Prävention von Gesundheitsproblemen kommt in der häuslichen Pflege oft zu kurz

Menschen ab 50 Jahren sind für die Themen Gesundheitsförderung und Prävention – gerade auch im Kontext Pflege – eine besonders wichtige Zielgruppe. Sie sind häufiger selbst von gesundheitlichen Belastungen und chronischen Erkrankungen betroffen als jüngere Menschen. Zugleich sind pflegende Angehörige am stärksten in der Altersgruppe zwischen 50 und 69 Jahren vertreten. Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) wollte daher wissen, welche Erfahrungen Menschen ab 50 Jahren in Deutschland mit Prävention, insbesondere im Kontext Pflege haben.

Die Studie mit über 1.000 Befragten zeigt: 72 Prozent der über 50-Jährigen haben großes Interesse an Informationen zur Prävention von Gesundheitsproblemen.

Bei den Personen, die selbst einen pflegebedürftigen Menschen zuhause versorgen oder dies getan haben, zeigt sich indes, wie schwierig es sein kann, die Gesundheit des Pflegebedürftigen zu schützen und zu fördern. Weniger als die Hälfte (46 Prozent) von den Befragten mit einer solchen Pflegeerfahrung war nach eigener Aussage von einem Pflegeberater oder Pflegedienst darüber informiert worden, wie man gesundheitlichen Problemen des Pflegebedürftigen vorbeugen kann. Von diesen 46 Prozent setzte knapp ein Drittel (32 Prozent) die empfohlenen Maßnahmen nur teilweise oder gar nicht um. Gründe hierfür waren Zeitmangel (22 Prozent) oder Unsicherheit, wie die Maßnahmen richtig durchgeführt werden sollten (18 Prozent).

Aus Sicht des ZQP zeichnet sich hier ein relevantes Problem ab: „Es ist sehr bedeutsam, pflegebedürftige Menschen so zu pflegen, dass ihre Fähigkeiten gestärkt werden. Das fördert die noch vorhandene Selbstständigkeit und kann den Verlauf von Pflegebedürftigkeit positiv beeinflussen“, erklärt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. „Gesundheitsförderung und Prävention sind zugleich auch für pflegende Angehörige selbst wichtig. Pflege sollte nicht krank machen – aber viele Angehörige sind erschöpft und überlastet. Da müssen heute schon vorhandenen Leistungen der Pflegeversicherung besser genutzt werden, wie zum Beispiel die kostenlosen Beratungs- und Schulungsangebote“, so Suhr weiter.

Tatsächlich geben die Zahlen Hinweise darauf, dass es um Gesundheitsschutz und -förderung von pflegenden Angehörigen oft nicht gut bestellt sein dürfte. So gaben 73 Prozent der Befragten mit Pflegeerfahrung an, keine Beratung zur Prävention in Fragen der eigenen Gesundheit von einem Pflegedienst oder Pflegeberater erhalten zu haben. Von den 23 Prozent, die sagten eine solche Beratung erhalten zu haben, wurden wichtige Präventionsthemen aus den Gesprächen häufig nicht erinnert. So sah sich von diesem knappen Viertel nur die Hälfte (50 Prozent) auf Unterstützungsangebote wie Pflegekurse und Pflegeschulungen hingewiesen. Zudem empfanden wiederum 53 Prozent in dieser Gruppe es als teilweise schwierig oder gar nicht möglich, genannte Präventionshinweise zur ihrer eigenen Gesundheit im Alltag umzusetzen. Als wichtigster Grund hierfür wurde fehlende Zeit genannt (34 Prozent).

Daniela Sulmann, Pflegeexpertin des ZQP, kennt diese Probleme: „Um Zeit zu sparen oder weil Techniken nicht gelernt sind, wird der Körper oft stärker beansprucht als nötig wäre. Aktivierend zu pflegen, kann zum Beispiel zur Schonung des Rückens des Pflegenden und gleichzeitig zur Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen beitragen.“ Denn bei der aktivierenden Pflege nimmt man dem Pflegebedürftigen nach Möglichkeit nicht einfach alles ab,sondern nutzt seine Fähigkeiten soweit wie möglich. In Kinästhetik-Kursen kann man lernen, den eigenen Körper zum Beispiel beim Transfer des Pflegebedürftigen vom Bett in den Sessel kraftschonend einzusetzen und gleichzeitig die Fähigkeiten des Pflegebedürftigen zu nutzen. Um einer Überlastung vorzubeugen, sollten pflegende Angehörige vor allem einen Satz möglichst selten sagen: „Ich schaff‘ das schon alleine.“ Stattdessen sucht man sich besser Hilfe von anderen Familienangehörigen, Nachbarn, Ehrenamtlichen oder einem Pflegedienst.

Informationen zum Thema Prävention in der Pflege bietet das ZQP auf seiner Internetseite www.zqp.de und mit seinen Ratgebern für pflegende Angehörige. Diese kann man unter bestellung@zqp.de kostenlos bestellen.

Methoden und Vorgehensweise der Untersuchung

Diese Analyse beleuchtet das Thema Prävention von Gesundheitsproblemen aus Bevölkerungssicht. Hierfür wurden 1.042 zufällig ausgewählte Personen über 50 Jahre anonym zu ihrer Einstellung aus den Themenbereichen „Prävention von Gesundheitsproblemen“ und „Prävention in der Pflege“ befragt. Die Stichprobe ist repräsentativ für die deutschsprachige Bevölkerung ab 50 Jahren in Deutschland. Die Befragung wurde vom 02. bis 13. November 2017 durchgeführt. Als Erhebungsmethode kam das computergestützte Telefoninterview (CATI) anhand eines strukturierten Fragebogens zum Einsatz. Anschließend wurde die Stichprobe nach Geschlecht, Alter und Region gewichtet. Die statistische Fehlertoleranz der Untersuchung in der Gesamtstichprobe liegt bei +/- drei Prozentpunkten.

