Web 2.0 – Vielen Schwerkranken hilft Bloggen bis zum letzten Atemzug

In Ruhe und Zurückgezogenheit sterben war gestern. Heute schreiben sich viele das Leid in aller Öffentlichkeit von der Seele. Sie kommen dadurch mit der Krankheit oft besser zurecht.

Von Thomas Müller

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 Bloggen ist populär geworden, auch das Bloggen über Krankheit und Tod.
© aletia2011 – stock.adobe.com

„Hallo. Ich heiße Dmitrij Panov und ich werde bald sterben. Klingt komisch, ist aber so.“ Mit diesen Worten beginnt der 25-jährige Marburger seinen Blog „Sterben mit Swag“. Die letzten neun Monate seines Lebens breitet er öffentlich seine Gedanken und Gefühle aus. „Irgendwas muss man doch hinterlassen, wofür man nicht in die Kanalisation steigen muss, um’s zu finden“, schreibt er.

Bloggen ist populär geworden, auch das Bloggen über Krankheit und Tod. Social Media sind längst in die Krankenzimmer und Hospize vorgedrungen. Das Web 2.0 als interaktive Bühne vor anonymem Publikum, das die Selbstentblößung erleichtert, das mal applaudiert, mal aufmuntert, mal kritisiert, mal pöbelt. In einer Welt, in der viele bereit sind, alle Details ihres Lebens auf Facebook vorzuführen, mag die Hemmschwelle für ein öffentliches Krankheitstagebuch gering sein, der Krebsblog ist dann häufig nur die Fortführung der „Timeline“ im öffentlichen Raum. So war es etwa bei der 2016 gestorbenen Moderatorin Miriam Pielhau: Sie machte einfach ihre Facebookseite öffentlich. Ihr letzter Eintrag wurde über 6000-mal „geliked“.

Doch einen öffentlichen Krankheitsblog starten auch Patienten, die sich für Social Media zuvor nur wenig interessiert haben. Was also bewegt Menschen, plötzlich vor großem Publikum über ihre Körperfunktionen und -dysfunktionen zu plaudern?

Ähnlich wie expressives Schreiben

Neben dem Verlangen, ein Vermächtnis zu hinterlassen, kann das Bloggen ein Weg sein, mit der Krankheit besser zurechtzukommen. Kommunikationswissenschaftler um Stephen Rains und David Keating aus Tucson, USA, sehen eine gewisse Ähnlichkeit dieses „Cybercopings“ mit expressivem Schreiben, das bei der Bewältigung von Lebenskrisen helfen soll. In einer Metaanalyse von 150 Studien aus dem Jahr 2006 zeigten sich positive Auswirkungen auf Psyche und Gesundheit bei Personen, die sich das erlebte Leid von der Seele schrieben (Psychological Bulletin 2006; 132, 823). Das expressive Schreiben löst nach dem Inhibitionsmodell unterdrückte Gedanken und Emotionen, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken, und fördert die kognitive Verarbeitung. Die Selbstregulationstherorie geht hingegen davon aus, dass starke emotionale Ausdrücke beim Schreiben den Betroffenen ein Kontrollgefühl geben, das den Umgang mit negativen Gefühlen erleichtert. Das müsste demnach auch fürs Bloggen gelten. Allerdings verarbeiten Blogger ihre Erlebnisse unter den Augen der Öffentlichkeit, und das ist dann doch ein großer Unterschied, geben Rains und Keating zu bedenken (Commun Research 2015, 42: 107). Die Kommunikationswissenschaftlerin Deborah Chung und die Pathologin Sujin Kim aus Lexington, USA, sehen durch das Bloggen vor allem zwei Bedürfnisse von schwer Erkrankten befriedigt – das nach emotionaler Unterstützung und das nach Information (JASIST 2008; 59: 297). „Die Patienten werden häufig mit komplexen Informationen konfrontiert und müssen sowohl mit der physischen als auch psychischen Belastung durch ihre Krankheit zurechtkommen.“

Wie sehr das Emotionsmanagement dabei im Vordergrund steht, konnten die beiden Forscherinnen in einer Umfrage bei 113 Teilnehmern von Krebsblogs zeigen. Sie konfrontierten die Blogger mit einer Reihe von Statements wie: „Blogs helfen mir, meinen Frust im Umgang mit Krebs auszudrücken“ oder „Ich habe über Krebsblogs wichtige Informationen erhalten“. Am stärksten war die Zustimmung bei Statements zum emotionalen Management, der Informationsaustausch landete auf dem zweiten Platz. Deutlich weniger hilfreich scheinen Blogs zu sein, um Probleme zu lösen, etwa die aktuelle Therapie zu verändern, bessere Entscheidungen im Umgang mit der Krankheit zu treffen oder sich für Arztgespräche zu wappnen.

Der Informationsaustausch ist jedoch ein kritischer Punkt. In einer Umfrage bei Ärzten gab immerhin ein Viertel an, im Internet erworbenes Wissen der Patienten sei in der Regel völlig falsch, nur ein Bruchteil (acht Prozent) beurteilte das Internetwissen als völlig korrekt (Journal of Medical Internet Research 2003; 5: e17). Pielhau etwa schwor auf eine kohlenhydratarme vegane Ernährung. „Krebszellen brauchen nur Zucker, mit dem anderen Zeug können sie nichts anfangen“, so ihre Begründung. Da solche Promitipps andere Kranke beeinflussen, schlagen Chung und Kim vor, die Patienten zu trainieren, Fakten von Fiktion zu unterscheiden und auf vertrauenswürdige Webseiten zu gehen.

Mehr als ein Informationskanal

Manchmal folgt ein Blog aber vor allem einem praktischen Bedürfnis: den aktuellen Zustand eines erkrankten Angehörigen zu posten, um durch die vielen Anfragen per Telefon und Mail nicht völlig gelähmt zu werden. Sehr eindrucksvoll beschreibt der Endokrinologe Dr. Leon Bach aus Melbourne in Australien, wie er zum Blogger wurde (Journal of Clinical Oncology 2008; 26: 4504). Nachdem seine Frau Ilana an Brustkrebs erkrankt war, wollten ihre Freunde ständig wissen, wie es ihr ging. Die Bachs stellten schließlich fest, dass sie dafür weder die Kraft noch die nötig Zeit hatten. Als sich Ilanas Zustand eine Woche vor ihrem Tod zuspitzte, begann der Arzt einen Blog und informierte damit alle Freunde und Bekannten über ein tägliches Update. „Ich dachte zunächst nur an einen Informationskanal, aber daraus wurde etwas weitaus Mächtigeres. Ich war in der Lage, das Geschehen der letzten 24 Stunden zu reflektieren, und konnte mich viel ehrlicher und intimer ausdrücken als in den unzähligen emotional erschöpfenden Telefongesprächen.“

Bach bedauert, dass er den Blog nicht schon früher begonnen hatte. Die „Macht des Bloggens“, so schreibt er, wird noch immer unterschätzt, gerade im Endstadium einer Erkrankung. Er rät seinen Kollegen, mit Patienten am Lebensende über dieses Werkzeug zu sprechen.

Quelle: ÄrzteZeitung online, 19.06.2017

Angst vor Alzheimer – „Auch wenn die Krankheit das Leben nimmt, die Liebe nimmt sie nicht“

Jonas und Mareile haben nur wenig Zeit, um ihre Träume zu leben. Denn Jonas weiß, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit früh an Alzheimer erkranken wird.

