Personalmangel in der Altenpflege „Wir laufen auf eine Katastrophe zu“

Kurz vor der Wahl wird der Pflegenotstand zum Thema. Im Interview spricht Ökonom Stefan Sell von Niedriglöhnen und Personalmangel – und erklärt, weshalb Altenpfleger in die Gewerkschaft eintreten sollten.

Ein Interview von

Selten hat eine Bürgerfrage in einer Wahlsendung so viel Wirkung erzielt wie die von Alexander Jorde: Am 11. September konfrontierte der angehende Krankenpfleger in der ARD Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit seinem Berufsalltag. Die Würde des Menschen, laut Grundgesetz eigentlich unantastbar, werde in Wirklichkeit in Deutschland „tagtäglich tausendfach verletzt“. Es gebe einfach zu wenig Pflegepersonal.

Seitdem präsentiert vor allem die SPD Vorschläge gegen den Pflegenotstand: Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert ein Lohnplus von 30 Prozent für Altenpfleger. Parteichef Martin Schulz verspricht einen „Neustart in der Pflegestruktur“ binnen 100 Tagen und verbindliche Personalschlüssel – wofür sich auch Merkel einsetzen will.

Der Koblenzer Ökonom und Sozialwissenschaftler Stefan Sell befasst sich seit Jahren mit den Missständen in der Pflege. Er kritisiert, dass die Pflegemisere vor dem TV-Auftritt des Pflege-Azubis überhaupt keine Rolle im Wahlkampf gespielt habe und in den Programmen der Parteien stiefmütterlich behandelt werde. Tatsächlich finden sich dort – mit Ausnahme der Linken – kaum konkrete Forderungen, sondern eher unbestimmte Versprechen, sich des Themas anzunehmen.

Entsprechend skeptisch ist Sell, dass die Pflege von einer neuen Bundesregierung tatsächlich so hoch auf die Agenda gesetzt wird, wie es die Kanzlerin und ihr Herausforderer versprechen: „Darauf würde ich nicht wetten.“

  • Stefan Sell, Jahrgang 1964, ist Professor für Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften an der Hochschule Koblenz. Auf seinem Fachblog „Aktuelle Sozialpolitik“ setzt er sich mit den Tiefen und Untiefen der Sozialpolitik auseinander.

SPIEGEL ONLINE: SPD-Kandidat Martin Schulz verspricht einen „Neustart in der Pflegestruktur“, CDU-Kanzlerin Angela Merkel spricht von einer „großen Herausforderung“. Wie groß ist der Notstand in der Pflege wirklich?

Sell: Das kommt darauf an, was Sie mit „die Pflege“ meinen – die Altenpflege oder die Pflege in den Krankenhäusern? Das sind zwei sehr unterschiedliche Systeme mit unterschiedlichen Strukturen und Problemen. Missstände gibt es zwar in beiden, aber in der Altenpflege laufen wir auf eine regelrechte Katastrophe zu: Bereits jetzt meldet die Bundesagentur für Arbeit einen flächendeckenden Mangel an Fachkräften. In Bremen – und nicht nur dort – dürfen einige Pflegeheime keine neuen Bewohner aufnehmen, weil sie nicht genügend Fachkräfte haben.

SPIEGEL ONLINE: Wieso ist die Situation in der Altenpflege noch kritischer als bei der Krankenpflege?

Sell: Altenpfleger verdienen im Schnitt bis zu 30 Prozent weniger als Krankenpfleger. Ein examinierter Altenpfleger – also eine versierte Fachkraft mit einer Ausbildung von mindestens drei Jahren – bekommt nur unbedeutend mehr als ein Helfer in der Krankenpflege, dessen Ausbildung ein bis zwei Jahre dauert. Diese Lohnlücke zwischen Alten- und Krankenpflege muss dringend geschlossen werden.

SPIEGEL ONLINE: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert genau das: ein Lohnplus in der Altenpflege von 30 Prozent. Dafür soll der Beitragssatz zur Pflegeversicherung um einen halben Prozentpunkt steigen. Reicht das?

Sell: Ein halber Prozentpunkt klingt nach wenig, bedeutet in absoluten Zahlen aber Mehreinnahmen von 7,2 Milliarden Euro im Jahr – allein für die absolut dringendste Maßnahme. Für eine gute Pflege in beiden Bereichen werden wir insgesamt noch sehr viel mehr Geld zusätzlich ausgeben müssen. Immerhin stimmt die Finanzierungsrechnung für diese erste Maßnahme: Gesundheitsökonomen haben die Kosten für gleiche Löhne in Alten- und Krankenpflege mit 5,9 Milliarden Euro berechnet. Aber das Geld muss auch bei den Altenpflegern ankommen. Das wird absehbar nicht geschehen, wenn man sich darauf beschränkt, nur mehr Geld ins System zu geben.

SPIEGEL ONLINE: Weil die Heimbetreiber das Geld in die eigene Tasche stecken würden?

Sell: Tatsächlich werden fast die Hälfte der Heime von privatgewerblichen Trägern betrieben – also von Unternehmen, deren Zweck es ist, Gewinn zu machen. Es wäre aber falsch, die Schuld allein bei ihnen zu suchen: Sie müssen betriebswirtschaftlich denken, das hat der Gesetzgeber bewusst so entschieden. Wenn man aber ein derart sensibles Gut wie die Altenpflege schon den Kräften des Marktes öffnet, muss man die Rahmenbedingungen so setzen, dass weder die Bewohner noch die Mitarbeiter darunter leiden. Und hier liegt einiges im Argen.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Sell: Es gibt in der Altenpflege keine gesetzlich verbindlichen Personalschlüssel, sondern ein indirektes System: Abhängig vom Pflegegrad der Bewohner wird der Personalbedarf berechnet, wobei sich das von Bundesland zu Bundesland unterscheidet. Für den höchsten Grad 5 gilt derzeit zum Beispiel in Bayern ein Richtwert von 1,79 Pflegekräften pro Bewohner. Auf dieser Grundlage bekommen die Heime dann Geld von der Pflegeversicherung. In der Theorie funktioniert das, in der Praxis produzieren Sie damit aber strukturell einen Personalmangel.

SPIEGEL ONLINE: Wie kommt das?

Sell: Angenommen, Sie betreiben ein Pflegeheim mit 50 Plätzen, sind voll belegt und haben ausschließlich Bewohner im höchsten Pflegegrad. Wenn Sie nun entsprechend dem Schlüssel Pflegekräfte fest anstellen, kommen Sie schnell in ein Dilemma: sobald nämlich einige ihrer Bewohner mit dem höchsten Pflegegrad versterben und die Bewohner, die Sie neu aufnehmen, niedrigere Pflegegrade haben. Für die bekommen Sie natürlich weniger Geld aus der Pflegeversicherung – auf ihrer Gehaltsliste stehen aber immer noch so viele Pflegekräfte wie zuvor. Aus diesem Grund kalkulieren die allermeisten Betreiber ihr Personal unter dem eigentlichen Bedarf.