Quelle: adhoc.de, 10.01.2018

Dumpingvorwurf: Kassen weisen Kritik zurück

Die Barmer Ersatzkasse hat den Vorwurf zurückgewiesen, bei Heil- und Hilfsmitteln auf Kosten der Qualität zu sparen. Bei der Ausschreibung für Beatmungs- und Atemtherapiegeräte seien alle wichtigen Qualitätsanforderungen verpflichtend festgeschrieben, teilte Barmer-Chef Christoph Straub heute auf Anfrage in Wuppertal mit.

Die 1. Vergabekammer des Bundes habe unlängst bestätigt, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis bei der Ausschreibung der Barmer für Atemtherapiegeräte korrekt sei. «Weil wir in unseren Ausschreibungen den Qualitätsaspekt bereits in der Leistungsbeschreibung fixieren, werden unqualifizierte Produktangebote von vornherein ausgesiebt», so Straub. So werde verhindert, dass Patienten minderwertige Geräte erhalten.

Auch die DAK-Gesundheit weist Vorwürfe zurück, wonach die Krankenkasse bei Ausschreibungen eher auf den Preis, als auf die Qualität geachtet habe. Die Qualitätsanforderungen der Kasse lägen deutlich über dem gesetzlichen Standard, teilte die DAK-Gesundheit heute in Hamburg mit. «Wir verlangen in der Ausschreibung explizit, dass die Anbieter unseren Versicherten die gleiche Versorgung wie bisher garantieren müssen», sagte der Sprecher des Unternehmens, Jörg Bodanowitz.

Nach Informationen der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Montag) ermittelt die Aufsicht gegen mehrere große Ersatzkassen, die im Verdacht stehen, bei der Versorgung ihrer Versicherten mit Heil- und Hilfsmitteln zu sehr auf den Preis und zu wenig auf die Qualität zu schauen. «Gegenstand der aufsichtsrechtlichen Prüfung sind Verträge zur Versorgung mit Beatmungs-, Atemtherapiegeräten und zur Stomaversorgung», sagte der Präsident des Bundesversicherungsamtes, Frank Plate, dem Blatt.

Krankenkassen schreiben Hilfsmittel in großem Stil aus. Um die Aufträge können sich der Sanitätsfachhandel oder Hersteller bewerben. Die Kassen versprechen sich davon erhebliche Einsparungen. Plate hält die Ausschreibungen der Barmer für Beatmungsgeräte laut «FAZ» für «nicht zweckmäßig».

Quelle: pharmazeutische-zeitung.de, 08.01.2018

Das geerbte Haus: Drücken Schäden die Erbschaftssteuer?

Wer eine Immobilie erbt, wird nicht selten zur Kasse gebeten. Schuld daran sind die Erbschaftsteuer und die derzeitigen Immobilienpreise. Glücklicherweise gibt es jedoch Freibeträge. So können Ehepartner bis zu 500.000 Euro steuerfrei erben, bei Kindern sind es 400.000 Euro –  von jedem Elternteil. Großeltern können ihren Enkelkindern 200.000 Euro vermachen, ohne dass der Fiskus zuschlägt.

 Bei Geschwistern, Nichten, Neffen und Lebensgefährten sinkt der steuerliche Freibetrag jedoch drastisch auf nur noch 20.000 Euro. Grundsätzlich gilt: Der Steuerfreibetrag ist umso höher, je enger die verwandtschaftliche Beziehung ist. Nur Geschwister machen hier eine Ausnahme. Ist der jeweilige Freibetrag ausgeschöpft, greifen die individuellen Steuersätze – allerdings nur für die Differenz zwischen Freibetrag und dem Wert der Erbschaft.

Wer also zu einer weniger begünstigten Freibetragsgruppe gehört, den kann im Falle einer vermachten Immobilie eine erhebliche Steuerlast treffen. Aber vielleicht weist das Haus oder die Wohnung ja ein paar gravierende Schäden auf. Könnten diese dann nicht die Steuerlast drücken? Schließlich werden Nachlassverbindlichkeiten in Form von Schulden des Erblassers ja auch vom Gesamtwert des Nachlasses abgezogen.

Die Antwort lautet leider nein, wie der Bundesfinanzhof (BFH) in einem Urteil entschieden hat (Az.: II R 33/15). Demnach sind Schäden und Mängel am Haus nicht als Nachlassverbindlichkeiten abziehbar. In dem verhandelten Fall versuchte ein Erbe mit den Kosten für Reparatur und Schadenbeseitigung aufgrund einer noch zu Lebzeiten des Erblassers falsch betankten Ölheizung seine Erbschaftsteuer zu drücken.

Doch dies ist laut BFH nur dann möglich, wenn eine gesetzliche oder privatrechtliche Verpflichtung zur Mängelbeseitigung gegenüber dem Erblasser bestanden hat. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn dieser Eigentümer einer vermieteten Immobilie und zu einer Mängelbeseitigung gegenüber seinen Mietern verpflichtet war. Nehmen die Mieter dann den neuen Eigentümer für die Beseitigung des Mangels in Anspruch, kann dies als Nachlassverbindlichkeit gewertet werden.

Ansonsten bleibt Erben, die das Gefühl haben, dass der steuerlich relevante Wert ihrer Immobilie vom Finanzamt zu hoch angesetzt wurde, nur, ein Sachverständigengutachten über den Verkehrswert der Immobilie einzuholen. Mitunter kommt dieses dann zu dem Schluss, dass etwaige Schäden den Wert der Erbsache mindern, was dann unmittelbar eine geringere Erbschaftssteuer zu Folge hätte.