Alzheimer: "Auch wenn die Krankheit das Leben nimmt, die Liebe nimmt sie nicht"

Umgang mit Alzheimer: stern-Redakteur Bernhard Albrecht lernte Jonas vor fünf Jahren kennen, kurz nachdem er den Alzheimer-Gentest gemacht hatte. Die Art, wie Jonas mit diesem Wissen umgeht, beeindruckt ihn. „Auf viele drängende Fragen hat er heute Antworten gefunden“ © Tomeu Coll

Jonas* wollte. Nach einem Test lebt der 31-jährige Ingenieur mit der Gewissheit, dass er einen Gendefekt von seinem Vater geerbt hat, von dem nur ein Prozent aller Alzheimer-Patienten betroffen sind. Forscher gehen davon aus, dass sämtliche Träger einer solchen Mutation erkranken – und zwar in deutlich jüngerem Alter als der Großteil der Alzheimer-Kranken, die an der häufigsten, sporadischen Form oder aber an anderen familiären Formen der Demenz leiden.

Jonas ist erfolgreich im Beruf und glücklich verheiratet. Seine Frau Mareile und er wünschen sich Kinder, dabei wissen sie: Jonas würde den Gendefekt mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent an seine Kinder weitergeben. Wie geht das junge Paar damit um?

Jonas, wann haben Sie Ihrer Frau gesagt, dass Sie voraussichtlich an Alzheimer erkranken werden?

JONAS: Das war schon, bevor wir zusammengezogen sind. Und es war definitiv nicht mein Plan. Was hat noch mal dazu geführt?

MAREILE: Wir hatten den Verdacht, dass ich schwanger bin …

JONAS: Ouh … ja, genau.(beide lachen) Das war im November 2013. Wir kannten uns kaum zwei Monate, und ich hatte noch nicht darüber nachgedacht, ob und wann ich es dir sagen würde. Aber in der Situation gab es kein langes Überlegen. Denn ich wusste ja nicht, wie du darüber denken würdest. Mit einer Lüge hätte ich nicht leben wollen.

Können Sie sich noch an Ihre genauen Worte erinnern?

JONAS: Nein. Ich weiß noch, dass mir die Tränen gekommen sind und dass ich … einfach Angst hatte …

MAREILE: Du hast bitterlich geweint und hast mir erzählt, was für eine Krankheit dein Vater hatte. Dann bist du zum Thema genetische Belastung übergegangen.

Wie haben Sie reagiert?

MAREILE: Meine größte Angst war, dass er gerade mit mir Schluss machen möchte, weil er auf einmal so ernst war. Es tat mir unglaublich leid, dass er diese Geschichte mit sich trägt, dass er solche Angst hatte, mir das zu sagen. Aber ich habe keinen Gedanken daran verschwendet, dass ich dem Ganzen nicht gewachsen wäre oder mir das zu kompliziert werden würde. Auf gut Deutsch, da muss sich das Schicksal schon etwas anderes überlegen, dass ich mir den tollen Mann entgehen lasse.

"Ich habe den Gentest nie bereut. Seitdem lebe ich viel bewusster. Er hat mich stärker gemacht."

„Ich habe den Gentest nie bereut. Seitdem lebe ich viel bewusster. Er hat mich stärker gemacht.“ © Tomeu Coll

Wann trat die Bedrohung Alzheimer in Ihr Leben, Jonas?

JONAS: Im September 2006. Mein Vater übernachtete mit meinem Onkel auf einer Berghütte. Morgens war das Bett meines Onkels leer. Er war nachts auf der Toilette und hat den Weg zurück nicht gefunden. Mein Vater fand ihn zitternd auf der Treppe vor der Hütte. „Mit meinem Bruder stimmt was nicht“, sagte er uns später und klang sehr beunruhigt. Wenn ich heute zurückblicke, war mein Vater da schon selbst krank.

Wie haben Sie das gemerkt?

JONAS: Bei der Hochzeit meiner ältesten Schwester ein Jahr zuvor wollte mein Vater eine Rede halten, brachte aber nur Wortsalat raus. Danach war peinliche Stille, keiner verstand, was los war. Das muss sehr unangenehm für ihn gewesen sein, denn er war noch bei klarem Verstand. Nach der Hochzeit wollte sich noch keiner eingestehen, dass er krank war – schließlich war er erst 58 Jahre alt. Dann wurde es immer auffälliger. Er zog sich mehr und mehr in sein Büro zurück, das bei uns im Haus war. Ich weiß nicht, was er in den vielen Stunden dort gemacht hat, jedenfalls nicht mehr gearbeitet. Später haben wir entdeckt, dass es übersät war von Merkzetteln, auf denen die simpelsten Dinge standen.

Wie ging es zu Ende mit ihm?

JONAS: Wir ließen ihn noch lange in seinem Büro sitzen, weil wir glaubten, dass ihm die gewohnte Umgebung Sicherheit geben würde. Bis Mitte 2011 hat meine Mutter ihn zu Hause gepflegt, dann kam er ins Pflegeheim. Ich studierte damals im Ausland und bekam nur noch sporadisch was mit. Weihnachten besuchte ich ihn. Er erkannte mich nicht. Zwar konnte er noch sprechen, wirre Wortaneinanderreihungen, aber nicht mehr selbst essen oder trinken. Im Januar 2012 starb er an einer Lungenentzündung.

Wann schöpften die Ärzte den Verdacht, dass es ein familiärer Gendefekt sein könnte?

JONAS: Mein Onkel wurde zuerst genetisch untersucht. Mein Vater hat sich lange gegen jede Diagnostik gewehrt, aber irgendwann war er so krank, dass man auch ihn untersuchen konnte. Das war dann die Bestätigung …

… und Sie ahnten, dass auch Sie betroffen sein könnten?

JONAS: Ich war zunächst wild entschlossen, auch einen Gentest zu machen. Meine Mutter und meine Schwestern fragten mich, was mir dieses Wissen in meiner damaligen Situation bringen würde. Ich beschloss dann, lieber abzuwarten. Ein paar Wochen später war ich wieder an dem Punkt, nein, ich will es wissen! Im Oktober 2011, mein Vater lebte noch, machte ich den Test.

Wie haben Sie das Ergebnis aufgenommen?

JONAS: Meine Mutter saß neben mir im Wartezimmer. Als die Humangenetikerin kam, hätte ich auch schon wieder gehen können. Man sah ihr an, dass sie keine guten Nachrichten für mich hatte. Ich habe nicht mehr wahrgenommen, was sie alles erzählt hat. Ich schätze mich als einen sehr positiven Menschen ein, der bis zur letzten Sekunde glaubt, dass alles gut wird. Umso größer waren dann meine Enttäuschung, Trauer und Wut, und am Ende spürte ich nur noch Leere.

War es aus heutiger Sicht richtig, diesen Test zu machen?

JONAS: Ich habe den Gentest nie bereut. Seitdem lebe ich viel bewusster. Er hat mich stärker gemacht.