SPIEGEL ONLINE: Sie plädieren also für verbindliche Personalschlüssel, wie ihn jetzt sowohl Kanzlerin Merkel als auch Herausforderer Schulz ins Spiel bringen?

Sell: Ja, umso mehr, als die Pflegeversicherung eine Teilkaskoversicherung ist: Sie trägt ja nur einen Teil der Kosten, den anderen müssen die Bewohner und ihre Angehörigen selbst bezahlen – oder die Sozialämter. Ohne verbindliche Personalschlüssel ist die Versuchung für Betreiber groß, das zusätzliche Geld aus der Pflegeversicherung zum Beispiel dazu zu verwenden, die Eigenbeteiligung zu senken und sich so einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Selbstverständlich müsste nicht nur ein allgemeiner und verbindlicher Personalschlüssel eingeführt werden. Auch die derzeitige Fachkraftquote von 50 Prozent darf auf keinen Fall abgesenkt werden, wie das die privaten Heimbetreiber gerade fordern. Und selbstverständlich müsste den Betreibern zugestanden werden, ihr Personal auch dann halten zu können, wenn sich die Bewohnerstruktur wie im eben beschriebenen Szenario ändert. Sonst sparen sie nämlich an anderer Stelle zum Nachteil von Bewohnern und Mitarbeitern.

SPIEGEL ONLINE: Steigen bei einem verbindlichen Personalschlüssel automatisch die Löhne in der Altenpflege?

Sell: Das bleibt abzuwarten. In jedem Fall würde der Bedarf an Altenpflegern noch einmal steigen – und zumindest in der ökonomischen Theorie müssten die Heimbetreiber ordentlich mehr Geld bieten, um überhaupt Personal zu bekommen. Allerdings besteht in der Altenpflege ein starkes Kräftegefälle zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen werden viele Heime von kirchlichen Trägern betrieben – und nach wie vor wird ihren Angestellten das fundamentale Recht zum Streik verwehrt. Und wo das nicht der Fall ist, sind zum anderen nur sehr wenige Pflegekräfte in einer Gewerkschaft, die gute Flächentarifverträge durchsetzen könnte. Man kann den Pflegekräften nur raten: Organisiert euch!

SPIEGEL ONLINE: Wenn es ohnehin bereits einen Fachkräftemangel gibt: Woher sollen die zusätzlich benötigten Altenpfleger denn kommen?

Sell: Die Lage ist tatsächlich schwierig, aber es gibt durchaus Potenzial: So steigt die Zahl derer, die eine Ausbildung absolvieren, auch weil einige Länder hier jüngst investiert und die Bedingungen verbessert haben – obwohl die Löhne so niedrig sind. Bei einem erheblichen Lohnplus dürften sich noch mehr Menschen für eine Ausbildung entscheiden. Außerdem arbeiten viele Pflegekräfte in Teilzeit, einige von ihnen könnten durch Anreize dazu gebracht werden, ihre Arbeitszeit zu verlängern. Viele Fachkräfte in der Altenpflege werden zudem durch eine qualifizierte Umschulung älterer Menschen gewonnen, das kann man weiter ausbauen. Und wenn das Berufsbild endlich aufgewertet wird, dann steigt auch die Ausbildungsnachfrage.

Quelle: Spiegel Online 22.09.2017

Ärzte raten zur rechtzeitigen Grippeschutzimpfung

Berlin – Mit Beginn der kühlen Jahreszeit naht die jährliche Grippewelle. Ärzteverbän­de, Kassenärztliche Vereinigungen (KV) sowie Ärztekammern raten vor allem Risiko­gruppen, sich auch in diesem Jahr impfen zu lassen. Nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Grippesaison: Im Winter 2016/2017 hatte das Robert-Koch-Institut mehr als 113.000 Influenzafälle registriert, mehr als 675 davon verliefen tödlich.

„Gerade ältere Menschen brauchen oft sehr lange, bis sie sich von der Infektion erholt haben“, erklärte Andreas Leischker, Impfexperte der Deutschen Gesellschaft für Geria­trie (DGG). Vor allem für ältere, chronisch kranke und immungeschwächte Menschen sowie Schwangere berge die Krankheit ein hohes Risikopotenzial. Der Berufsverband der Frauenärzte warnte, bei grippeerkrankten Schwangeren steige die Gefahr einer Frühgeburt.

Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen empfiehlt die Schutzimpfung vor allem für Risiko­gruppen. Aber auch Personen, die in Beruf oder Freizeit viel Kontakt zu anderen Menschen hätten, sollten sich impfen lassen. Da sich die Eigenschaften der Grippeviren von Saison zu Saison verändern, musste die Stammzusammensetzung der Influenza-Impfstoffe auch für dieses Jahr aus Bestand­teilen der aktuell weltweit zirkulierenden Influenza-Virustypen neu entwickelt werden. „Deshalb ist es notwendig, sich jedes Jahr gegen Grippe impfen zu lassen“, macht der Präsident der hessischen Ärztekammer, Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, deutlich.

„Es geht nicht nur um den Individual-, sondern um den Kollektivschutz“, sagte auch Wolfgang-Axel Dryden, Vorsitzender der KV Westfalen-Lippe. Je mehr Menschen gegen Grippe geimpft seien, desto schwerer könnten sich die gefährlichen Viren ausbreiten.

Laut KV Brandenburg (KVBB) sind Oktober und November die besten Monate für die Schutzimpfung. „Nach der Impfung dauert es etwa 14 Tage, bis der Körper einen ausreichenden Schutz aufgebaut hat“, verdeutlichte KVBB-Vize Andreas Schwark. Vor diesem Hintergrund hat der niedersächsische Hausärzteverband seine Mitglieder bereits vor Wochen aufgefordert, aktuelle Grippeimpfstoffe in ausreichender Menge zu bevorraten.

© hil/sb/aerzteblatt.de

Schleichendes Vergessen: Wie äußern sich Alzheimer und Demenz?

Es beginnt mit Gedächtnislücken und Sprachproblemen. Die Kranken werden orientierungslos und können sich nicht mehr erinnern. Schließlich verlieren sie ihre Selbstständigkeit und erkennen ihre Angehörigen nicht mehr. Jahr für Jahr erhalten in Deutschland rund 300.000 Menschen die Diagnose Demenz oder Alzheimer. Zum Weltalzheimertag am heutigen Donnerstag machen Verbände erneut auf die Krankheit aufmerksam, die der Nervenarzt Alois Alzheimer 1906 erstmals beschrieb. Fragen und Antworten:

Was ist Alzheimer?

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. In Deutschland gelten der Deutschen Alzheimergesellschaft zufolge heute etwa 1,6 Millionen Menschen als demenzkrank. Ungefähr zwei Drittel davon haben Alzheimer. Die Erkrankung des Gehirns führt zum Verlust von geistigen Funktionen wie Denken, Sprache, Urteilsfähigkeit und Orientierung sowie zum Absterben oder einer starken Schädigung von Gehirnzellen vor allem in der Hirnrinde.

Welche Symptome zeigen sich?