Quelle: ntv.de, 03.01.2018

Pflegeheime: Patientenschützer fordern Mindestpersonalschlüssel

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat die Politik aufgefordert, endlich einen bundesweit einheitlichen Mindestpersonalschlüssel für Pflegeheime festzusetzen. «Gute Pflege ist nur möglich, wenn auf den Stationen genügend Pflegefachkräfte pro Bewohner vorhanden sind», sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. «Liegt eine Einrichtung unter dieser Mindestvorgabe, muss es einen Aufnahmestopp oder sogar eine Schließung geben.»

An die Adresse einer künftigen Bundesregierung fügte Brysch hinzu, es sei viel zu spät, wenn ein Modell für einen bundesweit einheitlichen Mindestpersonalschlüssel – wie geplant – erst 2020 auf dem Tisch liege. Ständigen Personaleinsparungen werde durch eine solche Mindestvorgabe rechtzeitig ein Riegel vorgeschoben. Die Politik zwinge so die Pflegearbeitgeber zu einem Wettbewerb um die besten Kräfte. «Das fördert gute Löhne und gute Arbeitsbedingungen. Ohne harte Konsequenzen wird das nicht möglich sein.»

Bessere Bezahlung alleine reicht nicht aus

Allerdings mangelt es an Fachpersonal. Und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung warnt vor der  Annahme, allein eine bessere Bezahlung könnte den Mangel beheben. «Man muss auch über die Vergütung reden, aber es ist nicht damit getan, zusätzliche Milliardenbeträge ins System zu schütten», sagte der für die Pflegeversicherung zuständige Vorstand des GKV-Spitzenverbands, Gernot Kiefer, der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Dienstag).

«Dazu gehört auch ein neues Qualifizierungsprogramm der Bundesagentur für Arbeit, um Hilfs- und Fachkräfte für die Langzeitpflege zu gewinnen.» Von der Anwerbung ausländischer Fachkräfte hält er dagegen nichts. Damit das Problem lösen zu wollen, sei «ziemlich naiv».

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte in ihrer Neujahrsansprache Verbesserungen für die Pflegeberufe angemahnt. Auch die SPD will deren Lage verbessern.

Brysch sagte weiter, da die Leistungen aus der Pflegeversicherung nicht ausreichten, sei schon heute die Hälfte der Pflegeheimbewohner auf Sozialhilfe angewiesen. «Will eine künftige Regierung etwas für bessere Arbeitsbedingungen und für würdige Pflege tun, müssen die Zahlungen aus der Pflegeversicherung um mindestens 500 Euro pro Monat für jeden Versicherten steigen, der ambulante oder stationäre Pflege benötigt», argumentierte Brysch weiter.

Gegen finanzielle Pflegerisiken sichern sich immer mehr Deutsche ab. Aktuell gibt es rund 3,52 Millionen private Zusatzversicherungen – 61 Prozent mehr als vor fünf Jahren, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (Dienstag) unter Berufung auf Daten des Verbands der Privaten Krankenversicherung berichtet. Bei den staatlich geförderten Zusatzverträgen – nach dem damaligen Bundesgesundheitsminister «Pflege-Bahr» genannt und mit 60 Euro im Jahr unterstützt – wird dem Bericht zufolge für das abgelaufene Jahr ein Zuwachs von mehr als fünf Prozent erwartet.

Pflege durch Familienangehörige

Verbesserungsbedarf sieht GKV-Vorstand Kiefer ferner auch bei Regelungen, die die Pflege durch Familienangehörige fördern sollen: etwa die bezahlte zehntägige Pflegeauszeit vom Job oder die unbezahlte Freistellung für bis zu anderthalb Jahre und zum finanziellen Ausgleich die Gewährung eines zurückzuzahlenden Darlehens. Die Regeln seien zu kompliziert und zerstückelt, nötig sei «eine neue, kompakte Gesetzgebung».

Quelle: Health & Care Management online, 02.01.2018

Auch Selbstständige zahlen ein. Besseres System? Warum es in Österreich 50 Prozent mehr Rente gibt als bei uns

In Deutschland erhält ein Durchschnittsrentner nach der Statistik der Deutschen Rentenversicherung rund 942 Euro im Monat. Nach den Abzügen für die Kranken- und Pflegeversicherung werden ihm davon 857 Euro im Monat ausgezahlt. In Österreich bleiben von der Rente nach diesen Abzügen 1380 Euro übrig. Individuelle Steuersätze bleiben bei dieser Betrachtung außen vor.

Österreichische Rentner erhalten also 54 Prozent mehr Geld als Rentner in Deutschland . FOCUS Online erklärt, wie der Unterschied zu Stande kommt.

So funktioniert das deutsche Rentensystem

1. gesetzliche Rente

Die Rente in Deutschland setzt sich aus zwei Faktoren zusammen: den Entgeltpunkten und dem Rentenwert. Diese werden miteinander multipliziert.

Für jedes Jahr, das Sie arbeiten, erhalten Sie von der Deutschen Rentenversicherung Entgeltpunkte. Je mehr sie verdienen, desto mehr Punkte gibt es. Einen vollen Punkt bekommen Rentner aktuell, wenn Sie 3092 Euro im Monat verdienen. So hoch liegt aktuell das Durchschnittsgehalt in Deutschland. Für jeden Punkt schreibt die Deutsche Rentenversicherung seit dem 1. Juli 2017 einen Rentenwert von 31,03 Euro gut.

Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung beträgt in Deutschland aktuell 18,7 Prozent. Diesen Beitrag teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu gleichen Teilen. Beide zahlen also 9,35 Prozent des Bruttogehalts ein.

2. staatlich geförderte Zusatzrenten

Arbeitnehmer werden vom Staat aufgefordert, ihre Rente zusätzlich aufstocken, in dem sie zum Beispiel in die staatlich geförderte Riester-Rente einzahlen, privat vorsorgen oder eine betriebliche Altersvorsorge nutzen. Als Anreiz winken Zulagen und Freibeträge bei der Steuer. Um die volle Riesterförderung zu erhalten, müssen Arbeitnehmer vier Prozent ihres Jahresgehalts in einem Riester-Vertrag ansparen, maximal 2100 Euro.

Wie funktioniert das Rentensystem in Österreich?

In Österreich sichert die gesetzliche Rentenversicherung  den Lebensstandard im Ruhestand komplett ab. Eine zusätzliche staatliche Förderung der privaten Altersvorsorge gibt es nicht.

Die Sozialabgaben zur Rentenversicherung betragen in Österreich 22,8 Prozent des Bruttogehalts, liegen also aktuell um 4,1 Prozentpunkte höher als in Deutschland. Davon trägt der Arbeitnehmer weniger als die Hälfte: 10,25 Prozentpunkte. 12,55 Prozentpunkte übernimmt der Arbeitgeber.

In Österreich zahlen außerdem alle Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung ein, auch Selbstständige. Ausgenommen sind lediglich Beamte, deren Pensionen aus einem anderen Topf bestritten werden. Allerdings wurde die Höhe der Beamtenpensionen an das gesetzliche Rentenniveau angeglichen; eine weitere Abweichung zum deutschen System.

Rente liegt auf einem Pensionskonto

Alle Personen ab dem Jahrgang 1955 besitzen ein Pensionskonto beim Staat. Für jedes Jahr, in dem sie erwerbstätig waren, werden ihnen dort 1,78 Prozent ihres jährlichen Bruttoverdienstes gutgeschrieben. Der Höchstbetrag liegt bei 4980 Euro brutto im Monat.

Erreicht ein Arbeitnehmer das Renteneintrittsalter, wird die angesammelte Summe auf dem Pensionskonto durch 14 geteilt. Daraus ergibt sich die monatliche Bruttorente. In Österreich sind für Erwerbstätige 14 Monatsgehälter üblich, es gibt also volles Urlaubs- und Weihnachtsgeld. In diesen Genuss kommen auch die Rentner.

Beispielrechnung mit 50.000 Euro Bruttojahresgehalt

In Österreich:

50.000 Euro mal 1,78 Prozent macht 890 Euro, die einem Erwerbstätigen in Österreich im Jahr 2017 auf dem Pensionskonto gutgeschrieben werden. Arbeitet der Muster-Angestellte 40 Jahre zum gleichen Gehalt, ergibt das: 890 Euro mal 40 geteilt durch 14 = 2543 Euro monatliche Bruttorente.

In Deutschland:

50.000 Euro geteilt durch das aktuelle Durchschnittsgehalt von 37.103 Euro ergibt rund 1,35 Entgeltpunkte. Arbeitet der Muster-Angestellte 40 Jahre zum gleichen Gehalt, ergibt das: 1,35 Entgeltpunkte mal 40 Jahre sind insgesamt 53,9 Entgeltpunkte. Die werden mit dem aktuellen Rentenwert von 31,03 Euro multipliziert. So ergibt sich eine monatliche Bruttorente von 1673 Euro.

Bei gleichem Einkommen bekommt der Österreicher 52 Prozent mehr Rente als der Deutsche.

Fazit

„Aus deutscher Sicht ist die Ausgestaltung der österreichischen Rentenversicherung als Erwerbstätigenversicherung geradezu revolutionär“, heißt es in einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, die beide Rentensysteme miteinander verglichen hat.

Österreich zeige, dass der Einbezug der Selbstständigen und Beamten wirtschaftlich und rechtlich möglich und umsetzbar sei.

Auch für Deutschland sei zu diskutieren, wie Schritte in Richtung einer Erwerbstätigenversicherung unter Einbeziehung von Beamten und Selbstständigen aussehen könnten. Ein solcher Einbezug hätte nach Ansicht der Experten positive Auswirkungen auf Beitragssatzentwicklung und Rentenniveau.

Quelle: focus.de, 20.12.2017

Altersarmut : Bei den Tafeln stehen immer mehr Rentner für Essen an

Immer mehr Rentner werden von den Tafeln mit kostenlosen Lebensmitteln versorgt. Nach Angaben des Bundesverbandes der Tafeln hat sich ihre Zahl binnen zehn Jahren verdoppelt. „Fast jeder vierte Tafelkunde ist mittlerweile Rentner. Das sind in etwa 350.000 Menschen“, sagte der Verbandsvorsitzende Jochen Brühl der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

2007 seien noch gut 12 Prozent der Bedürftigen Senioren gewesen. Brühl appellierte an die Politik, Armut ernsthaft zu bekämpfen. Armut sei der Nährboden für das Gefühl, abgehängt zu sein, „und damit letztlich auch Wegbereiter des Extremismus“.

„Altersarmut auf dem Vormarsch“

Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, nannte dies „ein deutlich sichtbares Signal dafür, dass die Altersarmut auf dem Vormarsch ist“. Insbesondere Erwerbsminderungsrentner lebten wegen der hohen Abschläge, die sie auf ihre Renten hinnehmen müssen, oft an der Armutsgrenze. Außerdem seien besonders oft Frauen betroffen.