Wie das? Das verstehe ich nicht …

JONAS: Man bekommt eine andere Sicht auf die Dinge. Man wird dazu gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen, dass wir alle irgendwann mal sterben werden. Dass man nie weiß, wann, und den Zeitpunkt nicht beeinflussen kann. Das geht aber nicht nur mir so, sondern jedem. Ich bin bloß einer von ganz wenigen, die sich so jung schon Gedanken darüber machen. Für andere mag die unheilbare Krankheit eines Familienangehörigen oder eine Nahtoderfahrung der Anlass sein. Jeder kommt früher oder später im Leben an diesen Punkt. Ich habe das schon hinter mir, und, ja, das macht vieles einfacher.

Das klingt absurd. Sie wissen, dass Sie wahrscheinlich früh an einer schrecklichen Krankheit sterben werden, und das macht Ihnen keine Angst?

JONAS: Natürlich habe ich auch Angst. Immer wenn ich vergesslich bin, denke ich an Alzheimer. Ich habe Angst vor dem Moment, in dem mir bewusst wird, es geht los, und ich bekomme alles noch mit. Vor der Ohnmacht, nichts dagegen tun zu können, ja! Aber das lähmt oder hemmt mich nicht. Es ist nicht so, dass ich wegen dieser Angst etwas nicht tun würde, es ist eher so, dass ich wegen dieser Angst etwas bewusst dann doch tue. Und da meine ich keine Dummheiten wie Drogen, Extremsportarten oder übermäßigen Alkoholkonsum, sondern einfach nur Entscheidungen, bei denen man sich unsicher ist. Dann zu sagen, ich probiere es einfach.

Ein Beispiel, bitte!

JONAS: Ein Beispiel … tja, gute Frage …

MAREILE: … Dass du mir nach einem Jahr schon einen Antrag gemacht hast?

JONAS: Tatsächlich gehört das dazu. Ich glaube nicht, dass ich mich das sonst so früh getraut hätte.

Und Sie, Mareile, haben sofort Ja gesagt? Oder hatten Sie Zweifel, ob Sie diesem Schicksal gewachsen sind?

MAREILE: Ich würde andersherum fragen. Warum sollte ich Zweifel haben? Das gehört sich für mich nicht. Sobald man mit jemandem zusammenlebt, ist das ein eheähnliches Verhältnis. Und da gehören nun mal auch Krankheiten mit dazu. Abgesehen davon ist er ja noch nicht mal krank. Das ist nur eine Möglichkeit, aber vielleicht kommt alles ganz anders.

Vermutlich werden Sie Ihren Mann in einer nicht allzu fernen Zukunft pflegen müssen. Macht Ihnen das keine Angst?

MAREILE: Doch, natürlich. Ich fürchte mich davor, dass mir vielleicht die Kraft und Ausdauer fehlen, um das durchzustehen. Dass ich irgendwann ungeduldig oder garstig mit ihm werde, ihm sogar eine klatsche. Das möchte ich nicht. Denn ich weiß ja, dass er das alles später nie machen wird, weil er ein fieser Kerl ist, sondern weil die Krankheit das mit ihm macht und er mich dann nicht mehr als seine Frau erkennt. Angst habe ich natürlich auch vor der Einsamkeit im Alter. Weil dann mit dem Lebenspartner früh ein großer Part des Lebens wegbricht. Und sollten wir mal Kinder haben, glaube ich nicht, dass die Lust haben, jeden Sonntag Mutti zum Essen dazuhaben.

Sind Sie sich sicher, dass Sie Kinder haben wollen?

JONAS: Klare Antwort. Ja!

Künstliche Befruchtung?

MAREILE: Nein.

JONAS: Sex.

Gab es darüber jemals Zweifel?

JONAS: Es gab einen Punkt, an dem wir es beide ausgesprochen haben. Das war nach dem Vortrag eines Humangenetikers, der uns versicherte, dass wir durch jede Ethikkommission kommen würden, wenn wir nach einer Gendiagnostik abtreiben wollten.

Mareile und Jonas haben sich auf einer Dating-Plattform kennengelernt und viele Wochen gechattet, bevor sie sich trafen

Mareile und Jonas haben sich auf einer Dating-Plattform kennengelernt und viele Wochen gechattet, bevor sie sich trafen © Tomeu Coll

MAREILE: Wir waren erleichtert, dass wir es beide so gesehen haben. Für mich wäre es keine Option, dass ich entscheide, welcher Embryo in die Tonne kommt und welcher nicht. Man stelle sich vor, wir entscheiden uns für einen Embryo ohne Gendefekt, und aus dem Kind wird ein Attentäter. Außerdem sehe ich doch an meinem eigenen Mann, dass es ein absolut lebenwertes Leben ist. Ein Kind mit diesem Gendefekt kommt nicht pflegebedürftig auf die Welt, es ist lebensfähig ohne Maschinen, es kann ein kürzeres, aber trotzdem erfülltes Leben führen.

Manche würden so eine Haltung als unverantwortlich bezeichnen.

JONAS: Oder egoistisch. Das hat mir meine Schwester vorgeworfen.

MAREILE: … die den Defekt nicht geerbt hat. Ganz ehrlich, diese Diskussion werde ich mit deiner Familie nicht führen. Wenn wir in die Planung gehen, werden wir nichts sagen. Wenn da einer der Meinung ist, das wäre egoistisch, brennt der Wald.

Auch wenn Ihr Kind den Defekt nicht erbt, kann es sein, dass Sie schon krank werden, bevor es erwachsen ist.

JONAS: Ja. Dann ist das so. Vielleicht …

MAREILE: Nein, du musst dich gar nicht erklären. Also, ich will dir jetzt nicht den Mund verbieten, aber vielleicht werde ich ja vorher noch krank. An irgendwas, was man weder durch einen Gendefekt noch sonst irgendwie erahnen kann. Das Leben ist nicht vorhersehbar.

JONAS: Ich glaube, wenn man sich mit dem Thema Tod noch nicht so offen befasst hat wie wir, ist es schwierig, unsere Haltung nachzuvollziehen, weil man in dem Moment einfach nur sieht: Der weiß aber schon mehr über den Rest seines Lebens, als ich über den Rest meines Lebens weiß, und deshalb muss er anders damit umgehen.

MAREILE: … was ja Blödsinn ist. Weil niemand das Leben überlebt. Wir können vielleicht sogar etwas mehr Vorkehrungen treffen, damit unsere Kinder nicht irgendwann dastehen und feststellen, oh, unsere Eltern haben nie ein Testament oder eine Patientenverfügung gemacht. Bei uns sind die Sachen dann geklärt, wir wollen unseren Kindern diese Last abnehmen. Außerdem tun wir auch etwas dafür, dass es vielleicht irgendwann ein Medikament gibt.

Inwiefern?

JONAS: Ich nehme an einem Langzeit-Forschungsprojekt teil und lasse mich alle zwei Jahre untersuchen, ob sich schon etwas verändert hat in meinem Körper. Das kann 10 oder sogar 20 Jahre vor Ausbruch der Krankheit passieren.

Das zwingt Sie, sich ständig vorzustellen, wie Alzheimer Ihren Körper schleichend in Besitz nimmt …

JONAS: Das kann ich nicht ausblenden, klar. Aber ich glaube, dass auch das gut ist für mich. Wenn man sich am Anfang einmal und dann nie wieder mit dem Thema beschäftigt, läuft man Gefahr, zurück in den Alltagstrott zu verfallen. Angenommen, man möchte unbedingt eine Reise machen und denkt dann, ach die mache ich nächstes Jahr, dieses Jahr muss ich noch was Dringendes für die Arbeit erledigen. Solche Sachen. Ich glaube, das passiert mir seltener als anderen.

Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, wie Sie sterben wollen?

JONAS: Ja, habe ich. Ich möchte tatsächlich nicht länger als nötig am Leben gehalten werden.

Haben Sie über Sterbehilfe nachgedacht?

JONAS: Nein.

Würden Sie eine künstliche Ernährung ablehnen, wenn Sie nicht mehr essen wollen?

JONAS: Ja. Dann möchte ich, dass man mich sterben lässt – glaube ich. Aber das Problem ist: Wer soll entscheiden, wann ich nicht mehr essen will? Vielleicht kann ich einfach nur nicht artikulieren, dass ich wahnsinnige Schmerzen im Mund habe und nichts in den Mund nehmen möchte. Ja, wir wollen eine Patientenverfügung machen, aber will ich, dass meine Frau das entscheiden muss? Sie würde ständig die Last der Entscheidung tragen.

MAREILE: Aber du kannst ja in der Patientenverfügung solche Dinge sehr detailliert festlegen. Und ich bin dann nur noch die ausführende Kraft, die darauf achtet, dass diese Punkte alle abgearbeitet werden.

Jonas: Das müssen wir noch im Detail diskutieren. Spätestens wenn wir Kinder haben.

So viele schwere Gedanken, die Ihr Leben belasten. Glauben Sie, Ihre Liebe wird immer stärker sein als die Krankheit?

MAREILE: Auf jeden Fall. Auch wenn die Krankheit das Leben nimmt, die Liebe kann sie nicht nehmen. Auch wenn mein Mann mich nicht mehr erkennt, trage ich immer noch alle Erinnerungen an denjenigen in mir, der er mal war.

JONAS: Meine Eltern haben die große Liebe erlebt, die zwischendurch etwas abgeflaut war. Als mein Vater dann schwer krank wurde, hat meine Mutter ihre Liebe zu ihm neu entdeckt, das hat sie mir mehrfach gesagt. Ich glaube, die Liebe ist etwas, was nicht nur im Moment existiert. Deshalb ist sie auch nicht auf den Moment angewiesen.

*Jonas möchte nicht, dass Arbeitgeber und Freunde von seinem Schicksal erfahren. Deshalb bleibt er anonym.

Quelle: stern.de, 18.06.2017

Zeugen retteten Seniorin mit Rollator von der Autobahn

Die A565 zwischen den Anschlussstellen Lengsdorf und Poppelsdorf wird in den nächsten Wochen zum Engpass.
Die Frau war am Montag auf der A 565 unterwegs.

Bonn. Eine Seniorin mit Rollator auf der A565 in Lengsdorf sorgte am Montagnachmittag für Aufsehen. Dank der Aufmerksamkeit einer Fahrgemeinschaft konnte die Frau sicher zurück ins Pflegeheim gebracht werden.

 

Erst auf den zweiten Blick ist Tanja Bungartz aufgefallen, dass an diesem Bild etwas nicht stimmen kann. Die Duisdorferin fuhr am Montagnachmittag mit ihrer Fahrgemeinschaft auf dem Heimweg die Autobahnabfahrt Lengsdorf der A 565 entlang, als sie aus dem Fenster heraus eine alte Dame mit einem Rollator sah. Die Seniorin bewegte sich zielstrebig Richtung Schnellstraße, immer entlang dem Abfahrtstreifen.

„Ich habe den anderen gesagt, wir müssen sofort anhalten“, erzählt Bungartz. Das taten sie dann auch. Auf die Frage, wohin sie unterwegs sei, antwortete die Dame mit dem Rollator, sie gehe nur spazieren. Es sei eine gewisse Überredungskunst vonnöten gewesen, die Spaziergängerin davon zu überzeugen, dass der Rollator nicht das geeignete Fortbewegungsmittel für die Autobahn sei, sagt Bungartz.

Letztlich griff sie auf einen Kniff zurück: „Ich sagte ihr, sonst müsse sie wohl mit der Polizei nach Hause fahren.“ Danach ließ sich die alte Dame auf das Angebot der Fahrgemeinschaft ein. Ob sie möglicherweise dement gewesen sei, konnte die Duisdorferin nicht sagen. Sie vermutet allerdings, dass die Seniorin den Seitenstreifen der Abfahrt von der Provinzialstraße aus als Fußgängerweg identifiziert habe und deshalb auf den falschen Weg geraten sein könnte.

Der Rollator muss mit

In jedem Fall sei die rüstige Frau durchaus „pfiffig aufgetreten“, sagt Bungartz. Sie willigte der Autofahrt nur unter der Bedingung ein, dass der zusammenklappbare Rollator in jedem Fall mitmüsse. Und so verwahrten die Helfer das Fortbewegungsmittel im Kofferraum des Kleinwagens. Anschließend steuerte Bungartz mit der neuen Mitfahrerin gemeinsam das einige Hundert Meter entfernte Pflegeheim an, in dem die Seniorin offensichtlich wohnte: Ein entsprechendes Adressbändchen trug sie am Körper.

Bungartz rief unterwegs noch die Polizei an, die von dem ungewöhnlichen Ausflug, der sicher böse hätte ausgehen können, bereits Kunde hatte. Wie bereits am Dienstag berichtet, hatten mehrere Passanten den ungewöhnlichen Ausflug der Polizeileitstelle gemeldet. Der alarmierte Streifenwagen der Autobahnpolizei konnte unverrichteter Dinge umkehren, Tanja Bungartz war schneller.

Im Pflegeheim, das am Dienstag auf Anfragen zu dem Vorfall nicht reagierte, war die Bewohnerin nach GA-Informationen noch nicht vermisst worden. Verletzt wurde bei der Aktion weder die alte Dame noch ein anderer Verkehrsteilnehmer. Der Zwischenfall führte laut Polizei auch nicht zu Verkehrsbeeinträchtigungen.

Quelle: General Anzeiger, 13.06.2017

Genetische Veränderung der Zellen-Krankheit „schmolz regelrecht dahin“: US-Forscher bauen Blut zu Krebs-Zerstörer um

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Sebastian Kaulitzki – Fotolia
Eine Krebszelle umgeben von Blutzellen. Mit Hilfe genetisch modifizierter Blutzellen soll es künfitg möglich sein, Krebserkrankungen schnell und effektiv zu begegnen (Symboldbild).

 

Genetisch veränderte Super-Zellen, die das ganze Potenzial des menschlichen Immunsystems ausnutzen – in den Augen von Medizinern ein vielversprechender Trend im Kampf gegen Krebs. Forscher aus Seattle im US-Bundesstaat Washington nähren diese Hoffnungen jetzt weiter.

Sie haben die genetisch manipulierte Immunzellen aus der menschlichen Blutbahn zu regelrechten Krebs-Zerstörern umgebaut. Mit diesen gelang es den Ärzten innerhalb von Wochen, einen Test-Patienten komplett von Lymphknotenkrebs zu befreien. „Der Krebs schmolz regelrecht dahin“, berichtet Ken Shefveland der Associated Press (AP) von der Behandlung.