Alzheimer beginnt mit Vergesslichkeit und mangelndem Antrieb. Im weiteren Verlauf werden die gewohnten Handlungen immer schwieriger. Der Patient vergisst häufiger Worte, wird orientierungslos und kann sich nicht mehr erinnern. Einfache Handgriffe wie das Öffnen und Schließen von Knöpfen werden unmöglich. Schließlich verliert der Patient seine Selbstständigkeit und erkennt seine Angehörigen nicht mehr. Die Störungen des Denk- und Urteilsvermögens lassen ein normales Alltagslebens immer schwieriger werden. Viele Betroffene werden misstrauisch, aggressiv oder depressiv.

Was löst die Krankheit aus?

Die genauen Ursachen sind noch nicht endgültig geklärt. Das Gehirn von Alzheimerkranken weist typische Eiweißablagerungen auf. Fehlgeleitete Stoffwechselvorgänge schädigen die Nervenzellen. Die für das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit wichtigen Übertragungsstoffe im Gehirn können dann nicht mehr gebildet werden. In 90 Prozent der Fälle wirken genetische Faktoren, Alterungsprozesse und Vorerkrankungen des Gehirns und Umwelteinflüsse zusammen. In sehr wenigen Fällen gibt es eine rein erbliche Veranlagung.

Wer ist betroffen?

Zwar kann die Krankheit auch schon vor dem 50. Lebensjahr auftreten, das Alter ist aber unbestritten der größte Risikofaktor für Alzheimer. Etwa zwei Drittel der Betroffenen sind älter als 80 Jahre, fast 70 Prozent sind zudem Frauen. 2015 wurden mehr als 19.000 Alzheimerpatienten in Kliniken behandelt – fast doppelt so viele wie 15 Jahre zuvor.

Gibt es Aussicht auf Heilung?

Eine Heilung ist bislang nicht möglich. Durch eine rechtzeitige Therapie mit Medikamenten kann der Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit aber etwas hinausgezögert werden. Auch Verhaltens-, Musik- oder Erinnerungstherapien können die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Die Forschung konzentriert sich nicht nur auf Therapien, sondern auch auf die Früherkennung. Denn die Krankheit wird meist erst erkannt, wenn die geschädigten Hirnzellen unwiederbringlich verloren sind. Eine verlässliche Methode zur Früherkennung würde die Chance erhöhen, den Krankheitsverlauf zumindest zu verzögern.

Kann etwas zur Vorbeugung getan werden?

Experten empfehlen geistige, körperliche und soziale Aktivitäten zur Verringerung des Risikos, an Alzheimer zu erkranken. Empfohlen wird auch eine ausgewogene sowie fett- und cholesterinarme Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes. Untersuchungen zeigten, dass die Zunahme der Erkrankungen in manchen Ländern nicht mehr so groß ist wie erwartet. Als Grund dafür werden eine gesündere Lebensweise und rege Hirnaktivität vermutet.

Was sind die Prognosen für die Zukunft?

Bis zum Jahr 2050 wird sich die Zahl der Demenzkranken Schätzungen zufolge auf etwa drei Millionen nahezu verdoppeln, sofern kein Durchbruch in der Prävention und Therapie gelingt.

Quelle: ntv.de, 21.09.2017

 

Heime am Limit: Deutschland droht ein Aufnahmestopp für Pflegebedürftige

Die Zahl der Pflegebedürftigen ist seit Jahresbeginn deutlich angestiegen. Bei den Pflegekassen waren vergangenes Jahr 2,75 Millionen Männer und Frauen registriert. Ende Juni 2017 waren es 3,1 Millionen und damit 350.000 Menschen oder 12,9 Prozent mehr.

Das geht aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Linke-Bundestagsfraktion hervor, wie die „Passauer Neuen Presse“ vom Dienstag berichtet.

Gegenüber 1999 ist die Zahl der Pflegebedürftigen um mehr als die Hälfte (54 Prozent) gestiegen, vor acht Jahren lag sie bei zwei Millionen. Wie aus der Antwort des Ministeriums hervorgeht, werden heute auch deutlich mehr Menschen ausschließlich zu Hause von ihren Angehörigen versorgt. Hier stieg die Zahl von einer Million im Jahr 1999 auf 1,4 Millionen im Jahr 2015. Die Hälfte der Pflegebedürftigen wurde 2015 daheim betreut.

Fast doppelt so viele Pfleger wie zur Jahrtausendwende

Seit 1999 hat auch das Pflegepersonal erheblich zugenommen. Bei ambulanten Pflegediensten waren 1999 183.000 Menschen beschäftigt, 2015 waren es 355.000, also fast doppelt so viele. In Pflegeheimen stieg die Zahl der Beschäftigten von 441.000 auf 730.000.

Die Linksfraktion sieht im starken Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen ein Alarmsignal: „350.000 pflegebedürftige Menschen mehr in sechs Monaten offenbaren einen gewaltigen politischen Handlungsbedarf“, sagte Vizefraktionschefin Sabine Zimmermann der „Passauer Neuen Presse“.

Heime verhängen Aufnahmestopps

Die bisherige Politik setze auf Angehörige als „Ersatzpflegedienst der Nation“. „Während in Pflegeheimen Aufnahmestopps verhängt werden, weil Pflegekräfte fehlen, sollen die Angehörigen noch stärker in die Bresche springen“, erklärte die Linke-Politikerin.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz erklärte bereits am Montag, es gebe einen dramatischen Personalmangel und strukturelle Probleme. In der Altenpflege werde die Würde der Menschen „mit Füßen getreten in vielen Fällen“. Sollte er Bundeskanzler werden, wolle er einen „Neustart in der Pflege“ initiieren – und zwar innerhalb der ersten 100 Regierungstage. Nötig seien mehr Personal in der Pflege, eine bessere Bezahlung der Pfleger und mehr Plätze für Pflegebedürftige.

Quelle: focus.de, 21.09.2017

Ablagerungen nachweisbar: Alzheimer zeigt sich im Urin

Die genaue Diagnose der Alzheimer-Krankheit (Morbus Alzheimer) ist nicht einfach. Ein spezielles bildgebendes Verfahren kann die typischen Ablagerungen, Plaques genannt, nachweisen – es wird jedoch nicht überall angeboten, belastet den Körper des Patienten mit radioaktiver Strahlung und ist zudem sehr teuer.

Teile der Ablagerungen und Abbauprodukte aus dem nervenzerstörenden Prozess der Erkrankung lassen sich zwar auch in der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit der Patienten finden; die Entnahme dieser Flüssigkeit ist jedoch ein ziemlich starker Eingriff mit entsprechenden Risiken. Forscher sind daher auf der Suche nach einem günstigeren, weniger oder gar nicht invasiven Diagnosemittel. Wissenschaftler um Prof. Cheng am Neurologischen Institut der Medizinischen Universität Tianjin in China untersuchten daher eine weitere Quelle für Hinweise auf eine Alzheimererkrankung: den Urin. Dort lässt sich nämlich, so wie im Gehirngewebe oder der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit, bei Alzheimerpatienten das Protein AD7c-NTP vermehrt nachweisen, das unter anderem als Auslöser für das Absterben von Nervenzellen und Fehlfunktionen der Mitochondrien, der „Kraftwerke der Zellen“, verstanden wird.

