Wie gut wirken Antidepressiva?

Depressionen zählen heute zu den Krankheiten, die die meisten treffen. Etwa jeder fünfte bis sechste Mensch in Deutschland entwickelt irgendwann im Laufe seines Lebens eine Depression schätzen Experten. Das bedeutet auch: Binnen einem Jahr sind etwa fünf bis sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Wie kann man ihnen am besten helfen?

Ein Baustein der Behandlung ist Psychotherapie, ein weiterer sind Medikamente, die sogenannten Antidepressiva. Wie effektiv diese Arzneimittel sind, ist eine alte Streitfrage. Einige Forscher sagen sogar, die Medikamente seien kaum oder gar nicht besser als wirkstofffreie Placebos.

Jetzt hat ein Team von Wissenschaftlern in einer großen, im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichten Analyse alle verfügbaren Studien zu insgesamt 21 Antidepressiva ausgewertet, in denen die Pillen entweder gegen Placebo oder einen anderen Wirkstoff getestet wurden. Als Zeitspanne wählten sie acht Wochen Einnahmezeit. Gemessen wurde der Anteil der Behandelten, bei dem die Depressionssymptome deutlich zurückgingen.

Das Ergebnis: Alle untersuchten Antidepressiva können eine Depression besser als Placebos lindern. Allerdings haben die meisten Wirkstoffe auch Nebenwirkungen, die manche Patienten dazu zwingen, die Behandlung abzubrechen. Und sie helfen nicht jedem.

„Antidepressiva sind wirksame Medikamente“, sagt Andrea Cipriani von der University of Oxford, Hauptautor der Studie. „Aber leider spricht etwa ein Drittel der Patienten mit Depression nicht auf die Mittel an.“ Und weil ihr Effekt insgesamt klein bis mäßig sei, sei klar, dass man die Therapiemöglichen verbessern müsste.

522 Studien ausgewertet

Die Forscher analysierten 522 Studien aus den vergangenen Jahrzehnten, an denen rund 116.500 Menschen mit Depressionen teilnahmen. Um sich ein möglichst umfassendes Bild zu machen, suchte das Team nicht nur in öffentlichen Datenbanken nach den entsprechenden Studien, sondern kontaktierte auch Forschergruppen sowie Pharmaunternehmen, die Antidepressiva vertreiben, und fragte nach zusätzlichen Daten und unveröffentlichten Studien.

Weil in vielen der Untersuchungen verschiedene Medikamente gegeneinander getestet wurden, konnten Cipriani und Kollegen deren Effektivität vergleichen. Außerdem beschäftigten sie sich mit der Verträglichkeit der Mittel: Sie ermittelten nicht direkt die Nebenwirkungen, sondern erfassten, wie viele Probanden die Einnahme innerhalb der ersten acht Wochen abbrachen. Das kann natürlich auch andere Gründe haben.

Die Wirkstoffe Agomelatin, Escitalopram und Vortioxetin sind demnach im Verhältnis von Nutzen und Nebenwirkungen besser als die Mehrheit der überprüften Wirkstoffe. Fluvoxamin, Reboxetin und Trazodon sind dagegen eher ungünstig.

In Deutschland erstatten die gesetzlichen Kassen Reboxetin seit einigen Jahren nur noch in Ausnahmefällen. Während die aktuelle Analyse dem Wirkstoff einen zumindest kleinen Nutzen jenseits des Placeboeffekts zuschreibt, kamen die zuständigen Stellen in Deutschland 2010 zu einem anderen Ergebnis: Kein Beleg für einen Nutzen im Vergleich zu Placebos, aber Belege für gesundheitsschädliche Nebenwirkungen.

Welche Fragen die Studie nicht beantworten kann

Die nun präsentierten Daten können Ärzten einen neuen Ansatzpunkt liefern, welches Antidepressivum sie Patienten verschreiben. Allerdings lässt sich trotz des Datenbergs einiges nicht beantworten. Beispielsweise gibt es keine Aufschlüsselung der Patienten nach Alter oder Geschlecht – und entsprechend auch keine daran angepassten Empfehlungen.

Die Arbeit kann auch nicht beantworten, welches Mittel möglicherweise Patienten mit einer therapieresistenten Depression, einer bipolaren Störung oder einer mit Wahnvorstellungen einhergehenden Depression besser hilft, denn das wurde in den Studien nicht untersucht. Weil nur Erwachsene an den Studien teilnahmen, lässt die Analyse auch keine Schlüsse über die Medikamentenwahl bei Kindern und Jugendlichen zu.

Und sie sagt nichts über den kombinierten Nutzen von Psychotherapie und Medikamenten oder zu anderen Therapiemöglichkeiten aus.

Wie es den Patienten nach einem halben Jahr oder einem Jahr ging, wissen wir ebenfalls nicht, da der gewählte Zeitraum acht Wochen waren. Deshalb ist zum Beispiel auch nicht erfasst, wie viele Patienten erst später unter Nebenwirkungen der Medikamente litten.

Was bei der Auswertung auffällt

Bei der Datenanalyse merkten die Forscher: Wirkstoffe schnitten besser ab, wenn sie neu waren. Warum? Es könnte daran liegen, dass Patienten ebenso wie Ärzte bei einem neuen, experimentellen Mittel besonders optimistisch sind, was dann den weiteren Verlauf positiv beeinflusst. Es könnte aber auch daran liegen, dass rund um die Markteinführung eines neuen Medikaments eben vor allem jene Daten veröffentlicht werden, die für dieses Mittel sprechen.