Am Jahresende 2016 bezogen dem Sozialverband zufolge 522.492 Personen über der Altersgrenze Leistungen der Grundsicherung im Alter. Ende 2006 hatte diese Zahl laut VdK noch bei rund 371.000 gelegen. Rechne man auch noch diejenigen hinzu, die als Erwerbsgeminderte auf Grundsicherung angewiesen sind, liege die Zahl der betroffenen Volljährigen bei über einer Million.

Nach Angaben des Dachverbandes gibt es hierzulande mehr als 900 Tafeln, die regelmäßig bis zu 1,5 Millionen Menschen mit Lebensmitteln versorgen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine online, 21.12.2017

3D-Videospiele könnten Demenz vorbeugen

 Schon länger ist bekannt, dass eine Abnahme der sogenannten Grauen Substanz (Substantia grisea) im Gehirn Alterskrankheiten wie Demenz begünstigt und anteilig verursacht. Kanadische Forscher haben nun herausgefunden, dass ausgerechnet bestimmte 3D-Videospiele dabei helfen könnten, dass Senioren geistig fit bleiben. Die Wissenschaftler hatten ältere Menschen „Super Mario 64“ spielen lassen und nachfolgend eine Zunahme der Grauen Substanz in bestimmten Gehirnbereichen festgestellt. Unabhängige Experten sehen durchaus Potenzial für solche Ansätze, warnen aber vor voreiligen Schlüssen.

An der im Fachmagazin „PLOS ONE“ vorgestellten Studie hatten 33 Menschen zwischen 55 und 75 Jahren teilgenommen. Sie wurden in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe spielte über sechs Monate hinweg „Super Mario 64“, bei dem eine Figur in einer 3D-Welt Sterne sammeln muss, um eine Prinzessin zu finden. Die Teilnehmer hatten zuvor noch nie 3D- Computerspiele gespielt und taten dies nun fünf Tage die Woche je eine halbe Stunde. Einige Spieler beendeten das Spiel innerhalb der sechs Monate und spielten danach „Super Mario Galaxy“.

Eine zweite Gruppe sollte am Computer über das halbe Jahr hinweg regelmäßig Klavier üben. Auch diese Teilnehmer hatten keine entsprechende Vorerfahrung, lernten also eine für sie neue Sache. Die dritte Gruppe bekam keine Aufgaben.

Mehr Graue Substanz gleich höhere Intelligenz

Die Forscher um Greg West von der Universität Montreal erfassten bei allen Teilnehmern zu Beginn die Masse an Grauer Substanz in drei Bereichen des Gehirns und führten einen Gedächtnistest durch. Die Graue Substanz setzt sich in erster Linie aus Nervenzellkörpern zusammen, Weiße Substanz hingegen vor allem aus Leitungsbahnen. Mehr Graue Substanz in bestimmten Hirnarealen wird mit höheren Intelligenzwerten in Verbindung gebracht.

Nur bei den Teilnehmern, die Super Mario spielten, legte die Graue Substanz im Hippocampus in dem halben Jahr zu, das Kurzzeitgedächtnis verbesserte sich. Der Hippocampus ist eine Gehirnregion, in der neue Eindrücke als Erinnerung gespeichert werden. Hier werden zudem räumliche Informationen so zusammengefügt, dass sich eine Art innere Karte ergibt. Die Forscher gehen davon aus, dass die Spieler solche inneren Karten erstellten.

Ein Abbau im Hippocampus gilt als beteiligt an Demenzerkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit. Bei der Vergleichsgruppe, die nichts Neues lernte, nahm die Menge der Grauen Substanz in allen getesteten Gehirnarealen ab. „Die gute Nachricht ist, dass wir solche Effekte wieder rückgängig machen können und das Volumen wieder erhöhen können, wenn wir etwas Neues lernen, und Spiele wie „Super Mario 64″, die den Hippocampus aktivieren, scheinen hier Potenzial zu haben“, erklärt Ko-Autorin Sylvie Belleville.

„Super Mario“ als Prävention gegen Demenz

Bei den Super Mario-Spielern verbesserten sich demnach zudem Strukturen in einer Hirnregion, die für Bewegungen und Gleichgewicht zuständig ist. Diesen Bereich hatten offenbar auch die Klavierspieler trainiert. Allein bei den Klavierspielern traten außerdem Verbesserungen in einem Bereich auf, der für Planungen und Entscheidungen wichtig ist.

Hans Förstl von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Technischen Universität München nimmt an, dass es durchaus sinnvoll sein könnte, Computerspiele einzusetzen, um präventiv gegen Krankheiten wie Demenz vorzugehen. Gerade Senioren, die weniger mobil sind und sich deshalb in den immer gleichen Räumen bewegen, trainierten einen Teil des Hippocampus kaum.

Soziale Nachteile, wie sie bei Jugendlichen angemahnt werden, sieht Förstl bei einer moderaten Spieldauer im Alter als weniger relevant an. Zunächst müsse aber herausgefunden werden, wie lange die in der Studie beobachteten Effekte vorhalten und ob sie tatsächlich eine Demenz verzögern oder sogar verhindern können.

Forscher fordern spezielle Spiele für Senioren

Die kanadischen Forscher erklären, dass es sinnvoll sein könnte, 3D-Computerspiele speziell für Senioren zu entwickeln. Da gerade in der Super-Mario-Gruppe einige Teilnehmer abbrachen, vermuten sie, das Spiel könnte für Ungeübte zu schwierig sein. Es könne aber auch sein, dass die Einstellung gegenüber Computerspielen in dieser Generation grundsätzlich zu negativ sei, so die Forscher.