Test der Diagnose-Aussagekraft anhand Urinprobe

Um die Aussagekraft einer Diagnose anhand der Urinprobe zu testen, untersuchten die Forscher 22 Patienten, die leicht bis mäßig an Alzheimer erkrankt waren, und verglichen sie mit 8 Patienten, die unter leichter Beeinträchtigung der Denkleistung (leichte kognitive Beeinträchtigung, LKB) litten. Bei allen Patienten wurde der Zusammenhang zwischen AD7c-NTP im Urin, Ablagerungen im Gehirn und klinischen Symptomen der Alzheimererkrankung oder der leichten kognitiven Beeinträchtigung untersucht.

Mithilfe eines speziell auf Alzheimerplaques zugeschnittenen bildgebenden Verfahrens wurde die Menge der alzheimertypischen Ablagerungen bei allen Patienten gemessen. Die Konzentration des AD7c-NTP-Proteins im Urin wurde in einer Laboranalyse ermittelt. Zusätzlich wurden erste Hinweise auf eine Demenzerkrankung in der Denkleistung und Verhaltensauffälligkeiten mit zwei verschiedenen Tests überprüft.

Unterscheidung von wahrscheinlich an Alzheimer erkranken Patienten

63,6 Prozent der Alzheimerpatienten (14 von 22) und 25,0 Prozent der leicht kognitiv beeinträchtigten Patienten (2 von 8) zeigten die Alzheimerablagerungen. Die Menge des AD7c-NTP-Proteins im Urin war interessanterweise höher, wenn die Patienten Ablagerungen zeigten, als wenn dies nicht der Fall war. Anhand dieses Urinwerts ließen sich damit die Patienten, die wahrscheinlich an Alzheimer erkrankt waren, von denen unterscheiden, bei denen das sicher nicht der Fall war. Die Denkleistungs- und psychiatrischen Tests schienen bis auf einen Wert dagegen nicht mit dem Urinwert übereinzustimmen. Lediglich die bei Demenzpatienten häufige Unruhe zeigte sich bei hoher AD7c-NTP-Konzentration auch verstärkt.

Die Urinkonzentration des nervenschädigenden AD7c-NTP-Proteins zeigte demnach eine gute Vorhersage über die alzheimertypischen Ablagerungen im Gehirn und spiegelte ebenso ein Verhaltenssymptom der Alzheimerdemenz, die Unruhe, wider. Damit erlaubt dieser Wert möglicherweise eine günstige, schnelle und patientenfreundliche Diagnosealternative. Die klinische Anerkennung einer solchen Diagnostik könnte eventuell auch Patienten in frühen Stadien einer möglichen Erkrankung erkennen und ihnen schneller eine optimierte Behandlung ermöglichen.

Quelle: ntv.de, 21.09.2017

Viele Deutsche sind beim Thema Demenz verunsichert

Repräsentative ZQP-Studie zur Woche der Demenz: Viele Deutsche werden im Alltag mit Demenz konfrontiert. Etwa 50 Prozent der Bürger über 18 Jahren fühlen sich unsicher, was sie tun können, wenn ein Mensch mit Demenz Hilfe benötigt.

In Deutschland leben schätzungsweise 1,6 Millionen Menschen mit Demenz. Entsprechend viele Bundesbürger sind privat damit konfrontiert. Dies unterstreicht eine aktuelle Studie der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). Dort gaben knapp zwei Drittel (61 Prozent) der Befragten an, mindestens einen Menschen mit Demenz persönlich zu kennen oder gekannt zu haben. Jeder Zehnte (11 Prozent) unterstützt sogar einen Nahestehenden mit Demenz oder hat dies früher getan.

Aber auch im öffentlichen Raum – zum Beispiel beim Einkaufen oder in Bus und Bahn – ist das Thema Demenz offenbar präsent. Jeder Dritte Befragte (37 Prozent) erinnerte sich, innerhalb der letzten drei Monate eine Person in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu haben, bei der er sich vorstellen könnte, dass diese von Demenz betroffen war. Knapp ein Viertel von ihnen (23 Prozent) hatte dabei den Eindruck, dass die Person allein unterwegs war und nicht gut zurechtkam. Gleichzeitig sieht sich die Hälfte der Bevölkerung (50 Prozent) eher schlecht in der Lage, einem demenziell Erkrankten in einer solchen Situation zu helfen.

„Auf einen Menschen zuzugehen, der zum Beispiel verloren durch einen Supermarkt irrt, ist für viele natürlich mit Hemmungen verbunden. Man ist oft hin und her gerissen, will niemanden vor den Kopf stoßen, hat aber trotzdem das Gefühl, dass etwas nicht stimmt“, erklärt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. „Ich kann nur alle ermutigen, sich etwas Zeit zu nehmen, ein Gespräch zu beginnen und gegebenenfalls höflich nachzufragen, ob man helfen kann. Vielleicht gibt es gar keinen Hilfebedarf und bestehende Probleme müssen natürlich nichts mit Demenz zu tun haben. Aber viele Menschen mit Demenz sind eben auf den Mut angewiesen, dass sich andere kümmern“, so Suhr weiter.

Tatsächlich ist der Wunsch die eigene Hilfekompetenz zu verbessern, in der Bevölkerung verbreitet: So wollten 44 Prozent mehr über Umgang und Kommunikation mit Menschen mit Demenz erfahren. Bei den 18- bis 29-Jährigen waren es sogar 55 Prozent. Aber auch Wissen zu anderen Aspekten wie Vorsorge (58 Prozent) oder Therapie (53 Prozent) ist gefragt.

Daher unterstützt das ZQP die Aktion „Demenz Partner“ der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Dabei bieten bundesweit verschiedene Einrichtungen 90-minütige kostenlose Veranstaltungen an, die Kerninformationen zum Thema Demenz vermitteln. „So ein Kurs baut Berührungsängste ab und gibt Sicherheit“, ist Suhr überzeugt.

Es werden auch umfänglichere Demenz-Partner-Schulungen angeboten, die für alle interessant sein können, die sich intensiv um Menschen mit Demenz kümmern und unter anderem Hinweise suchen, wo sie Unterstützung finden. Die Studie zeigt, dass ein knappes Viertel der Befragten (24 Prozent), die Erfahrungen in der Unterstützung und Pflege eines nahestehenden Menschen mit Demenz haben, keine Unterstützungsangebote genutzt hat. Immerhin hatten 35 Prozent professionelle Pflegeberatung in Anspruch genommen, 28 Prozent Kurzzeitpflege, 27 Prozent Verhinderungspflege und 23 Prozent Tagespflege.

Die vollständige Analyse, die Adressen zu über 4.500 Beratungsangeboten bundesweit und den aktuellen ZQP-Ratgeber für Partner von Menschen mit Demenz finden Sie kostenlos auf www.zqp.de.

