gibt also innerhalb ein und derselben Einrichtung keinen Unterschied mehr bei den Eigenanteilen der Bewohner für die Pflegekosten der Pflegegrade 2 bis 5. Hinzu kommen allerdings noch folgende Kosten, die zum Teil erheblich variieren können:

Kosten für Unterkunft und Verpflegung,
Investitionskosten,
eine Ausbildungsumlage und
Kosten für Zusatzleistungen.

Größter Brocken bei den Kosten ist das Personal. Gerade hier gibt es von Kommune zu Kommune große Unterschiede. Auf dem Dorf ist eine Pflegefachkraft meist günstiger als in Großstädten wie München oder Berlin.

Kassen, Anbieter und Kommunen legen die Kosten fest

Über die Höhe der Pflegekosten und den Eigenanteil daran verhandeln die Pflegekassen mit jedem einzelnen Anbieter im jeweiligen Bundesland. Mit am Tisch sitzt außerdem die Kommune. Der von ihnen festgelegte Eigenanteil gilt für alle Pflegegrade. Das heißt, er erhöht sich nicht, wenn ein Patient höher eingruppiert wird. Damit reagierte der Gesetzgeber darauf, dass vor dieser Neuregelung bis Ende vergangenen Jahres viele Patienten sich nicht höher eingruppieren lassen wollten, obwohl es von der Pflegebedürftigkeit her nötig gewesen wäre. Sie taten dies nicht, weil sie einen höheren Eigenanteil zu fürchten hatten.

Zeitlicher Aufwand ist für die Kostenberechnung nicht mehr so wichtig

Am 1. Januar trat die zweite Stufe des Pflegestärkungsgesetzes II in Kraft. Seither wird Pflegebedürftigen mit geistigen Einschränkungen wie Demenz der gleiche Zugang zu Leistungen gewährt wie Menschen mit körperlichen Behinderungen. Pflegebedürftigkeit wird nicht mehr so sehr nach dem zeitlichen Aufwand bewertet, sondern vielmehr nach der Selbstständigkeit oder Nichtselbstständigkeit der Betroffenen. Die bisherigen drei Pflegestufen wurden übergeleitet in fünf Pflegegrade, die eine exaktere Einschätzung der Bedürftigkeit ermöglichen sollen.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Sabine Zimmermann, kritisierte die sehr unterschiedlich hohen Kosten. „Gute Pflege muss unabhängig vom Geldbeutel und Wohnort für Jede und Jeden möglich sein“, sagte sie der „Nordwest-Zeitung“. Die Kosten dürften die Betroffenen „nicht in die ambulante Billigpflege treiben“. Die Pflege müsse endlich als Vollversicherung ausgestaltet werden, in der die Pflegeversicherung alle pflegebedingten Kosten übernehme.

Quelle: Focus online, 10.08.2017

Krankenversicherung: Macht die Bürgerversicherung die Versorgung der Patienten gerechter?

Zwei Drittel der privat Krankenversicherten mussten zum Jahreswechsel zum Teil massive Beitragserhöhungen schlucken. Das befeuerte die Debatte über eine Bürgerversicherung und über mehr Gerechtigkeit in der medizinischen Versorgung.

Ist es gerecht, dass der privat Krankenversicherte schneller einen Arzttermin bekommt als der gesetzlich Versicherte? Dass dieser sich vom Chefarzt behandeln lassen kann, der gesetzlich Versicherte nicht? Ist es gerecht, dass der privat Versicherte ein Einzelbett im Krankenhaus bekommen kann, der gesetzlich Versicherte nicht?

Nein, sagen SPD, Grüne und Linke und setzen auf eine gesetzliche Bürgerversicherung für alle – quasi einer Zwangsvereinigung der privaten mit der gesetzlichen Krankenversicherung zu einer großen Solidargemeinschaft. Doch obwohl rund 90 Prozent der Bevölkerung gesetzlich versichert sind, plädierten nach einer INSA-Umfrage nur 60 Prozent für die Bürgerversicherung. Gesundheitsminister Hermann Gröhe  (CDU) spricht von Neiddebatten.