Aber auch von medizinischer Seite aus verlief die neuartige Therapie äußerst erfolgreich. Bei der Nachuntersuchung vier Wochen nach Therapiebeginn fanden seine behandelnden Ärzte keinerlei Krebs-Anzeichen mehr im Körper des Mannes. „Ich kann behaupten, dass ich vollständig geheilt bin. Wie wunderbar ist das?“, sagt Patient Ken Shefveland.

Immun-Therapie eröffnet der Krebsmedizin ganz neue Heilungsmethoden

Das Therapie-Experiment könnte ein Startpunkt für eine völlig neue Form der Krebsbehandlung sein – und obendrein eine wohl sehr effiziente. Bereits vor der Pionier-Behandlung von Shefveland wurden erste Versuchsreihen mit sogenannten CAR-T-Zellen an Menschen durchgeführt.

Vereinfacht dargestellt: Diese Zellen können von Medizinern je nach Bedarf modular zusammengestellt werden. Etwa mit Elementen, die Krebszellen aufspüren – und diese dann gezielt zerstören. Bei ersten Tests entfalteten die umgebauten, leistungsfähigeren Immunzellen bei Leukämie- und Lymphknotenkrebs-Patienten bereits heilende Wirkung.

Anti-Krebszelle „zeigt die unglaubliche Kraft des Immunsystems“

Dr. David Maloney, der am Krebsforschungsinstitut den Fachbereich für Immuntherapie leitet, ist daher begeistert von der CAR-T-Zellen-Behandlung: „Es zeigt die unglaubliche Kraft des Immunsystems.“ Sein Kollege Dr. Stanley Riddell äußert sich gegenüber der AP kritischer. „Es gibt noch viel zu lernen“, meint er.

Die Ärzte stehen vor der Aufgabe, lebensbedrohliche Nebenwirkungen zu verstehen und unter Kontrolle zu bekommen. Unter anderem kommt es offenbar immer wieder zu körperlich belastenden Überstimulierungen des Immunsystems. Außerdem kam es bei vorangegangenen Therapien bereits zu Todesfällen, wie AP unter Berufung auf Firmen berichtet, die mit der Immun-Therapie experimentieren.

Forschung gleicht noch „einem Model A Ford“

Dennoch könnten erste Immunzellen-Therapien im Laufe des Jahres 2017 in mehr Kliniken zum Einsatz kommen. Allerdings nur für wenige, bestimmte Formen von Blutkrebs. Die US-Arzneimittelkontrollbehörde entscheidet derzeit, ob zwei begrenzt wirksame Behandlungsformen, die von den Pharma-Unternehmen Novartis und Kite Pharma lizenziert sind, bereits marktreif sind und keine Komplikationen mehr hervorrufen.

Der jetzige Stand der Forschung entspricht etwa „einem Model A Ford, wir brauchen aber einen Lamborghini“, dämpft der CAR-T-Zellen-Forscher Dr. Renier Brentjens zu hohe Erwartungen. Die theoretischen Möglichkeiten seien allerdings unüberschaubar groß.

Quelle: Focus online, 12.06.2017

Kein Geld im Kopfkissen-Rentner sind verrückt nach Aktien

Besonders Einzelaktien haben es den Rentnern angetan. Besonders Einzelaktien haben es den Rentnern angetan.(Foto: picture alliance / Daniel Reinha)

 

Deutsche im Ruhestand sind nicht so sicherheitsliebend, wie bislang gedacht. Stattdessen ergibt eine Studie, dass viele Rentner auf Wertpapiere setzen. Und: Diese Altersgruppe besitzt nicht nur am meisten Depots, sondern auch das meiste Geld.

Entgegen aller Ratschläge, sich im Ruhestand allmählich von risikoreichen Wertpapieren zu trennen und das Geld in sichere Anlagen umzuschichten, halten deutsche Rentner Aktien bis ins hohe Alter die Treue. Vor allem klassische Aktienfonds und Einzelaktien deutscher Unternehmen sind unter den über 65-Jährigen beliebt. Das ergibt eine Analyse der ING-Diba, über die die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS) berichtet. Die Direktbank hat sich jene 1,3 Millionen unter ihren Kunden vorgenommen, die Wertpapiere besitzen, und einen genauen Blick auf deren Depots geworfen.

Auffällig ist, dass Rentner die meisten Depots und das meiste Geld haben. Nirgends gibt es so viele Depots wie unter den 74-Jährigen (21 Prozent), und niemand hat so viel Geld in Wertpapieren wie Ruheständler: Sie besitzen im Schnitt 70.477 Euro. „Wir sehen nicht, dass nach dem Renteneintritt das Niveau abschmilzt“, sagt Martin Schmidberger, der bei der ING-Diba für Produktgruppen und Zielgruppen zuständig ist.

Indexfonds, die die Wertentwicklung eines Aktienindizes wie den Dax abbilden, sind bei Ruheständlern eher unbeliebt. Bevor sie auf einen solchen ETF setzen, kaufen sie lieber Einzelaktien von Firmen, die ihnen vertraut sind. „Sie tun es oft aus Lust, es selbst in die Hand zu nehmen“, sagt Schmidberger. Eine Herausforderung für Rentner ist offenbar das „Entsparen“, also die allmähliche Umwandlung des Ersparten in Konsum. Wer als Anleger bis ins hohe Alter auf Aktien setzen will, muss zwischenzeitlich sein Konsumverhalten ändern – also weniger Geld ausgeben, wenn die Börsenkurse fallen oder gar abstürzen.

Die Analyse der ING-Diba hat des Weiteren gezeigt, dass Einwohner von Großstädten und städtischen Räumen tendenziell mehr Aktien besitzen als die Bewohner ländlicher Regionen. In München ist die Quote der Aktienbesitzer am höchsten, dort hat jeder vierte ING-Diba-Kunde ein Depot. Die werthaltigsten Depots besitzen die Frankfurter mit einem durchschnittlichen Volumen von 32.811 Euro, gefolgt von den Stuttgartern (31.503 Euro) und den Münchnern (29.668 Euro).

Quelle: ntv.de, 10.06.2017

Private Altersvorsorge-Geld-Experte rät Bürgern: Riester-Policen lohnen sich, auch wenn sie teuer sind

Riester-Rente, Axel Börsch-Supan, Rentenlücke, Altersarmut

dpa/Jens Büttner Bei vielen Verbrauchern kommen die Infos zur Riester-Rente nicht an.

 

Im Jahr 2002 entwickelte die damalige Bundesregierung die Riester-Rente. Sie sollte die Einbußen der sinkenden staatlichen Altersrente ausgleichen. Zu ihrem 15-jährigen Bestehen zieht Geld-Experte Professor Börsch-Supan eine zwiespältige Bilanz. Doch bei aller Kritik: Die Riester-Rente lohne sich.

Der Wirtschaftswissenschaftler und Renten-Experte Axel Börsch-Supan hat sich in einem Interview der Zeitschrift „Capital“ ausführlich mit der Riester-Rente beschäftigt. Er bemängelt vor allem die hohen Kosten der Policen. Außerdem moniert Börsch-Supan, dass zu viele Berechtigte schlecht informiert seien und deshalb keine Riester-Policen abschließen.