Methoden und Vorgehensweise der Untersuchung

In der, dieser Auswertung zugrundeliegenden, anonymen Bevölkerungsumfrage wurden mittels einer repräsentativen Stichprobe Einstellungen aus den Themenbereichen „Demenz“ und „Pflege demenzkranker Personen“ erfragt. Die Stichprobengröße beträgt 2.501 Befragte (n = 2.501). Die Befragung wurde vom 26. Juli bis 7. August 2017 durchgeführt. Als Erhebungsmethode kam die In-Home-Befragung per PC bzw. Set-Top-Box am TV-Bildschirm zum Einsatz. Anschließend wurde die Personenstichprobe nach Region, Alter, Geschlecht und Bildung gewichtet.

Über die Woche der Demenz

Vom 18. bis 24. September 2017 findet zum dritten Mal die „Woche der Demenz“ unter der gemeinsamen Schirmherrschaft des Bundesfamilienministeriums und Bundesgesundheitsministeriums statt. Sie ist zentraler Programmpunkt der nationalen Allianz für Menschen mit Demenz, die auch das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) als Kooperationspartner unterstützt. Die bundesweite Aktionswoche steht in diesem Jahr unter dem Motto „Die Vielfalt im Blick“.

In der Aktionswoche finden bundesweit zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen statt, darunter Informationstage, Workshops und Vorträge, Film- und Theateraufführungen, Tanzveranstaltungen und Gottesdienste für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Organisiert werden sie von regionalen Alzheimergesellschaften, Selbsthilfegruppen und den rund 500 lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz.

Über Demenzpartner

Seit September 2016 läuft die bundesweite Aufklärungsinitiative „Demenz Partner“. Ziel ist es, auf Demenz aufmerksam zu machen und darüber zu informieren. Jeder kann Demenz Partner werden – egal ob jung oder alt, berufstätig oder im Ruhestand, egal ob man einen Menschen mit Demenz persönlich kennt oder nicht. Voraussetzung: Demenz Partner haben einen Kurs zum Thema Demenz besucht oder bieten einen solchen an. Mittlerweile gibt es bundesweit über 16.000 Demenz Partner. Träger ist die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Anknüpfend an die weltweite Aktion „Dementia Friends“, wird die Initiative inzwischen von einigen hundert Organisationen in ganz Deutschland unterstützt – so auch vom ZQP als Mitglied der Allianz für Menschen mit Demenz.

Quelle: adhoc.de, 20.09.2017

Männer, ab in die Pflege!

Pflege ist ja immer Hochleistungsarbeit, übrigens meist für alle Beteiligten. Herr K. spürt das ganz genau, er hat es bis zuletzt gespürt. Wochen zuvor war der Mann schwer gestürzt und seit diesem Tag querschnittsgelähmt; ein Pflegefall mit 100 Kilo Körpergewicht. Mindestens einmal am Tag musste man Herrn K. fortan zur Seite drehen, damit der Stuhl in eine Pappschale abfließt. Das stinkt dem Patienten, das stinkt im Zimmer, das stinkt auch den Pflegern, genauer: den Pflegerinnen.

Nur: Es muss nun mal sein; irgendwer muss es ja machen. Und wer macht es?

2015 hat ein Team um die Harvard-Professorin Ana Langer im Fachmagazin The Lancet schier unglaubliche Zahlen zusammengetragen: Die Analyse von Daten aus 32 Ländern, die etwa die Hälfte der Weltbevölkerung beheimaten, zeigt, dass Frauenarbeit als Beitrag zur globalen Gesundheitsversorgung einen Gegenwert von drei Billionen Dollar hat. Unbezahlte Arbeit von Frauen im Gesundheitsbereich, also auch die ehrenamtliche Versorgung von Angehörigen, macht etwas mehr als zwei Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts aus. Pflege ist, weltweit betrachtet, weiblich, oftmals prekär und eben auch privat. Die Öffentlichkeit hält sich raus, so gut es geht. In Deutschland werden mehr als zwei Drittel aller Menschen zu Hause gepflegt. Und streng genommen will ja eigentlich keiner so genau wissen, wie das war mit Herrn K. und seiner völlig intakten Verdauung.

Soweit die Zustandsbeschreibung. Man könnte nun die üblichen Forderungen aufstellen: Es braucht mehr Geld, mehr Anerkennung, mehr Arbeitskräfte in der Pflege. Das stimmt zweifelsohne, doch eine Kleinigkeit fehlt: Es braucht – dringend – mehr Männer!

Allein ein Blick auf die Statistik macht das deutlich: In den kommenden fünfzehn Jahren wird die Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland von 2,5 auf 3,5 Millionen Menschen ansteigen; und es ist davon auszugehen, dass weiter der Großteil zu Hause gepflegt werden will – und muss. Eine Entfeminisierung der Pflege, wie es in der Fachsprache so schön heißt, wird, ob nun gewollt oder nicht, in den kommenden Jahren dringend nötig sein; schlichtweg nur, um den Bedarf an Arbeitskräften zu decken. Und das passiert schon längst: Die Zahl der Männer in der ambulanten und stationären Pflege steigt, wenn auch nur zaghaft, seit Jahren an. Im privaten Umfeld sind immerhin ein Viertel der Pflegenden Männer. In der Öffentlichkeit sind diese Zahlen wenig bekannt, das Bild ist weiterhin starr: Pflege ist die Arbeit sich aufopfernder Frauen.

Aus Sicht eines modernen Feminismus, der sich weitaus weniger auf die Problembeschreibung als auf die Problemlösung konzentriert, wird die Frage nach Männern in der Pflege in naher Zukunft zentral werden (müssen). Denn wenn sich nicht die Männer stärker einbringen, dann werden immer mehr Frauen in der Pflege arbeiten, anstatt Berufe zu ergreifen, mit denen sie sichtbar Einfluss auf die äußere Welt nehmen. Geisteswissenschaftler nennen das die „innere“ im Gegensatz zur „äußeren“ Arbeitswelt. Die steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen könnte dazu führen, dass Frauen immer mehr in diese innere Arbeitswelt zurückgedrängt werden: Pflege, Pflege, Pflege.

Es lohnt sich daher, einem zweiten Szenario ein paar Gedanken zu schenken: Wer ernsthaft und nachhaltig Frauen den Zugang zu einer äußeren Arbeitswelt gewähren will, also Arbeit außerhalb der eigenen vier Wände, der muss Männer dazu bringen, sich in der inneren Arbeitswelt zu engagieren. Feminismus ist in puncto Arbeit ein Stück weit auch ein Tauschgeschäft, weshalb man den Begriff „Equitismus“ einführen sollte: Eine gerechtere Welt würde entstehen, wenn Arbeit und deren Anerkennung eben auch möglichst gerecht verteilt werden würde.