Einen wesentlichen Hebel sieht die SPD bei den Beamten in der Privaten Krankenversicherung (PKV). Grundsätzlich kann ein Arbeitnehmer erst dann in die PKV wechseln, wenn er ein Jahresbruttoeinkommen von mindestens 57.600 Euro hat. Vorher ist er bei einer gesetzlichen Kasse pflichtversichert.

Beamte fallen nicht unter diese Versicherungspflicht. Sie erhalten vom Arbeitgeber zwischen 50 und 80 Prozent Beihilfe für die Krankheitskosten. Ein Fürsorgeprinzip des Staates, das bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Die Beitragstarife sind entsprechend niedrig und damit ein starker Anreiz, sich privat zu versichern. Zudem müsste der Beamte in der GKV den vollen Beitrag von derzeit durchschnittlich 15,7 Prozent vom Brutto bezahlen, weil der Staat hier den Arbeitgeberanteil nicht übernimmt. Ende 2016 waren denn auch von den 8,77 Millionen privat krankenversicherten Bürgern 4,31 Millionen beihilfeberechtigt – also Beamte, Pensionäre oder deren Angehörige.

Für Aufregung sorgte Anfang des Jahres eine Bertelsmann-Studie

Danach könnte der Staat in den nächsten 15 Jahren rund 60 Milliarden Euro einsparen, wenn er die Beamtenbeihilfe in der jetzigen Form abschaffen würde. Durch Einführung einer allgemeinen Versicherungspflicht müssten zwei Drittel dieser Beamten in eine gesetzliche Kasse wechseln, weil sie unter der Einkommensgrenze liegen.

Weitere 20 Prozent würden von einem Wechsel profitieren. Denn bei einer solchen Überleitung würde der Staat dann den Arbeitgeberanteil am gesetzlichen Versicherungsbeitrag übernehmen. Eine schöne Vorstellung v.a. für die Länder. Denn dies würde es ihnen erleichtern, die Schuldenbremse einzuhalten.

Der PKV-Verband warnt indessen, dass bei einer einheitlichen Bürgerversicherung ohne die PKV Arztpraxen im Schnitt 50.000 Euro Honorar im Jahr verloren gingen. Und nach einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hätte ein Ausstieg aus der PKV den Verlust von 30.000 bis 50.000 Arbeitsplätze zur Folge.

Wenn man aber – ganz im Sinne der Ärzte – bei der Umsetzung einer Bürgerversicherung die Gesamtausgaben und -einnahmen von GKV und PKV beibehalten würde, würde das nach einer jetzt veröffentlichten Studie des Instituts für Mikrodaten-Analyse (IfMDA, Kiel) zu einer Beitragserhöhung für heute gesetzlich Versicherte von 1,5 Prozentpunkten auf dann 17,2 Prozent führen.

Die heute gesetzlich Versicherten würden also – im Gegensatz zu Annahmen von PKV-Gegnern – zusätzlich belastet, während die heutigen PKV-Versicherten, die dann in der gesetzlichen Bürgerversicherung wären, massiv entlastet würden. Nach der Studie könnten die Privatversicherer im Übrigen auch Altersrückstellungen von rund 210 Milliarden Euro (Ende 2017) einstreichen. Die Umsetzung einer Bürgerversicherung in der Form wäre damit eine umfassende Subventionierung der Privaten Krankenversicherung.

Auch bei einer einheitlichen Bürgerversicherung wäre das Problem der Zwei-Klassen-Medizin nicht behoben. Es könnte vielmehr eine Mehr-Klassen-Medizin entstehen. Die vermeintlich Erste-Klassen-Patienten würden entweder eine teure Zusatzversicherung abschließen oder die Vorteile direkt mit dem behandelnden Arzt oder dem Krankenhaus klären: Chefarztbehandlung, Einzelbettzimmer, schneller Termin und so weiter. Das räumen auch Gegner der PKV ein.