Ein Erfolg: Viele Bürger riestern

Als Erfolg der Riester-Rente sieht Börsch-Supan, dass heute jeder zweite „deutsche Haushalt“ einen solchen Vertrag für die private Altersvorsorge hat. Börsch-Supan hat ermittelt, dass rund 80 Prozent der Deutschen eigenes Geld auf die hohe Kante legen und so die Einbußen der stattlichen Rente ausgleichen. Der Forscher stellt aber klar: 20 Prozent der betroffenen Bürger werden von der Riester-Rente nicht erreicht. Das hänge auch mit dem Hauptdefizit der Riester-Rente zusammen. Das Manko „ist mit Sicherheit die völlig intransparente Kostenstruktur. Die Renditen, die beim Kunden landen, sind bei einigen Anbietern viel zu niedrig.“ Dieser Umstand habe bei vielen Bürgern zu großer Verunsicherung geführt.

„Das Hauptproblem ist die mangelnde Information“

Befragt, wie den nicht unterversorgten Bundesbürgern geholfen werden könne, spricht sich der Renten-Experte vehement gegen eine noch höhere staatliche Förderung aus. Stattdessen nimmt er die Politik ins Visier. „Das Hauptproblem ist die mangelnde Information.“ Es gebe einfach zu viele Bürger, die meinten, „sie hätten keinen Anspruch auf Riester-Förderung – obwohl sie einen haben. Die Förderregeln sind kompliziert. Um sie zu vereinfachen, muss man Phantasie aufbringen und nicht einfach Geld reinwerfen.“

Magere Rendite ein Ärgernis

Als weiteren Kritikpunkt nennt der Wirtschaftswissenschaftler die Netto-Rendite, die Riester-Sparer erzielen: Zwar glichen die meisten Policen die Einbußen bei der staatlichen Rente aus, aber: „Allerdings wünschte man sich höhere Renditen: Die ein oder zwei Prozent, die letztlich rauskommen werden, sind recht mager.“

Festgeld-Vergleich

Das liege vielfach an zu hohen Gebühren, die die Finanzwirtschaft für die Policen in Rechnung stelle. Allerdings gibt es laut Börsch-Supan genügend günstige Verträge. Interessierte Bürger müssen sich umfassend informieren, bevor sie sich für falsche Policen entscheiden. Das sei auch in der fehlenden Transparenz begründet. Es würde den Bürgern helfen, „die Anbieter zu identifizieren, die viel zu hohe Kosten nehmen“.

Dennoch will Börsch-Supan die Riester-Rente nicht aufgeben. Sie lohne sich für die Versicherten, „schon durch die Förderung mit Zulagen und Steuervorteilen“.

„Vorgeschriebene Produktblätter helfen Laien nicht“

Ein weiterer Kritikpunkt sind die seit Anfang 2017 vorgeschriebenen Produktblätter. Für Börsch-Supan erfüllen sie ihren Zweck nur unzureichend. Sie seien zu detailliert und für Laien oftmals unverständlich. So ließe sich die mangelnde Akzeptanz der Riester-Rente nicht verbessern.

Erst kürzlich meldete das Sozialministerium dazu ernüchternde Zahlen: Die Zahl der Riester-Renten zur privaten Altersvorsorge stagniert weiter oder ist sogar etwas rückläufig, berichtete die Nachrichtenagentur dpa. Im ersten Quartal des Jahres 2017 gab es 16,51 Millionen Verträge, Ende 2016 waren es noch 16,54 Millionen. Wenngleich die Zahlen abnehmen, klingt diese Entwicklung nicht allzu dramatisch. Doch ein genauer Blick auf die Zahlen enthüllt erschreckende Details: Die Zahl der Verträge, bei denen die Beitragszahlungen ausgesetzt wurden, wird den Angaben zufolge auf ein Fünftel geschätzt. Riester-Rente – Viel besser als ihr Ruf

Börsch-Supan will Riester- und Betriebsrente zusammenlegen

Um aus dieser fatalen Abwärtsentwicklung herauszukommen, schlägt Börsch-Supan einen Systemwechsel vor. Sein Vorschlag sei es, Arbeitnehmern ein Standard-Vorsorgeprodukt anzubieten. „Die Idee ist, Riester- und Betriebsrente zu verknüpfen und die Leute an so ein Produkt heranzuführen, wenn sie einen Arbeitsvertrag unterschreiben. Wer nicht will, kann natürlich widersprechen.“ Dieses Modell funktioniere in Schweden und Großbritannien.

Börsch-Supan räumt ein, dass die aktuelle „Niedrigzinspolitik ist ein Desaster“ und laste auf den Renditen Riester-Renten. Weil die Anbieter Beitragsgarantien geben müssen, belasten sie die Niedrigzinsen massiv. Aber Börsch-Supan: „Ausgehend von normalen Kapitalmärkten war die Beitragsgarantie ein kluger Schritt, ohne den man den schnellen Aufschwung der Riester-Rente gar nicht hinbekommen hätte.“

Der Rat: Auszahlung lebenslang strecken

Dennoch hält Borsch-Supan die „Kosten für die Beitragsgarantie“ derzeit für zu hoch. Der wahre Grund der Probleme „liegt allerdings im Produkt: Weil man die Riester-Rente teilweise als Kapital auszahlen möchte, haben die Anbieter ein Problem, wenn die Märkte gerade zu diesem Zeitpunkt im Tal sind“. Als Lösung schlägt der Renten-Fachmann vor, die Rentenauszahlung „lebenslang zu strecken“. Die Kapital-Auszahlung in einem Betrag solle unterbleiben  – „damit wird das Problem stark reduziert“.

Borsch-Supans Appell an die Entscheider ist eindeutig: „Man muss sich weiter anstrengen, bessere Produkte zu machen – und zwar sowohl die Finanzindustrie und als auch die Regulierungsbehörde.“

Quelle: Focus online, 11.06.2017

Studie: 70 Prozent werden zu Hause gepflegt

Foto: Fotolia/missty

Bei den meisten Pflegebedürftigen in Deutschland schultern nach wie vor nahe Angehörige die Betreuung. Gut 70 Prozent aller Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause gepflegt, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht. Am häufigsten ist die Tochter die Hauptpflegeperson (29 Prozent). Fast ebenso häufig übernehmen die Lebenspartner die Pflege. Mehr als die Hälfte der befragten Haushalte verzichtet vollkommen auf Unterstützung durch Pflegedienste oder andere professionelle Hilfe.

Schwierig ist die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, wie auch die Autoren hervorheben: Rund ein Drittel der Hauptpflegepersonen im erwerbsfähigen Alter habe die Arbeitszeit im Job reduziert. 44 Prozent dieser Gruppe seien gar nicht erwerbstätig. Die Pflegenden riskierten damit, im Alter selber mit wenig Geld dazustehen.

Laut Studie erreichen Angebote zur Pflegeberatung Hauptpflegepersonen aus bildungsfernen Schichten oft nicht. Auffällig sei, dass Pflegebedürftige in einkommensstarken Haushalten oft in höhere Pflegestufen eingruppiert seien als solche aus sozial schwächeren Kreisen. Vermutlich gelinge es den Angehörigen höherer Schichten besser, gegenüber der Pflegeversicherung einen größeren Bedarf geltend zu machen.