Die Studie baut auf Erkenntnissen der sogenannten Taxi-Fahrer-Studie auf, bei der vor einigen Jahren festgestellt wurde, dass Londoner Taxifahrer ihren Hippocampus trainieren, indem sie innere Karten von London anlegen, um sich auf Fahrer-Prüfungen vorzubereiten. Neuere Studien hatten bereits gezeigt, dass sich das 3D-Computerspielen positiv auf bestimmte Gehirnstrukturen bei jungen Menschen auswirkt.

Quelle: stern.de, 12.12.2017

Rechnungen, Belege, Verträge! Wann Unterlagen in den Schredder können

Im Schrank türmen sich Aktenordner, vollgestopft mit Unterlagen. Höchste Zeit, einmal für Ordnung zu sorgen. Beim Aussortieren sind Verbraucher dann aber oft unsicher: Was müssen sie eigentlich wie lange aufbewahren? Und was können sie bedenkenlos entsorgen? Was in dem Fall bedeutet: schreddern. Denn auf den Unterlagen sind oft sensible personenbezogene Daten verzeichnet.

Kassenbons

Sie nicht nur Belege über den Zahlvorgang. Kassenbons sind auch ein Nachweis dafür, von wem konkret etwas gekauft worden ist – und wann. „Dies könnte wichtig werden, wenn innerhalb der zweijährigen Gewährleistungspflicht Reparaturansprüche geltend gemacht werden müssen“, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen. Sie rät, Zahlungsbelege mindestens drei, besser vier Jahre aufzubewahren.

Oft setzen auch Garantieleistungen von Herstellern oder Händlern voraus, dass man den Kauf der Ware belegen kann. Behauptet zum Beispiel ein Vertreter eines Inkassobüros, man habe etwas gekauft, aber noch nicht bezahlt, ist der Verbraucher in der Beweispflicht. Er muss dann belegen, dass die Forderung bereits beglichen ist. Das kann zum Problem werden, wenn der Kassenbon weg ist. „Die nachträgliche Beschaffung von Belegen ist, wenn überhaupt möglich, zeitaufwendig und oft auch mit Kosten verbunden“, sagt Oelmann. Lässt sich die Zahlung nicht nachweisen, muss man unter Umständen noch mal zahlen.

Kontoauszüge

Privatpersonen sind gesetzlich nicht grundsätzlich verpflichtet, ihre Kontoauszüge aufzubewahren. Darauf weist Tanja Beller vom Bundesverband deutscher Banken hin. Dennoch sollte man nach ihren Angaben Kontoauszüge einige Jahre behalten – mindestens für die dreijährige Verjährungsfrist, die für Alltagsgeschäfte gilt. So können Privatleute im Zweifelsfall beweisen, dass ein bestimmter Betrag abgebucht wurde und die Forderung somit erledigt ist.

Auch für Kontounterlagen gibt es keine einheitlichen Fristen. Trotzdem macht es bei einem auf unbestimmte Zeit abgeschlossenen Kontovertrag Sinn, diesen dauerhaft aufzubewahren So weiß man im Fall von späteren Forderungen, welche Rechte und Pflichten vereinbart wurden. Gleiches gilt für Darlehensverträge.

Für Besserverdienende gilt: „Hat jemand Einkünfte von mehr als 500.000 Euro im Jahr, muss er Kontoauszüge sechs Jahre aufbewahren“, sagt Beller. Unternehmer sind zur Buchhaltung verpflichtet und müssen die gesetzliche Aufbewahrungsfrist für Unterlagen von zehn Jahren beachten.

Rechnungen

Handwerker-Rechnungen sollten Verbraucher aufbewahren, solange sie Ansprüche gegen den Betrieb geltend machen können. Für Werkverträge mit Handwerkern gelten besondere Verjährungsfristen. Für Gewährleistungsansprüche sind das zwei Jahre. „Wenn Bauarbeiten in Auftrag gegeben wurden, kann die Gewährleistungspflicht sogar fünf Jahre betragen“, erklärt Oelmann.

Steuerunterlagen

Wurden dem Finanzamt Rechnungen und sonstige Belege vorgelegt und ist der Steuerbescheid in Ordnung, dann müssen diese Unterlagen für den Fiskus nicht mehr archiviert werden. „Gibt der Steuerzahler seine Steuererklärung elektronisch ab, dann muss er die Belege bis zur Bestandskraft des Steuerbescheids aufbewahren“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler in Berlin. Wer zum Beispiel die Kosten für die Berufsbekleidung bei der Steuer absetzen will, muss den Kassenbon also vorläufig aufheben.

Allzu tief brauchen Steuerzahler Ordner mit solchen Belegen aber nicht weglegen. Denn ein Steuerbescheid wird meistens einen Monat nach Bekanntgabe des Steuerbescheides bestandskräftig.

Eine neue Regel gilt für Spendenbescheinigungen: Für Spenden, die seit dem 1. Januar 2017 geleistet wurden, muss der Spendennachweis nicht mehr der Einkommensteuererklärung beigefügt werden. Allerdings: Auf Anforderung muss die Bescheinigung dem Finanzamt präsentiert werden. „Dafür muss der Steuerzahler die Bescheinigungen mindestens ein Jahr nach Bekanntgabe des Steuerbescheids aufbewahren“, erklärt Klocke.

Versicherungsunterlagen

Sie sollten so lange aufbewahrt werden, wie der Versicherungsvertrag gilt. „Am wichtigsten sind hier der Versicherungsschein und der Antrag“, erklärt Mathias Zunk vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Kunden müssen die Police ihrer Versicherung präsentieren können, wenn sie nachweisen müssen, dass sie bezugsberechtigt für Leistungen aus dem Versicherungsvertrag sind. Ist die Versicherung gekündigt oder abgelaufen, können die Unterlagen geschreddert werden.