Das Gerechtigkeitsargument hinkt also. Statt ideologischer müssten ökonomische Argumente her und ein gesellschaftlicher Druck entstehen, der eine Bürgerversicherung erzwingt. Daran hapert es derzeit noch. «Im Moment sollte man die Finger von der Bürgerversicherung lassen», sagt auch IfMDA-Institutsleiter Thomas Drabinski. Auf lange Sicht werde aber allein wegen des demografischen Wandels Druck aufgebaut, einen einheitlichen Krankenversicherungsmarkt einzurichten. Den Gegnern bleibt demnach nichts anderes als abzuwarten, bis das Geschäftsmodell der PKV tatsächlich am Ende ist.

Quelle: Heath&Care Management online, 09.08.2017

Private Krankenversicherung will neue Regeln für Beitragsanpassung

Die privaten Krankenversicherer fordern neue gesetzliche Regeln für Beitragserhöhungen, um die gefürchteten sprunghaften Anstiege künftig zu vermeiden. Starke Beitragsschübe nach mehreren Jahren ohne Erhöhungen vermittelten immer wieder den Eindruck, die Private Krankenversicherung (PKV) sei besonders teuer, sagte der Vorstand des privaten Versicherers Debeka, Roland Weber, der Deutschen Presse-Agentur.

IGES-Untersuchung

Weber verwies auf eine Untersuchung des IGES-Instituts im Auftrag der Debeka, wonach die Beitragsanhebungen für die knapp neun Millionen privat Versicherten über einen längeren Zeitraum betrachtet im Schnitt sogar niedriger ausgefallen sind als für die gut 70 Millionen gesetzlich Versicherten (GKV).

Private Krankenversicherer können ihre Beiträge nur nach sogenannten auslösenden Faktoren anheben. Das ist in der Regel dann gegeben, wenn die Leistungen in einem Tarif nachweislich um mindestens zehn Prozent höher liegen als ursprünglich kalkuliert (in einigen Tarifen fünf Prozent). Da die Ausgaben nicht in jedem Jahr um diesen Anteil steigen, kommt es über mehrere Jahre zu keiner Anhebung der Beiträge oder gar zu einer Absenkung. Irgendwann kann es dann zu einer sprunghaften Steigerung kommen, da die Veränderungen der Vorjahre dann mit einkalkuliert werden müssen.

Nach der IGES-Untersuchung, die der dpa vorliegt, schneidet die PKV im Beitragsvergleich mit der GKV ganz gut ab. Je nach betrachtetem Zeitraum können die Steigerungen sogar niedriger sein. So ergebe sich über die vergangenen zehn Jahren (2006 bis 2015) gerechnet im Gesamtdurchschnitt in der PKV eine Steigerung von 2,2 Prozent pro Jahr, in der GKV liege diese in dieser Zeit bei 3,7 Prozent pro Jahr.

IGES konnte bei seiner Untersuchung auf umfangreiches Datenmaterial der Debeka-Versicherten zurückgreifen, die seit mindestens 20 Jahren dort versichert waren. Davon waren zuletzt knapp 660.000 Beamte, die Beihilfe vom Staat bekamen und daher niedrigere Beiträge zahlen, und knapp 56.000 Nichtbeihilfeversicherte. Für diese Versicherten lag die jahresdurchschnittliche Steigerung in den 20 Jahren von 1995 bis 2015 im Mittel bei 2,9 Prozent. Der Vergleichswert für 1997 bis 2017 liegt trotz massiver Erhöhungen Anfang des Jahres bei 2,6 Prozent.

Nach der Studie lagen die monatlichen Beiträge (von Nicht-Beamten) 2015 in der PKV im Schnitt bei 473 Euro für Frauen und 413 Euro bei Männern. In der GKV lag die Beitragshöhe bei einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen bei 421 Euro. Der Höchstsatz für die GKV lag bei 639 Euro.

Fazit

Die Untersuchung kommt zudem zu dem Ergebnis, dass – anders als bisher dargestellt – Ältere unter den langfristig Versicherten kaum höhere Prämien zahlen als Jüngere. Abhängig Beschäftigte, Selbstständige und Status-Wechsler seien dagegen in einem höheren Umfang von überdurchschnittlichen oder sprunghaften Beitragserhöhungen betroffen. «Damit entpuppen sich die immer wiederkehrende Behauptung von PKV-Gegnern, die private Krankenversicherung sei im Alter unbezahlbar, als Fake», sagte Weber.