Zunehmend übernehmen auch Hilfskräfte aus Osteuropa die Versorgung der Pflegebedürftigen in Deutschland. In schätzungsweise 163.000 Privathaushalten lebt bereits eine osteuropäische Hilfskraft für eine «Rund-um-die-Uhr»-Betreuung eines Pflegebedürftigen. Das entspreche 8 Prozent aller Haushalte, in denen mindestens ein Pflegebedürftiger wohnt. Dieses Modell erscheine vor allem für die Mittelschicht als Alternative zum Heim attraktiv. Die osteuropäischen Hilfskräfte stünden jedoch unter einer extremen Arbeitszeitbelastung. Sie benötigten täglich im Durchschnitt rund zehn Stunden Zeit für ihre Pflege- und Betreuungsaufgaben.

In einer wachsenden Zahl von Haushalten mit einem hohen Pflege- und Betreuungsaufwand werde nach Alternativen zur Heimunterbringung gesucht. Einer Unterbringung in einem Pflegeheim stünden viele Pflegebedürftige und Angehörige skeptisch gegenüber: Sie fürchteten einen Verlust an Selbstständigkeit und an Pflege- beziehungsweise Versorgungsqualität. Demenzkranken falle überdies ein Auszug aus der vertrauten Umgebung besonders schwer.

In diese Versorgungslücke stießen Angebote zur «24-Stunden-Pflege». Dabei handele es sich um Arbeitskräfte zumeist aus Polen und anderen osteuropäischen Ländern, die in der Regel einige Wochen oder Monate mit im Haushalt wohnten und die Versorgung des pflegebedürftigen Familienmitglieds leisteten.

Quelle: Pharmazeutische Zeitung online, 08.06.2017

Urlaub für Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen in Bad Ischl

Bad Ischl – Sie möchten Ihren erkrankten Angehörigen nicht alleine lassen? Sie haben aber auch Sehnsucht nach Zeit für sich, nach Ruhe und Erholung? Doch verreisen mit einem Menschen mit Demenz/Alzheimer trauen Sie sich nicht zu? Die MAS Alzheimerhilfe macht dies – mit der Erfahrung aus 20 Jahren – im 2-wöchigen Therapie-und Förderaufenthalt (TUF) – dem einzigen TÜV-zertifizierten Alzheimerurlaub möglich.

„Im Viersternehotel Goldener Ochs in Bad Ischl wird der Partner entlastet und die Betroffenen nach Ihren Fähigkeiten gefördert. Dies im einzigartigen Ambiente des Salzkammerguts und ganz bewusst in einem normalen Hotelbetrieb und keinem Kur- oder Pflegehaus“, erklärt Felicitas Zehetner, Obfrau und Gründerin der MAS Alzheimerhilfe, die Idee des Konzepts und die Gründe, warum auch deutsche Gäste gerne dieses Angebot in Anspruch nehmen.

Wir sind zum dritten Mal dabei und kommen wieder – das sagt alles!

„Ich danke für das Ruhegefühl, das in unserer Partnerschaft durch das professionelle Training und den liebevollen Umgang aller Beteiligten, eingekehrt ist!“, sagt Herr H. über den Alzheimerurlaub für Paare oder; „Danke für die persönliche Zuwendung – somit wurde dieser Urlaub zu einem Wohlfühlaufenthalt für uns beide!“ lobt ein anderes Paar dieses Serviceangebot, das weit über den Urlaub hinaus wirkt und Gäste immer wieder kommen lässt. „Durch die persönlichen Kontakte mit den MAS DemenztrainerInnen und ein „learning by doing“ sind die Urlaubsgäste mit einem ‚Werkzeug‘ für zu Hause, gut vorbereitet. Die Paare werden, wenn gewünscht, auch nach dem Urlaub von der MAS Alzheimerhilfe beraten und begleitet“, ist Zehetner die Nachhaltigkeit des Therapie- und Förderaufenthalts wichtig und verweist auf die nächsten Termine und die starke Nachfrage.

Service:
Nähere Informationen zu Kosten, Terminen, Ablauf ersehen Sie unter
www.alzheimerurlaub.at oder Tel. 00436132/21410-0.

Bad Ischl – Sie möchten Ihren erkrankten Angehörigen nicht alleine lassen? Sie haben aber auch Sehnsucht nach Zeit für sich, nach Ruhe und Erholung? Doch verreisen mit einem Menschen mit Demenz/Alzheimer trauen Sie sich nicht zu? Die MAS Alzheimerhilfe macht dies – mit der Erfahrung aus 20 Jahren – im 2-wöchigen Therapie-und Förderaufenthalt (TUF) – dem einzigen TÜV-zertifizierten Alzheimerurlaub möglich.

„Im Viersternehotel Goldener Ochs in Bad Ischl wird der Partner entlastet und die Betroffenen nach Ihren Fähigkeiten gefördert. Dies im einzigartigen Ambiente des Salzkammerguts und ganz bewusst in einem normalen Hotelbetrieb und keinem Kur- oder Pflegehaus“, erklärt Felicitas Zehetner, Obfrau und Gründerin der MAS Alzheimerhilfe, die Idee des Konzepts und die Gründe, warum auch deutsche Gäste gerne dieses Angebot in Anspruch nehmen.

Wir sind zum dritten Mal dabei und kommen wieder – das sagt alles!

„Ich danke für das Ruhegefühl, das in unserer Partnerschaft durch das professionelle Training und den liebevollen Umgang aller Beteiligten, eingekehrt ist!“, sagt Herr H. über den Alzheimerurlaub für Paare oder; „Danke für die persönliche Zuwendung – somit wurde dieser Urlaub zu einem Wohlfühlaufenthalt für uns beide!“ lobt ein anderes Paar dieses Serviceangebot, das weit über den Urlaub hinaus wirkt und Gäste immer wieder kommen lässt. „Durch die persönlichen Kontakte mit den MAS DemenztrainerInnen und ein „learning by doing“ sind die Urlaubsgäste mit einem ‚Werkzeug‘ für zu Hause, gut vorbereitet. Die Paare werden, wenn gewünscht, auch nach dem Urlaub von der MAS Alzheimerhilfe beraten und begleitet“, ist Zehetner die Nachhaltigkeit des Therapie- und Förderaufenthalts wichtig und verweist auf die nächsten Termine und die starke Nachfrage.

Service:
Nähere Informationen zu Kosten, Terminen, Ablauf ersehen Sie unter
www.alzheimerurlaub.at oder Tel. 00436132/21410-0.

Quelle: ADHOC online, 07.06.2017

Notarieller Ehevertrag-Erbverzicht kann durch Wiederheirat aufgehoben werden

Eheleute sollten Klauseln zum Erbverzicht sehr genau formulieren.

Liebe kennt keinen Plan. So sagt man. Auch in diesem Fall trennt sich ein Ehepaar und heiratet kurz nach der Scheidung wieder. Allerdings wird der Ehefrau deshalb der Erbschein nach dem Tod des Ehemanns verweigert – zu Unrecht.

Eine Scheidung kann man durch einen notariellen Ehevertrag vorbereiten und darin auch einen gegenseitigen Erbverzicht vereinbaren. Dieser verhindert ein Erbe aber nicht, wenn die Eheleute anschließend erneut heiraten.

In einem notariellen Ehevertrag äußern Eheleute: „Wir werden unsere häusliche Lebensgemeinschaft demnächst auflösen und tragen uns mit dem Gedanken, uns scheiden zu lassen.“ Sie legen fest, dass sie auf ihre „gesetzlichen Erb- und Pflichtteilsrechte am dereinstigen Nachlass“ des Erstversterbenden verzichten und zwar „sowohl für die Zeit, in der wir in Zukunft getrennt leben sollten, als auch den Fall der Ehescheidung“.