Es geht im theoretischen Diskurs zu dieser Frage also nicht darum, Männern ihren Kuchen des Erfolgs, also die äußere Arbeitswelt, streitig zu machen. Es geht darum, die Kuchenstücke gerecht auf alle Akteure einer Gesellschaft zu verteilen – und ja, auch die Frage zu formulieren, ob es Alternativen zu diesem Kuchen gibt. Also: Kann nicht auch die innere Arbeitswelt eine sein, in der Leistung, Erfolg und Geld zu Anerkennung führen? Oder auch: Wie kann eine Gesellschaft das Bild der weiblich-aufopfernden Pflege endlich aufbrechen?

Die Befreiung des Mannes von Rollenklischees

Die Antworten auf diese Fragen können nur dann gefunden werden, wenn Schluss ist mit dem noch immer herrschenden Vorurteil, dass feministische Debatten das Ziel verfolgten, Männer zu Verlierern degradieren zu wollen. Doch genau dieser Vorwurf ist zu erwarten: Solange Pflegearbeit die schlechtere Option ist im Vergleich zum Manager im schicken Anzug, werden Männer diese Aufgabe eher ablehnen. Und tatsächlich haben sich viele feministische Debatten in einer ausufernden Problembeschreibung verhakt, ja Feindbilder aufgebaut und verstärkt, statt konkrete Lösungen zu erarbeiten. Der Widerstand gegen viele Ideen ist auch deshalb weiterhin massiv.

Anderseits muss man eingestehen, dass der Kuchen der äußeren Arbeitswelt nach wie vor fest von Männerhänden umkrallt wird; zwar naschen Frauen immer wieder mal ein paar Krümel, aber mit Blick auf die Daten der Harvard-Autoren, auch mit Blick in deutsche Krankenhäuser und Pflegeheime, mit Blick in die Wohnzimmer alter, schwerkranker Menschen wird schnell klar, auf wessen Schultern schlecht bezahlte Gesundheitsarbeit in Deutschland und vielen Ländern dieser Erde noch immer lastet.

Weil es also ganz offensichtlich bislang nicht gelingt, Männer davon zu überzeugen, mit Frauen Anteile der äußeren gegen Anteile der inneren Arbeitswelt zu tauschen, braucht es eine alternative Strategie; eine Strategie, die diesen Tausch als Gewinn definiert; idealerweise für alle Beteiligten, Männer, Frauen, Pflegende.

Die Berufswahl „Pfleger“ gilt weithin als extrem unmännlich

Es mag ungerecht klingen, dass der Ruf nach besserer Bezahlung und höherer Anerkennung der Pflegejobs ausgerechnet dann ertönt, wenn es darum geht, Männer anzulocken. Aus pragmatischer Sicht aber muss genau das im Interesse eines modernen Feminismus sein. Noch immer sprudelt das Geld in der äußeren Arbeitswelt, noch immer wird die Produktion neuer Güter deutlich höher honoriert als die Pflege alter Menschen. Zwischenmenschliche Beziehungen sind nicht „produktiv“ nach Maßstäben des Kapitalismus; was in die Irre führt, denn es ist offensichtlich, dass der gesellschaftliche Wohlstand eines Landes ohne die unsichtbare und oftmals unbezahlte Pflegearbeit nicht zu halten wäre. Es muss gelingen, die Definition von Wert und Produktivität zu verändern – und dabei kommt es auf die Männer an.

Wer die Motivation von Männern steigern will, die innere Arbeitswelt für sich zu entdecken, muss bestehende Rollenbilder überdenken und Gewinnmöglichkeiten betonen; auch hier gilt die Idee des „Equitismus“: Eine Entfeminisierung der Pflege geht zwingend einher mit einer Befreiung des Mannes von Männlichkeitsklischees. Es ist bei Weitem nicht so, dass Männer nur von Frauen versorgt werden wollen. Insbesondere, wenn es um Ansprache, Austausch und ja, auch um die Versorgung des Intimbereichs geht. Dass dieses Anliegen aber weitgehend unbekannt und ungehört bleibt, liegt nicht selten auch an einem schier unüberwindbaren Rollenverständnis: Der Wunsch nach männlicher Pflege, aber auch die Berufswahl „Pfleger“ gilt weithin als extrem unmännlich.

Ein Mann, der täglich Menschen wäscht, sie ankleidet oder Essen anreicht, riskiert auf Dauer eine Kränkung seiner männlichen Identität. Denn er muss zupackend, fordernd, wenig intim, wenig liebevoll sein. Er riskiert Häme und Spott, und sei es nur ein nett gemeinter Satz wie: „Toll, dass du dich traust, so einen Frauenberuf zu machen – ich könnte das ja nicht.“

Genau deshalb ist wichtig, die Pflegearbeit gesellschaftlich neu zu definieren und die bekannten Geschlechtsstereotypen aufzubrechen. Das ist eine Aufgabe, die sich übrigens auch an Frauen richtet. Denn auch sie tragen Geschlechterklischees weiter.

Die Frage also, wie man die intrinsische Motivation von Männern steigern könnte, die innere Arbeitswelt nicht als Bedrohung, sondern als persönliche Chance zu sehen, liegt womöglich im eigenen Schicksal: Die Wahrscheinlichkeit, selbst einmal zum Pflegefall zu werden, ist im Zuge einer voranschreitenden Lebenserwartung deutlich gestiegen. Und wer selbst auf Pflege angewiesen ist, freut sich ungemein über Menschen, die professionell und ausgeschlafen arbeiten; und im Idealfall auch noch anständig bezahlt werden.

Gleiches gilt für den Fall, als Angehöriger eines Tages mit einem Pflegefall konfrontiert zu sein; man mag es kaum glauben, aber auch das betrifft immer wieder mal einen Mann. Je mehr Wissen also über Pflege in der gesamten Gesellschaft vorhanden ist, desto eher kann dieses Wissen im häuslichen, privaten Umfeld zum Einsatz kommen. Männer in der Pflege also arbeiten als Vorreiter für eine gleichberechtigte Welt, indem sie Gedankengrenzen sprengen – und ja, auch, indem sie andere Männer ermutigen, sich frei zu machen von dem Bild des starken Mackers, der so ziemlich alles darf, nur nicht Patienten wie Herrn K. beim Stuhlgang zu helfen.

Diese Befreiung kann sich sogar wahrhaftig großartig anfühlen: Vor Kurzem geisterten Fotos einer Werbung für Klodüfte durch das Internet. Die Variante für Frauen war in rosa gehalten, für „WC-Püppchen“ stand darauf – mit Blütenstaub. Die Variante für Männer, ganz in Blau, wurde mit dem Slogan „Für Sprengmeister“ angepriesen. Es ist genau dieser Erfahrungsschatz, ja das wunderbare Wissen über den menschlichen Körper, das man insbesondere in der inneren Arbeitswelt erlernen darf. Wer nur mal für ein paar Wochen die Chance hat, Patienten in einem Heim oder in der ambulanten Pflege zu betreuen, wird erfahren, dass auch Frauen beim Klogang wahre Sprengmeister sein können – und so mancher Mann ein WC-Püppchen.