Wer hat’s bezahlt?

Die aktuelle Arbeit wurde nicht von Pharmaunternehmen finanziert. Aber knapp 80 Prozent der ausgewerteten Studien wurden im Auftrag von Medikamentenherstellern durchgeführt. Einige der an der Analyse beteiligten Forscher geben an, von verschiedenen Pharmakonzernen Vortrags- oder Beraterhonorare erhalten zu haben.

Quelle: Spiegel online, 22.02.2018

Pflege: Mindestlohn von 3000 Euro gefordert

Die im Koalitionsvertrag verankerten Pläne von CDU, CSU und SPD zur Aufwertung der Pflegeberufe werden von den Arbeitgeber- und Berufsverbänden in der Pflege als enttäuschend bewertet. „Ich kann eine Hungersnot nicht mit Kochrezepten kurieren“, kritisierte der Präsident des Bundesverbandes privater sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer, die geplanten Maßnahmen der Koalition für eine „Konzertierte Aktion Pflege“ am Mittwoch vor Journalisten in Berlin. Er forderte eine bessere Personalausstattung.

Vor allem die Bezahlung von Pflegekräften müsse deutlich verbessert werden, so das Plädoyer von Professor Rolf Rosenbrock, Vizepräsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege und Vorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. „Das Ziel muss sein, dass niemand mehr mit einem Gehalt unter 3000 Euro brutto im Monat eingestellt wird“, sagte Rosenbrock. Notwendig sei eine gesetzliche Regelung zur Refinanzierung durch die Kranken- und Pflegeversicherung,.

Dies ist nach dem Koalitionsvertrag allerdings auch vorgesehen. Danach soll für die Krankenhäuser der Pflegekostenanteil aus den Fallpauschalen herausgenommen und gesondert nach dem Kostendeckungsprinzip finanziert werden. Die Pflege verursacht derzeit rund 20 Prozent aller Kosten in Kliniken.

Ebenso sollen Tarifsteigerungen und Stellenausweitungen in der Altenpflege wie auch der ambulanten medizinischen Behandlungspflege mit steigenden Sachleistungen in der Kranken- und Pflegeversicherung einhergehen. Damit soll vermieden werden, dass pflegebedürftige Menschen steigende Personalkosten in der Pflege letztlich aus eigener Tasche bezahlen müssen, hatte der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach bereits in vergangene Woche erläutert.

Mehr Stellen zu fordern, sei allein nicht ausreichend, wenn der Arbeitsmarkt leer sei.

Quelle:Ärztezeitung.de, 27.02.2018

Aufnahmestopp an LVR-Klinik – Grippewelle breitet sich in Bonn aus

Bonn. Seit Jahresbeginn hat das Gesundheitsamt in Bonn mehr als 200 Fälle von Influenza-Infektionen registriert. Die LVR-Klinik kann seit Sonntag keine Patienten mehr aufnehmen, weil Patienten und Mitarbeiter erkrankt sind.

Die alljährliche Welle von Grippe und Erkältungen breitet sich auch in Bonn aus. Auf der aktuellen Karte des Robert-Koch-Instituts ist der Großraum Köln/Bonn in rot-orange eingefärbt – ein Warnhinweis für ein erhöhtes Influenza-Aufkommen. Seit Anfang des Jahres hat das Gesundheitsamt 201 Grippefälle in Bonn registriert.

Am Wochenende verhängte die LVR-Klinik sogar einen Aufnahmestopp für Patienten. Bis Montag waren in der Klinik am Kaiser-Karl-Ring 20 Influenzafälle (15 Fälle der Influenza Typ A und fünf Fälle des Typs B) nachgewiesen worden, auch Mitarbeiter seien mittlerweile erkrankt, wie Professor Markus Banger, Ärztlicher Direktor der Klinik, mitteilte. In Absprache mit dem Gesundheitsamt hatte sich das Klinikteam für die Schutzmaßnahme entschieden und den Aufnahmestopp auf fünf bis sieben Tage angesetzt.

Um Mitarbeiter, Patienten und Besucher zu schützen, wurden intern weitere Vorkehrungen getroffen: Erkrankte Patienten sowie Patienten, bei denen der Verdacht einer möglichen Infektion mit dem Grippevirus besteht, wurden in ihren Zimmern isoliert. Patienten sollen möglichst in ihren Zimmern bleiben, auch Gruppensitzungen finden zurzeit nicht statt – eine Maßnahme, die vor allem in einer psychiatrischen Klinik nicht so leicht umsetzbar sei.

Isolation schwieriger durchzuführen

„Hier ist die Isolation schwieriger durchzuführen als in einem chirurgischen Krankenhaus“, erklärte Professor Christian Dohmen, hygieneverantwortlicher Arzt und Chefarzt der Neurologie. „Alle Patienten, die entlassen werden können, werden im Moment entlassen“, so Dohmen. Die betroffenen Stationen werden zusätzlich zur regulären Reinigung zweimal täglich desinfiziert. Pflegepersonal schützt sich mit speziellem Mundschutz, Kitteln und Hauben. Schwangere oder Mitarbeiter mit einer chronischen Erkrankung seien freigestellt worden. Besuchern werde derzeit von einem Besuch abgeraten.

Zusammen mit den Unikliniken in Bonn und Köln, dem Marienhospital in Euskirchen sowie den LVR-Kliniken in Köln und Düren hat die LVR-Klinik einen Notfallplan erstellt, um eine psychiatrische Versorgung zu gewährleisten. Vorsorglich nehmen auch die LVR-Außenstellen in Eitorf und Meckenheim keine Patienten mehr auf. Wann der Aufnahmestopp wieder aufgehoben wird, werde in den kommenden Tagen entschieden, so Banger.