Zunk rät aber davon ab, Belege vorschnell zu entsorgen. Sie könnten beispielsweise noch für die Steuererklärung benötigt werden – oder erbrechtlich von Belang sein. Das gilt zum Beispiel für Auszahlungen von Renten- und Lebensversicherungen.

Quelle: ntv.de, 20.12.2017

Gender Pension Gap Rente: Frauen haben nur halb so hohe Alterseinkünfte wie Männer

Frauen haben in Deutschland ein weit höheres Risiko als Männer, in Altersarmut zu enden. Das zeigt eine Expertenstudie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), das bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung angesiedelt ist. Männer verfügen danach über ein mehr als doppelt so hohes Alterseinkommen wie Frauen.

Gender Pension Gap: 53 Prozent

Die Forscher haben Daten für das Jahr 2015 ausgewertet, wofür sie Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) heranzogen sowie des Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), eine wiederkehrende Befragung mit mehr als 30.000 teilnehmenden Personen. Dabei haben sie nicht nur geschaut, wie die Geschlechter bei der gesetzlichen Rente abschneiden, sondern auch die betriebliche und private Altersvorsorge unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis: Bei allen drei Säulen der Altersvorsorge schneiden Frauen deutlich schlechter ab als Männer. Die „Gender Pension Gap“, mit der die Lücke zwischen den Alterseinkommen der Geschlechter wiedergegeben wird, liegt demnach bei 53 Prozent netto. Damit schneidet Deutschland auch im internationalen Vergleich mehr als bescheiden ab. Von 35 untersuchten OECD-Nationen, darunter die Türkei, Chile und Mexiko, weist nur Luxemburg eine noch höhere Gender-Pension-Gap auf (der Versicherungsbote berichtete).

Die Unterschiede resultieren auch daraus, dass speziell Frauen in den alten Bundesländern seltener berufstätig waren als Männer und die Alleinernährer-Haushalte noch in den 70er Jahren weit verbreitet waren: der Mann verdiente das Geld, die Frau kümmerte sich um Haushalt und Kinder. So ist die Gender Pension Gap in Ostdeutschland, wo mehr Frauen voll erwerbstätig waren, mit 28 Prozent deutlich niedriger als in den alten Bundesländern (58 Prozent).

Größte Lücke klafft bei der betrieblichen Altersvorsorge

Die größte Lücke zwischen den Geschlechtern klafft bei den Betriebsrenten: Hier liegen Frauen mit 240 Euro knapp 60 Prozent gegenüber den Männern zurück, die im Schnitt auf 593 Euro im Monat kommen. Zudem haben nur sieben Prozent der Frauen überhaupt einen Anspruch auf Betriebsrente von den männlichen Ruheständlern immerhin 26 Prozent. Weit besser sehe es im öffentlichen Dienst aus: hier profitieren 12 Prozent der weiblichen und 10 Prozent der männlichen Rentner von einer Zusatzrente. Aber auch hier erhalten Männer mit im Schnitt deutlich mehr als Frauen mit 234 Euro.

Die Gründe, weshalb Frauen gerade in der Betriebsrente benachteiligt sind, zeigt sich mit Blick auf die Erwerbsbeteiligung der Frauen: sie sind weit häufiger als Männer von atypischer Beschäftigung und Niedriglöhnen betroffen. Mehr als 6 von 10 Erwerbstätigen, die ausschließlich geringfügig beschäftigt arbeiten, sind weiblich, so zeigen WSI-Daten. Und mehr als 65 Prozent der Frauen arbeiten im Niedriglohn-Sektor, wo Erwerbstätige traditionell weniger Ansprüche auf Betriebsrenten erwerben.

Entsprechend hart fällt das Urteil der drei AutorInnen aus: „Die betriebliche Altersrente reduziert diese Ungleichheiten nicht, sondern verstärkt sie sogar, da langfristige und gut bezahlte Beschäftigte davon profitieren und kurzfristige, temporäre und schlecht bezahlte Tätigkeiten häufig gar keine Ansprüche in der betrieblichen Altersversorgung begründen“, heißt es in der Studie.

45 Prozent Gender Gap in der gesetzlichen Rentenversicherung

Groß ist die Lücke zwischen den Geschlechtern freilich auch in der gesetzlichen Rentenversicherung (DRV), der wichtigsten Säule für das Alterseinkommen. Die Höhe der gesetzlichen Rente betrug 2015 bei den Männern durchschnittlich 1.154 Euro, bei den Frauen hingegen 634 Euro pro Monat – eine Differenz von 45 Prozent. Hier gebe es jedoch Mechanismen des sozialen Ausgleichs zugunsten von Frauen: beispielsweise, dass Zeiten der Kindererziehung anerkannt werden.

Auch bei Riester und Co. klafft eine Gender Pension Gap

Auch die Zahlbeträge der privaten Renten unterscheiden sich nach Geschlecht: „Die durchschnittlichen monatlichen Leistungen aus privaten Alterssicherungssystemen belaufen sich bei Männern auf 485 Euro und bei Frauen auf 311 Euro“, heißt es in der Studie. Höhere Zahlungen würden aber vor allem Männern beziehen: 13 Prozent der Männer, aber nur zwei Prozent der Frauen erhalten private Leistungen von 1000 Euro monatlich oder mehr.