Quelle: SZ.de, 18.09.2017

Die Gründer : Gegen den Widerstand der Krankenkassen

Paul Brandenburg hatte Spätdienst auf der Intensivstation. Ein Patient wurde eingeliefert, der mehr als zwölf Minuten ohne Kreislauf in der Sauna des städtischen Schwimmbades gelegen hatte. Der Notarzt, der dorthin zu Hilfe gerufen wurde, reanimierte den Bewusstlosen. „Er hatte das Pech, dass er überlebt hat“, beschreibt Brandenburg das Ergebnis des Einsatzes, das ihn zur Gründung seines Start-ups verleitete. „Für den Patienten bestand keinerlei Chance auf Genesung oder aus dem Koma wieder zu erwachen. Es lag aber keine Patientenverfügung vor“, sagt Brandenburg, Facharzt für Allgemein- und Notfallmedizin, der weitere Notsituationen kennt, in denen die Verfügung nicht auffindbar oder derart formuliert war, dass sie für den Mediziner keine konkrete Aussagekraft hatte.

Er überlegte, wie ein System aussehen könnte, das die Informationen über die gewünschte Behandlung des Patienten zum Zeitpunkt des Notfalls für den behandelnden Arzt bereithält. Drei Jahre lang stellte er zusammen mit anderen Ärzten, Psychologen und Medizin-Juristen Überlegungen an.

Nur ein Drittel der Deutschen hat eine Patientenverfügung

Als die zeitliche Beanspruchung aus dem Start-up einen Umfang annahm, der es Brandenburg nicht mehr erlaubte, auch noch in Vollzeit als Notarzt tätig zu sein, kam der Sprung ins kalte Wasser: Er nahm bei der Bank einen Privatkredit auf. „Ich war von der Idee derart überzeugt, dass ich persönlich ins Obligo gegangen bin“, beschreibt Brandenburg seine ersten Schritte als Unternehmer.

Laut Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2014 ist ein Marktpotential für sein Vorhaben vorhanden: Nur ein Drittel der deutschen Bevölkerung besitzt eine Patientenverfügung, und mehr als 70 Prozent planen, eine zu erstellen. Im April 2015 gründete Brandenburg in seiner Heimatstadt Berlin das Unternehmen Dipat, das elektronische Patientenverfügungen anbietet. Der Kunde füllt online einen elektronischen Fragebogen mit Fragen zu Vorerkrankungen und bestimmten Medikamenten aus – aber auch zur Physis, die erhalten oder hergestellt werden soll, wenn der Patient nicht mehr selbst entscheiden kann.

Der Kunde wird befragt

Fragen wie „Sie verlieren dauerhaft die Fähigkeit, Sprache zu verstehen. Was andere sagen, hört sich nach unverständlichen Lauten an. Lesen können Sie jedoch. Würden Sie den Tod vorziehen?“ können in Abstufungen bejaht oder verneint sowie mit „Ich weiß es nicht“ beantwortet werden. Dabei erhält der Kunde online Hilfestellung und kann Rückfragen stellen.

Den bekundeten Behandlungswillen überträgt der Arzt im Notfall in entsprechende Maßnahmen: Der umgangssprachlich verwendete, aber medizinisch unpräzise Begriff der „künstlichen Beatmung“ wird, je nach Kontext, in „invasive Beatmung“, „Intubation“ oder „Anlage einer Trachealkanüle“ übersetzt, um mit der entsprechenden Folge unerwünschte Behandlungen auszuschließen. „Es wird in der medizinischen Wirklichkeit sehr schnell sehr konkret. Weit gefasste Beschreibungen versagen“, gibt Brandenburg zu bedenken. Deshalb müsse man den Kunden im Vorfeld befragen, was er genau wolle.

Ein Hinweis auf der Versichertenkarte

Die ausgedruckte und unterschriebene Patientenverfügung wird bei Dipat und beim Kunden hinterlegt. Der Arzt wiederum hat auf die Verfügung bei Dipat Zugriff, um sie im entscheidenden Moment einzusehen. „Der Kunde erhält einen Aufkleber für die Versichertenkarte seiner Krankenkasse, auf der ein Code steht, über den die Patientenverfügung online abrufbar ist.“ Dass dies im Notfall funktioniert, weiß er aus seiner Zeit als Notarzt. „Natürlich geht es bei einem Einsatz vor allem darum, den Menschen zu retten. Dennoch müssen Rettungssanitäter schon mit Blick auf die Abrechnung routinemäßig nach der Versichertenkarte suchen“, sagt Brandenburg.

Um sein Unternehmen professionell aufzustellen, bewarb sich der Mediziner beim SpinLab der Handelshochschule Leipzig und bekam im Accelerator-Programm für sechs Monate die Gelegenheit, sich im Bereich Betriebswirtschaft, Recht und Marketing unterstützen zu lassen. Dort traf er auch den Entwickler, mit dem der Gründer den Spagat zwischen Datensicherheit und schnellem Informationszugang für die Rettungskräfte bewerkstelligt: Die verschlüsselte Software wurde programmiert und die Daten aus Datenschutz-Gründen auf Servern ablegt, die in Deutschland gehostet werden.

Große Investoren steigen ein

Brandenburgs Geschäftsmodell ist seiner Zeit möglicherweise noch etwas voraus. Seine Annahme, dass die Krankenkassen die Monatsbeiträge für ihre Mitglieder übernehmen würden, hat sich nicht bestätigt. Zwar habe er lobende Worte erhalten, da ungewünschte Behandlung und damit verbundene Kosten vermieden werden könnten, dennoch erschien die Idee den Krankenkassen kommunikativ zu heikel. Man habe ihn vertröstet mit den Worten: „Wenn der Gedanke in der Bevölkerung angekommen ist, dann sprechen wir noch mal.“

„Anbieter auf dem E-Health-Markt brauchen Durchhaltekraft“, weiß Brandenburg. „Nur sehr wenige bekommen mit ihren Produkten eine Kassenerstattung.“ Er bietet seinen Service nun gegen eine jährliche Gebühr an, die einem Monatsbeitrag für ein gutes Fitness-Studio entspricht. Nachdem der Bundesgerichtshof im Februar 2017 entschieden hatte, dass eine Patientenverfügung nur dann rechtliche Gültigkeit erlangt, wenn sie konkrete Behandlungsentscheidungen in konkreten Behandlungssituationen aufweist, fanden sich auch Investoren: Im April 2017 stiegen der Technologiegründerfonds Sachsen und die Madsack Mediengruppe mit 2 Millionen Euro ein. Gleichzeitig siedelte Brandenburg sein Unternehmen mit zehn Mitarbeitern in Leipzig an und hatte Ende Juli 2017 nach eigenen Angaben 5000 Kunden. Vor wenigen Tagen ist auch der Axel Springer Verlag als Investor eingestiegen, um Medienleistungen im Umfang von einer Million Euro zu erbringen.

Neues Projekt: Rikschafahrten für Senioren in Bonn

Brigitte Fischer und Elisabeth Goebel lassen sich den Wind um die Nase wehen. Ganz so, wie es der Slogan des neuen Vereins „Radeln ohne Alter Bonn“ verinnerlicht hat. Jetzt stellten die jungen Initiatoren ihr neues Rikscha-Projekt in Bonn vor.