Keine außergewöhnliche Entwicklung

„Wir vom Universitätsklinikum Bonn stellen eine geringfügige Steigerung der Influenzafälle fest, sehen darin aber keine außergewöhnliche Entwicklung“, sagt Jan-Christian Wasmuth, Oberarzt am Uniklinikum Bonn (UKB). Bislang wurden am UKB insgesamt 100 Fälle von Influenza diagnostiziert. Anlass für einen Aufnahmestopp bestehe laut Wasmuth derzeit allerdings nicht. Über außergewöhnliche Erkrankungszahlen an anderen Bonner Kliniken sei auch dem Gesundheitsamt aktuell nichts bekannt. Auch einen „wesentlichen Unterschied zu den Vorjahreszahlen“ gebe es nicht.

Die Praxen verzeichnen hingegen vermehrt Fälle von Grippe und grippeähnlichen Erkrankungen. „So viele Patienten kamen in meiner Zeit noch nie“, erzählt Sina Schneider, Mitarbeiterin in der Praxis Pieper/Cersani-Pieper. Aufgrund der Vielzahl werden Patienten sogar in der Mittagspause behandelt. Auch in der Praxis von Shiva Pourvahidi haben 90 Prozent der Patienten grippeähnliche Symptome. „Es sind mehr berufstätige Patienten, Studenten und Schüler, eher weniger Rentner“, sagt sie.

Auch die Stadtwerke Bus und Bahn (SWB), die täglich Zehntausende Pendler befördern, bleiben von den Viren nicht verschont. Die in der vergangenen Woche auch aufgrund des hohen Krankenstandes ausgefallenen Bahnen der Linie 61 fahren zwar wieder planmäßig. „Aber wir merken weiterhin, dass die Grippewelle unterwegs ist“, sagte SWB-Sprecher Werner Schui auf Nachfrage.

Quelle: General Anzeiger online, 20.02.2018

Herzerkrankung – Wie sich Herzrhythmusstörungen behandeln lassen

Ohne Behandlung können Herzrhythmusstörungen einen plötzlichen Herztod oder Schlaganfall auslösen. In vielen Fällen ist aber eine Heilung möglich. Welche Therapiemöglichkeiten es gibt.

Wenn es zu Herzrhythmusstörungen kommt, ist Achtsamkeit geboten. Oft sind sie harmlos, in manchen Fällen werden elektrische Erkrankungen des Herzens jedoch zur schlummernden Gefahr, die einen plötzlichen Herztod oder Schlaganfall auslösen können.

Abgesehen von der Gefahr sind viele Herzrhythmusstörungen für Patienten in zunehmenden Maße lästig. Deshalb ist es wichtig, Unregelmäßigkeiten des Herzschlags frühzeitig zu erkennen und einen Arzt aufzusuchen. Dieser kann entscheiden, mit welcher Therapie die Krankheit behandelt wird und ob es sinnvoll ist, einen Spezialisten hinzuzuziehen.

Verschiedene Warnzeichen weisen auf Herzrhythmusstörungen hin. Die weitläufige Annahme, dass  nur ältere Menschen unter Herzkrankheiten leiden, ist ein Trugschluss. Jüngere Menschen sind oft gleichermaßen von Herzrhythmusstörungen betroffen. Allerdings können der Charakter und die Ausprägung von Herzrhythmusstörungen in den jeweiligen Altersstufen unterschiedlich sein.

In speziellen Fällen sollten Herzrhythmusstörungen durch einen Spezialisten, einem sogenannten Elektrophysiologen, weiterführend diagnostiziert und behandelt werden. Generell lassen sich Herzrhythmusstörungen heute mit drei unterschiedlichen Behandlungskonzepten therapieren. Abhängig von der Therapieform ist dadurch in vielen Fällen eine Heilung möglich.

Behandlung von Herzrhythmusstörungen

Medikamentöse Therapie

Zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen können spezielle Medikamente, sogenannte Antiarrhythmika, vom Arzt verschrieben werden. Um einen Schlaganfall zu vermeiden, sind bei bestimmten Formen einer Herzrhythmusstörung auch Präparate zur Blutverdünnung (orale Antikoagulantien) erforderlich. Die antiarrhythmische Therapie kann gut funktionieren, allerdings ist sie oft mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden und unterdrückt nur die Symptome.

Die Ursache der elektrischen Störung wird durch die Antiarrhythmika in der Regel nicht beseitigt. Denn Rhythmusstörungen werden durch ein Substrat im Herzen, also Narben oder zusätzliches elektrisch leitendes Gewebe, verursacht. Dieses Substrat kann durch Antiarrhythmika beeinflusst werden, eine Garantie für deren Wirkung gibt es jedoch nicht. Und sobald die Medikamente abgesetzt werden, können die Herzrhythmusstörungen auch wieder auftreten. Daher wird diese Therapieform heute oft bei Patienten eingesetzt, die für einen kathetergestützten Eingriff (Ablation) nicht geeignet sind oder diesen nicht vornehmen lassen möchten.

Katheterablation

Mit einer minimalinvasiven Katheterablation wird Gewebe, das für die gestörte elektrische Erregung des Herzmuskels verantwortlich ist, gezielt verödet. Somit werden bestimmte Herzmuskelzellen durch eine lokale Energieapplikation willentlich funktionsuntüchtig gemacht. Elektrophysiologen führen diesen Eingriff im Rahmen einer elektrophysiologischen Untersuchung (EPU) durch. Die Technik und Wahl der Energiequelle ist dabei von der jeweiligen Herzrhythmusstörung abhängig.