Hintergrund ist, dass die Beiträge in der PKV für die gesamte Lebenserwartung des Versicherten kalkuliert werden. Denn jeder PKV-Vertrag garantiert unbefristet einen unkürzbaren medizinischen Leistungsumfang. In der GKV habe es dagegen schon mehrfach Leistungskürzungen durch «Kostendämpfungsgesetze» gegeben. Für diese lebenslange Garantie legt die PKV große Teile der Beiträge der Versicherten als Alterungsrückstellungen zinsbringend auf dem Kapitalmarkt an.

Quelle: Health&Care Management online, 09.08.2017

Alternative für Barzahlung: Banken ermöglichen Echtzeitüberweisung

Viele Bankkunden können vom kommenden Jahr an Geldbeträge innerhalb von wenigen Sekunden auf ein anderes Konto überweisen. Für die neue Echtzeitüberweisung (Instant Payment) werde ab November europaweit ein einheitlicher Rechtsrahmen gelten, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Michael Kemmer. „Im ersten Quartal 2018 wird es die ersten Anbieter geben.“

Die Schnellüberweisung „könnte die Zahlungswelt revolutionieren, aber es wird sicher noch eine Zeit lang dauern, bis sie sich durchgesetzt hat“, merkte der Verbandsvertreter an. Denn für die Kreditinstitute gebe es keine Verpflichtung, am System für Instant Payment teilzunehmen. Kemmer erwartet gleichwohl, dass die Echtzeitüberweisung langfristig europaweit flächendeckend angeboten wird.

Beim Instant Payment soll der Überweisungsbetrag dem Empfänger innerhalb von zehn Sekunden auf dem Konto des Empfängers gutgeschrieben sein. Der Auftrag erfolgt per Online-Banking oder mit einer Smartphone-App. Bislang werden Überweisungen in der Regel am folgenden Bankarbeitstag gutgeschrieben.

„Die Überweisung in Sekunden könnte ein Ersatz für Bargeldzahlungen werden“, sagte Kemmer. „Das wird vieles erleichtern“, etwa Probleme beim Warenverkauf vermeiden, die dadurch entstehen, dass das Geld dem Verkäufer erst mit einem Tag Verzögerung gutgeschrieben wird. Ein gutes Beispiel hierfür sei der Autoverkauf privat zu privat.

Deutschen bevorzugen Girocard

Die Bankenbranche reagiert mit dem System auch auf eine Reihe von Angeboten von Online-Bezahldiensten wie Paypal. „Zurzeit wechseln Payment-Dienstleister für hohe Summen den Besitzer, weil hier ein ertragreiches Geschäftsfeld erwartet wird“, erklärte Kemmer. „In Deutschland finden sie jedoch einen extrem harten Wettbewerb vor. Das macht es für die Banken schwierig, solche hohen Investitionen wieder hereinzuwirtschaften.“

Bezahlen mit der Girocard sei neben der Lastschrift das beliebteste bargeldlose Verfahren im Handel. Noch nicht im großen Stil durchgesetzt habe sich in Deutschland das kontaktlose Bezahlen mit Karte oder mit einem Smartphone plus App. „Hier gibt es verschiedene Anbieter, die sich auf dem Markt versuchen. Entscheidend ist, was sich in der Fläche durchsetzen wird“, sagte Kemmer.

Beim kontaktlosen Bezahlen muss die Plastikkarte im Abstand von weniger als vier Zentimetern an das Terminal des Händlers gehalten werden. Ohne Eingabe einer Geheimnummer ist der Betrag, der dann vom Girokonto abgebucht wird, in der Regel pro Vorgang auf 25 Euro begrenzt. Aus Sicherheitsgründen kann nur wenige Male hintereinander ohne Geheimzahl bezahlt werden. Es gibt auch ein Tageslimit, das von Bank zu Bank unterschiedlich hoch ist.