Hiernach lassen sich die Eheleute scheiden und heiraten kurz darauf erneut. Nach dem Tod des Ehemanns beantragt die Witwe einen Erbschein auf Grundlage der gesetzlichen Erbfolge. Sie ist der Auffassung, dass der gegenseitige Erbverzicht infolge der Wiederheirat nicht mehr entgegensteht. Das Amtsgericht weist den Antrag zurück.

Zu Unrecht: Die Eheleute haben in der Vormerkung des notariellen Vertrages ausdrücklich die Motivation für die nachfolgenden Regelungen festgehalten und bestimmt, dass sie die Dinge „sowohl für die Zeit, in der wir in Zukunft getrennt leben sollten, als auch den Fall der Ehescheidung“ regeln. Die Vereinbarungen wurden also nur für den Fall einer endgültigen Trennung geschlossen, wie sich aus der Formulierung „getrennt leben sollten“ ergibt.

Das gilt auch für den in derselben Urkunde erklärten Erbverzicht, der sich nur auf die damals bestehende Ehe beziehen konnte und nicht greift, wenn sich die Eheleute erst scheiden lassen und dann erneut heiraten. Durch die zweite Ehe mit der Ehefrau wurden ihre Erbansprüche wieder begründet.

Die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) berichtet über das Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Düsseldorf (Az.: 3 Wx 16/17). (dpa)

Quelle: General-Anzeiger-Bonn online, 07.06.2017

Hypertonie-Diese 5 Tipps lassen den Blutdruck sinken

Weniger Alkohol, mehr Bewegung und eine gesunde Ernährung – was sich mit nicht-medikamentösen Maßnahmen in Sachen Blutdrucksenkung erreichen lässt, fasst ein Experte zusammen.

Von Roland Fath

Diese 5 Tipps lassen den Brutdruck sinken

Messung des Blutdrucks: Mit fünf Methoden können Sie eine Hypertonie bei Ihren Patienten verhindern.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

MANNHEIM. Rund drei Viertel aller Hypertonie-Erkrankungen könnten nach Ergebnissen großer epidemiologischer Studien durch einen gesunden Lebensstil vermieden werden. Nicht unterschätzt werden sollte auch das Potenzial nicht-medikamentöser Maßnahmen in der Hypertoniebehandlung, vor allem von Alkoholreduktion, gesunder Ernährung und Gewichtsreduktion.

Professor Thomas Lenz, niedergelassener Nephrologe in Ludwigshafen, gab bei einer Veranstaltung in Mannheim einen Überblick darüber, was laut Studiendaten möglich ist.

Alkoholreduktion

Der Effekt einer Alkoholreduktion auf den Blutdruck hängt entscheidend davon ab, wie viel Alkohol bisher konsumiert wurde. Bei Personen mit einem moderaten Alkoholkonsum unter 25 g täglich (bis ein Viertelliter Wein oder zwei kleine Biere) hat eine Reduktion der Alkoholmenge laut Meta-Analysen keinen Effekt auf den Blutdruck.

Bei Personen mit höherem Konsum ist durch eine Reduktion eine Blutdrucksenkung von im Mittel -5,5/-3,9 mmHg zu erreichen. Laut einer britischen Modellrechnung könnten durch eine Reduktion des Alkoholkonsums auf die Hälfte (bei Personen, die täglich mehr als 25 g Alkohol trinken) jährlich rund 680 kardiovaskuläre Todesfälle vermieden werden.

Entspannungsübungen

Der Nutzen von Entspannungsübungen wie autogenem Training, Meditation, Yoga bei Hypertonikern bleibt nach Ansicht der Autoren einer Meta-Analyse von 17 Studien unbewiesen (J Hypertens 2014; 32: 1936-44).

Am besten seien die Daten für Meditation, die mit einer leichten Blutdrucksenkung in einer Größenordnung von -3/-2 mmHg korrelierte, berichtete Lenz. Langzeitdaten fehlen allerdings.

Ernährungsumstellung

Der Nutzen einer gesunden Ernährung (DASH-Diät, mediterrane Kost) ist nach Ansicht des Nephrologen eng mit einer geringen Kochsalzzufuhr verbunden. Man müsse sich aber so gut wie täglich gesund ernähren, um den Blutdruck günstig zu beeinflussen.

Erst ab einem DASH-Score von 4,5, also hoher Adhärenz zu dieser Ernährungsform, nahm in einer Studie die Zahl der Hypertoniker (diagnostiziert und nicht diagnostiziert) deutlich ab (J Hypertens 2012; 30: 1373-82).

Durch eine deutliche Kochsalzreduktion über mindestens 4 Wochen (-4,4 g täglich) wurde in einem Cochrane-Review von 34 Studien der Blutdruck von Hypertonikern um -5,3 /  -2,8 mmHg verringert (BMJ 2013; 346: bmj.f1325). Multifaktoriell sei durch eine Ernährungsumstellung eine Blutdruckreduktion von bis zu -11/-6 mmHg möglich, so Lenz.

Gewichtsreduktion

Bis zu 40 Prozent des Blutdruckanstiegs sind laut epidemiologischen Untersuchungen durch Übergewicht bedingt. Eine Rolle spielen dabei Zunahme der Salzsensitivität und Stimulation des Sympathikotonus.

Relevant für eine deutliche Blutdruckerhöhung ist vor allem Adipositas (Body-Mass-Index > 30), sagte Lenz. Etwa ein Fünftel aller Übergewichtigen seien normotensiv.

Bei den stark übergewichtigen Menschen sind auch die Effekte einer deutlichen Gewichtsreduktion auf den Blutdruck am stärksten. In einer älteren Studie korrelierte eine Gewichtsreduktion um 20 kg in drei Monaten mit einem Abfall des systolischen Blutdrucks um 15 mmHg (NEJM 1981; 304: 930-33).

Bewegung

Der Nutzen von Ausdauertraining wurde in einer Meta-Analyse von 17 Studien mit 24-Stunden-Blutdruckmessung (ABDM) dokumentiert (J Hypertens 2013; 31: 639-48). Der Blutdruck sank in der Trainingsgruppe tagsüber um -3/-3 mmHg, unverändert blieb allerdings der nächtliche Blutdruck, berichtete Lenz.

In Studienohne ABDM wurde durch körperliches Training eine Reduktion des Blutdrucks von -7/-5 mmHg erreicht.

Alle genannten nicht-medikamentösen Interventionen werden in deutschen und internationalen Leitlinien als Klasse-I-Empfehlungen fürs Management von Hochdruck-Patienten eingestuft, erinnerte der Nephrologe in Mannheim.

Außerdem ist auch Nikotinstopp eine Option zur Optimierung des Blutdrucks. Zwar sind Langzeiteffekte nicht dokumentiert, aber der übliche Blutdruckanstieg beim Rauchen (5-20 mmHg systolisch) bleibt aus.

Insgesamt hat sich der Blutdruck in Deutschland in den letzten 20 Jahren günstig entwickelt, äußerte sich Lenz optimistisch. Vor allem bei Männern mittleren Alters sei die Entwicklung günstig.

Quelle: ÄrzteZeitung online, 07.06.2017

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