Häufig wird die sogenannte Hochfrequenzablation angewendet, wobei das störende Gewebe durch Radiofrequenzenergie verödet wird. Bei der Kryoablation erfolgt die Verödung des Herzmuskelgewebes durch Kälteenergie (bis zu -50°C). Der Zugang zum Herzen erfolgt über eine Punktion der Leistengefäße. Nach Anlage eines Schleusensystems können dann Elektrodenkatheter schmerzlos durch das Gefäßsystem bis zum Herzen geführt werden.

Die Patienten werden bei diesen Eingriffen in hochtechnisierten EPU-Laboren in der Regel nur örtlich betäubt und können auf einem Bildschirm live mitverfolgen, wie ihr Herz behandelt wird. Heilen ist hier das Stichwort, denn in vielen Fällen sind Patienten nach diesem minimalinvasiven Eingriff nachhaltig von ihren Rhythmusstörungen befreit.

Device-Therapie

Bei einer Device-Therapie bekommt der Patient ein medizinisches Gerät in den Körper eingesetzt, das die elektrische Erregung des Herzens permanent und automatisiert kontrolliert und im Falle von Rhythmusstörungen mit elektronischen Impulsen gezielt eingreift. Dabei kann es sich z. B. um einen Herzschrittmacher oder um einen implantierbaren Defibrillator (ICD) handeln. Ein Herzschrittmacher wird zur Behandlung von zu langsamen Herzschlägen (Bradykardie) eingesetzt.

Das kleine, etwa vier Zentimeter große, batteriebetriebene Gerät wird unter dem Schlüsselbein implantiert und mit Elektroden verbunden, die über das Gefäßsystem schmerzfrei im Herzen verankert wurden. Der Schrittmacher erkennt, wenn das Herz zu langsam schlägt oder eine Pause macht, und löst mittels eines elektrischen Impulses über die Elektroden eine Kontraktion des Herzmuskels aus, sodass dieser wieder einen gleichmäßigen Rhythmus aufnimmt. Eine drohende Ohnmacht (Synkope) kann somit verhindert werden.

Ein ICD hingegen wird zur Vermeidung eines plötzlichen Herztodes bei lebensbedrohlichen schnellen Herzrhythmusstörungen (Kammertachykardie oder Kammerflimmern) eingesetzt. Dieses Gerät ist ebenfalls über Elektroden direkt mit der Herzkammer verbunden und greift im Notfall vollautomatisch mit einem Elektroschock bei den oft schon bewusstlosen Patienten ein. Dieser Stromstoß stoppt die Tachykardie, sodass das Herz „von Neuem zu schlagen beginnt“ und sich die Muskelaktivität wieder normalisiert. In jedem ICD ist zudem auch ein Herzschrittmacher integriert, um das Herzmuskelgewebe stimulieren zu können.

Paradigmenwechsel der Behandlungsverfahren

In den vergangenen 20 Jahren hat in der Kardiologie ein regelrechter Paradigmenwechsel stattgefunden. Früher wurde mehrheitlich eine medikamentöse Behandlung von Herzrhythmusstörungen bevorzugt. Heute finden aufgrund faszinierender technischer Möglichkeiten und der ansteigenden Ausbildung von Spezialisten Verfahren wie die Katheterablation oder Devicetherapie zunehmend Anwendung.

Nicht alle Ursachen von Herzrhythmusstörungen lassen sich jedoch mit diesen Eingriffen beheben. Der Therapieerfolg ist dabei von der Ursache und Ausprägung der Krankheit sowie von den körperlichen Voraussetzungen des Patienten abhängig. Ob und welche spezialisierte Therapie sinnvoll ist, sollte durch den behandelnden Arzt und einem ggf. hinzugezogenen Spezialisten geprüft werden.

Quelle: focus.de, 21.02.2018

Steuertipp : So sparen Sie Erbschaftsteuer

Wer im Laufe seines Lebens Vermögen angespart hat, will das in der Regel möglichst ungeschmälert an seine Kinder weitergeben. Allerdings kann es im Erbfall zur Überschreitung des erbschaftsteuerlichen Freibetrags von 400.000 Euro pro Kind kommen. In der Konsequenz fällt für das Kind Erbschaftsteuer an. Noch schneller passiert das bei Erbschaften von Großeltern: Hier beträgt der Freibetrag pro Enkel nur 200.000 Euro. Vorausschauende Planung kann für Abhilfe sorgen.

Es kann sich anbieten, einen Teil des Vermögens bereits frühzeitig an Kinder oder Enkel zu übertragen, damit diese ihre persönlichen Freibeträge bei der Erbschaftsteuer mehrfach nutzen können. Ein weiterer erbschaftsteuerlicher Vorteil entsteht, wenn Eltern ihren Kindern nicht direkt Barvermögen schenken, sondern das Geld zuerst in eine Rentenversicherung einzahlen. Es empfiehlt sich dabei, das Kind als bezugsberechtigten Versicherungsnehmer einzusetzen, sobald der Anspruch aus der bereits laufenden Rentenversicherung fällig ist.

Der Dreh liegt beim Wert

Die Übertragung der Rentenversicherung ist eine Schenkung an das Kind, für die Schenkungsteuer fällig werden kann. Der Vorteil ist, dass für die Schenkungsteuer statt des eingezahlten Geldbetrags nur der erbschaftsteuerliche Wert der Rentenversicherung zum Ansatz kommt. Der Kapitalwert der jährlichen Rentenleistungen liegt deutlich unter dem Geldbetrag der Einmalzahlung, weil im Erbschaftsteuerrecht mit einem Zinssatz von immerhin 5,5 Prozent gerechnet wird.