Quelle: ntv.de, 09.08.2017

Hamburg eröffnet Beamten Weg in Krankenkassen

Das Land Hamburg will Beamten künftig erstmals einen Zuschuss zahlen, wenn sie in die gesetzliche Krankenversicherung eintreten. Das hat der Senat beschlossen. Die neue Regelung soll im August 2018 in Kraft treten. Bisher können sich Beamte zwar gesetzlich versichern, müssen aber den vollen Beitrag zahlen, den des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers. Das ist finanziell gegenüber der privaten Versicherung unattraktiv. Dort zahlt der Staat den Löwenanteil der Kosten als Beihilfe, nur die verbleibende Lücke muss die Privatversicherung schließen. Zudem gilt sie als besser, weil Ärzte schneller Termine vergeben und die Versorgung umfassender ist.

Dennoch dürften bundesweit Zehntausende Beamte Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung sein – aus unterschiedlichsten Gründen. Allein in Hamburg sind es laut Senat 2.400 Beamte. Für sie wird, die Zustimmung der Bürgerschaft vorausgesetzt, der Staat künftig den anteiligen Beitragssatz übernehmen. Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sagte dieser Zeitung, damit gebe es für die Beamten erstmals eine echte Wahlmöglichkeit zwischen privater und gesetzlicher Versicherung. Es sei eine Frage der Gerechtigkeit, dass der Staat die Kosten gesetzlich versicherter Beamter übernehme. Auch könnten Beamte mit Familie dann womöglich Geld sparen. Anders als in der Krankenkasse, wo Familienmitglieder kostenfrei mitversichert sind, wird in der Privatversicherung (PKV) für jeden eine Prämie fällig.

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Hamburg setzt damit einen Vorschlag um, der als bundesweite Regelung im Bundesrat erst Anfang Juni gescheitert war. Jedes Land müsse nun für sich entscheiden, sagte Prüfer-Storcks. Hamburg zeige aber: „Es gibt eine Handlungsoption.“ Nach dem Hamburger Modell muss kein Beamter wechseln. Wer will, kann alles lassen, wie es ist. Allerdings kann sich ein Beamter künftig statt der Beihilfe die Hälfte des gesetzlichen Beitrags als Zuschuss zur gesetzlichen Kasse pauschal auszahlen lassen. So steht es in dem nur eine Seite umfassenden „Gesetz über die Einführung einer pauschalen Beihilfe zur Flexibilisierung der Krankheitsvorsorge“.

Kassen loben die Entscheidung

Der Senat rechnet nicht mit einer Welle von Übertritten. Darauf lassen die kalkulierten 5,8 Millionen Euro Mehrausgaben schließen. Das reicht, um den 2.400 gesetzlich versicherten Beamten in Hamburg die Hälfte ihres Kassenbeitrags zu erstatten. Das Land bezahlt derzeit rund 40.000 aktive Beamte und 30.000 Pensionäre. Vor allem für die bis zu 2.000 Neueinsteiger könnte die Wahloption interessant werden, sagte die Senatorin.

Kassen lobten die Entscheidung. „Ich würde mir wünschen, dass der Vorstoß zu einer bundesweiten Debatte darüber führt, ob wir mittel- und langfristig tatsächlich an gesetzlicher und privater Krankenversicherung festhalten wollen oder ob nicht ein einheitlicher Versicherungsmarkt mit gleichen Spielregeln für alle das robustere und auch gerechtere Modell wäre“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Technikerkasse Jens Baas.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung kritisierte indes den Vorstoß als „erklärte Strategie derjenigen, die am Ende eine Einheitskasse wollen“. Das führe zum Ende der freien Arztwahl, steigenden Kosten und einer schlechteren Versorgung. Wenig begeistert zeigte sich der Beamtenbund. Viele Details seien offen, etwa, was bei einem Wechsel des nun gesetzlich versicherten Beamten in ein anderes Bundesland passiere, sagte Hamburgs Landeschef Rudolf Klüver. Am Ende sei der Vorstoß „Wahlkampfunterstützung für (SPD-Spitzenkandidat) Martin Schulz auf dem Weg zur Bürgerversicherung“.

Quelle: Frankfurter Allgemeine online, 08.08.2017