Hierbei sei aber zu bedenken, dass nur ein kleiner Teil der Frauen, nämlich zwei Prozent, eine laufende Rente aus einem Riester-Vertrag oder einer anderen privaten Rentenversicherung beziehe. Laut einer weiteren Auswertung von TNS Infratest haben zusätzliche fünf Prozent der Frauen ab 55 Jahren einmalige Lebensversicherungsleistungen erhalten. Positiv hoben die Autorinnen hervor, dass Frauen bei der Riester-Rente eine etwas höhere staatliche Zulagenförderung als Männer erhalten. Auch der Anteil der staatlichen Zulagen an den Gesamtbeiträgen zur Riesterrente sei bei Frauen höher als bei Männern.

Aber es gibt einen positiven Trend: Der Abstand zu den Alterseinkommen der Männer nehme von Jahr zu Jahr etwas ab, weil immer mehr Frauen erwerbstätig seien und Sorgearbeit mittlerweile zum Teil bei der Rente honoriert werde. Allerdings sinke die Differenz auch deshalb, weil die Alterseinkünfte der Männer tendenziell sinken, geben die Autorinnen und Autoren der Studie zu bedenken. „Bis zur wirklichen Gleichstellung ist es zudem noch ein weiter Weg: Aus den Anwartschaften der aktuell Erwerbstätigen zwischen 25 und 65 Jahren ergibt sich bei der gesetzlichen Rente immer noch eine Lücke von 24 Prozent“, heißt es im Pressetext zur Studie.

Quelle: versicherungsbote.de, 15.12.2017

Private Krankenversicherung – Die ungeliebte Mitteilung zum Jahresende

Die Mitteilungen finden in diesen Tagen über 8,7 Millionen Menschen in der Post. So viele sind in Deutschland bei Privaten Krankenkassen versichert. Diese teilen ihren Kunden jedes Jahr zwischen Ende November und Anfang Dezember mit, wie sehr sich die Beiträge im kommenden Jahr verändern werden. Für viele bleibt alles beim Alten, andere wiederum müssen Steigerungen von teils über hundert Euro im Monat hinnehmen.

Die Aufregung gerade bei ihnen ist Jahr für Jahr hoch. Zumal kein Kunde dauerhaft davon verschont bleibt, selbst wenn für nächstes Jahr die Beiträge auf der Stelle treten. Schließlich ist manch einer noch dabei, den kräftigen Anstieg aus dem vergangenen Jahr zu verkraften. Und wer auch da verschont wurde, der kann sich bereits darauf einstellen, dass er wohl in einem Jahr dran sein könnte.

Dass es irgendwann jeden mit einer größeren Erhöhung trifft, liegt an den Vorgaben, die die Politik den Privaten Krankenkassen einst gemacht hat. Demnach darf eine Beitragsanpassung nur erfolgen, wenn die Versicherungsleistungen in einem Tarif nachweislich um mindestens zehn Prozent über der ursprünglichen Kalkulation liegen. Ein unabhängiger Treuhänder entscheidet darüber. So kann es kommen, dass ein Kunde ein oder mehrere Jahre keine Beitragserhöhungen erhält, weil die Preissteigerungen unter dieser Schwelle liegen und nicht weitergegeben werden. Dann aber wird es für Versicherte schmerzhaft.

Und auch für deren Krankenkassen. Die bekommen den Unmut schließlich zu dieser Jahreszeit regelmäßig zu spüren. Deswegen fordern Kassen wie Verbraucherschützer, dass die Anpassungen in Zukunft jedes Jahr unabhängig von Schwellen durchgeführt werden sollen. Der große Schock für viele Kunden bliebe dann wohl aus. Bisher hatten sie damit jedoch in Regierungskreisen keinen Erfolg.

Dabei hängen die Preissteigerungen auch immer mit dem teuren medizinischen Fortschritt zusammen. Anschaffungen für Geräte, aber auch stetig steigende Kosten für Medikamente machen den Kassen zu schaffen und führen dazu, dass die Schwelle von zehn Prozent manchmal schneller erreicht wird als erwartet. Umgekehrt profitieren die Kunden von einer deutlich besseren medizinischen Versorgung, einer höheren Lebensqualität und womöglich auch einer längeren Lebensdauer.

 

Im vergangenen Jahr führten die Beitragsanpassungen dazu, dass gut zwei Drittel der Kunden mehr bezahlen mussten. In diesem Jahr gehen die Schätzungen der Branche lediglich in Richtung eines Drittels. Knapp drei Millionen Menschen im Land müssen somit im kommenden Jahr mehr für ihre Private Krankenkasse bezahlen, ist zu hören.

Wie es in einem Jahr aussehen wird, kann heute niemand seriös vorhersagen. „Das Ziel der gesamten Branche muss es sein, dass keine Beitragsanpassung pro Jahr bei mehr als fünf Prozent liegt“, fordert deshalb Andreas Vollmer, Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). Auf diesem Niveau verteuere sich schließlich auch das Gesundheitssystem im Schnitt pro Jahr. Man würde sich so die Waage halten.

Neben dem teuren medizinischen Fortschritt belastet die Privaten Krankenkassen schon seit Jahren die anhaltende Niedrigzinsphase. Das System sieht vor, dass ein großer Teil der Beiträge aufgespart wird, wenn dann im Alter die Kosten für die Gesundheitsversorgung steigen. Die sogenannten Altersrückstellungen werden dabei am Kapitalmarkt angelegt, darunter sind noch heute viele lang laufende Anleihen, die überdurchschnittlich hohe Zinsen garantieren.

Von denen laufen jedoch jedes Jahr etliche aus. Eine Wiederanlage ist nur noch zu geringeren Zinsen möglich. Die 3,7 Prozent, die im vergangenen Jahr im Schnitt noch erzielt wurden, sind auf Dauer sicherlich nicht zu halten. Auch hier erwächst den Krankenkassen zusehends ein Problem.

Quelle: Handelsblatt.de, 06.12.2017