Werden die Renten über eine bestimmte Laufzeit bezahlt, bestimmt sich ihr Kapitalwert nach dieser Laufzeit. Es kann damit auch ein Geldbetrag in die Rentenversicherung eingezahlt werden, der den Erbschaftsteuerfreibetrag übersteigt. Solange der Kapitalwert der Renten geringer ist als der Freibetrag, fällt keine Schenkungsteuer an.

Einen Wermutstropfen gibt es aber: Das Kind als neuer Versicherungsnehmer muss Einkommensteuer auf die Kapitalerträge aus der laufzeitabhängigen Rentenversicherung zahlen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine online, 16.02.2018

Wenn der „Enkel“ Geld von der Oma braucht – Polizei klärt über Betrugsmaschen in Bonn und Region auf

Betrüger haben laut Polizei in den vergangenen Tagen versucht, mit Telefonanrufen in Bonn, Beuel, Oberkassel und Alfter an Geld zu kommen. Die Betrüger haben dabei gezielt Senioren im Visier. Dabei hatten sie gezielt Senioren im Visier und nutzten nicht nur deren Gutgläubigkeit, sondern auch die Gutmütigkeit in zwei Fällen erfolgreich aus. Drei Strategien sind nach Polizeiangaben bei Telefonbetrügern besonders verbreitet.

Der Enkeltrick: Dabei geben sich die Anrufer als Enkel aus. Grund für den Anruf ist immer, dass der besagte Enkel in finanziellen Schwierigkeiten steckt – sei es wegen eines Unfalls oder eines dringend notwendigen Wohnungskaufes. In der Regel fordern die Betrüger vier- oder sogar fünfstellige Beträge. Weil er im Krankenhaus liegt oder anderweitig verhindert ist, kann der „Enkel“ allerdings nicht selbst vorbeikommen und schickt einen Freund oder eine Freundin vorbei, um das Geld abzuholen.

In Oberkassel funktionierte das am Mittwoch. Nach dem Anruf gegen 14 Uhr händigte eine ältere Frau einer „Freundin“ des Enkels mehrere Tausend Euro aus. Am selben Tag gegen 13 Uhr erhielt auch eine Frau in Alfter einen solchen Anruf. Als sie misstrauisch wurde, beendete der Anrufer das Telefongespräch.

Der falsche Polizist: Der Anrufer gibt sich als Polizist aus und erkundigt sich nach Wertsachen in der Wohnung – zum Beispiel Bargeld, Schmuck oder Sparbüchern. Diese sollen von einem Kollegen entgegengenommen werden, weil in der Nachbarschaft oder im Haus selbst zu Einbrüchen, Betrug oder Diebstahl ermittelt wird. Der angebliche Beamte, der nach dem Anruf vor Ort erscheint, trägt uniformähnliche Kleidung und will die Wertgegenstände untersuchen oder zur Sicherung mitnehmen. Mit diesem Trick, bei dem die Rufnummernanzeige manipuliert wird und im Display die 110 oder die Telefonnummer der Polizei vor Ort erscheint, scheiterte ein Betrüger am 2. Februar in Beuel. Die Angerufene kannte die Masche, legte auf und informierte die Polizei.

Der angebliche Angestellte der Stadtwerke: Vergangenen Mittwoch meldete eine Frau aus der Bonner Südstadt den Anruf eines Mannes, der sich als Mitarbeiter der Stadtwerke ausgegeben hatte. Der Anrufer hatte behauptet, die Wasserrohre überprüfen zu müssen, die wegen einer Baustelle in der Nähe beschädigt sein könnten. Zeitgleich klingelte der vermeintliche Kollege an der Tür und verlangte Einlass, um den Wasserhahn in der Küche zu überprüfen.

Kurz darauf verließ der Mann fluchtartig die Wohnung. Zum Diebesgut liegen der Polizei bisher keine Erkenntnisse vor. Auch derartige Fälle treten seit vielen Jahren immer wieder auf: Mal ist es der Stromableser, mal der Schornsteinfeger oder ein neuer Mitarbeiter der Hausverwaltung. Die meisten Telefonbetrüger sind geschickte Anrufer. Oft sprechen sie ruhig und freundlich, in akzentfreiem Deutsch, sind höflich, seriös – und hartnäckig. Sie zielen auf ältere Personen ab und unter den Opfern sind mehr Frauen als Männer. Da die Ermittlung der Betrüger sehr schwierig ist, setzt die Polizei vor allem auf Prävention.

Das rät die Polizei

Sprechen Sie mit Bekannten und Familienangehörigen, die zur Zielgruppe der Betrüger gehören, und warnen Sie sie vor den verschiedenen Strategien der Betrüger.

Sollten Sie selbst betroffen sein, achten Sie darauf, keine persönlichen Informationen über finanzielle oder familiäre Verhältnisse herauszugeben.

Lassen Sie nur von der Hausverwaltung angekündigte oder selbst bestellte Handwerker ins Haus. Überprüfen Sie Dienstausweise genau oder vergewissern Sie sich durch eine Abfrage bei der jeweiligen Behörde über die Rechtmäßigkeit des Besuches.