Zwei Rikschas stehen auf der Brüdergasse vor den geöffneten Türen von Migrapolis, des Hauses der Vielfalt . Neugierig bleiben Passanten stehen. „Was ist das hier?“, fragt eine junge Frau, die am liebsten in eines der Gefährte einsteigen würde. Nadine Dick erklärt ihr freundlich den Grund des Festes, das vor den Türen von Migrapolis stattfindet. Dick ist eine der jungen Vorstandsfrauen des im Februar gegründeten Vereins „Radeln ohne Alter Bonn“. „Wir sind davon überzeugt, das jeder in jedem Alter ein Recht auf Wind in seinem Haar hat“, sagt Dick und bedient sich damit des Slogans des noch jungen Vereins, der sich zum Ziel gesetzt hat, Senioren einen Ausflug mit der Rikscha anzubieten.

„In Dänemark gibt es das schon seit 2012“, erklärt Nadine Kuhl vom Vorstand. Sie und ihre Mitstreiter möchten Abwechslung in den Alltag von Senioreneinrichtungen und -Wohngruppen bringen. Im Margarete-Grundmann-Haus haben sie einen ersten Kooperationspartner gefunden. Weitere sollen folgen.

„Uns haben auch schon Angehörige angesprochen, ob es auch möglich ist, eine solche Fahrt zu buchen, wenn die Eltern oder Großeltern nicht im Heim leben“, erklärt Kuhl. Auch dies soll in Zukunft möglich sein. Der Verein steht ganz am Anfang. Alles ist noch möglich. Zwei Rikschas, die speziell für den Seniorentransport gedacht sind, hat der Verein bereits. Unterstützt wurden die zumeist studentischen Mitglieder von der Bonner Bürgerstiftung, der Bonner Altenhilfe sowie der Volksbank Bonn Rhein-Sieg und der Zurich Versicherung. Weitere Sponsoren sollen folgen, ebenso Piloten, wie Kuhl die Fahrer der Rikschas nennt. „Momentan haben wir etwa 20. Um das Projekt ausweiten zu können und das Ehrenamt auf viele Schultern verteilen zu können, sollen weitere folgen“, wirbt Kuhl für mehr Unterstützer, die auch bereit sind in die Pedale der Rikschas zu treten.

Angedacht ist es, über ein elektronisch gesteuertes Tool Piloten und fahrbereite Senioren terminlich zusammenzubringen. „Wir ersetzen aber keine Taxifahrten, unser Service dient der Zusammenkunft von Alt und Jung, dem Austausch und dem Freizeitbedürfnis der Senioren“, erklärt die junge Frau, die Wirtschaftspsychologie studiert.

Die Senioren sind begeistert. Elisabeth Goebel und Brigitte Fischer, die zur Einweihung des Projektes gekommen sind, machen eine Probefahrt. „Ich werde das ganz sicher auch regelmäßig nutzen“, sagt Goebel, die die Rikscha als wirklich bequem empfindet. „Das gute daran ist“, bestätigt auch Alfons Tump, „dass man vorne sitzt und den freien Blick auf die Umgebung genießen kann.“ Tump ist extra aus dem Sauerland gekommen. Seine Enkelin Rilana ist Mitglied des Vereins. „Ich bin mächtig stolz auf sie, dass sie sich für ältere Menschen einsetzt“, sagt Tump.

Quelle: General Anzeiger online, 12.09.2017

Klauseln beim Girokonto – BGH untersagt Sparkasse Zusatzgebühren

Banken und Sparkassen fällt das Geldverdienen mit dem Otto-Normal-Kunden derzeit schwer. Deshalb wird fleißig an den Gebühren für diverse Dienstleistungen geschraubt. Mitunter etwas zu doll, wie der Bundesgerichtshof klarstellt.

Mehrere vorformulierte Entgeltklauseln der Sparkasse Freiburg sind unwirksam und dürfen deshalb gegenüber Verbrauchern nicht verwendet werden. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden (Az.: XI ZR 590/15). Demnach weichen die nun untersagten Klauseln von der gesetzlichen Preisregelung ab, da diese nicht an den hierfür tatsächlich anfallenden Kosten ausgerichtet sind. Rechtens sind hingegen Entgelte für Hauptleistungen wie beispielsweise die Kontoführung.

Konkret ging es darum, dass das Geldinstitut ein Entgelt in Höhe von 5 beziehungsweise 7 Euro für folgende Dienstleistungen verlangte:

  • Unter­richtung über die berechtigte Ablehnung der Einlösung einer SEPA-Basis-Last­schrift bei Postversand: ­5 Euro.
  • Unter­richtung über die berechtigte Ablehnung der Ausführung (bei Post­versand) einer Einzugsermächtigungs-­Abbuchungs­auftrags­last­schrift mangels Deckung: 5 Euro.
  • Unter­richtung über die berechtigte Ablehnung der Ausführung (bei Post­versand) … eines Über­weisungs­auftrages mangels Deckung: 5 Euro.
  • Dauer­auftrag: Einrichtung/Änderung/Aussetzung/Löschung: 2 Euro Euro (Einrichtung und Änderung dürfen gebührenpflichtig ­sein)
  • Pfändungs­schutz­konto: Privat-/Geschäfts­girokonto; Privatgiro­konto: Grund­preis je ange­fangenen Monat: 7 Euro.
  • Änderung, Streichung einer Wertpapierorder 5 Euro.

Dies hielten die Verbraucherschützer der Schutzgemeinschaft für Bankkunden für rechtswidrig und klagten.

Mit Erfolg. Denn genau wie die Vorinstanz, das Oberlandesgericht Karlsruhe, befand der BGH, dass Vertragspartner ihre jeweiligen Pflichten zu erfüllen haben, ohne dass sie dafür extra Geld verlangen dürfen. In der Praxis der Sparkasse Freiburg sahen die Karlsruher Richter auch eine unangemessene Benachteiligung der Bankkunden. Und dies obwohl die Sparkasse die meisten der beanstandeten Klauseln gar nicht mehr verwendet. Der BGH sah aber die Gefahr einer Wiederholung, da sich die Sparkasse zuvor zu keinem endgültigen Verzicht der umstrittenen Gebühren durchringen konnte.

Grundsätzlich erschwert die Niedrigzins- beziehungsweise Strafzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) Banken und Sparkassen das Geldverdienen. Denn diese verdienen im Grunde mit drei Dingen Geld: 1. Sie verleihen es teurer, als sie es geliehen bekommen. 2. Sie nehmen Gebühren für ihre Dienstleistungen. 3. Sie bekommen Provision, weil sie den Leuten etwas verkaufen. Da Punkt eins durch die EZB-Maßnahmen nahezu wegfällt und Punkt drei dank verbessertem Verbraucherschutz auch weniger ertragträchtig ist, konzentrieren sich die Geldinstitute vor allem auf den verbliebenen Punkt – die Gebührenerhöhung.

Quelle: ntv.de, 12.09.2017