Beenden Sie sonderbare Telefonate und verständigen Sie in allen Fällen die Polizei unter 110. Und falls die Betrüger doch erfolgreich waren, schämen Sie sich nicht, sondern melden Sie es der Polizei und reden Sie mit anderen darüber. Nur so kann den Tätern das Handwerk gelegt werden.

Weitere Tipps gibt es auf www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/betrug/

Quelle: General Anzeiger online, 11.02.2018

Herzkrank in die Sauna: Was geht und was ist tabu?

Der Gang in die Sauna ist für viele gerade in der Winterzeit beliebt, um zu entspannen und zugleich den Kreislauf in Schwung zu bringen. Das gilt auch für viele Patienten mit Bluthochdruck, Rhythmusstörungen, Herzkranzgefäßerkrankungen oder Herzschwäche hierzulande. Allerdings müssen sie sich vorher fragen, ob und unter welchen Bedingungen ein Saunagang für sie ratsam ist. „Damit sich Herzpatienten nicht gefährden, sollten sie nach einer diagnostizierten Herzerkrankung unbedingt mit ihrem Kardiologen besprechen, ob und bei welchen Temperaturen sie saunieren können“, rät der Kardiologe und Herzstiftungs-Experte Dr. med. Vinzenz von Kageneck (www.herzstiftung.de). Egal wie kalt oder heiß es ist, der Mensch muss seine Körpertemperatur immer auf 37 Grad Celsius halten. Bei großer Hitze wärmt sich der Körper zu sehr auf, so dass die Wärme über die Haut und über vermehrtes Schwitzen wieder abgegeben werden muss. Das Blut nimmt die übermäßige Wärme aus dem Körper auf und transportiert sie zu den kleinen Hautgefäßen, die die Wärme an die Luft abführen. Je mehr Blut vom Herzen durch die Hautgefäße gepumpt wird, desto mehr Wärme kann der Körper abgeben. „Ein gesundes Herz bewältigt diese Mehrbelastung in der Regel problemlos. Ein krankes Herz dagegen kommt schneller an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit“, erläutert der Herzspezialist aus Hamburg.

Herzleistung steigt in der Sauna / Schwalldusche ist tabu

Bei einem Saunagang von 70 bis 80 Grad und einer Dauer von 15 bis 20 Minuten steigt die Temperatur auf der Haut um zirka zehn Grad und die Körperkerntemperatur um bis zu zwei Grad an. Das entspricht während eines Saunagangs der Körpertemperatur bei mittlerem bis höherem Fieber (bis 39 Grad). Durch den Temperaturanstieg erweitern sich die Blutgefäße deutlich, dabei sinkt zunächst der Blutdruck und die Pulsfrequenz steigt um anfangs 20 bis zu 50 Prozent bei Erreichen der maximalen Körperkerntemperatur. Dadurch steigt die gesamte Herzleistung um zirka 80 Prozent. „Für alle Herzpatienten ist deshalb die plötzliche Abkühlung mit der Schwalldusche und im kalten Becken nach der Sauna absolutes Tabu“, warnt Kageneck. Durch das ruckartige Abkühlen ziehen sich alle maximal weitgestellten Blutgefäße im Haut- und Unterhautgewebe plötzlich zusammen und eine große Menge Blut wird in kürzester Zeit in das Körperzentrum verschoben. Dieses Volumen und der dabei massiv ansteigende Blutdruck belasten beim Abkühlen das Herz. „Patienten mit Herzschwäche, Herzkranzgefäßerkrankungen und Bluthochdruck würde das gefährden. Herzpatienten müssen sich daher nach Saunagängen langsam abkühlen, vorzugsweise durch Umhergehen in kühlen Räumen oder durch lauwarmes Duschen.“

Sauna nur bei langsam ansteigenden Temperaturen

Patienten mit Herzkranzgefäßerkrankungen (koronare Herzkrankheit, KHK) – mit oder ohne überstandenen Infarkt – sollten in einem Belastungs-EKG mindestens 75 Watt problemlos schaffen. Dabei sollte man den maximal erreichbaren Puls und den Trainingspuls feststellen können. „Für KHK-Patienten ist die Sauna kein Tabu, aber sie sollten darauf achten, Saunagänge mit langsam ansteigenden Temperaturen und nur von kurzer Aufenthaltsdauer zu beginnen. Auch sollte es ohne weiteres möglich sein, während des Saunaganges immer wieder den Puls zu checken, um nicht zu lang über dem erlaubten Trainingspuls zu liegen.“ Patienten mit chronisch zu niedrigen Blutdruckwerten können auf Dauer bei Gewöhnung an den Saunabesuch durchaus davon profitieren. Anfangs kann allerdings für sie ein stark abfallender Blutdruck infolge der allgemeinen Gefäßerweiterung gefährlich werden. „Vor diesem Hintergrund sollte unbedingt auf weitere Maßnahmen mit gefäßerweiternder Wirkung wie Alkoholkonsum vor und nach einem Saunagang verzichtet werden“, warnt der Herzspezialist.

Mit Herzschwäche in die Sauna: wie belastbar muss man sein?

Für Patienten mit Herzschwäche und alle anderen Herzpatienten ist ein Saunagang eine Belastung für das Herz von zirka 50 Watt, was einem schnelleren Gehen entspricht. „Bei Herzschwäche sollte daher eine Belastbarkeit von 50 Watt – besser sind 75 Watt – vorhanden sein. Und Temperaturen von 60 bis 70 Grad sollten zumindest in einer langen Eingewöhnungsphase an die Sauna nicht überschritten werden.“ Insbesondere Patienten mit Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen sollten auf eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr während ihres Saunabesuchs achten. Beim Schwitzen werden unter anderem Elektrolyte (Körpersalze) ausgeschieden, die eine wesentliche Rolle für den Herzrhythmus spielen. Dieser Verlust muss Dr. Kageneck zufolge dringend ausgeglichen werden. Die beliebten Aufgüsse sind grundsätzlich für alle Herz-Kreislauf-Patienten tabu.

Quelle: adhoc.de, 31.01.2018

Keine Gesundheitsmessen mehr

Die erfolgreichen Gesundheitsmessen „bonn gesund“ und „siegburg gesund“ werden ab sofort nicht mehr stattfinden. Leider ist der Aufwand auch dank neuer gesetzlicher Auflagen immer weiter gewachsen und macht es uns als Veranstalter immer schwieriger diesen zu stemmen. Nichtsdestotrotz war es eine gute Zeit und wir blicken positiv auf die letzten acht Jahre zurück. Bei den vielen Ausstellern, Referenten und Besuchern, die uns unterstützt haben, bedanken wir uns ganz herzlich. Falls jemand das Veranstaltungskonzept weiterführen möchte, kann er sich gerne bei mir melden: c.steinhauer@steinhauerkom.de.

Quelle: bonn-gesund.de, 25.01.2018

Drei Kliniken aus Bonn und der Region fusionieren

Die GFO-Kliniken wollen mit einer weiteren Fusion dafür sorgen, dass die verschiedenen Klinik-Standorte in Zukunft stärker voneinander profitieren. Das Marien-Hospital auf dem Venusberg und das Sankt-Josef-Hospital in Beuel sind schon seit dem Jahr 2013 unter einem Dach vereint, nun ist mit Beginn des Jahres das Cura-Krankenhaus Bad Honnef hinzugekommen. „Für uns ist das ein wichtiger Schritt“, erläuterte Regionaldirektor Hans-Joachim Ehrhardt. Es seien weder Zusammenlegungen von Fachabteilungen geplant noch ein Personalabbau. Im Gegenteil: Im Klinikverbund mit gemeinsamer Geschäftsführung wolle man weiter wachsen, so Ehrhardt.

Die GFO-Kliniken in Trägerschaft der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe verfolgten mit diesem Schritt das Ziel, bessere Fortschritte in der Medizinentwicklung zu machen und Dienstleistungen für die Patienten zu verbessern. „Eine Zusammenarbeit gab es schon vorher. Wir wollen eine Weiterentwicklung dieser Zusammenarbeit erreichen“, sagte der Kaufmännische Direktor Thorsten Schütze. Die soll in den nächsten Jahren etwa die Chirurgie an den rechtsrheinischen Häusern, die Beatmungs-, Palliativ- und Altersmedizin betreffen.

Die Ärztlichen Direktoren der GFO-Kliniken, Birgit Terjung und Thomas Scheck, betonten, dass es keine Fusion „aus ökonomischen, sondern aus medizinischen Gründen ist“. Die Standorte blieben mit ihren 23 Fachabteilungen erhalten, aber es werde künftig einfacher, medizinische Daten auszutauschen, zu besprechen und damit die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu verbessern. Ärzte könnten einfacher als bisher die Patienten an den drei beteiligten Krankenhäusern aufsuchen. Behandlungswege würden kürzer, Wartezeiten geringer, so die Hoffnung.

Personalverschiebungen nur im Notfall

Ein weiterer Grund für die Fusion sind gesetzliche Mindestanforderungen bei Behandlungen. Der Gesetzgeber schreibt beispielsweise bei speziellen Operationen eine Mindestanzahl pro Jahr vor. Sie soll die Qualität des Eingriffs durch die nötige Routine sicherstellen.

Pfleger bleiben grundsätzlich an ihren bisherigen Standorten. Die Pflegedirektoren Carola Tönnemann und Guido Gering erklärten allerdings, dass es in Notfällen wie Grippewellen zeitlich begrenzt zu Verschiebungen kommen kann. Jedoch nur nach Absprache. Tönnemann erhofft sich auch für die 175 Pfleger in Ausbildung ein attraktiveres Arbeitsumfeld, „weil das Spektrum der Arbeit breiter wird“.

Insgesamt arbeiten für die GFO-Kliniken an den drei Standorten knapp 2000 Mitarbeiter. Nach Auskunft des Regionaldirektors wurden an den beiden Standorten Marien-Hospital und Sankt Josef in den Jahren 2016 und 2017 insgesamt 90 Vollkräfte eingestellt. Damit gehört der Verbund zu den großen Arbeitgebern in der Region. Jährlich versorgen die Häuser 40 000 Patienten stationär und 80 000 Patienten ambulant. Die Trägergesellschaft betreibt insgesamt 41 Einrichtungen. Neben Kliniken handelt es sich um Häuser der Altenhilfe, Kinder- und Jugendhilfe und Bildungseinrichtungen. Da es sich um eine gemeinnützige Gesellschaft handelt, fließen Gewinne in den Ausbau der Standorte. Die Zentrale ist Troisdorf-Spich. Abteilungen wie der Einkauf oder die Apotheke arbeiten von dort.

Quelle: General Anzeiger online, 30.01.2018

Was bringt ein Schwerbehindertenausweis?

Offiziell gibt es 7,6 Millionen Schwerbehinderte in Deutschland. Es dürften aber deutlich mehr sein. Denn viele Menschen sind schwerbehindert und wissen es nicht. Ihnen ist nicht bekannt, dass auch chronische Krankheiten wie Bluthochdruck, Bronchialasthma, Tinnitus oder Rheuma unter bestimmten Voraussetzungen eine Schwerbehinderung darstellen. Damit entgehen den Betroffenen Vergünstigungen und Nachteilsausgleiche.

Aber ab wann gilt man als behindert? „Das ist im Sozialrecht definiert“, sagt Cornelia Jurrmann vom Sozialverband VdK. Eine Behinderung liegt vor, wenn jemand eine oder mehrere Beeinträchtigungen hat, die länger als sechs Monate anhalten. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben muss beeinträchtigt sein. Die Schwere wird durch den Grad der Behinderung (GdB) beziehungsweise den Grad der Schädigungsfolgen (GdS) ausgedrückt. Details regelt die Versorgungsmedizin-Verordnung.

Bei mehrere Beeinträchtigungen steigt GdB

Diese Verordnung wird auch GdS-Tabelle genannt. GdB und GdS sind gestaffelt in Zehner-Einheiten und können zwischen 20 und 100 betragen. „Jemand gilt als schwerbehindert, wenn der GdB 50 und mehr beträgt“, sagt die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Verena Bentele.

Ein Beispiel: Eine schwere Verlaufsform von Migräne mit stark ausgeprägten Begleiterscheinungen kann einen GdB von 50 bis 60 begründen – der Betroffene ist also schwerbehindert. Bei einer chronischen Harnblasenentzündung und einer Schrumpfblase liegt der GdB zwischen 50 und 70. Wurde bei einer Frau ein bösartiger Brustdrüsentumor entfernt, hat sie zumindest in den ersten fünf Jahren – so lange wird abgewartet, ob die Patientin geheilt ist – einen GdB von mindestens 50. Auch Menschen mit stark ausgeprägter Akne haben mitunter einen GdB von 50. Im Prinzip kann jede Krankheit, ob nun körperlicher oder psychischer Art, einen GdB begründen.

Liegen mehrere Beeinträchtigungen vor, dann kann der GdB steigen. „Dabei wird vom höchsten Einzel-GdB ausgegangen und geprüft, ob dieser durch die anderen Beeinträchtigungen erhöht wird oder nicht“, erläutert Bentele.

Wer eine Schwerbehinderung feststellen lassen will, muss einen Antrag beim Versorgungsamt seiner Gemeinde stellen. Dafür reicht ein formloses Schreiben, in dem man um die „Feststellung der Schwerbehinderteneigenschaft“ bittet.

Daraufhin bekommt der Antragsteller ein Formular zugeschickt, das ausgefüllt werden muss. „Wichtig ist hierbei, dass der Antragsteller seine persönliche Betroffenheit deutlich macht“, erklärt die Düsseldorfer Fachanwältin für Arbeits- und Sozialrecht, Regine Windirsch. Er muss genau beschreiben, inwiefern die Krankheit den eigenen Alltag beeinträchtigt. Hat jemand zum Beispiel eine Depression, dann sollte er erwähnen, dass er sich etwa morgens kaum motivieren kann aufzustehen. „Hilfreich kann sein, einen selbst verfassten Tagesablauf beizufügen“, erklärt Jurrmann.

Arbeitgeber muss per Gesetz Schwerbehinderte fördern

Um die Bearbeitungszeiten zu verkürzen, sollten alle ärztlichen Unterlagen, die sich auf die Gesundheitsstörung beziehen, dem Antrag beigefügt werden. Das Amt prüft den Antrag und stellt fest, ob eine Behinderung vorliegt und welchen Grad sie hat. Liegt der GdB beziehungsweise GdS bei mindestens 50, wird ein Schwerbehindertenausweis ausgestellt. Mit diesem Ausweis können Nachteilsausgleiche und Vergünstigungen in Anspruch genommen werden.

„Menschen mit Behinderung können einen Steuerfreibetrag geltend machen“, erklärt Bentele. Er liegt bei einem GdB zwischen 45 und 50 etwa bei 570 Euro, bei einem GdB zwischen 55 und 60 bei 720 Euro und steigt kontinuierlich weiter – bei einem GdB von 95 bis 100 liegt er bei 1420 Euro. Zudem können Menschen mit Schwerbehinderung mit 62 Jahren in Rente gehen – vorausgesetzt, sie haben mindestens 35 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt. Bei der Rentenhöhe kann es dann aber zu Kürzungen kommen.

Arbeitnehmer sind übrigens nicht verpflichtet, dem Arbeitgeber von ihrer Schwerbehinderung zu erzählen. Viele verschweigen es, weil sie befürchten, beruflich benachteiligt zu werden. „Dabei ist in der Regel das Gegenteil der Fall“, betont Windirsch. Der Arbeitgeber muss per Gesetz Schwerbehinderte fördern. Ihnen stehen etwa fünf Tage bezahlter zusätzlicher Urlaub im Jahr sowie das Recht zu, Überstunden zu verweigern. Zudem können Schwerbehinderte nicht so ohne weiteres gekündigt werden. Erst muss das Integrationsamt dem zustimmen.

Auch außerhalb des Berufslebens gibt es einige Vergünstigungen. So können etwa mobilitätsbehinderte Menschen billiger oder mitunter auch kostenlos mit Bus und Bahn fahren. Sie haben zudem die Möglichkeit, ihr Fahrzeug im eingeschränkten Halteverbot und auf Behinderten-Parkplätzen zu parken. Bei Kultur- und Freizeitveranstaltungen gibt es oft Preisnachlässe, wenn man einen Schwerbehindertenausweis vorlegt.

Quelle: ntv.de, 25.01.2018